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Von In Extremo nur als Band zu sprechen, wird dieser Truppe in keiner Weise gerecht. Erstens sind sie viel mehr als nur ein paar Typen, die zusammen Musik machen, und zweitens bieten sie live nicht nur das übliche Entertainment-Programm.
Eigentlich müsste die Geschichte von In Extremo irgendwo im achten Jahrhundert beginnen, so alt ist nämlich der älteste Text, den die Herren vertonen, der jüngste floss irgendwann im 15. aus unbekannter Feder. Die Band wird 1996 in einem Berliner Studio geboren, nachdem die Idee dazu schon lange in den Köpfen der Mitstreiter existiert. Diese hören auf Namen wie Das letzte Einhorn (Gesang, Harfe und Zyster), Dr. Pymonte (Dudelsack, Harfe, Schalmeien, Flöten), Flex der Biegsame (Dudelsack, Schalmeien, Flöten), Yellow Pfeiffer (Dudelsack, Schalmeien, Nyckelharpa), St. Sebastian (Gitarre), Der Morgenstern (Schlagzeug, Percussion, "Kettledrum") und Die Lutter (Bass, Drumscheid). Alle Mitglieder haben schon in anderen Bands Erfahrungen gesammelt und sind teilweise auch schon mit Corvus Corax auf verschiedenen Mittelaltermärkten durch die Gegend gezogen.
In Extremo ist nun der Versuch, mittelalterliche Musik mit modernem Rock zu koppeln. Zwar sind die ersten beiden Scheiben "In Extremo" und "Hameln" noch rein akustisch, doch auch das neue Label Vielklang meldet Ansprüche an und so wird gleich nach der Produktion von "Hameln", "Weckt Die Toten" eingespielt. Dass sie im selben Jahr gleich noch die Live-Scheibe "Die Verrückten Sind In Der Stadt" aufnehmen, ist eigentlich nur durch totale Selbstaufgabe zu erreichen.
Um den mittelalterlichen Wurzeln anständig Rechnung zu tragen, kleidet man sich auch dementsprechend, wobei die Band die Klamotten, ebenso wie die mittelalterlichen Instrumente, selbst anfertigt. Wie es zu solchen Zeiten üblich ist, kann jeder der Herren mehrere Instrumente spielen und auch Feuer schlucken bzw. spucken. Ähnliche Gimmicks sind fester Bestandteil eines jeden Konzertes. Solch eine Einlage führt dann auch dazu, dass sich Das Letzte Einhorn im März '98 den Hals verkohlt und die Befürchtungen groß sind, damit sei das Ende der Band eingeleitet. Doch alles wendet sich zum Guten und wenig später kommt "Verehrt Und Angespien" heraus.
Mit Metal Blade findet sich auch in den USA ein Vertrieb und auf dem Dynamo in Eindhoven spielen sie vor knapp 10.000 Leuten. Zahlreiche Gigs auf Festivals, Mittelaltermärkten und auch in Clubs folgen in ganz Europa. Ob's am Stress oder an etwas anderem liegt, weiß man nicht, auf jeden Fall erkrankt Thomas der Münzer schwer und muss sich, vorerst ersatzweise, durch St. Sebastian vertreten lassen, damit die Tour mit Theatre Of Tragedy und Goethes Erben beendet werden kann.
Anfang 2000 steht man wieder im Studio, um an der Single "Vollmond" zu arbeiten, danach steigt die Band in den Nightliner, um mal kurz durch ganz Nordeuropa zu touren. Als man am achten März auf einem Benefizkonzert in Berlin (u.a. mit den Dreadful Shadows, Blind Passengers und den Inchtabokatables) spielt, gibt Thomas seinen definitiven (krankheitsbedingten) Ausstieg bekannt.
Drei Tage später steigen In Extremo ins Flugzeug nach Amerika und Mexiko und begeistern auch dort die Fans. Im April geht es schon wieder kreuz und quer durch Deutschland und Österreich. Die Single "Vollmond" geht bei VIVA II auf Rotation und die Band kann beim ersten German Alternative Music Award in der Kategorie "Best Live Show" den ersten Platz einfahren. Ab Januar 2001 sind In Extremo wieder im Studio, um am Nachfolger zu "Verehrt Und Angespien" zu arbeiten. Im selben Jahr erscheint auch das PC-Spiel "Gothic", in dem die Band als animierte Figuren zu sehen ist und auch den Song "Herr Mannelig" spielt. Kult!
Mit "Sünder Ohne Zügel" gelingt es der Band zum ersten Mal, auch auf Tonkonserve das einzufangen, was sie live ausmacht. Die Gitarre hat inzwischen den gleichen Stellenwert wie die Pfeifen und auch wirklich keinen Grund, sich vor irgendwem zu verstecken. Verstecken müssen sie sich auch bei der anschließenden Tour nicht. Auf ebendieser laufen die Tonbänder mit. Das Resultat: "In Extremo Live" (auch als DVD). Das Ergebnis findet jedoch nicht nur begeisterte Zustimmung, denn zum einen ist die Soundqualität nicht die Beste und zum anderen umfasst lediglich eine CD bei weitem nicht das Repertoire der Band.
