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Keine Ahnung, wer Schorsch sein soll. Auf jeden Fall verdanken wir ihm, dass eine der besten deutschen Metal-Bands auf den bescheuerten Namen Farmer Boys hört.
Die Legende besagt, dass ein Klassenkamerad von Sänger Matthias 'Matze' Sayer und Keyboarder Dennis Hummel auf den poetischen Namen Schorsch hörte. Jener hatte wohl einen Beliebtheitsgrad, der gegen Null tendierte und stammte aus bäuerlichen Verhältnissen. Das Duo gründet kurzerhand die zu diesem Zeitpunkt noch fiktive Band Farmer Boys: Aus dem Running Gag resultiert irgendwann der Song "Bauern Power", und 1994 werden die Boys dann Realität.
So viel zur Legende. Ansonsten drehen Matze, Dennis, Gitarrist Alex Scholpp, Drummer Till Hartmann und Basser Ralf 'Botzi' Botzenhart ziemlich auf. Die ersten Demos entstehen, und viele Auftritte und Stickeraktionen sorgen dafür, dass Intercord aufmerksam werden und die Farmer Boys mit Schweisser auf Deutschland-Tour schicken.
Zuvor riecht 'Bär' (u.a. Manager von Fanta 4) bei einem PopKomm-Auftritt Lunte und nimmt sie bei seinem Label Absorbing unter Vertrag. Die erste Scheibe "Countrified" kommt 1995 und hat mit BMG einen Major-Vertrieb im Rücken, der den Farmern die Chance gibt, mit Siggi Bemm und Waldemar Sorychta (Ex-Despair, Grip Inc. und gefragter Produzent in Metal-Kreisen) zusammen kollaborieren.
Um dem Namen gerecht zu werden, sind alle Texte aus der Sicht von Tieren geschrieben, wobei natürlich George Orwells "Farm der Tiere" und ein Schmöker namens "Dr. Ratte" die für Grundlagen einige Texte abgeben. Humor ist ebenfalls eine der Antriebsfedern der Band. So wird auf "Call Me A Hog" das Rezept für Schweinepastete besungen.
Hervorstechend bleibt auch "Never Let Me Down Again", ein Depeche Mode-Cover, das Dennis' und Matzes Vorliebe für den Sound der 80er verdeutlicht. Annecke von Giersbergen (The Gathering) übernimmt auf die Gastvocals. Dass sich die Band musikalisch nicht eindeutig festlegen will, deuten sie Ende 1995 an, als sie mit Napalm Death touren. 1996 geht es u.a. mit Rammstein) auf die Straße.
Nach einem Auftritt beim Blindman's Ball in Stuttgart mit Headliner Metallica nimmt der Fünfer mit Siggi Bemm das zweite Album "Till The Cows Come Home" in Angriff. Die Gesangsmelodien werden von den 80ern beeinflusst und der harte Gitarrenthrash weiter ausgearbeitet.
Im Anschluss treten die Farmer Boys auf zahlreichen großen deutschen Festivals auf und werden gemeinsam mit den Deftones, Bad Religion und NoFX auf die 'Vans Warped-Tour' durch die USA geschickt.
1999 wechselt der Haufen zu Motor Music und beginnt auf Malta mit den Aufnahmen zu "The World Is Ours". Produzent Steve Lion wird währenddessen wieder gegen Siggi Bemm ausgestaucht. Den letzten Schliff verpasst man der Scheibe in Hamburg. Botzi steigt direkt im Anschluss aus. Seinen Platz nimmt Antonio 'Toni' Leva ein.
Mit dem dritten Output fahren die Farmer Boys durchweg gute bis sehr gute Kritiken ein und gehen im September 2000 mit Oomph! auf Deutschlandtour. Doch außer Matzes Beitrag für den Apocalyptica-Song "Hope Vol.2" wird es still um die Farmer Boys: Über drei Jahre ziehen bis zum nächsten Lebenszeichen ins Land.
Mittlerweile bei Nuclear Blast unter Vertrag erscheint "The Other Side" Ende Januar 2004. Aufnahmen und Produktion übernehmen die Jungs selbst, für den Mix kehrt Siggi zurück. Einmal mehr wird deutlich, wie gekonnt die Schwaben poppige Melodien mit fetten Riffs verbinden.
Zwar sieht man die Boys im Anschluss auf diversen Festivals, doch die konstant gute Arbeit der Stuttgarter zahlt sich nicht aus. Immer seltener stößt man auf dem Namen Farmer Boys und über kurz oder lang löst sich die Band still und heimlich auf. Drummer Till widmet sich nun voll und ganz seinem Tattoo-Studio, und Sänger Matze dem Studium der Audiovisuellen Medien. Toni taucht bei Stereopilot wieder auf, und Alex ist mit Tieflader und wenig später auch mit seiner Angetrauten bei Dacia aktiv.
Nebenbei gründet er in Stuttgart noch eine Gitarrenschule und taucht auf der Soloscheibe der ehemaligen Nightwish-Sängerin Tarja Turunen auf. Bei ihr spielt er in der Liveband und bastelt parallel dazu mit seiner Frau an einem neuen Projekt. Matze, der mittlerweile als Filmkomponist arbeitet, und Dennis schrauben derweil gemeinsam an dem Elektropop-Projekt Her Secrets.
Die große Überraschung folgt Ende November 2008. Unter dem Motto Heimspiel-Reloaded kündigen die Farmer Boys einen Reuniongig an: Am 22. Dezember spielen sie in der Stuttgarter Röhre.
