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"Sänger sucht Band für Platte und Tour" - auf diese Weise macht sich der Ire Reamonn Garvey (kurz Rea) Ende 1998 im Bodensee-Raum auf die Suche nach Mitmusikern. Daraufhin melden sich Gomezz, Sebi, Phil und Uwe und fertig ist die Band. Spätestens beim letzten Namen dürfte es einem aufgefallen sein, Reamonn kommen bis auf Rea aus Deutschland.
Bereits im Sommer '99 hat man einen Plattenvertrag in der Tasche, Virgin bekommt den Zuschlag und die Band macht sich an die Produktion der ersten Platte. Im März 2000 erscheint die erste Single "Supergirl", die sowohl auf MTVIVA läuft, als auch die SWR3-Charts entert, womit die Weichen für den zukünftigen Erfolg gestellt sind. Kurz darauf folgt das Debut "Tuesday". Außerdem touren Reamonn im Vorprogramm von HIM und den Guano Apes, wodurch sie sich mit ihrem melodischen Rock, der nicht selten an Live erinnert, eine große Fanbasis erspielen.
Doch Reamonn ruhen sich nicht auf ihrem wachsenden Bekanntheitsgrad aus, sondern geben weiter Gas und engagieren sich verstärkt auch in gesellschaftlichen und politischen Belangen. So unterstützen sie diverse Aktionen gegen rechte Gewalt und scheuen sich auch nicht, heiße Eisen anzupacken: Mit der im Juni 2001 erscheinenden Single "Jeanny" sprechen Reamonn das Tabuthema "sexueller Missbrauch" an und wollen zu mehr Zivilcourage aufrufen. Die Rockband hat aus diesem Anlass zusammen mit der UNESCO die Stiftung "Saving An Angel" gegründet, mit der verschiedene Kinderschutz-Projekte unterstützt werden sollen. Der Song des verstorbenen österreichischen Popstars Falco wurde in den Achtzigern wegen angeblich "gewaltverherrlichender Tendenzen" und Anspielung auf das Thema "Missbrauch" von vielen Radiostationen auf den Index gesetzt.
Gut ein Jahr nach dem Debut folgt bereits das zweite Album "Dream No.7". Wochenlang haben die Fünf in Umbrien, Italien an den neuen Songs getüftelt und sich von Landschaft und Atmosphäre inspirieren lassen. Produziert wurde auch dieses Album wieder von Steve Lyon, der schon mit Depeche Mode, The Cure, Paradise Lost und Paul McCartney zusammen arbeitete. Der Longplayer warte mit einer ungewöhnlichen Mixtur der unterschiedlichsten Sounds auf, heißt es. "Im Haus No. 7 fing alles an", erinnert sich Rea an die Zeit vor rund zwei Jahren, als die Fünf sich zusammen schlossen. "Das Haus Nr. 7 steht im Ort Munzingen, einem kleinen verschlafenen Ort im Breisgau. Dort hatten wir unser erstes Studio und tüftelten jede nacht an neuem Material. Es war unser großer Traum, irgendwann mal von unserer Musik leben zu können."
Nach Beendigung der Arbeiten am dritten Studioalbum "Beautiful Sky" in Spanien entsteht im Frühjahr 2003 die Idee, die neuen Songs auf einer Tour durch deutsche Irish Pubs vorzustellen. "Die Liebe für Musik in diesen irischen Pubs ist außergewöhnlich, das ist eine besondere Atmosphäre, die zur irischen Kultur gehört wie das Wasser ins Meer und die Luft in den Himmel", so Sänger Rea. Auf richtige Tournee gehen Reamonn im Juni/Juli im Vorprogramm von Xavier Naidoo und spielen auch einige Festivals.
2004 erscheint Reamonns erste Live-DVD "Raise Your Hands". Das Jahr 2006 steht zunächst unter dem Zeichen eines Labelwechsels. Von nun an ist die Band bei Universal Music unter Vertrag. Kontinuität wird aber bei der Musik gewahrt: Das im April 2006 erscheinende Album "Wish" betont weiterhin die Stärken Reamonns im Bereich von melodiösen Pop-Songs.