Ungeachtet derlei Ungemach bereiten sich die Spielleute auf die neue Platte vor, die im September 2003 erscheint und schlicht "7" betitelt ist. Das Album an sich scheint eine recht zwiespältige Sache zu sein, denn zwar verlieren die Gitarren etwas an Dominanz, jedoch bleibt der von vielen Fans erhoffte Schritt back to the roots ebenfalls aus. Mit der Single "Küss Mich" schaffen sie es sogar bei MTVIVA in die Rotation, und auch einige Specials zum Videodreh flimmern über deutsche Mattscheiben.
Anschließend stehen natürlich wieder Live-Auftritte im Vordergrund, etwa eine ausgedehnte Tour mit Exilia, jedoch arbeiten sie auch an Büchern mit Kurzgeschichten-Sammlungen, die unter den Titeln "Short Stories" und "Spielmannsfluch" erscheinen. Im Zuge der Konzerte stehen sie 2004 sowohl beim Rock Hard Festival 2004 als auch beim Zillo Festival auf der Bühne. Als kleinen Vorgeschmack auf das nächste Album veröffentlichen In Extremo Anfang Mai die Single "Nur Ihr Allein", die nichts Gutes erwarten lässt, da der Track massiv nach den Toten Hosen klingt, und auch noch in drei unterschiedlichen Versionen erhältlich ist.
"Mein Rasend Herz" erscheint Ende Mai und schlägt zum Glück nicht so negativ zu Buche wie befürchtet. Stattdessen sind mit Kollegen von Die Happy, Reamonn und den Inchtabokatables gleich drei gelungene Kooperationen am Start.
Schon lange tanzen die erfolgreichen Spielmänner nicht mehr auf Mittelalterfesten, 2006 beehren sie das Wacken Open Air sowie das M'Era Luna-Festival. Im Frühjahr nehmen sie an der Vorausscheidung des Eurovision Song Contest für ihr Bundesland Thüringen teil (da wären Eisregen die größere Sensation gewesen) und kommen auf den dritten Platz. Wieder mal steht, wie schon 2002 und 2004, eine Echo-Nominierung ins Haus, der Gewinn lässt allerdings noch auf sich warten.
Das schmälert den Erfolg von In Extremo naturgemäß keineswegs. Ihr zehnjähriges Bandbestehen gießen sie in einen Silberling mit dem Titel "Kein Blick Zurück". Das Konzept mit den Kooperationen behalten sie auch hier bei und legen der Limited Edition eine Bonus-CD bei, auf der andere Künstler ihre Hits covern. So machen sich Grave Digger an den "Rattenfänger", Götz Alsmann singt "Singapur", Killing Joke und Paul Raven remixen "Rasend Herz" und Silbermond geben "Die Gier" zum Besten, während die 70er-Jahre-Mittelalterband Ougenweide ihr eigenes Best Of der "Merseburger Zaubersprüche" mitliefert. Außerdem gibt es mit "Kein Sturm Hält Uns Auf" und "Alte Liebe" zwei neue Songs.
Gleich darauf starten die Mittelalterrocker ihre Dezembertour in Deutschland, Anfang Februar 2007 sind sie in Südamerika unterwegs. Dort sind sie auch in Regionen unterwegs, die sie bislang noch nicht besucht haben, sahnen dort aber genauso ab, wie auf altbekanntem Terrain. Nach diversen Festival-Auftritten wie auf dem Summer Breeze 2007 machen sie sich so langsam aber sicher auch wieder an die Arbeiten an neuem Material. Dieses Mal verzichten sie auf Gastmusiker, allein Tommy Victor (Prong) macht auf seiner Europatour kurz im Studio Station und singt ein paar Backings ein.
Im März 2008 lädt das Label zum Prelistening nach München, wo Sänger Micha auch erste Auskunft über das neue Album gibt. Dieses hört auf den Namen "Sängerkrieg", erscheint Anfang Mai und zeigt die Band variabel und breit gefächert wie selten zuvor. Auch eine Coverversion der Editors hat es auf die Scheibe geschafft und passt hervorragend ins Bild.
Im Oktober spielen In Extremo ihr erstes klassisches Unplugged-Konzert. 14 Lieder lang spielt die Band sich akustisch durch fast das gesamte "Sängerkrieg"-Album. Dieser Auftritt reflektiert die sensible, ruhige und intime Seite der Rockbarden. Arrangement und Publikumsnähe bringen erstmals eine fragile Intensität zum Vorschein, die für die Band einen erheblichen Entwicklungsschritt bedeutet.
Mit "Sterneneisen" präsentieren sich In Ex dann 2011 als ausgereifte Rockkünstler, die meilenweit von tumbem Marktplatzcombos entfernt sind. Gastsänger wie der befreundtete Graf von Unheilig runden das für Fans attraktive Bild ab. Die zugehörige Tour krönt ihren künstlerischen Weg vorerst mit "Sterneneisen Live", dem in allen Belangen gelungensten harten Livebrocken in der Bandgeschichte.
In Extremo über den unheiligen Grafen und Neider.
Nach dem letztjährigen Jubiläum geht es mit Volldampf weiter. Deutschlands Rocker mit ihrer Vorliebe für das dunkle Zeitalter starten durch und katapultieren ihr neues Album "Sterneneisen" an die Spitze der Charts. Was hat sich geändert? Wie geht es der Stimme des Sängers? In diesen apokalyptischen Tagen können selbst die Entertainer den frisch entdeckten Realismus nicht vor der lyrischen Tür lassen. Mit gewohnt klaren Worten trennt Frontman Michael Robert Rhein die Spreu vom Weizen und plaudert aus dem ledernen Nähkastchen.