Alex Scholpp über Tarja Turunen, die Krise des VfB und leckeres Dinkelacker Bier.
Nach zehn Jahren Tieflader und vier EPs haben es die Schwaben endlich mal geschafft, ein richtiges Album aufzunehmen.
Grund genug, bei Bandleader und Gitarrist Alex Scholpp mal nachzufragen, warum das so lange gedauert hat, wie es sich als Tourgitarrist der ehemaligen Nightwish-Sängerin Tarja Turunen so lebt und was zur Hölle mit dem VfB los ist! Der Anruf aus der Schwaben-Metropole kommt pünktlich um halb acht, und Alex ist mal wieder bestens bei Laune.
Kein Wunder, mit "Geht Durch Die Wand" haben Tieflader ein starkes Album vorgelegt, die Frau kümmert sich um den Nachwuchs und Alex selbst ist gerade auf dem Sprung zur Probe, um sich auf den Release-Gig vorzubereiten. Mahlzeit!
Ja, Mahlzeit ist genau richtig. Bei mir gab's grad Essen. Steak mit Salat und Kartoffeln, so richtig amerikanisch. Aber man muss ja ne Grundlage schaffen, nachher ist Probe mit Tieflader.
Aha, auf einmal ist große Aktivität angesagt. Naja wird auch Zeit nach vier EPs und zehn Jahren.
Ja, hast ja recht. Sogar das Stuttgarter Stadtmagazin Lift hat geschrieben: "Die Stuttgarter beschenken sich zu ihrem zehnjährigen Jubiläum mit ihrem Debütalbum" (lacht), das passt schon ganz gut. Naja, es gab in den zehn Jahren ja durchaus auch Besetzungswechsel und ich war auch nicht so ganz unschuldig dran, weil ich noch mit Farmer Boys aktiv war. Tieflader waren mir aber trotzdem immer wichtig, ich wollte das auch nie aufgeben. Leider haben wir es in den ersten zehn Jahren nie auf Albumlänge hinbekommen, sondern immer nur ein paar Songs gemacht und die dann gleich eingespielt. Die ganzen EPs davor waren ja immer so 'Ein-Tages-Aktionen' im Studio. Das ging alles immer recht schnell. Am einen Tag die Instrumente, am anderen noch der Gesang und fertig.
Klar, du als Mutter und Hausfrau warst da zeitlich natürlich immer eng dran.
Jahaha, genau! Aber dieses Mal haben wir uns etwas mehr Zeit genommen und eben unser Debüt eingezimmert. Wir haben da ein zwei Sachen ausprobiert und sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
Was mir natürlich gleich mal wieder aufgefallen ist, ist dein Festhalten an einer nicht existierenden Rhythmusgitarre unter deinen Soli. So was macht doch echt jeder im Studio, außer Pantera.
Hahaha, ich wusste, dass das jetzt kommt. NEIN!!! Sowas gibts bei mir nicht! Das ist ne Style-Frage. Live hast du ja auch keine Rhythmusgitarre, zumindest nicht bei uns oder anderen Bands mit nur einer Gitarre. Das habt ihr mit Purify doch auch nicht.
Ja, aber wenn wir was aufnehmen, spielen wir trotzdem ne Rhythmusspur ein.
Pfff, alles fake (lacht).
Ach komm, du hast auf "Geht Durch Die Wand" auch ein paar zweistimmige Leads drauf, die live in der Art wohl auch nicht machbar sind.
Verdammt, jetzt haste mich natürlich am Sack (lacht). So viel zum Thema Konsequenz. Ok, damit haste recht, aber bei einem Gitarrensolo find ich es einfach auch geil, wenn nur Bass und Schlagzeug alleine grooven. Und wenn die Gitarre dann wieder mit einsetzt, kracht das um so mehr.
Schon richtig, aber so ein wenig bremst das doch immer aus.
Klar, aber das find ich dann auch ok. Das ist durchaus beabsichtig, dass du während dem Solo einen Spannungsumschwung hast. Es geht kurz woanders hin und kommt dann um so brachialer wieder zurück. Klar, das ist Geschmackssache, aber das ist schon in der Pantera-Tradition gehalten, das haste schon richtig erkannt.
Auch manches Riff ist schwer in der Pantera-Tradition gehalten, hehe.
Keine Frage, aber Dimebag ist neben James Hetfield schon immer mein Lieblingsgitarrist gewesen. Das hört man meinem Sound und Stil schon an. Die Grooves, das Tempo, da ist schon deutlich, dass ich mich von seinem Gitarrenspiel hab inspirieren lassen. Aber ganz so einfach, dass ich Dime nur kopiere, ist es wohl auch nicht.
Nein, bestimmt nicht. Von einer Kopie kann keine Rede sein. Vor allem sind auch einige Riffs dabei, die durchaus an Farmer Boys erinnern. Was ich viel kritischer finde, ist es, eine Song wie "Stuttgart" zu veröffentlichen. Immerhin haben die gestern 1:0 gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth verloren!
Ich leg gleich auf (lacht). Sehr witzig, Eddy. Ich bin hier in tiefer Trauer und du bohrst noch in der Wunde! Scheiße, warum mussten wir das Interview auch noch mal verschieben. Hätten wir das nicht vor drei Wochen machen können? Da sah es beim VfB noch deutlich besser aus. Aber das war echt bitter gestern. Aber hilft ja nix, man muss halt zu seinem Verein und seiner Heimat stehen. Auch wenn's mal weh tut. Aber immerhin hat Jens Lehmann den Ball von dem Balljungen, der sich sehr anständig benommen hat, zurück bekommen (lacht).
