Porträt

laut.de-Biographie

Max Herre

Man kennt ja diese Gespräche unter Insidern. "Wer ist für dich der beste deutsche Rapper?", fragt man seinen Gegenüber und tritt schnell eine Diskussion über Style, Skills und Flows los. "Savas auf jeden Fall. Warte. Samy ist auch unglaublich gut!"

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Eine Antwort, die jede Diskussion ins Stocken geraten lässt, ist der Name Max Herre. "Max Herre? Der Freundeskreis-Frontmann, Hobby-Historiker, Rio Reiser-Fan und Deutschrap-Sänger?" Ja, all das, vieles mehr und – neben Savas und Samy – der beste Rapper Deutschlands.

1973 in Stuttgart geboren, ist es Max Herre, der deutschsprachige Musik nachhaltig bereichern soll. In erster Linie durch seine Band Freundeskreis, die nicht nur außergewöhnlich hochwertige Musik zu schaffen weiß, sondern damit auch kommerziell große Erfolge feiert.

Max ist aber eben nicht nur Frontmann von Freundeskreis. Er ist außerdem Produzent, Verleger, Regisseur und lange Zeit A'n'R bei Four Music.

"Alles fing an mit der Gitarre meines Vaters ...", so die erste Zeile vom Freundeskreis-Track "Erste Schritte", der wahrscheinlich treffendsten Biografie des Multitalents. Neben der ersten eigenen Band Seedless Jam nennt er hier die Entwicklung der Hip Hop-Szene in Stuttgart, die sich schließlich in der Gründung der Kolchose, einem losen Zusammenschluss gleich gesinnter Künstler, manifestiert.

Später sieht Max in ihr "eine Zweckgemeinschaft für Stuttgarter Hip Hop-Verliebte", die ohne diese Bündelung der gemeinsamen Kräfte völlig untergegangen wären. Aber nicht nur der erste Schritt, der Griff zur Gitarre, formt Max Herre zu einer Ausnahmeerscheinung im Rapzirkus.

Schon von Anfang an ist sein Fokus nicht auf engstirniges Boom Bap oder einseitige Lyrics gesetzt. Udo Lindenberg gilt als einer seiner stärksten Einflüsse - das zeigt die musikalische wie auch geistige Offenheit, die Max an den Tag legt.

In erster Linie ist es das musikalische Elternhaus, das dem jungen Max die Richtung vorgibt. Sein Papa als eifriger Plattensammler und die Mama, die selbst als Sängerin arbeitet. So mausert sich die Musik zur Beschäftigung Nummer eins in Max' Leben.

In der Schule wird häufig gespielt und gejammt, im Deutschunterricht schreibt Max nicht einfach nur ein Gedicht als Hausaufgabe, sondern trägt es zu einem Instrumental rappend vor. Schließlich vergrößert sich auch sein musikalischer Bekanntenkreis.

Am produktivsten entwickelt sich das Zusammentreffen mit dem Instrumental-Musik Produzenten Philippe Kayser, der trotz einem Altersunterschied von über zehn Jahren mit Max auf einer Wellenlänge liegt.

Auch der renommierte Stuttgarter Produzent DJ Friction tritt in den Kreis, und es entsteht die gemeinsame Band Freundeskreis. 1996 erscheint die erste Single auf Groove Attack und findet in der Szene große Beachtung.

Sogleich werfen die Deutschrap-Pioniere Die Fantastischen Vier mit ihrem Label Four Music ein Auge auf das Kollektiv und bekunden großes Interesse. Kurzerhand unterschreibt das Trio einen Vertrag, und 1997 erblickt "A-N-N-A" das Licht der Welt.

Der Track ist lediglich eine überarbeitete, etwas schnellere Version der Debütsingle aus dem Jahr davor. Trotzdem oder gerade deswegen toppen die Verkaufszahlen jegliche Erwartungen und brechen die 250.000er-Marke.

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Plötzlich sind Freundeskreis in aller Munde, und Max steht als gutaussehender und intelligenter Lockenkopf in Deutschlands Rampenlicht. Es folgt ein Zusammentreffen mit Sékou, einem weiteren Stuttgarter Rapper, der das Trio auf dem Debüt-Album "Die Quadratur Des Kreises" als Gast komplettiert. Deutscher Politrap von unglaublicher musikalischer Qualität ist geboren, und Stuttgart rückt ins Zentrum des teutonischen Rapfokus.

