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"Thomas D ist auf der Reise und hat Rückenwind." Seit die Fantastischen Vier Anfang der 90er deutschen Sprechgesang populär machten, schwimmt Thomas D auf dieser Welle mit. Über die Jahre weitet sich sein Horizont jedoch gewaltig. "Ich mache nun lange genug Musik, um mich an kein Genre mehr halten zu müssen und mir selber keine Fesseln mehr anzulegen."
Vielseitigkeit ist schon früh gefragt. Geboren am 30. Dezember 1968 in Ditzingen bei Stuttgart, absolviert Thomas Dürr nach seinem Realschulabschluss zunächst eine Ausbildung zum Friseur. Nebenbei jobbt er an der elterlichen Tankstelle und als Hausmeister, wo er sich seinen Bühnennamen Hausmeister Thomas D abholt.
Das Ziel steht Thomas allerdings klar vor Augen: "Ich bin nur solange hier, bis ich Popstar werde", lässt er die Lehrer wissen, die ihn nachträglich durchs Abitur hieven sollen. Der Plan misslingt: Der Hip Hop kommt dazwischen. Thomas gründet Mitte der 80er seine erste Rap-Crew Terminal Team und schmeißt die Schule.
Zu deutschen Texten bekehrt ihn jedoch erst ein ausgedehnter Trip gemeinsam mit Smudo in die USA. Fern der Heimat entdeckt er die Möglichkeiten, die die eigene Muttersprache bereit hält. Für Terminal Team bedeutet diese Erkenntnis das Aus. 1989 treten statt dessen die Fantastischen Vier auf den Plan.
Ihr Erfolg mit "Die Da" bringt die Stuttgarter Jungs in aller Munde. Fast über Nacht avanciert das Quartett zu gefragten Popstars mit allem, was dazu gehört: Ein Album folgt dem nächsten, dazwischen Touren, Fernsehauftritte, Interviews und Preisverleihungen.
In eine Schublade pressen lassen sich die Schwaben nicht. Von der Hip Hop-Szene oft belächelt stehen sie zu ihrem Anspruch, populäre Musik machen zu wollen. Für ironische Selbstbetrachtungen bleibt ebenso Zeit wie für Experimente wie das Hardcore-Projekt "Megavier". 1996 gründen sie darüber hinaus das Label Four Music samt angegliederter Booking-Agentur.
Thomas D nimmt im Kreise seiner Mitstreiter die Position des nachdenklichen Streiters ein, die er mit der Song-Trilogie "Krieger", "Millionen Legionen" und "Mein Schwert" bildlich ausbaut. Wie viele Krieger gerät auch Thomas D in eine Einzelkämpfer-Phase. Publicity-trächtig verkauft er sein Hab und Gut, ersteht ein Wohnmobil und macht sich auf die Reise.
Aus zahlreichen Begegnungen mit Kollegen, darunter die Ärzte und Nina Hagen, entsteht der erste Alleingang, "Solo". Mit "Rückenwind" landet Thomas D einen Hit und verfasst gleichzeitig den Soundtrack seines Lebens. Unterwegs reift außerdem der Plan zur Gründung einer Künstlerkommune.
Den setzt Thomas D 1999 in die Tat um: Gemeinsam mit Gleichgesinnten baut er auf einem ehemaligen Gestüt in der Eifel M.A.R.S., die "Moderne Anstalt Rigoroser Spakker", auf. Produziert wird, von Thomas D und Mitbewohnern, fortan im hauseigenen Studio Haus Erika.
Neben der ungebrochen fortgesetzten Arbeit mit den Fantastischen Vier engagiert sich Thomas D für Tier- und Umweltschutz, für PETA, Terre des Hommes und Amnesty International. Für Tiefgang sorgt die Kunstfigur Reflektor Falke, die auf dem Konzeptalbum "Lektionen In Demut" vorgestellt wird. Thomas D liefert mit "Wish" zusammen mit Franka Potente den Titelsong zu "Lola Rennt", übernimmt selbst Rollen in Filmen und arbeitet als Synchronsprecher.
Zusammen mit Bela B. nimmt er das Hörbuch "Faust vs. Mephisto" auf. Die M.A.R.S.-Kommune veröffentlicht mehrere Alben. Thomas D kollabororiert mit so unterschiedlichen Künstlern wie Schiller, Wolfgang Niedecken, Stefan Remmler und André Heller.
Mit Son Goku bringt er zudem eine Rock-Band, mit "Fighter Fitness" eine Trimmdich-DVD an den Start. Mitte 2011 wendet sich Thomas D. dann erneut dem Pop zu: Als Jury-Präsident wird er Hauptverantwortlicher bei der Eurovision Song Contest Casting-Show "Unser Star Für Baku" und produziert den Sieger der Sendung.
Für Schubladendenken bleibt keine Zeit. Thomas D setzt statt dessen auf das bewährte Konzept, sein Publikum an seinen Gedankengängen und Gefühlen teilhaben zu lassen. "Das ist mein Job als Poet, Texter und Künstler", verrät er dem Magazin Focus. "Ich wüsste nicht, wovon ich sonst erzählen sollte."
Ein Gespräch über "Kennzeichen D.", Gott, Werbung und das "Human Race".
Nach einer Pressekonferenz zum weltweiten Lauferlebnis "Human Race" traf sich laut.de mit Thomas D in München, um über seine Teilnahme am Rennen, sein neues Album und sein Leben in der Kommune zu plaudern.
Am 31. August geht in 25 Metropolen in der ganzen Welt - darunter Los Angeles, New York, London, Madrid, Paris, Istanbul, Melbourne und Shanghai - das von Nike organisierte "Human Race" über die Bühne. Der Sportartikel-Hersteller will dabei die rekordverdächtige Zahl von einer Millionen Läufer an den Start bringen.
Nach dem Rennen sollen die Läufer bei großen Abschlussveranstaltungen abfeiern; in München werden dabei die Fantastischen Vier, Sportfreunde Stiller umd Blumentopf für Stimmung sorgen, obwohl letztere sich eher zum Skaten als zum Laufen bekennen.
Die Pressekonferenz zum "Human Race" findet direkt gegenüber dem schmucken Rathaus in München, in einem edlen Cafè im 5.Stock statt. Vertreten sind neben Oberbürgermeister Christian Ude und dem Präsidenten des Leichtathletikverbands Clemens Prokop, denen ich vor dem Aufzug fast über die Füße laufe, u.a. Thomas D und der 22 x Deutsche Meister Jan Fitschen. Die laufen aber erst nach etwa 20 Minuten ein und performen ein kleines Stand-Up-Gespräch vor der Presse.
