Porträt

laut.de-Biographie

Jake One

Die klare Trennlinie zwischen Underground und Kommerz gibt es im Hip Hop-Genre, seit Kurtis Blow mit "The Breaks" vor Dekaden fulminant in die Charts einzog. Ein Entweder-Oder-Mantra beherrscht seitdem die Szene.

Dass man aber ohne große Probleme auch zwischen den Welten wandeln kann, zeigt ein Produzent aus dem Rap-Niemandsland Seattle: Jake One baut Beats für MF Doom und 50 Cent, die in ihrer Musikauslegung weiter nicht auseinander liegen könnten.

Vielleicht liegt es am Standort, von dem der als Jacob Dutton geborene Musiker seine Musik-Formel auslebt: Seine Heimatstadt Seattle führt seit jeher ein Außenseiter-Dasein im US-amerikanischen Hip Hop-Spiel. Neben Sir Mix-A-Lot brüstet sich die Metropole im pazifischen Nordwesten lediglich mit kleinen Rap-Fischen.

Rapper Butterfly von Digable Planets und Produzent Vitamin D zählen dabei noch zu den Bekanntesten. Ohne jede Küstenkonventionen oder sonstige musikalische Vorgaben entwickelt Jake One neben seinem Studium an der University of Washington seine Beat-Formel aus drückenden Drums und Vinyl-verliebtem Soul-Gefühl.

Seine Beat-CDs machen die Runde in den Plattenläden der Stadt und gelangen schließlich in die Hände von Mr. Supreme, der gerade sein eigenes Label Conception Records aus der Taufe hebt. Dort herrscht in Sachen Hausproduzenten Not am Mann. Jake One bekommt den Job und baut kontinuierlich sein Portfolio mit Produktionen für Eclipse, Strange Fruit Project und Planet Asia aus.

Die Einflüsse liegen hörbar zwischen den klassischen Genre-Vätern DJ Premier, Pete Rock und Marley Marl. Die Drums sitzen energiegeladen auf der Zwei und der Vier, die Samples knacken ungefiltert von der Platte. Jake One hat sich die Neunziger-Blaupausen auf die Fahnen geschrieben.

Zumindest teilweise. Denn unter dem Mantel des eingefleischten Hardcore-Boombappers steckt ein Mann mit Gespür für Hits. Die Seattle-Szene staunt nicht schlecht, als die Credits des G-Unit-Albums "Beg For Mercy" den Namen Jake One listen. Über Umwege hat sich eine Beat-CD in 50 Cents Studio geschlichen, der den drückenden Synthie-Bass-Beat kurzerhand für den Song "Betta Ask Somebody" verwendet. Der Fuß ist in der Tür und Jake One bald Hausproduzent bei G-Unit.

Nebenbei zimmert er aus der Einöde des pazifischen Nordwesten Beats für De La Soul, Chace Infinite, Dilated Peoples, Encore und die ganze Rhymesayers-Bagage. Landauf, landab wundert man sich bereits, wie es dieser junge Mann den Spagat zwischen Interscope-Geldkühen und Rap-Realkeepern schafft. Jake One selbst interessiert das wenig. Er arbeitet lieber weiter und findet sich bald im offiziellen Dr. Dre-Produktionsteam wieder.

2008 setzt er schließlich seinem Dasein in der Zwischenwelt von Kommerz und Untergrund die Krone auf. Sein Soloalbum "White Van Music" vereint Little Brother, Young Buck, MF Doom, Freeway, M.O.P., Elzhi, Royce Da 5'9", Slug und Keak Da Sneak auf einer Platte. Die Keep It Real-Fraktion freut sich einen Ast, die Charts-Interessierten horchen auf. Schnell haben alle Jake One auf der Liste.

Insbesondere die Zusammenarbeit mit Freeway scheint kreative Früchte zu tragen. Kurzerhand entscheidet man sich dazu, die Kräfte zu bündeln und veröffentlicht das Kollaborationsalbum "The Stimulus Package" mit Gastauftritten von Baby, Beanie Sigel, Raekwon und Bun B über das Indie-Label Rhymesayers. Ein weiterer Beweis dafür, dass die klaren Trennlinien zwischen den Hip Hop-Welten immer weiter erodieren.

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