Moin Micha!
Micha: Hi Ulf!
Am Ende unseres letzten Gesprächs hast Du auf meine Frage, wie es denn weiterginge, gesagt, es werde sich etwas verändern und man solle einfach mal überraschen lassen.
Micha: Habe ich das echt gesagt?
Ja.
Micha: Na dann…..und….
Und nun hat sich ja tatsächlich einiges bei euch verändert. Die neue CD "Sterneneisen" klingt tatsächlich etwas anders als gewohnt. Werdet ihr langsam eine erwachsene Rockband?
Micha: Ah, das würde ich so nicht sagen. Wir werden doch nie erwachsen. Das Wort klingt auch so uninteressant. Aber natürlich entwickeln wir uns einfach weiter. Das ist auch das Gute an der Band. Das soll doch auch so sein. Du sagst es in deinen Reviews doch auch. Man kann eine CD doch nicht eins zu eins wiederholen. Das ist doch wie im Leben. Jeder Mensch sollte aufpassen, nicht stehen zu bleiben. Und so entwickelt sich die Musik parallel eben auch weiter. Das ist auch gar nicht immer so bewusst. Da steht man manchmal davor und reibt sich hinterher überrascht die Augen.
Diesmal stehen deutlich die klassischen Rockelemente von zart bis hart im Vordergrund. Das Gezupfe und Gefolke bleibt etwas mehr im Hintergrund als ehedem. Aber schön pointiert und nicht so zugekleistert wie mitunter früher. Sind das die Lehren der Akustik-Gigs? Plugged die grobe Gitarrenkelle; Unplugged die filigrane Seite?
Micha: Das hast du schon richtig erkannt. Solche Erfahrungen spielen natürlich eine nicht unerhebliche Rolle. Aber so etwas haben wir uns zunächst gar nicht vorgenommen. Wir haben ganz ohne Vorgaben angefangen zu arbeiten. Ohne jede Ahnung, was am Ende dabei herauskommt. Aber eigentlich ist das bei jeder unserer Platten so. Wir machen vorher nicht den großen Masterplan. Das wäre zu unspontan und schlecht für die Kreativität. Aber wenn du jetzt sagst, dass die mittelalterlichen Instrumente im Hintergrund sind, sehe ich das ganz anders. Das sagt uns doch jeder bei jeder aktuellen Platte.
Ich bin ja nicht jeder.
Micha: Klar, da hast du wirklich recht. Aber dennoch muss ich betonen: da steht nichts im Hintergrund. Das ist schon gleichbertechtigt. Rock und Mittelalter. Nimm doch nur mal den Dudelsack. Der ist doch hier zu hören, wie auf anderen CDs auch. Das ist alles nur ein wenig kompakter.
Ich meinte mit 'Hintergrund' auch keine Degradierung. Eure zwei Seelen wirken einfach besser abgestimmt; homogener. Da hält sich jeweils eine Seite wohltuend zurück, wenn die andere loslegt. Und zurückhaltend klingen die Gitarren, Bass und Drums doch ganz und gar nicht
Micha: Gut, da kannst du natürlich recht haben. Mal sehen, wie sich das noch entwickelt, wenn wir die Sachen ausgiebig live bringen.
Und was ist mit euren Texten passiert? "Auge Um Auge" als Kommentar zur Todesstrafe oder auch "Stalker" trumpfen mit einer gehörigen Portion Realismus auf. Warum nun doch der Gegenwartsbezug und das Politische? Beim letzten Gespräch wurdest du nicht müde, zu betonen, dass ihr reine Entertainer seid, die so etwas bewusst außen vor lassen.
Micha: Das ist – wie ich schon sagte – ganz automatisch gekommen. Wobei gerade "Auge Um Auge" eher die reuige Seite des Mörders zeigt. Dieses 'Was habe ich dem anderen eigentlich angetan? Wäre ich nur ein Kind geblieben!' Das ist, wenn du so willst, ja eher psychologisch. Das würde ich an deiner Stelle jetzt gar nicht so politisch sehen. Klar liegt das schon nahe, wenn man nach Amerika schaut. Aber hier geht es schwerpunktmäßig eher um das Hinterfragen der Tat.
Verstehe. Aber beim Hörer kommt das schon anders an. Als solcher nimmt man doch eher wahr, dass für euch die Todesstrafe pöbelhaft-grausam ist und definitiv ein Relikt früherer Tage sein sollte, was leider nicht der Fall ist. Wäre euch solch eine naheliegende Interpretation als Statement denn nicht recht?
Micha: Doch klar. Das muss ich natürlich betonen. Wir sind absolut gegen die Todesstrafe. Ich bilde mir aber nicht ein, dass unser Lied da etwas ändern wird.
Das wäre in der Tat eine Überraschung. Und "Stalker"? Sehr viel 21. Jahrhundert im Text. Zumindest für eine Mittelaltercombo.