Meine Fresse, das war so ne Sache. Ich dachte echt, jetzt frisst er ihn! Der Lehmann ist ja jetzt eh nicht für seinen umgänglichen Charakter bekannt.
Ja, das grenzte schon so ein wenig an Todessehnsucht bei dem Kleinen. Aber ich will nichts Schlechtes über den Lehmann sagen, weil der doch schon viel für den VfB in dieser Saison getan hat. Aber vom Typ her … naja, das haben Weltklasse-Torhüter wohl genetisch so an sich (lacht).
Stimmt schon. Der Kahn hätt ihn wahrscheinlich in einem weggenagt.
Jahaha, der hätte ihm den Kopf weggeschrien, oder ihn einfach aus dem Hemd gebrüllt. Aber ich bin ja schon ganz froh, dass die Mannschaft geschlossen dem Trainer das Vertrauen ausgesprochen hat und dass da nicht gleich wieder das Stühlerücken angesagt ist. Was kann denn der Trainer dafür, wenn die Lutscher auf dem Platz nichts auf die Reihe bekommen? Da müsste doch dann eigentlich eher der Manager mal dran glauben, der für die ganzen Einkäufe verantwortlich ist.
Hier in Mainz fühlt man sich ja mittlerweile als Trainerkiller. War neulich eine entsprechende Glosse in der Zeitung. Egal, ob Mainz verliert und dann den Trainer feuert, oder ob ein anderer Club gegen Mainz verliert. Im Anschluss ist immer der Trainer weg.
Ja, echt ne Unsitte. Was soll das? Sieht man doch grad wieder bei Bayern. Das, was die gerade anstellen, hätten sie mit dem Klinsmann auch geschafft. Den haben die gefeuert und dem Neuen erst mal sechs neue Spieler für 160 Millionen hingestellt und wo stehen sie in der Liga? Ist doch echt n Witz. Sind die da alle besoffen?
Jawoll!
Wie erklärst du mir denn das bitteschön?
Öh, wir trinken gerne Bier!
Ja ok, und was hat das mit Dinkelacker zu tun?
Hey, wir trinken auch gern Dinkelacker.
Ja klar, jetzt schon.
Du Arsch (lacht)! Klar, trinken wir Dinkelacker, man kann ja nicht immer nur Stuttgarter Hofbräu trinken, weißte? Wie auch immer. Dinkelacker ist noch ne alteingesessene Privatbrauerei. Stuttgarter Hofbräu gehört ja mittlerweile zur Radeberger-Gruppe. Dinkelacker Schwabenbräu ist dagegen immer noch privat. So was find ich gut, das wird unterstützt.
Ok, das lass ich gelten. Ich war ja beinharter Haigerlocher-Fan. Aber das hatte auch schwer an Profil eingebüßt, nachdem es aufgekauft wurde.
Ja, siehste? Genauso ne Unsitte wie das Trainer-Feuern.
Kommen wir mal wieder zu eurer Scheibe zurück. Textlich ist "Hier Kommt Der Hammer" ja nicht wirklich der Hammer.
Ach komm, wieso denn? Das kommt textlich doch gut auf den Punkt.
Mit jedem zweiten Satz: "Hier kommt der Hammer!"
Ja klar, aber das ist doch ein Stilmittel. Das kommt vom ... äh … Schüttelreim, genau (lacht). Ne, dieses Mal haben wir uns echt deutlich mehr Mühe gegeben, was die Texte angeht. Die schreiben Patrick und Rob zusammen und ich hab auch einen geschrieben.
Lass mich raten, du hast bei "Stuttgart" ne Zeile mit getextet?
Ne, bei "Ich Will Wieder Heim" (lacht). Nein Quatsch, der ist komplett von Rob. "Abwärts" ist von mir. Die meisten Texte funktionieren dieses Mal schon auf mindestens zwei Ebenen und haben auch immer mal wieder ein Augenzwinkern dabei. Das war früher nicht immer so. Da haben wir eher selten zweimal überlegt, wie wir was formulieren könnten. Dieses Mal haben wir uns da richtig Mühe gegeben und da wurde auch bis kurz vor dem Einsingen noch einiges dran rumgeschraubt und verändert. Das lass ich dir nicht durchgehen, dass die total platt sind (lacht).
So hab ich das ja auch nicht gesagt. Jetzt leg mir doch nix in den Mund. Das mach ich höchstens bei dir, wenn ich das Interview abtippe.
Ja, genau so kenn ich dich! Journalistisch immer um darum bemüht, authentisch zu sein. Aber halt nur bemüht (lacht).
Was ist das eigentlich für ein Label auf dem ihr jetzt seid? Ratzer Records?
Jep, das ist sowas wie ein alteingesessenes Label hier in Stuttgart. Das ist auch ein Plattenladen, der jetzt 25-jähriges Jubiläum feiert. Der Typ, der den Laden schmeißt, ist ein guter Kumpel von mir und hat uns früher auch schon mit den Farmer Boys sehr gefördert. Der kennt sich halt gut aus und jetzt haben wir eben alles zusammen geworfen und mit ihm die Scheibe gemacht. Wir machen natürlich nach wie vor viel selber und auf eigene Faust, genau wie bei den EPs vorher. In Zeiten wie diesen musst du einfach sehr viel selbst übernehmen, damit du überhaupt letztendlich bei Null rauskommst.