Nach einigen Fragen der Journalisten und dem Ende der Pressekonferenz muss ich noch ein bisschen warten, ehe ich mit Thomas D sprechen darf. Kein Problem, denn neben kostenlosen Getränken wird auch fürstliches Essen kredenzt. Krabben, Spargelsalat, Crème brûlée, frische Erdbeeren und vieles mehr, was mein junges Auge bisher selten erblickte.
Dann treffe ich Thomas D, der sich gerade gut gelaunt an einer Art Pudding (fragt mich nicht!) verköstigt. Im Trainingsanzug sitzt er am Tisch und antwortet ausführlich und mit lebhaften Gesten auf meine Fragen.
Hallo.
Interessante Performance übrigens!
(Lacht) Meine Performance war, heute morgen am Flughafen nicht auszuticken, als die Maschine 1,5 h Verspätung hatte. Und diese Geschäftsleute: Einer war kurz davor durchzudrehen. (Verzerrt die Stimme) "Wir haben alle, wir haben alle einen Job, wir haben alle Termine in München!" Und ich dachte mir so, wie schön, dass ich so entspannt bleiben kann. Und es hat ja genau gepasst: Hier hoch gesprintet und rein gerannt.
Erkläre uns doch einfach mal, wie es dazu kam, dass du beim "Human Race" mitmachst?
Wir wurden gefragt, ob wir im Rahmen des Laufes, am Endevent spielen wollen. Das machen wir gerne. Und dann dachte ich: Na ja, ich spiel den ganzen Sommer über, jedes Wochenende zwei- bis dreimal, das ist ja nichts Außergewöhnliches. Aber davor zehn Kilometer zu laufen, wenn möglich noch in Bestzeit, das find ich spannend, das ist geil. Außerdem laufe ich sonst immer alleine. Aufm Laufband oder im Wald mit meinen Hund, aber mit niemanden sonst.
Und so einen Lauf mitzumachen, mit mehreren Leuten, mit 10.000 in München, und vor allem weltweit an einem Tag, zusammen mit ganz vielen Menschen, das finde ich geil. Ich steh ja eh auf so Massenevents. Obs jetzt ein Konzert von uns ist, oder ob ich da mittendrin bin, mit anderen zu laufen. Das Gemeinsame, das ist noch mal ein ganz anderes Feeling, als so für sich allein durch den Wald zu laufen.
Trainierst du oft?
Ich trainieren schon oft, eine Mischung aus Ausdauer und Kraft. Ich hab früher immer so wenig gewogen, alle haben immer gesagt, du bist so dünn, iss doch. Aber am Essen kanns nicht liegen, ich hab gegessen, was das Zeug hält und ich hab halt nen schnellen Stoffwechsel, ich weiß die meisten hassen mich dafür. Weil alle immer irgendwie: (verstellt die Stimme) "Oh ich muss abnehmen!" Und ich so: "Oh ich muss zunehmen."
Naja und dann hab ich angefangen ein bisschen Gewichte zu heben, also zu pumpen, und so Bodybuilding im klassischen Sinne. Mittlerweile ist das Laufen in den Vordergrund getreten und das Gewichttraining nach hinten, weil es einfach gesundheitlich besser ist. Und man wird einfach auch irgendwann g'scheit. Da kommt es nicht darauf an, nur Muskeln zu haben, sondern funktionierende Muskeln zu haben. Nicht zu posen, sondern einfach nur etwas zu machen, was dich wirklich fit hält. Und da ist laufen schon ziemlich geil.
Nike macht Werbung mit diesem Event. Denkst du darüber nach, oder siehst du das gar nicht kritisch?
Ja, es ist eine Mischung. Natürlich macht Nike Werbung für sich, sie haben aber auch Grund dafür. Ich finde zum Beispiel, dass ihr Runningsystem mit Sensor im Schuh das erste Ding ist, was ich kenne, das wirklich funktioniert. Ich meine diese Schrittzähler, die dir hier so rumbaumeln (fummelt an der Hosentasche rum). Bei dem letzten, den ich hatte, bin ich beim Joggen mit der Hand an diesen Stöpsel gekommen, hab den abgerissen und das Ding ging so Hammer ab (lacht, wackelt mit den Armen, macht das Piepgeräusch nach) und ich hab den nicht mehr reinbekommen. ... Also so Zeug braucht echt keiner.
Aber das von Nike zeigt mir an, wie weit ich gelaufen bin, das macht total Sinn für mich, deshalb find ich das gut. Des weiteren haben sie mich auch gekriegt, weil sie gesagt haben, dass auch eine karitativer Zweck dabei ist, dass also ein Teil der Einnahmen gespendet wird, und das finde ja sowieso ich immer sehr gut. Tue Gutes und sprich darüber. Nichts gegen Werbung, aber Werbung, die auch noch Sinn macht, die einen tieferen Sinn hat als nur für sich selbst zu werben, ... und Leute zum Laufen zu bewegen, das ist ne super Sache. Laufen macht den Kopf frei, es ist gesund. Jeder der läuft, weiß, das bläst einfach dein Hirn durch, du bist danach ausgeglichener, du bist viel besser drauf, und es macht einfach viel mehr Sinn, als sich abends die Birne vollzuschütten.
Ja, "Kennzeichen D." heißt es ... "Kennzeichen D." ist ein Album mit 18 Songs, ich bin sehr stolz auf mich. 18 Songs sind fünf Fanta 4-Alben, wenn man meinen Teil der Arbeit sieht. Und das alleine zu machen und vor allem innerhalb von einem Jahr, das ging echt ab, ich hatte einen vollen Run, es lief echt gut. Und es sind super Nummern. Ich habe ein positives, ein Abgeh-Album gemacht. Ein bisschen wie die erste Soloplatte, zwar von den Songs her unterschiedlich, aber alle im Bereich von "Rückenwind". Also viele, die einfach positiv nach vorne gehen. Da ist gute Laune drin.
Trotzdem ist natürlich der nachdenkliche Thomas D auch noch vertreten, aber nicht so überbetont und absolut wie bei "Lektionen in Demut" zum Beispiel. Sondern wesentlich leichter. Es ist ein Album das Spaß macht. ... Ich muss ewig noch warten, und ihr vor allem müsst noch viel länger warten, ich kanns ja schon hören jetzt, es kommt erst am 12. September. Wir haben jetzt erst mal die EM vor der Tür und dann ist Sommerurlaub, und dann kann man wieder Alben rausbringen. Im September ist es dann endlich so weit.