Micha: Da darfst du aber nicht vergessen, dass so ein Thema als Problem zeitlos ist. Das hat es doch immer schon gegeben. Nur der Begriff ist neu. Das sind doch nicht nur die Zeitungen von heute, die voll damit sind. Aber das hätte natürlich auch ausgereicht. Guck dir das doch mal an. Solche dummen Arschlöcher, die Frauen hinterherstellen, tagelang beobachten und spannen. Das ist doch einfach die Krankheit der Menschen. Und die waren immer schon krank. Das gab es alles früher auch schon. Nur weil wir unsere mittelalterlichen Rockwurzeln nicht verleugnen, kann man uns doch nicht verbieten, auch mal was aktuell immer noch Schlimmes zu thematisieren. Das ist mir schon wichtig. Wir schlafen ja auch nicht auf dem Feld oder in einer alten, feuchten Hütte, weißte.
Ich hoffe es für euch.
Micha: Es ist doch so. Wir haben die ganze Mittelaltergeschichte in der Musik doch salonfähig gemacht. Guck dich um. Auf einmal spielt eine ganze Szene mit 1000 Bands Dudelsack. Da waren wir der Vorreiter. Und nun wagen wir uns einfach mal an ganz andere Sachen heran. Da werden uns mal wieder viele belächeln. Andere sagen 'Oh Gott, Verrat! Wie könnt ihr denn so was machen?'. Aber hinterher kommen dann in sechs Monaten wieder mal 50 neue Bands heraus, mit denselben Themen. Absurd!
Also gegen die Vereinnahung der Band durch Szeneklischees? Würdest du den Satz in meiner Sterneneisen-Review 'In Extremo ist eine Rockband. Alles andere ist Corvus Corax' unterschreiben?
Micha: (lacht) Ja klar sind wir unabhängig von der Szene. Das heißt aber nicht, dass wir diesen Teil von uns jemals verleugnen werden. Uns geht es ganz einfach um Freiheit. Das schließt auch die eigene Freiheit in der Musik mit ein.
Micha: Sehr gut. Warum fragst du?
Na komm. Einerseits das zugegeben geil Tom Waitsige Gekrächze. Andererseits denke ich mir sicherlich nicht als einziger: So richtig gesund kann das auf Dauer doch auch nicht sein.
Micha: Tja…, weißt du. Das ist einfach so bei mir. Du darfst ja nicht vergessen. Ich singe auf der Platte ja auch die ganzen Chöre und hohen Pasagen ein. So kann der eine eben gut Gitarre spielen, und der andere kann ganz gut mit der Stimme umgehen. Oder auch nicht.
Wir müssen uns also keine Sorgen machen, dass die sehr beansprucht klingenden Stimmbänder demnächst kaputt gehen?
Micha: Natürlich nicht. Das ist alles in Ordung. Man ist als Sänger vor solchen Komplikationen ja nie gefeit. Aber das wollen wir ja nicht hoffen. Ich habe wirklich schon immer so gesungen und versuche mich da auch weiter zu entwickeln; wie zB mit den Chören. Als Künstler muss man einfach auch mal mutig sein und etwas zulassen, was Neuland ist.
Im Grunde schreit dann doch die gesamte Klangfarbe deiner Stimme danach, mal ein richtig erdiges Blues-Projekt zu machen. Hast du in solch eine Richtung schon mal überlegt?
Micha: Du wirst es nicht glauben. Als junger Mann habe ich in der DDR ungefährt 5-6 Jahre in einer Bluesband gespielt.
Tatsächlich?
Micha: Ja, wirklich. Ich komme ursprünglich eigentlich aus dem Blues, Rock und Punk. Eigentlich war das so richtiger Schweinerock mit vielen Blueselementen. Was ich mir vorstellen könnte: Ich würde gern mal Chansons machen.
Geile Idee. Eher selbst verfasstes oder die Klassiker von Brecht bis Brel?
Micha: Teils so, teils so. Oder auch das Thema Lieblingsballaden. Einfach nur ein Klavier; dazu eine Akustikgitarre und Gesang. Könnte ich mir wirklich gut vorstellen. Ich hab ja auch schon ein paar Sachen mit Götz Alsmann gemacht. Den haben wir zu unserem 15 Jahres-Jubiläum eingeladen. Da haben zusammen den "Spielmann" nur mit ihm am Klavier gebracht. Das war geil und hat auch großen Anklang gefunden. Ein paar Wochen später hat er mich dann zum Konzert seiner Jazzband eingeladen. Da haben wir das noch einmal gemacht. Musste dir echt vorstellen. Da saßen im Publikum nur Bürgermeister und Professoren herum. Und genau die haben den Götz danach bestürmt und gesagt: Das war so geil! Das war der Hammer. Sowas freut einen so sehr. Unbeschreiblich.
Ihr selbst habt ja auch recht unterschiedliche Gäste auf der neuen Platte. Kreators Mille Petrozza passt ja schon ins gut ins raue Bild. Und auf der anderen Seite den unheiligen Grafen. Warum lädt man sich denn ausgerechnet den Mann ein, dessen gesamter Backkatatalog der letzte fehlende Sargnagel für die komatöse schwarze Szene verkörpert, in Klischees erstarrt und musikalisch eher überschaubar ist? Mit "Hol Die Sterne Aus Der Ferne" könnt ihr euch doch gleich im ZDF Fernsehgarten anmelden.
Micha: Ach, nun sieh das mal nicht so eng. Den Grafen kennen wir ja schon seit zehn Jahren. Wir haben schon auf vielen Festivals zusammen gespielt. Und er hat noch nie ein Featuring gemacht. Der Song war als einer der ersten fertig. Da haben wir gemerkt: Da passt der Graf drauf.