Denkst du, dass man als Band noch groß auf Labels angewiesen ist, oder kann man mit einem guten Vertrieb weitgehend alles selber machen?
Puh, ich denke eigentlich, dass man als Band das meiste mittlerweile auch ohne Label durchziehen kann. Vor allem, weil man ja immer noch von manchen Labels hört, die sich die CDs schon fertig produziert von den Bands geben lassen, die Rechte an den Songs bekommen und letztendlich kaum was für die Band oder die Scheibe machen. Klar, ein großes Label hat immer noch Macht und auch das Geld, dich wirklich zu pushen und was aus deinem Sound zu machen, aber auf kleinerer Basis lässt sich auch ohne Label schon einiges bewegen. Die meisten Labels gehen ja nach dem Prinzip vor, wir schmeißen jetzt mal so viel wie möglich von einem gerade angesagten Trend an die Wand und was kleben bleibt, da pumpen wir auch für ein zweites Album Geld rein. Da hast du als kleine Band, die sich keinem Trend anbiedert, eh kaum ne Chance. Also warum nicht auf eigene Faust arbeiten und dabei dann wenigstens einigermaßen auf Null rauskommen.
Auf jeden Fall. Das ist natürlich auch ne extrem feine Sache mit solchen Musikern zu spielen wie dem Oliver Holzwarth am Bass (Blind Guardian/Ex-Sieges Even) oder dem Mike Terrana (Axel Rudi Pell/Ex-Rage) an den Drums. Das sind nicht nur Spitzenmusiker, sondern auch alles verdammt nette Leute, mit denen ich mich super verstehe. Man sitzt da schon recht lange und viel aufeinander, und das hat mit allen sehr gut funktioniert. Wenn man sich um nichts groß kümmern muss und nur Abends auf die Bühne geht und spielt, ist das natürlich ne sehr relaxte Sache. Auch mit Tarjas Mann und Manager. Ich versteh nicht, warum man mit denen irgendwelchen Stress haben sollte. Die sind da beide sehr entspannt und freundlich. Vor allem auch sie. Wir sind da als Musiker eigentlich weitgehend selbst für uns und unser Zeug verantwortlich und haben auch freie Hand. Es gib keinen Musical Director oder was in der Art, der alles vorgibt oder irgendwelche Vorschriften macht. Wir regeln das sozusagen unter uns, ob wir jetzt nen Stop machen, oder eine Fadeout, oder was auch immer. Das Meiste bleibt natürlich so wie auf CD, aber ein paar Kleinigkeiten können wir absolut unter uns ausmachen. Auf der letzten Tour hatten wir einen kleinen Akustik-Mittelteil, in dem eigentlich keine Gitarre auftaucht. Da hieß es dann einfach: "Spiel worauf du Bock hast."
Und dann stehst du nebendran und schnippst mit den Fingern.
Genau, wie James Last (lacht). Nö, ich hab mir während der Probe die Akkorde rausgehört und dann eben was dazu gespielt. Das war echt ne coole Sache. Mit den ganzen anderen Jungs war das kein Problem. Da kommt jeder perfekt vorbereitet zur Probe, Mike zählt an und los gehts.
Mal was ganz anderes: Wie wichtig ist ein Plattform wie MySpace für euch?
Sollte man schon haben und ist ne feine Sache für die Leute, die mal ein paar Bands anchecken wollen. Da ist genau das drauf, was man als Band braucht: Musik, Video, Bilder und Text. Am Anfang fand ich das eine richtig spannende Sache, aber mittlerweile geht es mir auch stellenweise ganz schön auf den Sack. Vor allem, wenn du ständig irgendwelche Freundesanfragen von Bands bekommst, wo in Klammern dann noch 'writing new songs' steht. Äh, who gives a fuck? (lacht). Man kann Mitteilungsbedürfnisse auch übertreiben. In dem Zusammenhang sei auch Twitter erwähnt. Geht's eigentlich noch? Also MySpace ist schon gut, sollte man als Band haben, aber wir legen auch Wert auf eine eigene Heimat im Netz.
Ich hab neulich mit Daniel Wirtz ebenfalls drüber gesprochen. Der hat sich ja mehr oder minder über MySpace erst mit seiner Band aufgebaut und ist da täglich mehrere Stunden online, um ganz nah am Fan zu sein.
Ja, wenn das für ihn so funktioniert ist das super. Wenn ich mich richtig erinnere, war der mit seinem Video schon bei der ersten Scheibe direkt auf der Startseite bei MySpace. Das ist echt klasse, wenn das bei ihm so funktioniert, aber ich denke, das wird auch von Künstler zu Künstler verschieden sein. Manche Themen sind auf MySpace einfach zugänglicher als andere und wenn das bei ihm so toll geklappt hat, cool! Hm, vielleicht sollte ich das auch mal machen (lacht).
Du musst das delegieren und einen von deinen Jungs zur MySpace-Arbeit einteilen.
Freunde anwerben, überall in Klammer schreiben, dass wir an neuen Songs arbeiten ... und das Geilste überhaupt find ich ja, wenn dir Leute Comments posten mit Videos, die selber starten. Da könnte ich direkt mit dem Hammer drauf hauen. Das Video kann noch so gut sein, die sind für mich von vornherein gestorben.
Wie geht's bei Tieflader weiter?