Und ich will auch auf Tour gehen damit. Ich stell mir jetzt im Sommer eine Band zusammen, die ich noch nicht hab, die ich noch suche, und mit denen will ich dann die nächsten Jahre bitte immer schön auf Tour gehen. ... Also was ich eigentlich schon mit der ersten Soloplatte vor hatte, ne Solokarriere neben den Fantas, das gehe ich jetzt wieder neu an und sehr ernst. Ich will alle zwei Jahre 'n Album rausbringen und ne Tour machen: Das ist für mich der Start jetzt, mit "Kennzeichen D.", da raus zu gehen und mir als Soloartist ein Plätzchen zu reservieren.
Bist du einfach gut drauf zur Zeit, oder warum ist das Album so positiv geraten?
Meistens gibt immer ein Album das Andere. Nach "Lektionen in Demut" war klar, das ist jetzt genug der Ernsthaftigkeit. Es gibt ja keinen Grund, mich zu wiederholen, deshalb mach ich immer gern was anderes. Und irgendwie kam ich auch sehr leicht zu dem Album. Ich hatte ewig lang kein Soloalbum mehr, ich hab gerade die Arbeit mit Fanta 4 beendet, was echt gut lief, und dann dachte ich: arbeite doch einfach weiter.
Ich habe viele Leute gefragt, ob sie nicht Musik für mich machen wollen, oder eine Idee haben, und habe mit anderen zusammen Musik gemacht. So entstanden schnell 20 Songs. Und da der Spaß und die Leichtigkeit im Vordergrund standen, ist die Platte auch leicht geraten. Das hatte jetzt keinen bestimmten Grund, ich wollte nicht unbedingt leicht sein. Leichtigkeit zu haben ist ganz, ganz schwierig, das geht eigentlich nur aus dem Spielerischen heraus. Wenn du dir keine Gedanken machst, wenn du yeah aus dem Bauch arbeitest. (Sucht nach Worten) Ist eine Mischung aus ganz vielen Sachen. (denkt nach) Warum ist Musikmachen nicht immer so leicht?
Vielleicht weil man es zu ernst nimmt, sich selbst zu wichtig nimmt. Der D. hat manchmal auch das Bedürfnis, er müsste der ganzen Welt noch irgendetwas mitteilen. Und diese ganzen Ansprüche mal ein bisschen zu vergessen, mal zu sagen, hey, warum bin ich hier? Um Musik zu machen! Und Musik machen ist, wie im Wort spielen schon beinhaltet, was leichtes, was Spaß macht. Und den Spaß habe ich wiedergefunden, ihn ausgelebt und deshalb ist ein leichtes Album entstanden.
Und wie ist das mit den Fantas und deiner Solokarriere? Gibt es Schwierigkeiten, beides unter einen Hut zu kriegen?
Ne, überhaupt nicht. Wir treffen uns übermorgen bei mir Zuhause und fangen an, an einer neuen Platte zu arbeiten. Endlich mal (betont), die Band trifft sich für sage und schreibe drei Tage, woran man schon wieder sehen kann, wie eng der Zeitplan ist. Jeder hat immer noch was anderes zu tun. Da treffen wir uns dann allerdings, fangen an über eine neue Platte nachzudenken. Das dauert dann auf jeden Fall ein gutes Jahr, bis die Platte fertig ist, und in der Zeit habe ich noch genug Freiraum, um die Live-Umsetzung vorzubereiten.
(spricht etwas leiser) Wenn die Fantas dann durch sind, dann dauert das bei denen gut und gerne mal zwei, drei Jahre, bis das nächste Album kommt, da kann ich dann schon mein eigenes machen. Wir werden uns nicht in die Quere kommen, da bin ich mir sicher. Wenn das der Fall sein sollte, dann hat die Band natürlich Vorrang, keine Frage. Ich würde nicht meine Solokarriere vor die Fantas stellen, das wäre total doof! Die Fantas sind die Familie, deshalb kann ich auch erst Soloplatten machen, die dann auch gehört werden. Also weiß ich schon, wo ich hingehöre. Und in der Zwischenzeit (zuckt freudig mit den Wimpern): Ein bisschen spielen.
Bei "Lektionen in Demut" gab es ja noch den Reflektor Falke als Figur ...
Ich habe ein paar sehr schöne Stücke gemacht, (nachdenklich) aber das ist schwer mit "Lektionen in Demut" zu vergleichen. "Lektionen in Demut" war ja eine eigens erschaffene Welt. Wie eine Comicwelt mit extrem Gut gegen extrem Böse. Mit Reflektor Falke als Antiheld und noch ein paar anderen Figuren, die von mir erschaffen wurden.
So was in der Art gibts nicht, aber es gibt so was wie "Vergebung, hier ist sie", ein sehr tiefes Lied, in dem der Schöpfer zu seiner Kreatur spricht. Wo der Mensch am Ende alles vernichtet hat und dann Vergebung will. Und Gott sagt: Na klar vergebe ich dir, ich bin Vergebung, ich bin Liebe. (betont) Nur es wird dir nichts bringen, weil es ist bereits alles am Arsch. Also was machst du jetzt? Weiter wie bisher? So funktioniert das nicht!
Da spiele ich mit den klassischen Bildern von Gott, der Schöpfung und der Bibel. Dann gibt es ein anderes Lied, ein sehr (sucht nach dem richtigen Wort) trauriges ... nein es ist nicht traurig. "An alle Hinterbliebenen" heißt es. Das ist für Menschen, die jemanden verloren haben, den sie lieben. ... Also es sind schon ein paar echt tiefe, tiefe Dinger drin. Von achtzehn Liedern vier bis fünf, der Rest befindet sich eher im Leichten, im Helleren.
Dann würde ich gerne noch auf ein drittes Thema eingehen, auf deinen Lebensstil: Wann hast du das letzte Mal Fleisch gegessen?
Keine Ahnung. (grinst) Ich dachte ja, ich hätte mit 17 aufgehört, aber dann hat mir der Smudo gesagt: (verstellt die Stimme) "Nein, wir waren doch noch in Amerika, da ham wir bei Wendys Burger gegessen, da warst du schon 19!" ... Habe ich also mit 19 auch noch Fleisch gegessen, habe ich das erfolgreich verdrängt. Das wars aber dann auch.
Und fehlt dir da was, brauchst du beim Sport Aufbaupräparate?
Sojaprotein oder Pflanzenprotein ist sehr hochwertig. Ich glaube sogar, dass ich da Vorteile habe gegenüber Menschen, die ihr Protein aus Fleisch gewinnen. Zumindest mir fehlt nichts, also ich brauch nichts. Ich hau mir mein Sojaschnitzel rein, das passt. (lacht)
Dann zu deiner Kommune ...
Das ist nicht meine Kommune, eine Kommune kann gar niemandem gehören. Das beinhaltet ja Kommune bereits. (lacht) Habe ich nämlich auch mal gesagt, und dann gabs gleich vom Parago: (verstellt die Stimme) "Jaja, deine Kommune!" ... Es ist nicht meine Kommune.
