Porträt

laut.de-Biographie

Fetsum

Steckt in diesem Mann nach Xavier Naidoo und Max Herre tatsächlich der nächste Anwärter auf den Titel "Deutschlands Soul-Brother No. 1"? Über die nötige Stimmgewalt verfügt Fetsum Sebhat allemal.

Seine im Sommer 2005 erscheinende Debüt-EP "Meine Musik" markiert zwar den Beginn seiner Solokarriere, Fetsum kommt jedoch keineswegs aus dem musikalischen Nichts. Der Blick auf seinen Lebensweg erklärt sofort, warum er sich als Kosmopolit sieht: Geboren in Kairo, verschlägt es ihn mit seiner aus Eritrea geflohenen Mutter zunächst nach Rom, wo er mit ihr und ihrem italienischen Lebensgefährten seine frühe Kindheit zubringt.

Bereits Anfang der 80er Jahre führt die Reise allerdings weiter, nach Stuttgart. Die Stationen hinterlassen Spuren: Fetsums Texte sind mal deutsch, mal englisch, gelegentlich auch italienisch (wie in "Sei Tu", der italienischen Version des Max-Herre-Hits "Nur Du", die weitgehend auf Fetsums Konto geht).

Sich in verschiedenen Sprachen ausdrücken zu können, empfindet Fetsum als "Ausdruck von Freiheit". Bei seiner erklärten Absicht, Botschaften übermitteln zu wollen, kann Vielsprachigkeit nur helfen.

Musik ist in Fetsums Familie stets präsent. Durch seine frühesten Erinnerungen grooven Stevie Wonder, Marvin Gaye und Eric Clapton; die Beatles, Prince und Michael Jackson machen großen Eindruck auf den kleinen Fetsum.

Eine Musikerkarriere kommt ihm zwar noch nicht in den Sinn, lieber möchte er ganz bescheiden "Sportler, Arzt oder Präsident" werden. Dennoch erwischt auch ihn irgendwann Mitte der 90er der Hip Hop. Fetsum gründet 1998 die Band Zuckerberg. Seine Bushaltestelle gibt der Combo den Namen, er selbst, rappend am Mikrofon, verleiht ihr die Stimme.

Für Fetsums Wechsel vom Rap zum Gesang können die Brüder Emanoil und Matei Constantin verantwortlich gemacht werden. Die beiden Herren rumänischer Abstammung liefern Backing Vocals für das Unplugged-Album der Fantastischen Vier; später ziehen sie ihre Namen zu Manumatei zusammen und begeistern den Stuttgarter Raum mit deutschsprachigem Soul und Jazz.

Fetsum arbeitet an einem Song für Manumatei, singt ihnen Passagen daraus vor. Überrascht von seinen Stimmqualitäten engagieren die Brüder Fetsum kurzerhand als Background-Sänger. Damit ist der Startschuss gefallen.

2002 begibt sich Fetsum mit Manumatei auf Tour; die Truppe ist als Support-Act für Joy Denalane unterwegs. Fetsum knüpft zahlreiche Kontakte. Er arbeitet unter anderen mit DJ Thomilla, den er in der Stuttgarter Bar Hi kennenlernt, und mit Freundeskreis-Plattendreher DJ Friction.

Sein Beitrag "Nasty U" auf Frictions Album "Soul Sonic" ringt selbst De La Souls Prince Paul ein Lob ab. Die Massiven Töne bitten den (wie sie ihn nennen) "Rapper mit der genialen Stimme" um den Gesang zu "Stress" (auf dem Album "MT3"). Gemeinsam mit den Tönen tritt Fetsum bei der Silvesterfeier 2002 vor 80.000 Leuten am Brandenburger Tor auf.

Fetsum absolviert Auftritte auf Ibiza, in Italien und in ganz Deutschland. Über die Massiven Töne lernt er Roey Marquis und Spax kennen.

Daneben ergibt sich eine ergiebige Zusammenarbeit mit Franky Kubrick, für dessen 2004 erscheinendes Album "Rücken Zur Wand" Fetsum den Titelsong und zwei weitere Nummern einsingt. Die Parodie von Snoop Doggs "Beautiful" ("Du blutest voll"), ebenfalls gemeinsam mit Franky Kubrick entstanden, war schon im Jahr zuvor ein Download-Hit.

Fetsum tritt auch immer wieder im Stuttgarter 0711-Club auf. Dazu kommen noch zwei komplette Touren als Background-Stimme von Max Herre, was ihm erlaubt, seinen Song "Keine Kohle, Baby" auf zahlreichen Festivals (Rock am Ring, Rock im Park, MTV Hip Hop Open) einem Riesenpublikum zu präsentieren.

Klar, dass die eingeschlagene akademische Laufbahn dabei auf der Strecke bleibt: Fetsum schmeißt 2003 sein in Stuttgart begonnenes Studium der Politikwissenschaften, um sich ganz der Musik zu widmen.

2004 begibt er sich in die Obhut des Hamburger Labels Yo Mama. Im Sommer 2005 erscheint seine Debüt-EP. Für die Produktion zeichnet weitgehend Tommy Wittinger, ehemaliger Schlagzeuger im Freundeskreis und Produzent für Max Herre und Joy Denalane, verantwortlich.

Daneben haben Max Herre selbst sowie die Berliner Oja Tunes ihre Finger im Spiel. Fetsum nennt das Ergebnis "Urban Folk", und ist seinem erklärten Ziel, erst mit der Musik und dann von ihr zu leben, einen großen Schritt nähergekommen.

Das war allerdings erst der erste: Im September 2008 engagiert Patrice seinen jungen Kollegen als Support-Act für seine "Free-Patri-Ation"-Tour. Wieder hinterlässt er landauf, landab, in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Luxemburg, begeisterte Fans.

Darüber hinaus wärmt er das Publikum für die Grammy-dekorierte Estelle auf und teilt sich die Bühnen mit Thomas D, Peter Fox, Reamonn, K'Naan Cassandra Steen und anderen.

Anfang 2009 nimmt er sein geschäftliches Schicksal selbst in die Hand und gründet mit High Energy Music sein eigenes Label. Sein sich über mehrere Monate hinziehendes neues Projekt trägt den Titel "Colors Of Hope".

Die Hoffnung nämlich stirbt nicht nur zuletzt, sie bleibt auch Fetsums stetiger Antrieb, spricht aus seiner Musik und seinen Texten. "Deutschlands Soul-Brother No. 1", also? Die Konkurrenz, die Fetsum das Wasser reichen könnte, ist jedenfalls sehr dünn gesät.

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