Also kein Succes-Hopping, weil er derzeit angesagt ist?
Micha: Nein, nein, wir kennen den wirklich gut und lang. Der ist wirklich ein echter Spielmann und zieht genau das durch, was er geil findet. Der hat sich auch nicht verändert. Ist immer noch der gleiche bodenständige Typ wie am Anfang. Das kann ich dir versichern. Solche Musiker – egal ob Thomas D, Alsmann oder der Graf – die zollen uns ja Respekt. Und wir ihnen. Das macht total Spaß und ist einfach das Schöne daran. Vor allem in Deutschland wird so etwas häufig kritisiert. Da heißt es dann: So was hättet ihr früher nicht gemacht; macht doch mal wie früher! Dieses ganze Früher war alles besser-Ding konnte ich noch nie nachvollziehen. Warum das ausgerechnet in unserem Land so ist? Ich weiß es auch nicht. Andere Länder sind da weniger verkrampft.
Ich seh schon, musikalische Engstirnigkeit bringt dich so richtig auf 180.
Micha: (kommt langsam in Fahrt) Ach, das ist doch auch schlimm! Ich kann mich erinnern. Da haben vor längerer Zeit Silbermond von uns einen Song gecovert. Wie haben die Leute geschimpft. Ich dachte damals zwar auch, das wäre eine typische Teenieband. Aber dann hab ich die mal live gesehen. Da waren die 19 oder so. Da ist mir echt die Kinnlade runter gefallen. Wenn ich mit 19 Jahren so Musik hätte machen können, wäre ich froh gewesen. Meinen allertiefsten Respekt! Die Öffentlichkeit soll doch ruhig mal aufhören zu nörgeln. Einfach mal was zulassen. Ist doch nicht verboten. Die Allerschlimmsten sind aber die, die immer nur Scheiße sagen, weil andere es ihnen schon vorgebetet haben. Nee, echt mal jetzt, Ulf. Das ist doch manchmal wirklich furchtbar hierzulande. Ich hab’ da echt keinen Bock drauf.
Und bei …
Micha: (so richtig in Fahrt) Nee, wart mal noch kurz. Und der Mille Petrozza. Ja, bei dem klopfen sie uns alle auf die Schulter, weil er so ein harter Knochen ist. Aber ich sage dir: Es gehört auch ein wenig Mut dazu, einfach mal eine kleine Ballade zu machen, die für unsere Verhältnisse etwas schlagertös ist. Oder auch "Gier". Weißte, das spielen wir dann in Wacken vor 80.000 Menschen. Da stehen dann 50 Reihen lang die härtesten Heavy Metal Typen vor uns. Die nehmen bei solch einem Lied einfach mal ihre Frauen in den Arm und weinen vor Rührung. Diese Leute sind wirklich mutig und nicht so kindisch wie der Meckerverein. Da gehört nämlich auch ein echtes Standing dazu, so ein ehrliches Gefühl einfach mal in der Öffentlichkeit zuzulassen. Die Eier hat auch nicht jeder.
Wo du gerade die Festivals ins Spiel bringst. Angenommen, es käme jemand und lädt euch ein, ein großes Anti-AKW-Rockfest zu beschallen. Würdet ihr euch vor solch einen Karren spannen lassen, wenn es das richtige Thema wäre? Oder ist das wieder zu politisch?
Micha: Man soll doch niemals nie sagen. Das wäre in der Tat ein Thema, wo wir uns das sicherlich grundsätzlich vorstellen könnten. Aber bitte nicht so ein selbstgerechter PR-Scheiß. Da stehen wir nicht zur Verfügung. Ein echtes Benefizkonzert, z.B. für Japan, das wäre das Richtige. Es muss die Sache und die Hilfe im Vordergrund stehen. Da ist meine persönliche Meinung auch kompromisslos. Auf die Straße gehen und demonstrieren können wir alle später. Jetzt müssen wir alle erst einmal den Menschen dort hinten helfen. Alles andere läuft ja nicht weg.
Micha: Ja, ist doch klar.
Sag das nicht. So natürlich ist das nicht unbedingt. Es gibt nicht wenige Beispiele unter erfolgreichen Musikern, bei denen man merkt: Da ist leider so gar nichts dahinter. Es regiert die pure Oberflächlichkeit. Da hab ich schon einiges erlebt. Gruselig! Deshalb frage ich euch ganz bewusst.
Micha: Ach, da könnten wir beide jetzt stundenlang loslegen. Ich kenne so was leider auch zur Genüge. Da musst du dir mal den Spaß machen und auf Festivals einfach mal die Leute in der Catering-Zone backstage beobachten. Da ist es dann bei solchen Themen oft so: Die kleinsten Bands, die die wenigsten Platten verkaufen, haben die größte Schnauze und die meisten Starallüren. Das kann man sich dann nicht lange geben. Ich mein, klar: Nochmal zu dem Grafen. Bitte versteh mich nicht falsch. Natürlich spielt bei einer solchen Zusammenarbeit das Business auch eine Rolle. Das kann ich nicht anders sagen. Sonst würde ich ja lügen.
Du meinst: jede Band würde gern Global Player sein?
Micha: Ach klar. Alles andere ist doch diese leider total weit verbreitete Heuchelei. Das ist doch in Wahrheit bei Musikern nicht anders als bei dir als Journalist. Du möchtest doch sicherlich auch, dass die eigenen Zeilen, die du schreibst, möglichst von der ganzen Welt gelesen werden?