Gut, dann also: Wie lebt es sich in eurer Kommune?
(lacht) Genau! Es lebt sich sehr, sehr gut! Wirklich sehr gut! Wir haben jetzt auch gerade Sommer auf der Eifel, das ist traumhaft. ... Die Kommune hat sich etwas gewandelt, es sind Kinder dazugekommen, von mir zwei, Angie und Falk haben auch eines, die nehmen sehr viel Aufmerksamkeit in Anspruch. Am Anfang hat es angefangen in so ner Hippie-Hauptsächlich-Jungs-Kommune, und das nicht zu verändern wäre natürlich auch spießig. Insofern haben wir uns dem Wandel immer geöffnet und sind jetzt in so einer Familienkommune, das ist wohl der Lauf der Zeit. Dadurch ändert sich einiges, vor allem das frühe Aufstehen, abends total am Arsch sein, aber ansonsten ist es herrlich.
Kannst du das Leben in einer Kommune empfehlen, etwa als alternatives Lebensmodell?
Auf jeden Fall! Wobei, man muss immer sagen, wenn die Leute fragen, "hat es funktioniert?": Es ist ein täglicher Kampf! Genauso, wie man sagen kann: "Familie funktioniert das denn"? Für den einen funktionierts besser, der andere lässt sich scheiden. Deshalb glaube ich, auch das Singleleben ist ein täglicher Kampf wie eine Kommune auch. Vorteile sind natürlich, dass mehrere Gleichgesinnte zusammen leben, dass es ein großes Gemeinschaftsgefühl ist. Aber gleichzeitig muss das Individuum ja auch zurückstecken, weil es sein Wohl unter das der Gemeinschaft setzt. Es hat also Vor- und Nachteile. Wie jedes Leben, das man sich wählt.
Vielen Dank für das Interview!
Mein Herr, gerne!
Das Interview führte Volker Rueß
Am Rande des "Berlin 05 - Festival für junge Politik" sprachen wir mit Thomas D und Andy Y über "Viel", das Geheimnis des Erfolges, authentischen oder rechtslastigen Hip Hop und natürlich: Politik.
Thomas D hat schon mal geübt. Geübt für den Bundeskanzlerjob, und zwar Anfang Juni beim "Projekt P Festival" in Berlin, dem Festival, das Jugendliche für Politik begeistern sollte und konnte. Spontan erklärten sich Thomas D und AndY vor ihrem Auftritt als Hauptakt am Samstag Abend gerne bereit, ein Interview nicht nur mit laut.de-Redakteur Mathias Möller zu führen. Nein, sie luden mit ihm auch Simon Wiedenbach und Anna Johne sowie deren Lehrer Guido Neugebauer aus der Geschwister-Scholl-Schule in Konstanz in den Backstagebereich der ostalgischen Umkleidekabinen der Sporthalle des 'FEZ' in der Berliner Wuhlheide ein und beantworteten mit Charme und Witz alle ihrer Fragen. Mindestens noch einmal so viel Zeit nahmen sich dann alle vier Fantas, um allen Anwesenden sämtliche Kleidungsstücke am Leibe mit Autogrammen zu bestücken und für Gruppenfotos zu posen bis der Film riss.
"Viel" ist jetzt fast ein Jahr draußen, wie seid ihr in der Retroperspektive zufrieden mit dem Album?
Thomas D: Wir sind wirklich sehr zufrieden, wir hatten davor ja fünf Jahre kein Studioalbum mehr und haben uns dann schon gefragt - wir sind eine Band, die gerne mal an sich zweifelt, oder nicht so souverän ist wie es nach außen hin wirkt - braucht uns noch jemand? Wird das was, wenn wir jetzt zurückkommen? Mit was werden wir zurückkommen? Wer wird sich das anhören? Das ist ja eine lange Zeit gar nicht klar, selbst wenn die Platte dann fertig ist, bist du dir nicht bewusst darüber, ob es etwas geworden ist. Das kriegst du dann erst mit der Reaktion der Leute mit, ob das Baby gesund ist. Wir durften ja die größte Tour unseres Lebens spielen letztes Jahr und im Frühjahr dieses Jahres. "Troy" war ein Megahit, für uns zumindest, insofern kann man zufrieden sein. Sich darauf auszuruhen, dafür reicht es natürlich noch nicht.
Wie gelassen seht ihr euren Erfolg nach so langer Zeit und wie stark spornt euch Erfolg an?
Thomas D: Sehr gelassen. Unsere Karriere war schon eine erstaunliche. 1992 mit "Die da", wie das durch die Decke ging und das relativ früh, nachdem wir angefangen hatten, deutsch zu rappen. Zwei Jahre später, also relativ schnell und nach dem ersten Oben, dann oben zu bleiben, da verändert sich alles. Es ist nicht mehr so wie beim ersten Mal, insofern wird man da ein bisschen entspannter, sagt sich ja, heute lieben sie dich, morgen bist du ihnen wieder egal, das alles sollte nicht Teil deines Lebensgefühl werden, sonst machst du dich davon abhängig. Deshalb versuchen wir einfach eine gute Platte zu machen, es ist schon schwer genug (lacht), Texte zu schreiben, die uns nicht langweilen, Musik zu machen, die uns noch kickt, und wir sind darüber dann glücklich. Das ist dann so ein Erfolg, der hängt gar nicht am Erfolg der Außenwelt. Wenn die Leute es nicht hören wollen, dann ha ja, dann halt nicht, aber wir haben eine geile Platte gemacht. So lange du das weißt, ist alles gut.
Andy Y: Das ist nämlich das Geheimnis des Erfolgs, nicht auf den Erfolg schielen, so, hmm, was muss ich denn machen, um Erfolg zu haben? Ist doch klar, was man machen muss, was Gutes, deshalb musst du dir überlegen, was du da machst, ob du vertreten kannst, was du machst, ob du es selber gut findest, musst deine Energie da reinstecken und dann wird es schon Erfolg haben oder nicht. Aber das liegt nicht in deiner Hand!
Unterstützt ihr auch junge Bands?
Thomas D: Klar, brauch'sch Geld? (lacht). Wir haben ja unser eigenes Label, FourMusic, und wir unterstützen damit, denn man kann nicht von jeder Plattenfirma sagen, dass es seine Künstler unterstützt. Generell ist ja eine Plattenfirma dazu da, um Geld zu machen. Aber wir schauen darauf, dass unsere Künstler es auch verdient haben, dass wir mit ihnen Geld machen, und dass sie auch das meiste davon kriegen. Deshalb ist der Umgang bei FourMusic auch persönlicher, direkter, und weil wir auch Künstler sind, verstehen wir die Ängste, Sorgen und Wünsche vielleicht mehr, als jemand, der Rechtsanwalt studiert hat und dann eine Plattenfirma übernommen hat. Das ist unser Förderverein FourMusic.