2010 kündet die Band um Rea Garvey eine Zäsur an. Nach "Eleven", der ersten Best Of von Reamonn, soll eine Pause folgen. Diese "soll genutzt werden, um inne zu halten, sich neu zu sortieren, durchzuatmen. Wie lange? Mal schauen ...", heißt es dazu im Pressetext zur CD.
Sänger Rea über Begegnungen mit Nelly Furtado, Timbaland und Barack Obama.
Reamonn laufen gerade mit ihrem fünften Album "Reamonn" auf, ohne Anzeichen von Müdigkeit zu zeigen.
Wir treffen Sänger Rea im Berliner Universal-Gebäude. Er ist ein Entertainer durch und durch, der gerne und viel erzählt, u.a. spricht er von der schwierigsten Platte bisher, für die noch mal alle Register gezogen wurden. Aus dem Stehgreif packt er kleine passende Geschichten aus und holt in seinem unverwechselbaren Denglisch weit aus.
Wie laufen die Vorbereitungen für euer kommendes Album?
Die Vorbereitungen sind schon gelaufen. Alles ist im Kasten. Nach zwei Jahren Vorarbeit wurde es auch endlich Zeit. Also das war eine harte Platte. Wir haben uns sehr hohe Ziele gesetzt, und die Aussage des Executive Produzenten war halt: "Nur Singles!" Da lacht man zuerst, und dann merkst du, dass sie das ernst meinen. Und dann versuchst du, das zu erreichen, nimmst eine komplette Platte auf und hast zwei Lieder, die dahin gehen, wohin du willst, merkst aber, dass die restlichen zwölf nicht dazu passen. Dann musst du die noch mal neu machen. So in der Art haben wir die Platte gemacht. Das war so Pyramiden-artig aufgebaut, immer Stück für Stück.
Warum waren die Erwartungen denn so hoch?
Ich glaube, du darfst nicht auf dem Arsch sitzen und denken, du hast es geschafft. Niemals denken, dass du aus dem Nichts das Beste machen kannst. Das muss immer dein Ziel sein, auf jeden Fall. Jeder in der Band wollte das auch unbedingt schaffen. Beim Songwriting war nie Ruhe. Nie "ja die ist gut, und jetzt die nächste", sondern "aber ist die gut?" Und dann ins Studio mit Produzenten, die alle Weltklasse sind. Da hat man gemerkt, dass die auch wahnsinnig hohe Ansprüche haben.
Irgendwann stehst du dann da und merkst, dass du nicht einfach zurückziehen kannst. Bei manchem Platten hat man gemerkt, wer führt, und den dann führen lassen. Diesmal hat man gemerkt, dass wir führen. Dass die Verantwortung bei uns liegt. Und damit waren wir aggressiv. Wir haben gekämpft, auch miteinander. Innerlich wollten wir einfach die Wahnsinns-Platte machen. Und da bin ich sehr stolz darauf, dass es so ist.
Das ist die erste Platte, bei der ich nicht das Gefühl habe, dass ich sie verkaufen muss. Ich meine, das will man sowieso nicht, seine eigene Ware verkaufen, weil man meint, das ist irgendwie billig. Aber diese Platte spricht für sich selbst. Ich glaube, wenn man auf Play drückt, dann spricht sie für sich. Da bin ich sehr gespannt, alleine durch die erste Single "Trough The Eyes Of A Child" merkt man, dass die Leute die Musik umarmen.
Jeder kann sagen was er will, dass er denkt, Erfolg ist nicht wichtig oder was auch immer. Mir ist er wahnsinnig wichtig! Weil Erfolg heißt, dass die Leute die Musik lieben. Und das will ich. Ich bin nicht jemand, der im Schlafzimmer alleine Musik schreibt, und sagt, er will nicht eine Platte für die Welt aufnehmen. Dann lieber nicht! Ich bin jemand, der gerne Musik in die Welt rausbringt. Wir lieben es live zu spielen.