Ich würde mich nicht lange wehren.
Micha: Siehst du! Und so geht es einem Musiker doch auch. Natürlich möchte ich, dass unsere Musik jeder hört und zwar gerne hört. Wenn ich dann Bands sehe, die ungefragt dauernd krakeelen: Wir wollen das gar nicht. Wir wollen nicht bekannt und beliebt werden. Dann sage ich denen ganz offen: Ihr seid in meinen Augen nichts anderes als dreckige Lügner!
Ich erinnere dich noch mal daran, dass das alles hinterher eins zu eins so zu lesen sein wird.
Micha: Ach du weißt doch. Ich stehe zu allem, was ich sage. Wir haben im Laufe der Jahre so viele Bands kennen gelernt, die allen Ernstes erzählen: Och, wir wollen doch gar nicht bekannt werden. Wir wollen lieber im Proberaum spielen und vor 50 Leuten. Ja, dann können die das ganze doch gleich sein lassen. Da kannste dann echt lieber arbeiten gehen. Ist doch wahr.
Falsch verstanderer Indie-Stolz in seiner Eigendynamik als totale Lächerlichkeit und Selbstdemontage?
Micha: Genau das. Kann ich nur bestätigen.
Was hältst du von jenen, die recht jetzt zahlreich und stereotyp Judith Holofernes von den Helden jetzt vorwerfen, sie habe abgezockt und PR-gierig eine Absage an die Bild gemacht, weil sie sich nur in den Promo-Vordergrund spielen möchte?
Micha: Kann man doch gar nicht ernst nehmen, solche Stimmen. Da macht jemand das Richtige und macht darauf aufmerksam. Es wird immer Leute geben, die glauben, den Künstler nur für das eigene Wohnzimmer gemietet zu haben. Und wenn der Musiker – bildlich gesprochen – nur mal auf den Balkon geht, ist er schon ein Verräter. Aber das muss einem einfach am Arsch vorbeigehen. Sonst gehste echt kaputt im Showbiz. Aber jeder in unserer Band kann morgens in den Spiegel gucken. Das ist sehr wichtig.
Spätestens jetzt seid ihr in der Rockliga eine deutsche Institution geworden. Fühlt es sich nicht auch ein wenig merkwürdig an, sich zischen Westernhagen, Pur und den Ärzten als echte Ochsentour-Band wieder zu finden? Ist eure Mentalität nicht doch sehr unterschiedlich als bei jenen, die so starmäßig unterwegs sind?
Micha: Ach nein, das täuscht oft auch ein wenig. Man kennt sich halt und es kochen doch alle nur mit Wasser. Ich mein’, den Westernhagen kenn’ ich jetzt nicht persönlich. Aber die meisten auf dem Level sind privat auch sehr ok. Viele sind sich – wie wir – durchaus bewusst, dass sie auch eine gehörige Portion Glück hatten und zur rechten Zeit zufällig am rechten Ort waren. Das sieht immer so anders aus von außen, weil die alle schon lange dabei sind. Aber gerade Leuten wie den Ärzten hat ja keiner was geschenkt. Das ist intern eigentlich alles sehr entspannt und erfrischend neidlos.
Am Ende kochen alle nur mit Wasser. Ihr hingegen kocht euer H2O inzwischen auf Tour weltweit. Während alle Welt international gesehen von Rammstein und Tokio Hotel spricht, räumt ihr für eure Verhältnisse recht still und heimlich den Globus ab. Wohin diesmal?
Micha: Südamerika ab Herbst. Spanien, Portugal, Osteuropa samt Russland/Ukraine und so einiges mehr. Und siehst du. Das gehört auch dazu. Wir sind nicht die Leute, die sich das ne eins auf den Rücken schreiben; nach dem Motto: Hey, schaut mal, wo wir schon überall waren. Deshalb bekommt man das in Deutschland gar nicht so mit. Wenn wir in Mexico oder Russland spielen, dann hauen mich die Ausmaße mit zigtausend Leuten selbst heute noch immer um. Wahnsinn!
Ist das internationale Publikum auch textsicher?
Micha: Du glaubst es nicht. Die singen so gut wie alles mit. Von vorne bis hinten. Das war vor allem in China extrem beeindruckend. Gänsehaut!
Hast du da nicht zu kämpfen, dass es dir auf der Bühne vor lauter Rührung nicht die Sprache verschlägt?
Micha: Das ist schon manchmal irre. Ich muss dazu noch aber noch mal sagen. Natürlich arbeiten wir dafür auch hart. Aber ich bin mir durchaus bewusst, dass wir mit unserer Karriere trotz des eigenen Könnens auch viel Glück hatten. Und deshalb habe ich vor einem Krankenpfleger, der nem alten Mann den Arsch abwischt mehr Respekt als vor jedem Musiker.
Lieber Micha, ich danke dir für das schöne Gespräch.
DAS Special zur Erfurt-Show mit Riesen-Verlosung!
Rund 15 Jahre nach ihrem ersten musikalischen Lebenszeichen blicken die Mittelalterrocker von In Extremo auf Millionen verkaufte Tonträger zurück und feiert internationale Erfolge. Nach einem umjubelten Rock im Park-Auftritt feiern sie am 24./25. Juli in Erfurt das große Jubiläumsfest.