Für welche Bands seht ihr Zukunftschancen? Für welche neuen Bands aus Deutschland?
Andy Y: Na ja ich hab jetzt nicht so den Überblick, was so an ganz neuen Bands so da ist. Juli oder Silbermond sind ja keine neuen Bands mehr. Die haben ja schon Erfolg.
Thomas D: Ob die in ein paar Jahren noch da sind, ist eine große Mutmaßung, nach einem Album. Das kannst du bei den Helden schon eher sagen. Wir sind Helden haben gezeigt, dass sie wiederkommen konnten, und das verspricht schon eine längere Karriere. Beatsteaks ist ganz klar, wenn die sich nicht auflösen, dass die eine lange Karriere vor sich haben, dass die noch lange nicht am Peak sind. Bei Seeed sehe ich das ähnlich. Seeed haben sich etabliert und werden hoffentlich auch eine größere Band bleiben. Gentleman wird, denke ich, internationaler Star, der Typ wird einfach nur noch durch die Decke gehen. Clueso natürlich wünsche ich einen Riesenerfolg. Wir sind jetzt schon so lange bei ihm und ich hab schon seit drei Alben das Gefühl, dass er es jetzt mal verdient hat, Erfolg zu haben, der leider noch ein bisschen ausblieb. Das erfordert natürlich konstante Leistung von ihm. Aber ich hab schon wieder neues Demomaterial gehört und find des jetzt noch geiler, als was ich auf der letzten Platte gehört hab. Also irgendwann muss des einfach nur noch durch die Decke gehen.
Was haltet ihr von der Diskussion über Fler und die generelle Debatte über Hip-Hop und Gewalt?
Thomas D: Das ist ein diffiziles Thema. Das lässt sich jetzt schwer mit einzelnen Worten beschreiben. Auf der einen Seite ist es gut, was mit Aggro Berlin passiert, es ist eine neue Richtung. Es ist sicher ein authentischeres Gerappe als vieles andere, aber diese Amerikanisierung im deutschsprachigen Hip Hop, dieses amerikanische Getue, behaupten, man wär ein Gangster, finde ich generell ziemlich lächerlich. Man kann bei Sido aber allerdings wieder herzhaft lachen, also find das schon wieder lustig. Natürlich unter dem Aspekt, dass es, wenn man es ernst nimmt, auch nicht zu einer besseren Welt beiträgt. Was Fler macht find ich ... blöd! Das hat relativ wenig mit Intelligenz zu tun, provozieren um jeden Preis finde ich fehl am Platz. Ich glaube nicht, dass er rechts ist, aber mit diesem Image sollte man nicht spielen, auch nicht als Immigrant!
Du hast vorhin gesagt, ihr würdet gerne Texte schreiben, die euch nicht langweilen, die uns nicht langweilen. Hast du auch das Gefühl, mit der neuen Richtung, dass Hip Hop mit Niveau schon noch eine Zukunft hat? Oder liegt der Erfolg von Aggro daran, dass die Lyrics eher beschränkt und der Tiefgang nicht so groß ist.
Thomas D: Ich glaube immer an Musik mit Tiefgang und mit Inhalt, selbst wenn sich eine große Masse dagegen entscheiden sollte, wirst du immer Liebhaber finden. Da sehe ich jetzt keine Konkurrenz. Ich war immer der Meinung, dass der Großteil der Leute Scheiße hört (lacht). Mein Musikgeschmack hat noch nie mit dem der Leute übereingestimmt. Deshalb ist Hip Hop, wie er zur Zeit in Deutschland gemacht wird, nichts, was ich mir anhöre. Ich suche mir meine Perlen heraus, und diese Perlen sind fast alle auf unserem Label, Clueso, Max Herre, Joy und natürlich wir, die Fantas. Da hast du halt noch Texte, bei denen du was mitnehmen kannst, die nicht von Frust, Hass oder Frauenfeindlichkeit handeln.
Glaubt ihr, dass sich eure Fans und auch das Publikum heute Abend intensiv mit euren Texten auseinandersetzt?
Thomas D: Unsere Fans auf jeden Fall. Hier sind wahrscheinlich viele Leute, die gucken sich die Fantas mal an, weil die vielleicht noch nicht so viel von uns mitbekommen haben, aber ich glaube, der Deutsche denkt nach. Wir sind alle ordentlich verkopft. Das kann man auch zum Guten verwenden, indem man über das Richtige nachdenkt, und wenn jemand einen deutschen Text hört, dann können viele gar nicht so abschalten wie bei englischsprachiger Musik, so hier rein, da raus. Sondern du hörst, ey der spricht ja in meiner Sprache. Da höre ich besser mal zu. Deshalb ist auch Platz für Inhalte und eine Message, die einen dann vielleicht irgendwann weiterbringt.
Abschlussfrage: Wenn ihr die Möglichkeit hättet, eine Partei zu gründen, nach eurem Geschmack ...
Andy Y: Jeder kann das tun, wir haben es aber noch nicht gemacht.
Wie würde die aber aussehen, und welche Ziele hätte sie? Und was würdet ihr machen, wenn ihr als Viererrunde zum Bundeskanzler gewählt würdet?
Thomas D: Ganz einfach: Andy ist der Experte, der die Daten auswertet und bleibt ein bisschen im Hintergrund und zieht dort die Fäden. Michi wird Wirtschaftsminister, weil er sich doch in den High Society-Kreisen total gut auskennt und die ein bisschen pleasen kann, denn man muss die doch ein bisschen pleasen, weil es bringt ja nichts wenn du die Wirtschaft und die Industrie gegen dich hast.
Andy Y: Der wird dann mit den Bossen in Urlaub fahren.
Thomas D: Genau, Michi kümmert sich um die Bosse auf den Yachten. Und Smudo ist wahrscheinlich als Außenminister am Start, weil er einfach Bescheid weiß und sie alle niederargumentiert, wenn's mal klemmt. Und der D ist dann der Kandidat, der von nix ne Ahnung hat, aber vorne echt ne gute Figur macht, so stell ich mir das vor.
Andy Y: Er verkauft uns einfach alles!
