Porträt

laut.de-Biographie

Aesop Rock

MUST NOT SLEEP - MUST WARN OTHERS. In dicken Lettern prangt diese Maxime aus seinem Track "Commencement At The Obedience Academy" auf Aesop Rocks Unterarmen und stellt von Anfang an klar: Dieser Rapper unterscheidet sich von anderen Künstlern, die weltweit in den Charts ihr Unwesen treiben.

Aesop Rock: Erstes Video aus "The Impossible Kid"
Aesop Rock Erstes Video aus "The Impossible Kid"
Der Rapper mit dem größten Wortschatz lässt sich in den Kopf kucken: Die Single "Rings" macht Lust auf sein neues Album.
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Als eins der Zugpferde im Stall der Labelvision Definitive Jux von Multitalent El-P sorgt Aesop Rock für kleine, aber feine Verkäufe. Neben seiner Stimme, die die Hörer geheimnisvoll, aussagekräftig und dreckig in ihren Bann zieht, bescheren vor allem seine Texte Aesop Rock eine beachtliche Fangemeinde: teils mythische, meist direkte Hirngespinste, die sich selten beim ersten Durchgang erschließen.

Mit der Tatsache konfrontiert, er erwecke den Eindruck angelesener Intelligenz, entgegnet er zur Verblüffung so manchen Hip Hop-Heads: "Ich habe in den letzten Jahren vielleicht zehn Bücher gelesen." Seine Lyrics schreibe sein Leben, das zu großem Teil aus Fernsehen, Comics und Videospielen bestehe. Das Interesse an seiner Person sei ihm sowieso meist unerklärlich. "Ich frage mich manchmal, warum Leute mein Album kaufen, auf dem ich mich eine Stunde lang nur beschwere."

Ian Matthias Bavitz erblickt das Licht der Welt 1976 in Long Island, New York. Die ersten musikalischen Schritte macht er, der sich den Bühnennamen Aesop Rock zulegen wird, im Rap-Untergrund vor Ort. Seine beiden Veröffentlichungen, "Music For Earthworms" (1997) und die EP "Appleseed" (1999) produziert er komplett im Alleingang und auf eigene Rechnung. Zehn Jahre später lecken sich Fans die Finger nach diesen inzwischen überaus raren Perlen.

Noch während er eine Schule für angewandte Kunst besucht, richtet sich Aesop Rock ein eigenes kleines Heimstudio ein. Zunächst nämlich teilt er seine Freizeit in etwa fair zwischen der Musik und der Kunst auf. Nach dem Release seines Albums "Float", das 2000 unter dem Dach von Mush Records erscheint, verschiebt sich die Balance jedoch dramatisch.

Auf "Float" zeichnet er abstrakte Bilder seiner Heimatstadt New York und deren Bewohnern. Features stammen unter anderem von Vast Aire und Slug. Auf vertrackten Beats von Blockhead oder ihm selbst rappt er dabei in solch sauberen Flow, dass er sich zum Liebling der von Experimenten begeisterten Kritiker aufschwingt und die Aufmerksamkeit von El-P auf sich zieht. Dieser nimmt ihn 2001 für Definitive Jux unter Vertrag.

Die neue Heimat sorgt für einen Kreativitätsschub. Für die Vision seines Bosses El-P, ein kreativ andersartiges Independentlabel führen zu wollen, schlägt Aesop einige Angebote von deutlich größeren Plattenfirmen aus.

Noch im Jahr 2001 erscheint das nächste Album "Labor Days". Die Singleauskopplung "Daylight" entpuppt sich als größter Erfolg. 2002 wird die Nummer im Rahmen einer sieben Tracks starken EP, die unter anderem eine Alternativ-Version ("Night Light") des Titelsongs enthält, nochmals aufgelegt.

Die Veröffentlichung von "Bazooka Tooth" mit Features der Labelkollegen Mr. Lif und El-P sowie Camp Lo bildet 2003 den bis dato größten kommerziellen Erfolg Aesop Rocks. In Folge dessen kündigt Aesop Rock seinen Job in einer Kunstgalerie und versucht, sich fortan als Vollzeitmusiker über Wasser zu halten. In Zeiten von Internettauschbörsen: ein kniffliges Unterfangen.

Aesop kann jedoch auf seine Fans zählen, denen er Anfang 2005 schließlich ein ganz besonderes Geschenk macht: Den ersten 80.000 Exemplaren seiner neuen EP "Fast Cars, Danger, Fire And Knives" liegt ein 88 Seiten starkes Buch bei. Das mit "The Living Human Curiosity Sideshow" betitelte Werk beinhaltet alle Texte der Veröffentlichungen "Float", "Labor Days", "Daylight", "Bazooka Tooth" und "Fast Cars, Danger, Fire And Knives" in einer künstlerisch überaus anspruchsvollen Verpackung. Aesop Rock und sein Label Def Jux beweisen damit, dass sie in der Hip Hop-Landschaft eine erfreuliche Außenseiterrolle einnehmen.

Was noch lange keinen Grund bietet, sich auf die faule Haut zu legen: Im April 2006 kündigt Aesop das nächste Studio-Album an, "None Shall Pass" soll im August 2007 erscheinen. Bereits die Gästeliste, die unter anderem Cage, Rob Sonic und natürlich wieder El-P auffährt, lässt Def Jux-Freunde erwartungsvoll die Finger lecken. Mit Recht, wie der als Vorab-Single ausgekoppelte Titeltrack auch der letzten tauben Nuss einhämmert.

Als es bei El-Ps Definitive Jux 2010 zur großen Umstrukturierung kommt und El-P selbst als verantwortlicher Chef zurücktritt, kehrt Aesop dem Label den Rücken und veröffentlicht dort vorerst keine Platten mehr. Stattdessen erscheint 2011 "Are You Gonna Eat That", das Debüt-Album von Aesops Gruppe Hail Mary Mallon via Rhymesayers.

Das in Minneapolis ansässige Indie-Flagschiff nimmt Aesop auch danach unter seine Fittiche und bringt nur ein Jahr später "Skelethon", das erste Solo-Album des Rappers nach fünf Jahren, auf den Markt. Auch dieses Album erntet durchweg positive Kritiken. Bis zum nächsten Streich ziehen dann auch nur vergleichsweise kurze drei Jahre ins Land.

"The Impossible Kid" erscheint im Frühjahr 2016 und spricht - nicht nur für Aesop Rocks Verhältnisse - ungewohnt unverschlüsselten Klartext. Der Rapper thematisiert offen seine Gemütslage, Sorgen und Ängste, seine körperliche Verfassung, den Entstehungsprozess des Albums und seine Sicht auf eine Szene, in der er seit Jahren (und sehr freiwillig!) als persona non grata gilt.

Dreckig, faszinierend, manchmal sinnbefreit, stets genial präsentiert sich Aesop immer wieder und unterstreicht seine Fähigkeit, mit komplexen Reimstrukturen, einem imposanten Vokabular und ausgezeichnetem Sprachgefühl eine Sogkraft zu entwickeln, die auch, aber nicht nur, bei völlig zusammenhangslosen Texten funktioniert.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2014 gilt Aesop Rock als der Rapper mit dem größten Wortschatz. Klar, eine Anleitung zur Mumifizierung einer Katze schreibt man eben nicht mit herkömmlichem 08/15-Vokabular.

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Alben

Aesop Rock - None Shall Pass: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2007 None Shall Pass

Kritik von Dani Fromm

Für Anhänger schräger bis düsterer Klänge und ausgefuchster Reime. (0 Kommentare)

Videos

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3 Kommentare mit 3 Antworten