Wir spielen jetzt ein paar Konzerte. Und – dann schauen wir, dass wir noch mehr Konzerte spielen. Und dann machen wir uns auch gleich mal ans neue Album, damit wir zum 20-jährigen Jubiläum was nachlegen können (lacht). Oder vielleicht auch zum 25-Jährigen. Nein, das neue Album soll natürlich deutlich schneller hinterher kommen. Das sollte in ein, zwei Jahren durchaus drin sein.
Klingt doch sehr gut. Was macht denn der Nachwuchs? Pennt der schon?
Ne, die is noch wach. Aber wir waren heute auf Kindergartensuche und haben da heute nen VfB-Spieler getroffen, der sich den auch angeschaut hat. Den hab ich direkt niedergeschlagen (lacht). Ne, der is leider ganz schnell wieder verschwunden, dabei hätte ich mich gern mal mit dem unterhalten. Naja, egal. Das war jetzt ein zweisprachiger Kindergarten, aber das ist nicht zwingend notwendig. Sie wächst ja zweisprachig zu Hause auf (Alex Frau Dacia ist Amerikanerin, d. Verf.). Aber um Kindergärten und so was muss man sich echt rechtzeitig kümmern. Am besten noch vor der Geburt (lacht). Wir waren danach noch ein bisschen unterwegs und jetzt muss die Kleine erst mal wieder runterfahren. Babys haben anscheinend immer Angst, dass sie irgendwas verpassen. Deswegen will sie auch nicht schlafen.
Ach, mach ihr einfach auch n Dinkelacker auf, dann klappt das schon.
Jahaha, genau. Wie sieht's denn bei dir aus mit Nachwuchs?
Keiner, von dem ich wüsste oder der mir nachgewiesen werden kann.
Den Gitarristen der Stuttgarter Farmer Boys ans Telefon zu bekommen, gestaltet sich als schwierig. Warteten wir beim ersten Termin schon vergeblich, vertröstet er uns auch beim zweiten Date, so dass es schließlich Sonntag Nachmittag ist, als sich eine schwäbische Nummer endlich auf dem Display abzeichnet.
Mit seinem Anruf platzt Alex Scholpp somit genau in den Auftritt von Oomph! bei "The Dome" auf RTL II rein. (Sehr interessant, Eddy!, Anm. d. Red.)
Hey, mach mal schnell RTL II rein, da spielen grade Oomph! bei "The Dome".
Echt? Cool, die Teenies müssen doch jetzt alle Alpträume haben, so wie Dero auf der Bühne immer einen auf Psychopath macht, hahaha. Rennen die nicht alle weg? Ich finde das voll geil, was da mit Oomph! gerade abgeht. Die sind schon so lange dabei, die haben das echt verdient.
Vor vier Jahren habe ich die in Darmstadt ja größtenteils verpasst, da ich zu dem Zeitpunkt gerade das Interview mit Toni (b), Dennis (keys) und Till (dr) hatte. Matze und du wart ja zu sehr im Arsch, um noch mit mir zu plauschen.
Dafür kannste du sie dir ja jetzt in "The Dome" anschauen, hehe.
Na klasse, lass uns lieber zum Thema kommen. Warum hat das denn schon wieder so lange gedauert, bis man was Neues von euch gehört hat?
Zu um einen war das der Plattenfirmenwechsel, der uns sehr viel Zeit gekostet hat. Wir hatten die Vorproduktion eigentlich schon recht schnell im Kasten, dann gab es aber bei Universal eine massive Umstrukturierung und so hat es ziemlich lange gedauert, bis sich endlich entschieden hat, dass wir unser nächstes Album woanders rausbringen. Unsere Zeit haben wir dann ins Songwriting investiert. Wir hatten letztes Jahr im Sommer schon alles aufgenommen und vorbereitet, erschienen ist das Album dann aber halt doch erst im Januar. Echte Farmer Boys-Songs brauchen aber einfach auch ihre Zeit bis sie gereift sind, hahaha.
Ich war ja schon beim letzten Album sauer, dass das so lange gedauert hat. Für "The Other Side" habt ihr euch dann gleich noch mal mehr Zeit gelassen. Muss das sein?
Tja, öh, was soll ich sagen, haha. Wir geben uns ja schon Mühe.
Warum habt ihr euer Label überhaupt gewechselt, ich dachte ihr seid mit der Arbeit von Motor sehr zufrieden gewesen?
Das ist schon richtig, aber bei Universal wurde, wie gesagt, einiges anders strukturiert und dadurch wurden auch die Zuständigkeitsbereiche neu aufgeteilt und dieser Umverteilung fielen wir schlicht und ergreifend zum Opfer. Dabei lief "The World Is Ours" eigentlich ganz gut und hat sich auch gut verkauft. Der Job, den Motor abgeliefert haben, war voll in Ordnung und wir hätten auch gerne weiter mit ihnen gearbeitet, aber das war einfach 'ne Business-Entscheidung. Shit happens.
Ihr habt dann bei Nuclear Blast unterschrieben. Die krallen sich zur Zeit ja auch so ziemlich jede geile Band.
Yeah, mit Nuclear Blast ist das schon 'ne coole Sache. Die sind zwar nach wie vor ein Independent-Label, machen aber einen fantastischen Job und veröffentlichen das Album sogar weltweit, was wir bisher auch noch nicht hatten. Das passt jetzt einfach alles. Volle Schwabenpower eben, hahaha.
Moment mal, ihr hattet bisher keinen weltweiten Vertrieb? Weder Japan, USA oder Liechtenstein?