Thomas D: Yeah, ich verkauf euch einfach die Scheiße! Und die Scheiße wird natürlich wasserdicht sein, das ist mal ganz wichtig. Das Wichtigste bei der Partei ist, dass sie nicht verspricht, alles gut zu machen, sondern, dass sie von den Damen und Herren da draußen verlangt, alles gut zu machen. Frage nicht was deine Partei für dich tun kann, sondern frage, was du für deine Partei tun kannst. Das sieht natürlich so aus, dass der Bundeskanzler, also ich, dann nichts verdiene. Ich will kein Geld dafür, ich will kein Geld dafür, ich will aber auch keine Steuern mehr zahlen. Ich habe meinen Popstarjob, das geht, den mach ich noch neben her. Ich werde aber auch, da ich mich ja für alle einsetze, nirgends etwas zahlen, wo ich hingehe. Denn damit umgehst du nämlich die Korruption auf geniale Weise, weil wenn ich eh alles umsonst kriege, ha! Da würde ich mich nie bestechen lassen. Ich gehe irgendwo hin, sag' hallo, ich bin der Bundeskanzler, ah ja, hier nehmen sie mal meinen Wagen, oder die Brötchen beim Bäcker und ich sorge dafür - ähm ...
Andy Y: Dass das auch so bleibt ...(lacht)
Thomas D: Das dass so bleibt! (lacht). Dass wir alle ein bisschen glücklicher sind, vor allem ich. Nee, das geht jetzt nicht ganz auf, streiche am besten die letzte Ansage komplett! Es wird keine Fantastische Partei geben.
Andy Y: Das nicht, aber man sieht schon, da steckt viel Wahrheit dahinter (lacht). Die Wahrheit ist nur das, was keiner verträgt, darum machen wir keine Partei, wir würden es auch nicht vertragen auf Dauer.
Thomas D: Macht bestimmt auch keinen Spaß! Aber sprich mich doch noch mal in ein paar Jahren darauf an, wenn die Band kaputt gegangen ist und ich noch keinen Drogentod gestorben bin. Dann gehen wir vielleicht in die Politik. Dankeschön!
Bitteschön, Herr Bundeskanzler.
Das Interview führten Matthias Möller, Anna Johne, Simon Wiedenbach und Guido Neugebauer
Im Rahmen seiner Reflektor Falke-Tour und aus Anlass seines gerade erschienenen Soloalbums "Lektion In Demut" trafen sich die Laut-Mitarbeiter Dominik Kraus und Arne Brugger mit dem Fanta 4 Mitglied im Bahnhof Fischbach.
Eine richtige Rockshow präsentierten Thomas D und seine Mannen bei ihrer CD-Vorstellung im Bahnhof Fischbach am Bodensee: kaum Elektronik, dafür fette Gitarren und ein Sound, der weniger an die Fantas, als vielmehr an Dave Wyndorfs Monster Magnet erinnerte. Am Rande des Konzerts ließ sich Thomas D von LAUT befragen.
Hallo Thomas.
Grüß Gott. Wie läuft deine Tour bisher?
Gut. Sehr Gut. Wir sind auf jeden Fall im Lernprozess, man merkt jetzt schon nach zwei Tagen, dass es gestern schon besser war als vorgestern. Es war immer erfolgreich, aber es ist jetzt natürlich eine Umstellung. Mit der neuen Platte, mit dem neuen Sound und auch sonst hatten wir mit Fanta 4 mehr Lieder, wo man springen kann, und die Leute sind von Anfang an eigentlich gesprungen und jetzt ist es mehr Mucke, die man nach innen aufnimmt und wo die Leute sich nicht großartig bewegen. Aber der Applaus und der Zuspruch, den wir bekommen zeigen schon an, dass sie es gut finden, obwohl sie sich nicht bewegen. Dann denke ich mir "wieso bewegen die sich nicht, finden die das nicht gut?", aber es gefällt ihnen, und mir gefällts auch sehr, wir hatten gestern auch ab der Hälfte des Konzerts wirklich das Gefühl, Musik zu machen, also ein bewegendes Gefühl und das ist ja sehr erstrebenswert. Am Anfang war alles noch sehr theoretisch, also du hast etwas geübt. Dann hast du das erste Mal Publikum, dann ist das Feeling ein anderes, der Sound ist immer noch sehr schwierig für uns auf der Bühne, draußen ist er Gott sei dank sehr gut, so in Etappen arbeiten wir uns unserem Ziel entgegen, von Anfang an ein Gefühl zu schaffen und das dann auch den ganzen Abend zu halten. Was für eine Band hast du nun auf deiner Tour dabei? Die Band ist so ein wenig eine Allstarband. Es sind Caspar Brötzmann, der auch auf der Platte mitgewirkt hat, und And. Ypsilon dabei, mit einem Setup ähnlich wie bei den Fanta 4, also mit einem Sequenzer aus dem Sachen kommen, die wir nicht live umsetzen. Dann haben wir noch Ralf Goldkind dabei, der auch auf der Platte mit Andy (Ypsilon) als Produzent tätig war, der spielt Gitarre und Posaune, Bertill ist dabei, der gute Bertill Mark, der ja schon bei Fruit getrommelt hat und früher bei Headcrash und jetzt bei mir auf dem Mars (Anm. d. Red.: Eine Art Kommune in der Eiffel auf der Thomas D lebt) unser Studio Haus Erika Productions hat. Der Komi ist dabei, der ist MC- und Didgeridoo- UND Posaunespieler, ich spiele übrigens bei einem Stück auch Trompete, worauf ich ziemlich stolz bin, auch wenn ich mal den Ton nicht ganz treffe. (lacht) Dann haben wir noch Axel Hilgenstöhler, der bei Thumb Gitarre gespielt hat, und Florian "Watermelon Man" am Bass. Ich hoffe ich habe keinen vergessen. Es ist eine gute, eine sehr gute Besetzung, da das ja auch alle Proms sind, und die meisten hatten auch direkt mit der Platte zu tun.
Und geprobt habt ihr auf dem Mars?
Geprobt haben wir zwei oder drei Wochen und dann noch vier Tage auf dem Mars.
Jetzt mal zum Thema Reflektor Flake. Wie bist du denn auf die Figur des Reflektor Falke gekommen, und in welcher Hinsicht hat die Figur mit dir zu tun? Bist du der Reflektor Falke?
Reflektor Falke ist meine erschaffene Figur, die uns durch das Album geleitet. Er ist so gesehen eine Art Superheld oder besser ein Mutant, also einer, der besondere Fähigkeiten hat, ob er will oder nicht. Er besteht aus dieser Reflektion, er reflektiert also alles, was ihm entgegen gebracht wird, ob es Emotionen sind oder Strahlen, Gefühle, Vorurteile, egal, alles wird zurück gesendet. Somit nimmt er den Leuten die Maske ab und hält ihnen einen Spiegel vor, lässt sie gleichzeitig sehen wer sie wirklich sind.