Anlass genug, um mit Bandchef und Frontman Michael Robert Rhein aka Micha aka Das Letzte Einhorn eine Bestandsaufnahme zu machen. Gut gelaunt und gewohnt leidenschaftlich spricht der Sänger über alte Zeiten, politisches Engagement und die Ignoranz der arrivierten Medien. Am Ende des Gesprächs könnt ihr am großen Gewinnspiel teilnehmen.
15 Jahre besteht die Band nunmehr mit stetig wachsendem Erfolg. Wie sieht denn Dein ganz persönliches künstlerisches Fazit dieser Periode aus?
Micha: Wir haben natürlich unfassbar viel erreicht. Wer hätte das zu Anfang gedacht? Ich ganz persönlich bin sehr, sehr froh, mit den tollen Leuten immer noch Musik machen zu dürfen und von dem, was man liebt, leben zu können. Diese Dankbarkeit ist ein ganz starkes Gefühl.
Wie seid Ihr denn überhaupt auf die - damals noch eher exotische - Idee gekommen, mittelalterliche Musik zu wählen und sie mit Rock zu mischen?
Ehrlich gesagt war das eine reine Kneipenidee.
Tatsächlich? Es hatte also nichts mit anderen Bands wie Corvus Corax zu tun, die vereinzelt schon echten Szeneerfolg hatten?
Nein, nein! Der Eindruck täuscht nun wirklich. In der Anfangszeit von Corvus hatte ich ja auch schon mittelalterliche Musik gemacht. Nur eben nicht auf Tonträgern. Die haben das ja nicht erfunden. Keiner hat es erfunden. Jeder sagt immer: "Hach, das haben die Leute von Corvus erfunden." So ein Schwachsinn! Wie denn auch bitte bei Stücken aus dem 14. Jahrhundert?
Aber wir waren wohl die erste Rocksynthese. Ich spielte so ab 1991 auf den Mittelaltermärkten Musik und hatte nebenbei immer auch eine Rockband. Die hieß Noah. Mit denen hatte ich damals ein Konzert in Berlin. Da habe ich einfach mal die Dudelsackspieler Pymonte und Flex gefragt, ob sie nicht Lust hätten, bei ein paar Songs mitzumachen. Ich fand schon immer, dass bei der reinen Mittelaltermucke mal eine ordentliche Gitarre dazu musste. Und so ist das dann gekommen. Alles ist zu In Extremo verschmolzen.
Was ich Dich schon immer mal fragen wollte: Wie kommt man eigentlich freiwillig auf die Idee, sich als Künstler den Namen "Das Letzte Einhorn" zuzulegen? Das verführt ja geradezu zu Veralberungen.
Da sprichst du so einen Punkt an. Natürlich würde ich mir nie freiwillig so etwas aussuchen und mich so nennen. Das sind alles Spitznamen, die man auf den Mittelaltermärkten bekommen hatte.
Ach was? Da konnte man sich also nicht erwehren?
Wie das bei Spitznamen eben so ist. Ich bitte dich, glaub doch bloß nicht, ich wäre so bescheuert und würde mich selbst "Das Letzte Einhorn" nennen.
Das habe ich mich auch gefragt.
Echt, das ist schon doof genug, wenn mich Leute auf der Straße mit "Hallo, Letztes Einhorn!" ansprechen. Peinlicher geht es doch gar nicht.
Und wie stehst du zu Leuten, die Dir und der Band vorwerfen, das Mittelalter unkritisch zu verfälschen und unverdient zu romantisieren, obgleich die Epoche kulturell eher rückständig und durch Grausamkeit geprägt war?
So etwas interessiert mich überhaupt nicht. Man darf doch nicht verkennen, dass wir unsere Songs im Wesentlichen selbst schreiben und sie mit mittelalterlich angelehnten und echten Melodien verknüpfen. Wir sind einfach eine echte Rockband, die auf mittelalterliches Instrumentarium als Ergänzung zurückgreift. Diese Instrumente werden immer dabei sein, so lange es In Extremo gibt. Ganz egal, wer da was auch immer sagt.
Mit dem "Sängerkrieg Akustik Album" habt ihr meiner Ansicht nach euren bisherigen künstlerischen Höhepunkt erreicht. Gerade auch durch die sensible und stellenweise virtuose Filigranität von Lutter und Pymonte. Ist es nicht schwierig, sich dann wieder auf das krachlederne Gitarrending plus Bierzeltatmosphäre umzustellen?
Ach weißt du, eigentlich ist das gar nicht schwer. Die Akustiksachen mit der jetzt noch mal wegen der immensen Nachfrage drangehängten Tour haben uns wirklich so einen Spaß gemacht, du glaubst es nicht. Da steckte ja auch eine Menge Arbeit drin. Wir haben die einzelnen Songs immerhin Stück für Stück umarrangiert und dem ruhigen instrumentalen Konzept angepasst.
Aber wir sind und bleiben immer noch eine Rockband. Es macht eben auch Spaß, Krach im Proberaum zu machen und dann raus zu Rock im Park zu gehen. Wahrscheinlich macht es einfach der Mix, die Abwechslung.
Wo du es gerade sagst, Micha: Ihr habt zuletzt das heftig rockende Konzert "Am Goldenen Rhein" veröffentlicht. Der Kontrast könnte leider auch qualitativ meiner Meinung nach kaum größer sein. Vor allem Deine Stimme klang stellenweise doch arg ramponiert. Du hast - verzeih den Kalauer - mitunter gesungen wie das letzte Einhorn. Warum veröffentlicht man so etwas?