Zwei weitere Singles zeigen die musikalische Bandbreite Max Herres. "Tabula Rasa", eine Kollaboration mit Gentleman und Mellowbag, feiert große Erfolge als erster deutscher Battle-Rap in den Top 10. Und "Halt Dich An Deiner Liebe Fest", eine Rio Reiser-Coverversion, behauptet sich als erste Roots Reggae-Platte in den Top 40.

1999 kommt der Zeitpunkt, um alle musikalischen und sprachlichen Grenzen niederzureißen. Das Album "Esperanto" erscheint, mehr als 300.000 Exemplare gehen über den Ladentisch. Die Karriere von Freundeskreis erreicht ihren vorläufigen Höhepunkt, nebenbei kommt es zu einer einschneidenden Begegnung in Max' Privatleben.

Auf der Suche nach einer Sängerin für den Song "Mit Dir" trifft er auf Joy Denalane. Die Chemie zwischen beiden stimmt von Beginn an, und es scheint, als habe Max die sanfte R'n'B-Liebesballade nur für Joy geschrieben. Die beiden verlieben sich, räkeln sich im Video malerisch auf einer griechischen Insel und sind das neue Traumpaar in der hiesigen Black Music-Welt.

Aus unzähligen Live-Auftritten entsteht im folgenden Jahr die Platte "En Directo" unter dem Namen FK-Allstars. Mehr als 15 Künstlern schaffen eine der besten deutschen Live-Platten, im gleichen Line-Up beehren die FK-Allstars die größten Festivals mitteleuropäischer Gefilde (Rock im Park, Rock am Ring, ...).

Unter anderem dabei sind die Rapper und Sänger Gentleman, Afrob, Sékou, Joy Denalane, Brooke Russel und natürlich Max selber. Instrumental unterstützen sie Frank Kuruc, Thommy Wittinger, DJ Friction und viele mehr.

Der Erfolg ist unbestreitbar, doch Max kommt mit dem zunehmenden Druck von Seiten der Medien nicht klar. Stets versucht die Öffentlichkeit, ihn in bestimmte Schubladen zu stecken und ihm die abstrusesten Etiketten anzuheften.

Letztlich gipfelt das Spiel der Medien in einem Artikel der Jugendzeitschrift Bravo, die Max als der "Jesus von Benztown" betitelt. Als Abrechung mit der Presse nimmt Max den Song "Exklusivinterview" gemeinsam mit Afrob auf, den er auf dem Four Music Sampler "Four Elements" veröffentlicht.

"Du schreibst einen Dreck über mich, ich schreib einen Track über dich. Der Unterschied ist, meine Raps lügen nicht." Der Text verdeutlicht das Problem, das Max mit den Medien hat.

Um dem Rummel um seine Person zu entfliehen, zieht sich Max mehr und mehr aus dem öffentlichen Licht zurück und widmet sich anderen Aufgaben. Joy Denalane bringt das erste gemeinsame Kind - Isaiah - zur Welt und Max konzentriert sich auf die weitaus weniger Aufsehen erregende Arbeit als Produzent. Im nächsten Jahr widmen sich beide dem eigenen Kind und dem Debütalbum von Joy.

2002 ist "Mamani" fertig, und es stellt sich schnell heraus, dass sich die lange Entstehungszeit gelohnt hat. Das erste echte deutsche Soulalbum einer Sängerin verkauft sich 130.000 mal und erringt drei Echo-Nominierungen.

Unterdessen vergrößert sich die Familie um den zweiten Sohnemann Jamil. Während der Produktionszeit für das Album kehrt Max mitsamt Familie auch seiner Geburtsstadt den Rücken zu und zieht nach Berlin. Für den eingefleischten Schwaben sicher keine leichte Entscheidung, die er damit begründet, dass es für die Familie und die Musiklaufbahn besser sei.

Fast fünf Jahre nach dem letzten Studioalbum ist es schließlich Zeit für Max, sein Talent erneut unter das Volk zu bringen. Im September 2004 veröffentlicht er sein selbstbetiteltes Solodebüt, auf dem er eine Vielzahl verschiedenster Genres miteinander vereint.

Um dem Publikum den Namen Max Herre wieder in den Sinn zu rufen, begibt er sich davor auf eine weitreichende Promotour. Dabei passen seine Auftritte nicht nur perfekt in das Line-Up von Hip Hop-Festivals wie dem Splash! oder dem Hip Hop Open. Auch auf anderen Großereignissen behauptet sich Max, immer wieder beweist er eine musikalische Offenheit, die kaum ein anderer Künstler mit Rapbackground an den Tag legt.