Wie Till Eulenspiegel ?
Ja genau, der Hofnarr, der die Wahrheit sagen darf, solange über ihn gelacht wird, wenn nicht, kostet es ihn den kopf. Und in so einer ähnlichen Funktion ist er unterwegs. Er kann den Leuten zwar die Wahrheit sagen, aber wenn sie es nicht hören wollen oder nicht darauf eingehen, kann er auch nichts verändern, es liegt ja an einem selbst, sein Leben zu verändern. Ich hab auf der Platte ein ziemliches Endzeitszenario geschaffen, um Gefühle deutlicher rüberzubringen, um krasser die Trennung zwischen hell und dunkel oder Held und Bösewicht zu ziehen, damit jedem klar wird, ob er ein Bösewicht ist, oder zum Held seines Lebens werden kann. Mit mir hat das Ganze deshalb zu tun, weil es meine Gedanken über diese Welt sind, nur eben in Metaphern oder vor der Kulisse des cineastischen Soundtracks dieser Comicwelt. Aber auch ich bin ein Mensch, der versucht, den Menschen durch meine Texte die Augen zu öffnen, die Masken abzunehmen oder ihnen einen Spiegel vorzuhalten, bin aber natürlich darauf angewiesen, dass die Leute meine Musik trotzdem gut finden und trotzdem hören, weil sonst komm ich ja auch nicht an. Es mischt sich ziemlich genau an dem Punkt, Reflektor hat auch nur das Wort als Waffe und es trennt sich dann wieder, dass er durch seine Reflektion immer richtig liegt, während meine Reflektionen natürlich meine Meinung sind, es ist klar, dass ich nicht unfehlbar bin, wie es mein Comicheld ist. Helden irren sich natürlich nicht.
Das Album heißt ja "Lektion In Demut". Wieso? Braucht die Menschheit Lektionen in Demut?
Der Titel ist sehr hochtragend, vielleicht relativ heftig. Der Arbeitstitel lautete "König Der Narren", aber "König Der Narren" war mir für das Album, als es fertig war und mit den Zeichnungen von Gabriele Del Otto, ein fast schon zu lustiger Titel. "Lektion In Demut" ist ja auch ein Titel auf der Platte, und dort bekommt der Reflektor Falke seine eigene Lektion in Demut, d.h. er hat angefangen, über die Welt zu urteilen, er hat vielleicht erkannt, was vermeintlich schlecht ist, aber man kann die Welt nicht retten, indem man sagt "Ihr seit schuld und ihr macht dies falsch und das falsch", man kann die Welt nur retten, indem man bei sich selbst anfängt und sich selbst verändert und seine eigene Einstellung zur Welt ändert, und das ist die Lektion in Demut die unser Held bekommt. Gleichzeitig ist, glaube ich, eine Rücknahme des Egos heutzutage schon angebracht, weil wir uns ja schon viel leisten können und sehr viel machen, ohne dass es uns sofort betrifft. Und alles kommt zurück, das wissen wir, deshalb müssen wir aufpassen und darum ist die Demut einfach ein bisschen mehr Sorge tragen für sein Umfeld, mehr Verantwortung für die Dinge, die man tut und nicht tut.
Kann man das auch als Kritik an unserer Spaßgesellschaft verstehen?
Ja genau !
Alles ist erlaubt.
Ja genau, es wird viel entschuldigt oder einfach gemacht, weil der einzelne Mensch denkt, dass er eh nichts verändern kann, aber genau dadurch ändern Menschen ja etwas, indem sie in ihrem Leben etwas ändern, und dieses "wenn andere ihren Müll in den Wald werfen dann kann ich meinen Müll auch in den Wald werfen" zählt einfach nicht. Ich habe meinen Spaß überhaupt nicht verloren, aber mein Spaß hört dann auf, wenn er auf Kosten anderer geht. Über Späße auf Kosten anderer kann ICH nicht lachen! Ich habe mich bei der Platte auch bewusst in diesem Bereich des Wachrüttelns oder der Kampfansage gehalten, also es gibt auf der Platte kein Sommerhit, nachdem ich schon gefragt wurde.
Auch die Musik ist ja eher düster !
Ernsthaft.
Hat das etwas mit dem Thema zu tun?
: Ja, das ist genau auf das Thema bezogen. Die Platte ist ein Film, ein Trip, und es wird auch danach wieder lustige Sachen geben, aber momentan ist es wichtiger, zu sagen "entscheide dich, entscheide dich jetzt, wohin dein Leben geht und was sie von dir erzählen werden, wenn du nicht mehr da bist" also es hält sich bewusst da auf. Ich wollte da mal einen Nagel reinhauen, nach Liedern wie "Krieger" und "Millionen Legionen" oder auch "Liebesbrief", wo ich durchweg positiv zu diesem Bewusstsein aufrufe.
Was auch musikalisch positiv ist.
Ja, da war And. Ypsilon schon maßgeblich beteiligt und das hat sich ja auf der Platte auch fortgesetzt, dass ich ihn neben Ralf als generellen Produzenten genommen habe. Nachdem meine Texte nicht so lustig waren, haben sie sich auch stimmungsmäßig darauf eingelassen und haben natürlich einen dementsprechend ernsten, mächtigen, cineastischen, dunklen Soundtrack geschaffen.
Gibt es für sich so etwas wie musikalische Einflüsse, die dich für dieses Album inspiriert haben, und was hörst du zur Zeit für Musik? Etwa Country?
(lacht) Nein, nur weil ich auf dem Land lebe, höre ich noch nicht Country-Mucke. Gut, ich höre nach wie vor Monster Magnet tagaus tagein, sofern ich Gelegenheit dazu habe, oder etwas Ambient zum runterkommen, ruhigere Musik ohne Text. Aber Monster Magnet hat mich textlich schon immer sehr beeinflusst, bewegt oder inspiriert. Aber musikalisch könnte ich es mit nichts vergleichen, ich habe versucht, etwas Neues, Eigenes zu schaffen, mit den Musikern, aber auch mit dem Computer. Wenn man Kritiken liest, in denen es heißt, Synthis spielen düstere Klänge, ist das falsch, da kein einziger Synthi auf der Platte verwendet wurde. Es sind alles echt Instrumente, die dann über den Computer wieder in etwas Neues generiert wurden, weil wir oder vor allem der Andy wollten, dass die Emotion des Musikers oder die Seele des Instruments auf jeden Fall erhalten bleibt. Es sollte nicht so ein technisch verkopfter Kram werden, sondern dass nach wie vor die Emotion da ist.
Wie ist die Arbeit an einem Soloalbum, wenn man sie mit der in einer Band vergleicht? Ist es befreiend, wenn man mal das machen kann, was man will und wo man zu 100 Prozent dahinter steht?