Ihr seid ja inzwischen schon eine Weile dabei, das ist euer fünftes Album. Ist es da nicht schwer, sich immer wieder neu zu motivieren?
Ja! Es ist nicht so, dass man aufsteht und sagt, ich hab total Bock. Du musst dich verbessern! Du musst dir selber in die Quere kommen und nichts als Gegeben hinnehmen. Da gibt es einen Martial Art, von dem mir ein Freund erzählt hat. Ich weiß den Namen nicht mehr. Aber in der ersten Trainingsstunde werden die Schüler an die Wand gestellt und gehen in die Hocke. Und dann werden Nägel vor sie gestellt, ungefähr in 1 Meter Entfernung, sie müssen da drüber springen. Alle schaffen es natürlich, manche knapp, aber 1,10 Meter sind alle irgendwie gesprungen. Alle sind froh, aber dann werden ihnen die Augen verbunden und die Nägel noch einen halben Meter weiter gezogen. Manche Schüler machen schon Witze, schreien auf, als hätten sie es nicht geschafft. Aber dann springen sie alle. Und alle schaffen es.
Nur weil du denkst, du kommst nicht so weit. Aber wenn du dich wirklich unter Druck setzt, dann schaffst du es auch. Dafür gibt es Produzenten, Platten und auch das Publikum. Die wollen halt dein Bestes haben, und das Nächste muss noch besser sein.
Nelly ist mit uns befreundet. Aber das Lied mit ihr haben wir nicht fertig geschrieben, das ist nicht auf der Platte drauf. Vielleicht bringen wir noch eine DVD oder so etwas raus. Wir haben uns kennengelernt, weil sie "All Good Things" als Duett machen wollten. Chris Martin (Sänger von Coldplay, Anm.d. Red.) hat es geschrieben, der konnte es nicht machen, weil er mit seiner eigenen Platte beschäftigt war, und da wurde ich gefragt. Wir haben uns getroffen, ich habe es eingesungen, und ihr hat es dann gefallen.
Es ist alles sehr beeinflusst, was sie macht, da entscheidet nicht nur sie, sondern ihr ganzer Stab! Das ist echt ihr Reich, eine Wahnsinns-Musikerin. Wir waren in so einer Halle im Studio, und du sitzt halt da und du schaust nur zu. Du vergisst, dass du mitschreiben solltest, das ist so gut. Echt eine geniale Frau. Und ich hab sie einfach frech gefragt, ob wir eine gemeinsame Europa-Tour machen wollen. Da hat sie ok gesagt, lass uns das machen. Wir haben eine super Tour miteinander gemacht und dann haben wir uns ins Canada wieder getroffen.
Es ist eigentlich keine Überraschung, dass sich Musiker gut verstehen. Durch Nelly habe ich auch Timbaland kennengelernt. Das ist auch jemand, den man nicht so schnell zu sprechen kriegt. Der steht halt eher im Hintergrund, und ich labere alle tot. Der ist echt ein cooler Typ, ich hab erwartet, dass es drei Minuten dauert, aber nach einer Stunde standen wir immer noch da. Über den Inhalt von Musik, "I'm Mister Musicman and that's what I wonna do, so let's get out and let's do this and let's do that." Das macht sehr viel Spaß und das ist es, was ich als Luxus des Erfolgs sehe. Leute kennenzulernen.
Ich habe gehört, dass ihr nach Amerika wollt?
Wir wollen die Platte auf jeden Fall in Amerika veröffentlichen, das wird auch nächstes Jahr gemacht, aber lass uns das abwarten. Unsere Fans müssen erst mal Priorität haben. Der klassische Fehler von vielen Leuten ist es, zu vergessen, was man hat, auf der Suche nach etwas anderem. Unser Weg ist erst mal, die Platte zu machen und sie den Fans zu geben, die uns jahrelang unterstützt haben. Und dann mal schauen, was danach in Amerika passiert. Wie ich vorher schon sagte. Die CD wird in die Anlage gelegt und dann Play gedrückt. Das ist der entscheidende Faktor, nicht ob wir es wollen.
