Porträt

laut.de-Biographie

Felt

Auch, wenn das den Ergebnissen nicht sofort anzuhören ist: Bei Felt geht es überhaupt nicht um die Liebe zum Hip Hop. Die beiden Protagonisten Slug und Murs bezeichnen ihr Kollabo-Projekt jedenfalls einzig und allein als Mittel zum Zweck.

Das erklärte Ziel: Hollywood-B-Movie-Sternchen flachlegen. Sollte der angenehme Nebeneffekt eintreten, dass der stagnierenden Karriere der betreffenden Dame zudem wieder Leben eingehaucht wird: um so besser. Man hätte ja schon gerne eine erfolgreiche Schauspielerin im Bett.

Wie zum Teufel kommt man auf eine derartige Schnapsidee? Zurück im Jahr 2001 rollt ein vollbesetzter Van von Eugene, Oregon, nach San Francisco. Gespräche im Tourbus gestalten sich selten tiefschürfend. Es verwundert demnach nicht weiter, dass die Rede auf Kino und Frauen kommt. In diesem Zusammenhang drängt sich die überaus interessante Frage auf: Wer der Anwesenden hätte wohl die größten Chancen auf Sex mit Christina Ricci?

Das großäugige Püppchen, das bereits im zarten Alter von neun Jahren an der Seite Chers in "Mermaids" debütierte, feierte ihre Erfolge mit der "Addams Family" und in "Sleepy Hollow" (später auch in "Monster" von 2003).

Die Wahl des Zielobjekts stößt allerdings nicht auf ungeteilte Begeisterung: "zu knochig", "viel zu großer Kopf" oder schlicht "interessiert mich nicht", lauten die Einlassungen der anderen Passagiere Mr. Dibbs, Brother Ali und Blueprint.

Nicht so Slug und Murs: Slug, der unter dem Namen Sean Delay 1976 das Licht der Welt erblickt, entfaltet seine Aktivitäten in den Reihen der in Minneapolis, Minnesota, residierenden Rhymesayers-Truppe. Er betreibt das zugehörige Label Rhymesayers Entertainment und engagiert sich darüber hinaus in unzähligen Solo- und Kollaborations-Projekten.

Sein Haupt-Augenmerk liegt allerdings auf seiner Crew Atmosphere, bei der er als DJ einsteigt, aber bald zum Frontmann mutiert. Auf das Debüt "Overcast" von 1997 folgt "Lucy Ford: The Atmosphere EPs". Im Rahmen dieses Albums thematisiert Slug seine überaus wechselhafte Beziehung zu seiner Freundin; ob sich diese über sein Mitteilungsbedürfnis erfreut zeigt, ist nicht dokumentiert.

Rick Carter aka Murs, geboren am 16. März 1978, stammt aus Los Angeles, steht bei Definitive Jux unter Vertrag und zählt zu den acht MCs der Living Legends. Er arbeitet mit allen und jedem, der in der Szene einen Namen hat, darunter RJD2, Company Flow, Mike Ladd, Aesop Rock, El-P, die Hieroglyphics und Lootpack.

Sein Solo-Album "3:16 The 9th Edition" von 2004 entsteht im Team mit Produzent 9th Wonder. Weitere Resultate dieser Kollabo sollen folgen.

Zurück auf die Straße. Slug und Murs debattieren sich also während der Fahrt die Köpfe heiß, streiten sogar bei der nächsten Rast weiter. Sehr passend: Auf dem Tankstellenklo keimt die Idee, aus der Felt erwachsen soll.

Der Plan sieht ein gemeinsames, Christina Ricci gewidmetes Album vor, dann werde man erstens sehen, ob nicht doch einer der MCs zum Zuge kommt (und vor allem welcher von beiden), zweitens lassen sich - sozusagen als soziologisches Experiment - eventuelle Auswirkungen von Rap-Platten auf die Auftragslagen von Schauspielerinnen beobachten.

Die beiden Herren treffen sich 2002 in Los Angeles, um (mit Produzent The Grouch von den Living Legends im Gepäck) ihr Vorhaben zu realisieren. Innerhalb von einer Woche und einem Tag nehmen sie "A Tribute To Christina Ricci" auf. Die folgenden zwei Jahre bringen weltweite Auftritte, Fernsehshows, Interviews, Festivals und Videoproduktionen - nicht aber das ersehnte Treffen mit Christina Ricci.

Also aufgeben? Kommt nicht in die Tüte, andere Mütter haben auch schöne Töchter. 2004 starten Felt den zweiten Versuch. Neue Zielperson: die aus der Cosby-Show und als Lenny Kravitz' Ex-Ehefrau bekannte Lisa Bonet. Die Aufnahmen entstehen diesmal in Minneapolis, Atmospheres Produzent Anthony "Ant" Davis an den Reglern bringt eine ordentliche Portion Funk ins Spiel.

"Das erste Album, das wir in L.A. gemacht haben, klang wesentlich stärker nach Minneapolis. Dieses haben wir hier eingespielt. Es hört sich dafür nach L.A. an", kommentiert Slug den Sound. "Felt 2: A Tribute To Lisa Bonet" erscheint 2005. Jim Mahfood gestaltet ein auf dem Album basierendes gleichnamiges Comic-Buch.

Dritte im Bunde der zu Verführenden wird 2009 Rosie Perez. Auch hier hält sich Murs' und Slugs Schlag bei der Angebeteten in überschaubaren Grenzen, obwohl diesmal Aesop Rock die Regler schiebt.

Der vierte Felt-Tribute richtet sich erstmals nicht an eine Schauspielerin, sondern eine Prostituierte und Leiterin eines Callgirl-Rings. Im Falle Heidi Fleiss dürften sich Murs und Slug trotzdem einen weiteren Korb für ihre Sammlung einhandeln.

Der Felt'schen Fangemeinde ist das herzlich egal: Sie goutieren auch vergebliche Annäherungsversuche, solange sich die Minne in vergnüglichen Rap-Alben manifestiert.

Alben

Videos

Video Video wird geladen ...

Noch keine Kommentare