Bisher waren wir offiziell eigentlich nur im deutschsprachigen Raum zu haben. Ein paar CDs gab es auch in anderen Ländern, aber da wurde nicht wirklich Werbung dafür gemacht. Ich denke eigentlich schon, dass wir auch im Ausland ein paar CDs verkaufen können und sind jetzt natürlich gespannt, was mit Nuclear Blast noch alles zu machen ist.
Ihr habt "The Other Side" selbst produziert. Warum das? Hattet ihr keine Lust, euch auf jemanden anderen zu verlassen?
Ja klar, kein unnötiger Ballast mehr. Wir haben bei der letzten Produktion ziemlich viel gelernt und waren schon immer eine Band, die mit einer guten Vorproduktion ins Studio gegangen ist. Die Songs stehen meistens schon komplett, bevor wir sie aufnehmen, was eine Menge Zeit und Ärger spart. Dann kamen da noch die schlechten Erfahrungen vom letzen Mal hinzu, das war alles ausschlaggebend dafür, dass wir es nun selber machen wollten.
Schlechte Erfahrungen beim letzen Mal? Seid ihr mit dem Sound von "The World Is Ours" denn nicht zufrieden?
Doch, das auf jeden Fall, nur der Weg dahin war dermaßen steinig, dass wir diese Erfahrung auf keinen Fall wiederholen wollten. Mit Steve Lyon hat das nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgstellt hatten und im Endeffekt haben wir "The World Is Ours" auch schon selbst produziert. Ich denke, man hört dem Album auch an, dass wir das nicht schlecht gemacht haben. Wir sind damit total zufrieden und es hat sich definitiv gelohnt, so vorzugehen.
Bei den ersten beiden Durchläufen kam mir aber doch die Klampfe etwas zu kurz.
Hahaha, das lag bestimmt nur an deiner Lautstärke. Ich bin auf jeden Fall sehr zufrieden mit dem Sound, denn das ist einfach die Mischung, die den Farmer Boys-Songs entspricht. Die Emotionen und das Feeling kommen genauso rüber wie sie sollen und das ist das Wichtigste.
Auf mich wirkt das Album auch irgendwie zynischer als eure bisherigen.
Hä?
Ja, sowohl textlich als auch musikalisch, wenn man Musik mit Zynismus in Verbindung bringen kann.
Okay, wenn du so willst. Teilweise würde ich da mit dir übereinstimmen. Der Ton des Albums ist etwas schärfer geworden.
Es fällt außerdem auf, dass ihr relativ viele Songs auf dem Album habt, die einen eher ruhigeren Grundton haben.
Das hat sich einfach so ergeben, da steckt keine Planung dahinter. Dadurch, dass wir so viel Zeit für das Album hatten, sind auch wesentlich mehr Songs angefallen, aus denen wir dann die besten heraus picken konnten. Wir hatten ca. 20 Songs, was bisher noch nie der Fall war. Die Wahl fiel dann auf die Songs, die du auf dem Album hörst und ich finde sie sehr ausgewogen. Ob sie jetzt schnell oder ruhig ausfielen, spielte dabei keine Rolle.
Euer Cover ist ja schwer an Filmplakaten der Mafia-Filme der 70er/80er orientiert. Wer hatte die Idee dazu?
Die hatten wir eigentlich schon vor einigen Jahren, keine Ahnung wer darauf kam. Dieses Mal hat es sich dann angeboten und unsere Grafikfirma Feedback hat die Idee dann echt super umgesetzt. Da unser Sound eh schon immer etwas in Richtung Filmmusik tendierte, vor allem das neue Zeug jetzt, lag der Entschluss nahe. Wir sehen jeden Songs so als kleiner Soundtrack für sich selbst.
Wäre das Thema Soundtrack nicht eh mal eine Herausforderung?
Auf jeden Fall. Matze studiert ja auch audiovisuelle Medien und interessiert sich da auch sehr dafür. Bock hätten wir da schon drauf, mal sehen, vielleicht ergibt sich ja mal die Möglichkeit.
Am Frankfurter Bahnhof hing eine ganze Zeit lang euer Plakat neben allen möglichen Kinowerbungen. Würde mich mal interessieren, wie viele sich gefragt haben, worum es denn im Farmer Boys-Streifen geht.
Hahaha, vielleicht um die Kuhmilch-Mafia.
Werdet ihr auf den Namen eigentlich noch angesprochen? Bereut ihr es manchmal, dass ihr euch dafür entschieden habt?
Das passiert schon ab und zu noch. Vor allem bei Leuten aus dem Ausland, welche die Band noch nicht so gut kennen. Zu bereuen gibt es dabei eigentlich nichts, für uns war das immer ok. Es drückt ja auch gut aus, dass wir selbst uns da nicht so bierernst nehmen, was uns auch immer wichtig war. Wir haben dem Namen durch unsere Musik ja auch einen ganz anderen Inhalt gegeben und darauf kommt es ja an. Das hat über die Jahre weg ganz gut funktioniert. Am Anfang war es noch ein bisschen komisch, andererseits aber auch witzig zu sehen, wie die Leute darauf reagieren, wenn irgendwo steht, die nächste Band heißt Farmer Boys. Wir bereuen das auf keinen Fall. Als wir damals in irgendwelchen Jugendhäusern angefangen haben, machten sich erst mal viele über den Namen lustig, aber schon nach der Show war das kein Thema mehr. Inzwischen steht Farmer Boys einfach für unseren eigenen Stil, den wir nun schon über zehn Jahre kreieren.