Aber sie verkauft sich ja nicht von selber, oder?
Ja, du brauchst natürlich die gleiche Infrastruktur wie hier. Und die ist auf jeden Fall da, wir würden mit Interscope veröffentlichen. Wir würden auf jeden Fall auch da spielen und dann mal schauen, was passiert. Manche Leute verkaufen das als das größte Ding aller Zeiten. Wir sind jetzt schon so oft da gewesen, ich bin gespannt. Wir warten ab. Und wenn es gut wird, bist du der Erste, der es erfährt! (Gelächter)
Wegen der Musik. Das war für mich eine ganz klare Entscheidung. Ich war hier oft auf Tour mit einer irischen Kapelle und habe gemerkt wie das Publikum ist, und wie es auf Musik reagiert. Auch auf meine Musik und ich wollte es versuchen. Ich glaube halt, als Musiker musst du ein Teil deines Lebens aufgeben, wenn du das wirklich machen willst. Du kannst nicht auf der Couch sitzen und warten, bis die Welt auf dich zukommt. Du musst da rausgehen, dich hinstellen und ständig Musik spielen. Die Leute überzeugen. Das wusste ich damals. Und ich wusste, wenn ich das wirklich will, dann muss ich alles dafür geben. Ich glaube kein Musiker sagt, dass er zufällig erfolgreich geworden ist. Da steckt schon viel Arbeit dahinter.
Anfang September habt ihr in einem 120-Einwohner-Dorf in Bayern gespielt, die diesen Auftritt im Radio gewonnen haben. In Walkersbach. Wie war das?
Das war ein Erlebnis. Wir haben echt gedacht "Where the fuck are we" und "what are we doing here?" Bayern 3 kennen wir schon seit Jahren. Auch Walter und Edi, denen wir die ersten Demos zugeschickt haben. Die fördern seit Jahren gute Musik. So wie viele Radiosender, die wir kennen, das ist sind Beziehungen, die wirken. Ich meine, wenn du scheiß Musik hinschickst, dann spielen sie das einfach nicht. Es ist nicht so, dass wir irgendeinen Vorteil hätten. Gott sei dank hatten wir bisher immer gute Musik, die sie interessiert hat.
Walter-bach,… Wal… Walkersbach, ich war erst mal vorsichtig, wie man das ausspricht, bis ich erfahren hab, dass es nur 150 Einwohner gibt, da war ich ein bisschen entspannter. Ich fand es genial. Ich komme vom Dorf und weiß, wie es ist, wenn so was bei uns stattfindet. Bei uns ist es das 'Harvest-Festival', so ähnlich wie Oktoberfest. Dass die Landarbeiter ihre Ernte feiern. Das war für die paar Tausend Leute die größte Feier im ganzen Jahr.
Ich glaube, die waren ein bisschen überwältigt. Das waren 15.000 Menschen, die auf einmal kamen, es gab keine Parkplätze mehr, das Ding war rammelvoll. Da waren wir stolz darauf. Das Publikum war tierisch. Ich meine, das sagt jede Band, aber unsere Fans sind die Besten! Die lieben es, die können das genießen, die haben keine Hemmungen. Wenn du auf unser Konzert kommst, dann siehst du einfach, wie Leute Musik genießen.
Und außerdem ist Obama bei euch Mitglied, seit ihr an der Siegessäule in Berlin vor seiner Rede gespielt habt?
Ja stimmt, der spielt Saxophon bei uns. (Gelächter) Ich weiß auf jeden Fall, dass er mehr ein Dr. Dre-Fan ist als alles andere. Das hat er immer auf dem iPod. Ich fand es extrem cool, ihn kennenzulernen. Das war eine Bedingung von uns. Wenn wir da spielen, dann wollen wir ihn treffen. Wir wollten nicht puppenweise aufgestellt werden.
