Porträt

laut.de-Biographie

Living Legends

Üblicherweise setzt Legendenbildung um Personen posthum ein. So lange möchte sich eine Schar von Hip Hop-Schaffenden mit Sitz in Los Angeles verständlicherweise nicht gedulden. Luckyiam und Sunsport Jonz, The Grouch, Murs, Scarub und Eligh, sowie Bicasso, Arata und Aesop The Black Wolf verkörpern (Stand: Dezember 2005) höchst lebendige Legenden, die dem Begriff "independent" eine neue Dimension verleihen.

Genaugenommen beginnt die Geschichte der Living Legends bereits Jahre vor ihrer Gründung. BFAP, der später den Alias Sunsport Jonz wählen wird, und Luckyiam, zum gegebenen Zeitpunkt noch unter dem Kürzel PSC unterwegs, formieren sich 1992 zu dem Mystik Journeymen. Es dauert kaum zwei Jahre, bis das Duo lokalen Kult-Status erlangt. Die beiden verkaufen Unmengen von Tapes, die meisten davon bringen sie aus dem eigenen Kofferraum unmittelbar an den Fan. Die Underground-Partys, die im heimatlichen Loft der Journeymen in East Oakland abgefeiert werden, sind legendär.

Bei einer dieser Gelegenheiten trifft 1995 The Grouch auf das umtriebige Doppelpack. Die Wellenlänge stimmt, die Herren arbeiten fortan zu dritt und begeben sich zum Einstand zunächst einmal auf eine kleine Europa-Tournee. Etwa zur gleichen Zeit löst sich in Los Angeles die seit 1993 aktive Log Cabin Crew auf. Die Melancholy Gypsys - Murs, Eligh und Scarub - bis dato in den Reihen der Log Cabins aktiv, verschlägt es in die Bay Area. Nachdem sie sich in Oakland wieder über den Weg laufen, reaktivieren sie ihr Trio und geraten an The Grouch und die Journeymen.

Schicksal? Glücklicher Zufall? Ganz egal. 1996 - mittlerweile sind noch Aesop, Elusive und Bizarro mit an Bord - rufen sich die Herren zu dem aus, das sie ohnehin schon sind: Lebende Legenden. Oakland weiß bereits Bescheid, dem Rest der Welt müssen umgehend die Augen geöffnet werden. Die Living Legends verlieren keine Zeit. 1997 erscheinen sie auf der "Beats & Lyrics"-Compilation, im Jahr darauf sind sie auf dem Sampler "Rules Of The Game" vertreten - beides trägt zu ihrer Bekanntheit in den Vereinigten Staaten erheblich bei.

Inzwischen verfügen die Living Legends allerdings weltweit über eine Fan-Gemeinde. Rechtzeitig haben sie die Möglichkeiten des stetig an Bedeutung gewinnenden Internets erkannt: Über ihre Webpräsenz www.llcrew.com erreichen sie ein Publikum, wie es breiter gestreut kaum sein könnte. Der bewusst gepflegte Draht zu den Fans sorgt, wohin sie auch kommen, für eine loyale Anhängerschaft. Die unbestrittenen Produzenten- und MC-Talente der Living Legends tragen ihnen auch unter Kollegen erhebliches Ansehen ein.

Acht Welt-Tourneen in gerade mal zwei Jahren sprechen für sich. Die Living Legends besuchen Europa, Australien und Kanada und bereisen die USA von der East bis zur West Coast. In Japan verleiben sie sich Osakas Arata und DJ Quietstorm ein, in Belgien kommt Krewcial an Bord. 1999 verlegen die Living Legends ihre Homebase nach Los Angeles (für die ehemaligen Log Cabin-Mitglieder eine Heimkehr). Der Umzug zeigt allerdings keinerlei Wirkung auf den Einfluss der Legenden in ihrer alten Heimat Oakland. Mit Basik stößt ein weiterer Kopf zur Crew.

Das erste Album ("Almost Famous") erscheint 2001, "Crappy Old Shit" (2003), "Creative Differences" (2004) sowie "Classic" (Frühjahr 2005) folgen. Für die Aufnahmen zu letzterem begibt sich die ganze Bande nach Maui auf Hawaii. Solo- und Seitenprojekte der einzelnen Mitglieder (The Grouch und Luckyiam bilden beispielsweise gemeinsam CMA) erklären den - gemessen an der immensen Aktivität der Legends - überraschend geringen Output. Die überschaubare Diskographie täuscht: Alles in allem umfasst der Katalog der Crew über 50 Longplayer sowie zahlreiche Singles.

Die Living Legends betreiben die Label Outhouse Records und Revenge Entertainment. Der Vertrieb erfolgt weitgehend in Eigenregie. In der Tradition von Künstlern wie Too Short, der sich seinen Namen in der kalifornischen Heimat ebenfalls zunächst über den Straßenverkauf von Tapes erwarb, tragen die Living Legends diese Selbstvermarkter-Mentalität auf ihren Touren um die Welt. Die Wahrung der Unabhängigkeit von etablierten Plattenfirmen ist erklärtes Ziel. Mit dieser Haltung haben die Legends Vorbildcharakter für eine weitere schwergewichtige Bay Area-Crew inne. Sie beweisen unter anderen den Hieroglyphics: Es geht auch ohne Major-Label.

Damit ja keine Langeweile aufkommt, bedarf es noch eines eigenen Magazins ("Unsigned And Hella Broke") sowie des jährlich abgehaltenen "Broke Ass Summer Jams". Ohne einen straff durchstrukturierten Businessplan wäre das Arbeitspensum unmöglich zu schaffen, auch so ist die Leistung beeindruckend genug. Allerdings haben wir es auch nicht mit Normalsterblichen zu tun. Sondern mit Legends, Baby!

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