Im April 2006 gründet Max mit seiner besseren Hälfte Joy, Götz Gottschalk und Sophie Raml das Label Nesola (Esperanto: nicht allein). Das Album "Born" von Joy Denalane, das im August 2006 erscheint, ist die zweite Produktionsarbeit des Freundeskreis-Frontmanns.

Acht Jahre nach dem gemeinsamen Hit "Mit Dir" und nach vier Jahren Ehe trennen sich Joy und Max. Sie gehen aber - zumindest musikalisch - nicht streng getrennte Wege: Gemeinsam sind sie 2007 auf Tournee mit dem Freundeskreis, bevor sich Herre wieder Soloplänen widmet, die 2009 in das Singer/Songwriter-Album "Ein Geschenkter Tag" münden.

Vier Jahre nach der Trennung finden Max und Joy 2011 dann auch privat wieder zusammen und sind fortan im zweiten Versuch liiert. Zu dem Zeitpunkt arbeitet längst an seinem nächsten Soloalbum "Hallo Welt!".

Für viel Gesprächsstoff sorgt dabei neben seiner Rückkehr zum Sprechgesang auch die illustre Gästeliste. U.a. Aloe Blacc, Samy Deluxe, Cro und Clueso bereichern die Platte, die im August 2012 über Nesola und Universal Music erscheint.

Gerade bei alteingesessenen Hip Hop-Fans sorgt die Platte natürlich für Begeisterung, doch das war Max Herre im Vorfeld nach eigenen Angaben egal. "Das Studio ist das Studio", erklärt er im laut.de-Interview. Er sei in aller erster Linie sich selbst verpflichtet, wenn er Musik mache. "Ich will was machen, was mir gefällt. Und von dem ich das Gefühl hab, dass ich das bin und dass mein Name da zurecht drauf steht."

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Köln, Tanzbrunnen, 2014 Max und Freunde unplugged in der Rheinmetropole.

Max und Freunde unplugged in der Rheinmetropole., Köln, Tanzbrunnen, 2014 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Max und Freunde unplugged in der Rheinmetropole., Köln, Tanzbrunnen, 2014 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Max und Freunde unplugged in der Rheinmetropole., Köln, Tanzbrunnen, 2014 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Max und Freunde unplugged in der Rheinmetropole., Köln, Tanzbrunnen, 2014 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)

Live in Zürich 2010 Max Herre auf dem Jazz no Jazz-Festival.

Max Herre auf dem Jazz no Jazz-Festival., Live in Zürich 2010 | © laut.de (Fotograf: Kai Kopp) Max Herre auf dem Jazz no Jazz-Festival., Live in Zürich 2010 | © laut.de (Fotograf: Kai Kopp) Max Herre auf dem Jazz no Jazz-Festival., Live in Zürich 2010 | © laut.de (Fotograf: Kai Kopp) Max Herre auf dem Jazz no Jazz-Festival., Live in Zürich 2010 | © laut.de (Fotograf: Kai Kopp) Max Herre auf dem Jazz no Jazz-Festival., Live in Zürich 2010 | © laut.de (Fotograf: Kai Kopp) Max Herre auf dem Jazz no Jazz-Festival., Live in Zürich 2010 | © laut.de (Fotograf: Kai Kopp)

Live-Bilder Max Herre auf den Hip Hop Open 2004.

Max Herre auf den Hip Hop Open 2004., Live-Bilder | © LAUT AG (Fotograf: ) Max Herre auf den Hip Hop Open 2004., Live-Bilder | © LAUT AG (Fotograf: ) Max Herre auf den Hip Hop Open 2004., Live-Bilder | © LAUT AG (Fotograf: ) Max Herre auf den Hip Hop Open 2004., Live-Bilder | © LAUT AG (Fotograf: ) Max Herre auf den Hip Hop Open 2004., Live-Bilder | © LAUT AG (Fotograf: ) Max Herre auf den Hip Hop Open 2004., Live-Bilder | © LAUT AG (Fotograf: ) Max Herre auf den Hip Hop Open 2004., Live-Bilder | © LAUT AG (Fotograf: ) Max Herre auf den Hip Hop Open 2004., Live-Bilder | © LAUT AG (Fotograf: ) Max Herre auf den Hip Hop Open 2004., Live-Bilder | © LAUT AG (Fotograf: ) Max Herre auf den Hip Hop Open 2004., Live-Bilder | © LAUT AG (Fotograf: )
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