Das hat was gebracht, ich wollte einfach schauen, wie der Typ drauf ist, das geht uns ja allen so, wenn du ihn nur im Fernseher siehst. Wie ist er wirklich? In den zwanzig Minuten haben wir natürlich nicht Lebensgeschichten und Handynummern ausgetauscht, aber wir haben ihm einen von den fünf Ringen als Bandmitglied übergeben, und er hat es gerne angenommen und gerne gezeigt. Er bringt ein bisschen Hoffnung hinein in das Chaos, das wir gerade erleben. Ob er die Rettung sein wird oder nicht, das weiß ich nicht, aber man muss anfangen.
Würdest du ihn also wählen, wenn du könntest?
Auf jeden Fall. Aber nicht, weil ich McCain schlecht finde, sondern weil ich McCains Vizepräsidentin so schlecht finde. Sarah Palin. Und die Chancen stehen 50:50, dass sie Präsidentin würde, wenn er gewählt wird. Eigentlich muss ein Präsident zwei Perioden machen, um etwas zu bewegen. Weil man baut in den ersten vier Jahren etwas auf, und muss es in den zweiten vier Jahren durchziehen. Das ist auf jeden Fall das richtige Konzept finde ich. Aber wenn Bush in den ersten vier Jahren alles abbaut, dann zeigt das eigentlich den Grund, warum es nur vier Jahre sein sollten. Ich hoffe, Amerika ist jetzt bereit für den Wandel, den ersten schwarzen Präsidenten zu haben. Das wird ein Moment für die Welt sein.
Sie sind die deutschen Newcomer des Jahres. Ihre Single "Supergirl" verkaufte sich wie warme Semmeln und auch das Album "Tuesday" schaffte es in die Top 10. Beim diesjährigen Rock am See hatten wir die Gelegenheit, Reamonn zu treffen und über den Weg vom Niemand zum Star, die Auftritte mit Bon Jovi und anderes zu plaudern.
Ihr habt euren Auftritt vorzeitig abgebrochen, warum?
Wir haben so 110 Konzerte gespielt, seit 15. März sind wir ja auf Tournee, da sind uns 4 mal richtig fiese technische Pannen passiert. Aber das kann man nicht vermeiden, wir haben so viel Equipment auf der Bühne und auch altes Equipment, weil wir da so drauf stehen und dann passiert das halt.
Was war das Problem?
Die Hammondorgel ist kaputt gegangen, die Hammond ist 50 Jahre alt und die ist halt heute einfach kaputt gegangen. Wird wieder repariert und dann geht sie wieder.
Macht es euch noch Spaß zu touren, oder kommt langsam der Koller?
Also es macht auf jeden Fall Spaß und das sag ich nicht nur, weil ich es sagen muss oder so, es macht jeden Tag Spaß. Vor allem du kriegst ja ne Reaktion durch den Hit, Supergirl, die Leute kommen zu den Konzerten, die feiern dich ab und singen mit, es muss Spaß machen, es macht immer Spaß. Problem ist, wenn dir auf der Bühne irgendwie was schief geht oder so, dann bist du halt so am rudern, dass du die Show rettest und dann kann es halt mal sein, dass du ein bisschen gestresst von der Bühne kommst, aber grundsätzlich haben wir einen Wahnsinnsspaß und wie gesagt, 110 Konzerte und es macht immer noch total Spaß.
Es sind heute hauptsächlich härtere Bands auf dem Festival, wie kommt ihr euch da vor, ist das ok für euch?
Also wir kennen ein paar von den Bands und verstehen uns total gut mit denen und ihrem Publikum. Ich meine, du hast natürlich dann bei solchen, ähm, Bands auch irgendwie ein paar Leute da, die irgendwie denken, sie müssen jetzt die Gangster raushängen lassen und das sollen sie dann machen. Also ich hab eine witzige Situation gehabt, ich war vorne am Rocken, beim zweiten Lied, und da war so’n Typ vorne, so „Hey, Scheiße“, hat mir so das Signal gegeben und hat gedacht, dass ich es sehe und dann kam gerade der Refrain und um ihn rum ging alles hoch und runter, da kam er sich sicherlich ein bisschen doof vor. Aber er soll auf die Band warten , wo er drauf steht und dann Spaß haben und dann ist das auch okay.