Das Outro von "Where The Sun Never Shines" ist doch aus der Twin Peaks-Serie. Handelt der Text auch davon?
Nee, nicht wirklich. Es hat indirekt mit der Thematik von Twin Peaks zu tun, aber es ist kein Text zur Serie. Wir haben die Samples einfach unterstützend dazu eingebracht.
Bei "What A Feeling Like" habt ihr aber doch beim Soundtrack zu "Goldfinger" geklaut!
Ja, hahaha. Wir haben uns davon inspirieren lassen, haha.
Ich wußte es! "Stay Like This Forever" vom aktuellen Album und der Titeltrack von "The World Is Ours" fangen beide nicht auf "Eins" sondern auf "Und" an. Das merkt man aber erst, wenn das Schlagzeug endlich einsetzt. Ist das inzwischen 'ne Art Running Gag?
Kann man so sagen, hahaha. Wirklich geplant ist das nicht, aber wir wissen natürlich schon, dass man die Hörer damit erst mal drankriegt. Wir haben da unseren Spaß dran, mit der Rhythmik etwas zu spielen und sie variabel zu machen. Das macht alles etwas abwechslungsreicher.
Wie sieht's denn mit 'ner Tour aus? Die Scheibe ist ja jetzt immerhin schon zwei Monate auf dem Markt.
Ja, wir sind gerade dabei ein paar Sachen fest zu machen. Es wird zunächst ein paar Festivals geben und im Herbst dann 'ne anständige Club-Tour. Bisher steht aber noch nichts fest. Im Augenblick spiele ich ein paar Shows mit Tieflader (anderes Projekt von Alex). Da läuft's im Moment ganz gut.
Das Interview führte Michael Edele.
Die Stuttgarter Metalcombo Farmer Boys absolvierte jüngst ihre erfolgreiche Tour zum Album "The World Is Ours". Zum Tourfinish in Darmstadt konnte sich LAUT nach dem Gig in die Garderobe des symphatischen Quintetts schmuggeln.
Zu Beginn des Interviews sitzt mir Neuzugang Toni gegenüber, der seit "The World Is Ours" bei den Farmern für den Bass zuständig ist. Nicht unbedingt der ideale Gesprächspartner, um mir etwas über die Vergangenheit der Band zu erzählen. Außerdem waren nach dem Gig natürlich alle ziemlich ausgepowert und somit hielt sich die Freude über 'ne weitere Nase mit Taperecorder und Fragen natürlich in Grenzen. Trotzdem machten alle das Beste daraus. Here we go ... LAUT: Toni, du bist für Ralph Botzenhart in die Band gekommen, hast ihn aber schon einmal vertreten und bist mit den anderen wohl bestens klar gekommen. Trotzdem ist dies hier die erste Tour für dich, nicht wahr? Wie war's? Toni: Stimmt, mit den Farmern ist das meine erste Tour. Hat auch super viel Spaß gemacht, wir haben uns mit den anderen Bands und der Crew klasse verstanden, wie während des Konzerts wohl unschwer zu erkennen war (siehe auch Live-Review). Die Fans waren wohl auch zufrieden. Was Zuschauerzahlen angeht, haben wir eigentlich auch keinen Grund zur Klage. Heute waren's knapp 500 Zahlende und auch ansonsten waren die Resonanzen größtenteils positiv. Meine allererste Tour war das aber nicht, da ich vor den Farmer Boys schon in jeder Menge anderer Bands gespielt habe. "Letter X" könnte dem ein oder anderen vielleicht noch ein Begriff sein. Damit waren wir auch schon in Japan auf Tour, zusammen mit Metal Church, war recht witzig. LAUT: Zur Amerika-Tour kann ich dir ja dann wohl keine Fragen stellen, da du ja noch nicht in der Band warst. Toni: Nee, aber die ganzen Geschichten kenn ich trotzdem, die wurden mir ja erzählt. LAUT: Ja? Lass mal hören! Toni: Nee, besser nich, nächste Frage. (lacht) LAUT: Zu der Vans Warped Tour hätte ich schon noch gern das ein oder andere erfahren. Vielleicht kann uns Dennis da ja weiter helfen, der gerade zu Tür herein kommt. Wie waren die Erfahrungen mit Fans, Management, den USA im allgemeinen? Dennis: Wir waren ja zum ersten mal auf US-Tour und was uns wirklich beeindruckt hat, waren die Nightliner. Das sind nicht einfach Busse, darin kann man eigentlich bequem wohnen. Auch díe Reaktionen der Fans waren sehr beeindruckend. In Amerika geht man auf Konzerten ganz anders ab, als hier. Die Fans sind unbefangener und emotionaler, die hauen sich fast in die Fresse und manchmal nicht nur fast. Seltsam fand ich auch, dass die immer wieder im Uhrzeigersinn im Kreis gerannt sind. Ich weiß bis heute nicht, welche Drogen da im Spiel waren. Während eines Gigs ist sogar mal eine Massenschlägerei ausgebrochen, in die die Cops dann mit ihren Pferden eingreifen mussten. Alles sehr interessant. LAUT: Was ich auch mal gerne wissen würde, ist, ob Schorsch, der Typ wegen dem ihr anscheinend Farmer Boys heißt, real ist, oder nur 'ne nette Geschichte für Pressefuzzies. Dennis: Nönönö, der ist real. Der ist sogar sehr real (verdreht die Augen). Frag mich aber nicht, was