Ja, man muss aber immer Kompromisse eingehen, wenn man etwas mit Musik macht. Die Musik entstand ja auch hauptsächlich unter drei Leuten, aber auch die ganzen Musiker, die einen Input lieferten und es wieder in eine neue Richtung lenkten und eine neue Farbe beigaben, deshalb ist es immer ein gemeinsames Produkt. Aber natürlich hatte ich textlich und von der Vision völlige Freiheit, und das ist auf jeden Fall ein Austoben, auf der anderen Seite lasten die ganzen Kritiken genauso wie die Fans auf meinen Schultern, und dies alles kann ich nicht durch vier teilen, was manchmal auch ein wenig anstrengend ist, weil alles doch wieder zu Thomas D zurück kommt. Ich muss das alleine ausbaden, weil keiner sagen kann "And. Ypsilon hat Scheiß produziert".
Sag mal was zu den Gastmusikern Caspar Brötzmann ist dabei und......
Jaki Liebezeit
... ist von Can.
Ja, ist ein großer Name.
Wieso gerade die? Sind das Helden ?
Ja, das sind echte Helden, die Jungs sind echt shanti drauf, dezent, und machen überhaupt kein Ding. Caspar ist ein sehr großer Künstler, das merke ich jetzt auch mit ihm auf der Tour. Auch wie er Musik beschreibt und das alles sieht, ist wirklich sehr seelenvoll, da geht es einfach um so Sachen, wie wenn er sagt "es geht darum spürbar zu bleiben" das drückt genau das aus, worum es mir auch geht und zeigt, dass wir an der gleichen Front kämpfen und wir beide da gut aufgehoben sind. Und Jaki ist ja auch schon ein bisschen älter, ich weiß gar nicht so genau wie alt, aber ich glaube 58.
Ralf Liebezeit : 59
Ah, ja ich dachte mir ja, er ist schon fast 60. Er ist ein sehr ruhiger Mansch und sehr bedacht, spielt sehr reduziertes Schlagwerk, zumindest bei den Aufnahmen, aber das ist unglaublich, wie tight der Typ ist, wie genau, und welches Verständnis der für Takte und auf Zwischenräume und Groove anwendet, und wie er das dann auch spielt, das war echt ein Erlebnis. Ich habe noch nie jemanden so Schlagzeug spielen gehört wie ihn, obwohl er nicht mehr gemacht als boom und zack.
Gab es irgend jemand, den du gerne gehabt hättest, der aber keine Lust oder Zeit hatte?
Nein, ich habe mir ja sogar meinen großen Traum erfüllt, mit Dave Wyndorf, dem Sänger von Monster Magnet zusammenzuarbeiten, der auch auf zwei Liedern vertreten ist. Das war schon der letzte große Traum. Die Arbeit mit Caspar und Jaki wer relativ kurzfristig und bei Dave hat es sich ja schon lang angebahnt, ich habe ihn dann auch Gott sein Dank getroffen. Er hatte sogar Lust darauf, auf Deutsch zu singen, was für mich total abstrakt war, obwohl ich eher daran gedacht habe, seine Gitarren zu nutzten. Aber als die Platte dann soweit gereift war, war klar, dass das alles ein Sound wird und wir keine andere Band spielen lassen können, dann kam ich zu dem Gedanken, ihn wirklich auf Deutsch singen zu lassen, und er hat das auch schön gemacht. Das war wirklich mein letzter Traum, mit ihm zusammenzuarbeiten. Sonst gibt es da niemanden, der mir einfällt, mit dem ich mal etwas zusammen machen will.
Was sagt Dave Wyndorf denn zu solch einer Musik?
Der fand es gut, er fand es auch mutig. Also, ich habe ihm nur ein Demo vorgespielt und meine Texte auf Englisch übersetzt, und das fand er alles ziemlich gut und hatte echt Bock drauf. Er hat mir auch gedankt für die Zusammenarbeit, was mich sehr geehrt hat, weil es mein Vorbild ist und ich muss ja dankbar sein.
Mal zum Thema Internet, hältst du es für einen Segen oder deinen Fluch?
Internetmania?!
Ja, genau das meinte ich.
Ich finde das Super!
Bist du im Internet?
Nein (lacht), quasi nie, dennoch finde ich dieses Feld super, weil die Möglichkeit besteht, Informationen direkt zu bekommen, und nicht mehr alles über eine dritte Person geht, die das auch verfälscht haben kann. Und der Künstler hat die Möglichkeit, sein Statement klar zu machen und seine Sicht der Dinge noch hinzuzufügen zu dem Bild, das in den anderen Medien wie Zeitungen zu sehen ist. Gleichzeitig ist das Internet auch für Leute, die etwas wissen wollen und sich nicht nur berieseln lassen wollen, die auch etwas tun wollen, mehr als nur das Fernsehen anzuschalten. Das ist eine gute Sache.
Ist im Internet nicht auch die Gefahr, dass die Menschen die virtuelle Welt gegen die Reale austauschen?
Diese Gefahr besteht doch auch beim Fernsehen. Es kommt darauf an, wie man es nutzt. Auch bei Videospielen besteht diese Gefahr, wenn die Kids sich gegenseitig auf dem Bildschirm killen, ist das auch nicht toll. Da denke ich mir auch, dass das die Kids sicherlich nicht positiv beeinflusst. Aber es muss jedem selbst überlassen sein, wie er das nutzt, und mir geht es so, dass ich mich jedes Mal verirre: irgendwann sehe ich eine Blondine mit zwei Riesenbrüsten, die sagt "klick hier", und dann bin ich auf Seiten, die meinen Computer zum Abstürzen bringen, das frustriert dann total. Aber mit dem Mars gehen wir natürlich auch ins Netz.
Wie wird die Adresse sein ?
Das würde ich auch gerne wissen, wir sind noch am suchen, weil Mars an sich geht natürlich nicht, aber marslive oder marsnetz, ich muss da noch mal nachfragen.
So das war’s schon, vielen Dank.
Gern geschehen.
Das Interview führten Dominik Kraus und Arne Brugger.
Fornika Für Alle (2008)
Viel Live (2005), Best Of 1990 - 2005 (2005), Viel Live (2005), Viel (2005)
Faust Vs. Mephisto (2004)
Live In Stuttgart (2003), Marsmusik 2 (2003)
MTV Unplugged (2001), Was Geht (2001), Marsmusik 1 (2000), MTV Unplugged (2000)
Solo (1997), Live & Direkt (1996), Lauschgift (1995), Megavier (1994), Die 4. Dimension (1993), 4 Gewinnt (1992), Jetzt Geht's Ab (1991)
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