Das erste Album ist ziemlich gut angekommen, verkauft sich auch prima, fühlt man sich von dem Erfolg ein bisschen erdrückt?
Also das ist so, wäre jetzt nur die Single abgegangen, dann wäre auch so ne Unsicherheit dabei. Wir haben natürlich Angst gehabt, wie wir die Single rausgebracht haben. Das ging ziemlich ab, sofort, wir sind zwar auf 74 eingestiegen, aber es ging dann Woche für Woche besser, damals, und da haben wir natürlich gedacht, wenn das Album jetzt rauskommt, interessieren sich die Leute für die ganze Musik und für die Band, oder ist es wirklich nur Supergirl? Ich glaube „Josephine“, da haben wir die Single jetzt über 400 000 mal verkauft und das Album so 180 000 mal und das ist schon ziemlich geil. Wir haben mit beiden Gold und da haben wir dann schon so gedacht, „Hey cool, die Leute stehen auf unsere Musik“ und wollen sich das Album reinziehen. Man merkt es auch, wenn wir eigene Konzerte spielen, Songs vom Album spielen, dass die Leute mittlerweile auch andere Songs mitsingen.
Musikalische Vorbilder?
Musikalische Vorbilder ist superschwer. Jeder von uns ist so ein eigener Typ, also es ist nicht so, dass 5 Sandkastenfreunde zusammen Musik machen und die gleichen Vorbilder haben, sondern jeder hat so seine Bands und ich z.B. hab Jazz studiert vorher, bin sehr aus dem Jazzbereich, Phil ist ein Ska-Bassist eigentlich, Rea hat irische Musik gemacht, so in Irish Pubs, Sebi ist eigentlich klassischer Saxophonist, unser Orgler. Und Mike ist eh! deshalb gibt es keine gemeinsamen Vorbilder, aber jeder hat so seine Lieblingsband, so Bands wie Radiohead oder Live, grade die Bands, mit denen man auch manchmal verglichen wurden, am Anfang vor allem, oder Verve, das sind Bands, wo wir auch alle drauf stehen. Aber wir sind keine Fans.
Welchen Einfluss hattet ihr auf die Entstehung eures Videos?
Beim ersten Video hat uns jemand das Drehbuch geschrieben und hat uns gesagt, machen wir es so, beim zweiten Video haben wir Bock gehabt, das selber zu machen und haben uns diese Geschichte selber ausgedacht. Dann haben wir uns einen Regisseur gesucht, den wir total cool fanden, scheiße, wie heißt der, Olaf... ich weiß den Namen nicht, Olaf halt, der Ärzte auch macht. Und haben mit ihm das dann noch mal überarbeitet, ob wir uns das dann auch leisten können und dann haben wir das abgedreht und haben sehr viel Einfluss genommen, eigentlich. Wir haben auch die Schauspieler ausgesucht.
Die Hauptdarstellerin ist wieder dieselbe.
Ja, genau, wir sind alle verliebt in Soraya. Sie ist eine fantastische Schauspielerin finden wir. Das erste Video - Supergirl - war ja praktisch ein Kurzfilm, bei dem wir die Musik geschrieben haben und haben dann Teile von dem Film verwenden können in dem Video. Das war eine ganz glückliche Situation und von Soraya waren wir so begeistert, dass wir gesagt haben, die wollen wir beim nächsten Video wieder haben und wahrscheinlich wird sie im übernächsten Video auch wieder dabei sein. Die Idee ist, dass alle Singles vom ersten Album eine Trilogie, oder wenn es 4 Songs sind, eine Quadrologie, also praktisch eine einigermaßen zusammenhängende Geschichte ergeben, immer mit der gleichen Hauptfigur.