der jetzt macht. Würde mich auch wirklich interressieren, ob er das mitbekommt, was mit uns so abgeht. Vielleicht sollten wir uns mit ihm mal treffen. LAUT: Ja, oder als Cover für 'ne Single, oder zumindest mal Liner-Notes auf den CD's, oder .... Dennis: Ja, is ja gut. Das letzte, was ich von ihm mitbekommen habe, war, dass er eine Bankausbildung gemacht hat. Ist aber schon sehr lange her. LAUT: Mal was anderes, warum habt ihr mit den Aufnahmen zum neuen Album so lange gebraucht? Dennis: Sehr viel Zeit wurde während der Produktion verschwendet. Auch davor hat sich die Trennung von unserer alten Plattenfirma doch länger hingezogen als erwartet. Eine Zeit lang wussten wir gar nicht so recht wie's weitergeht, da wir ohne Deal da standen. Wir haben dann Demos eingespielt und uns wie jede andere Band auch bei den Labels beworben. Motor haben dann letztendlich zugeschlagen. Anschließend sind wir ja auch noch lange getourt, mussten Songs schreiben, so geht die Zeit halt um. Auf der faulen Haut lagen wir definitiv nicht. LAUT: Wer kam auf die Idee, in den Studios von Phillip Boa auf Malta aufzunehmnen? Toni: Der Vorschlag kam von der Plattenfirma und da wir auch so etwas wie Hintergedanken an Ferien hatten, waren wir natürlich einverstanden. Andere Inspirationen, das Urlaubsfeeling ... Das waren halt mal ein paar andere Einflüsse. LAUT: Habt ihr eigentlich schon mal daran gedacht, ähnlich wie Atrocity, ein Album mit Coverversionen der 80er aufzunehmen? Schließlich legt ihr ja großen Wert auf eure Wurzeln Dennis: Nein, definitiv nicht, wir wollen nämlich niemanden kopieren. Wir haben auf unserer ersten Scheibe 'nen Song von Depeche Mode und wollten auch für die Tour noch 'ne Coverversion einproben, das hat aber nicht mehr hingehauen und jetzt wird es wegen dem Video zur neuen Single zu knapp dafür. Wenn, dann ist sowas als Präsent für die Fans gedacht, nicht für kommerzielle Zwecke. Toni: Wir covern schon Songs im Proberaum, aber dann sind das nicht unbedingt Songs aus den 80ern sondern auch mal was von Pantera oder ähnlichem. LAUT: Du hast von einer neuen Single gesprochen. Welcher Song wird das sein und wann kommt er raus? Dennis: Der Song heißt "If You Ever Leave Me Standing" und steht ab dem 30.10. in den Läden. Zwei Wochen früher wird das Video dazu auf Rotation bei VIVA und MTV sein. Die Arbeiten am Video starten jetzt am Wochenende bei Wuppertal zusammen mit Nick Lion, der schon "Here Comes The Pain" und alle anderen Videos mit uns gedreht hat. Wenn es so umgesetzt wird, wie es geplant ist, dürfte es sehr interressant werden. Wir hatten auf jeden Fall die letzte Entscheidung. Hey, da kommt Till (dr) aus der Dusche. LAUT: "While God Was Sleeping" kommt sehr pastoral rüber. Da ich selbst eine dunkle Vergangenheit als Ministrant habe, drängt sich mir die Frage auf, ob das beabsichtigt war und ob da vielleicht sogar ein ähnlicher Background vorliegt? Dennis: Klar war das beabsichtigt, der Grund für die Melodie könnte aber auch darin liegen, dass der Song während der Weihnachtszeit entstand und wir in weihnachtlicher Stimmung waren (Glühwein lässt grüßen, Anm.d.Verf.). Es klingt sehr fröhlich und melancholisch, ähh, ein metallisches Weihnachtslied eben. Till: Hätte Jesus in 'ner Metal-Band gespielt, wäre sowas dabei rausgekommen. LAUT: Genau, und hätte Petrus schneller gerudert, wäre Jesus über den See Genesaret Wasserski gefahren. Aber ich will euch nicht länger nerven. Nur noch eins, was war die letzte CD die ihr euch gekauft habt? Toni: Ich habe mir gerade heute morgen die Roots gekauft, ist 'ne ziemlich geile Hip Hop-Band und die letzte Air-Scheibe. Davor kam aber "Dead Heart In A Dead World" von Nevermore. Als alter Metalhead braucht man sowas. Dennis: Ich habe mir die neuste Titan gekauft, das sind so Elektrolurchies aus Mexiko, ziemlich strange. Till: Die letzte neue CD war "Stiff Upper Lip" von AC/DC und noch'n paar Klassiker, die ich schon auf Vinyl hatte. "Scream Bloody Gore" von Death zum Beispiel. Toni: Ich brauch' übrigens die alten Cannibal Corpse-Scheiben auf CD, die "Eaten Back To Life" und "Butchered At Birth", kannst du mir die besorgen? LAUT: Ähh, hab' ich nur auf Vinyl, sorry. Toni: Ach, Mist. Till: Hey, die hab ich auch noch auf Vinyl, mit Originalcover. Alle: Wooooooooaahhh! Toni: Ja, und die alte Death Angel, "Act Three" und "As Darkness Descends" von Dark Angel, hab ich mir letzthin auch geholt.
Till The Cows Come Home (1997), Countrified (1995)
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