Wir sind ein Internet-Musikmagazin, wie steht ihr zum Internet, Thema mp3, Napster usw.
Heutzutage musst du im Internet natürlich aktiv sein, das ist ganz wichtig, wir haben eine Seite, die finden wir eigentlich ganz toll, wir schaffen es nicht immer, sie ganz aktuell zu halten, aber wir haben z.B. einen Dienstags-Chat, wo wir dann immer sind, und wir beantworten die Fragen der Leute, soweit es geht, soweit es unser Zeitplan zuläßt - das finden wir sehr wichtig. Zu mp3 und Napster will ich eigentlich gar nichts groß dazu sagen.
Ihr spielt viele Festivals, fühlt ihr euch auf so großen Bühnen schon wohl?
Wir haben natürlich mit Him einen guten Auftakt gehabt, weil wir da so vor 5000 - 8000er Hallen gespielt haben, aber unsere richtig fette Bühne war Rock am Ring, da waren 40 000 und da waren wir nicht cool. Es war ein gutes Konzert, den Leuten hat es gefallen, aber wir waren schon schwer beeindruckt von dieser Masse von Leuten. Es war ja auch nicht so, dass die gegessen haben und ein bisschen die Band mit angehört haben, die haben ja richtig mitgemacht. Und das war sehr beeindruckend. Und dann haben wir das ein paar mal gehabt, so die ganzen großen Festivals und mittlerweile sind wir da eigentlich sicher. Jetzt haben wir mit Bon Jovi gespielt, vor 40 000 Leuten, in Österreich: das war richtig fett, die haben uns total abgefeiert und es hat richtig Spaß gemacht. Nächsten Freitag, Bon Jovi, 65 000 Leute, ausverkauft, das ist dann echt eine ganz andere Geschichte von Konzert, weil wenn du in einem kleinen Club spielst, dann sind die Leute ganz nah an dir dran, entweder kein Graben, oder einen ganz dünnen, und du siehst den Leuten wirklich bis zur zehnten Reihe direkt in die Augen und du siehst daran genau, wie das Publikum es gerade findet, wie sie drauf sind. Bei so einem großen Konzert siehst du das nicht, du siehst die Leute vom Gesicht her einfach gar nicht mehr und das macht dich anfangs echt fertig, du hast keinen direkten Kontakt, keinen Augenkontakt mehr.
Ist es nicht vielleicht sogar einfacher dadurch, weil es irgendwie so surreal ist, weil du sie gar nicht mehr als einzelne Menschen begreifen kannst?
Ähm, nee, es ist nicht einfacher. Für mich ist es so, ich such mir die Resonanz aus dem Publikum und die bekommst du am einfachsten, wenn du jemandem ins Gesicht schaust. Du sieht sofort, ist der gelangweilt oder findet der es geil, und da bekommst du natürlich wahnsinnig viel Power vom Publikum und wenn du die nicht mehr siehst, da musst du sie dir irgendwie anders holen und du findest raus, wie.
Was haltet ihr von Bon Jovi?
Also vom Bon Jovi-Publikum halte ich sehr viel, weil die uns wirklich abgefeiert haben, das war genau unser Publikum, von jung bis alt, von Chartpublikum bis hin zu irgendwelchen Altrockern, also da war alles dabei. Ich bin kein Fan von Bon Jovi selber, das meine ich nicht negativ, es ist nicht meine Musik. Aber ich hab mir dann auch die Show angesehen und ich muss sagen, der Typ kommt auf die Bühne und spielt eineinhalb Stunden lang Hits am Stück, du kennst jeden Song auswendig und das finde ich eine unglaubliche Leistung für eine Band, das ist eine Band, die hat über Jahre ein Imperium aufgebaut, davor muss man Respekt haben, ob man auf die Musik steht oder nicht. Der Typ kommt einfach auf die Bühne und haut alle um.
Schaut ihr euch die anderen Bands heute noch an?
Ich werd mir Limp Bizkit reinziehen, finde ich ganz cool.
Vielen Dank für das Interview
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