Naja, da muss man aber sagen, dass der Köln-Gig eben nach 14 Tagen und 14 Konzerten stattfand. Nach so vielen Abenden ist meine Stimme eben schon mal ein wenig angekratzt. Der Mittschnitt war aber schon für Köln geplant. Und da habe ich auch einfach den Ehrgeiz, alles so zu lassen, wie es ist. Das Tondokument ist wahrhaftig und ehrlich. Ich würde niemals hinterher ins Studio gehen und da noch was drübersingen. Das hat so was Authentisches, weißt Du. Das ist im Ergebnis einfach unverfälscht. Das ist mir einfach wichtiger als anderen, die ihre DVDs hinterher im Studio nachbearbeiten.
Nun, wir sind eben auf der Bühne vor allem Unterhalter. Und die Leute hören den ganzen anderen Kram doch jeden Tag. Da wollen sie doch auch mal richtig abschalten für zwei Stunden auf einem Konzert. Das ist doch nichts Ehrenrühriges. Das braucht man auch mal.
Dennoch fällt es schwer, mir Dich als unpolitischen Menschen vorzustellen.
Das bin ich auch nicht. Wir beschäftigen uns doch auch mit allem möglichen, was in der Welt und unserem Land passiert. Jetzt nimm doch nur mal diese Ölkatastrophe. Da blutet mir echt das Herz. Nur hat das eben nichts mit der Band zu tun. Als Musiker sind wir unpolitisch. Was jeder selbst denkt und macht, ist eine ganz andere Sache.
Die da wäre?
Ich sags dir ganz ehrlich: Mein Herz schlägt ganz weit links! Das kann ich Dir sagen. Das ist einfach meine persönliche Meinung. Folgendes Beispiel: Nach jedem Konzert versteigere ich meine Kostüme. Da kommt wirklich ein Haufen Geld bei raus. Das spende ich an ein paar Familien in Indonesien, die pro Tag nur 'ne Hand voll Reis zu essen haben. Wir sind aber eben nicht die Typen, die sich damit in der Öffentlichkeit brüsten.
Du erwähnst dieses Engagement hier also zum ersten Mal?
So könnte man es sagen.
Dann werden das in ein paar Tagen aber Millionen von Lesern wissen. Jetzt hängt es an der großen Glocke.
Kein Problem.
Nee, also so ist das bei mir nicht. Ich bin mit der Band ziemlich ausgelastet. Das ist auch ok so. Ob ich das vielleicht eines Tages irgendwann mal mache, wer weiß? Vielleicht. Aber das steht wirklich in den Sternen.
Hast Du denn auch eigene persönliche musikalische Helden oder Vorbilder ganz abseits der eigenen Kunst?
Oh ja, in Deutschland definitiv Ton Steine Scherben und Udo Lindenberg.
Oh, der gute Rio Reiser? Hätte ich gar nicht erwartet. Passt aber gut, gerade wegen der frühen Parallele, rockige und akustische Konzerte gleichermaßen gebracht zu haben.
Ja, im Ernst: Rio Reiser war einer der besten Songschreiber überhaupt.
Und international?
Institute haben mir gut gefallen. Eine Nachfolgeband des ehemaligen Bush-Sängers Gavin Rossdale. Die Scheibe ist aber leider in Deutschland und Amerika völlig gefloppt. Warum eigentlich? Das war schon sehr gut.
Was ist denn für Eure Zukunft geplant, damit diese kein Flop wird? Was kommt in den nächsten 15 Jahren neues von In Extremo? Kann es konzeptionell immer so weiter gehen?
Immerhin sind wir gerade dabei, an einer Platte zu schreiben, die aber erst 2011 rauskommt.
Und die klingt dann auch wie immer?
Das kann ich nicht vorhersagen. Wir machen niemals ein Konzept. Jeder hat seine Ideen zum anstehenden Zeitpunkt. Und was herauskommt, kommt eben dabei heraus. Wir ändern uns weder zwanghaft, noch sperren wir uns gegen neue Sachen und Einflüsse. Du wirst das dann ja hören. Und dann werden wir 2011 eben komplett auf Tour im In- und Ausland sein. 2012 wollen wir dann aber auch mal ein halbes Jahr oder etwas länger Pause machen. Das brauchen wir dann auch mal.
Wo Du gerade die Tour erwähnst: Es ist ja auffällig, dass Ihr fast so viele Live-Scheiben veröffentlicht habt wie Studioalben. Warum immer diese überbordende Live-Dokumentation?
Das liegt wirklich nur an der Nachfrage. Es gibt hunderte und tausende von Mails, in denen die Leute fragen, ob man dies oder jenes nicht als CD oder DVD erwerben könne. Bei einem Gig von der Akustik-Tour überlegen wir jetzt auch wieder, ob wir das veröffentlichen. Das war der Knaller mit einer Stimmung, die man sich kaum vorstellen kann. Die Bühne sah aus wie ein Wohnzimmer und so weiter und sofort. Das war schon was Spezielles.
Euer immenser Erfolg ist in der Tat erstaunlich. Ihr gehört wohl unbestritten zur Spitze der deutschen Rockpyramide. Gleichwohl herrscht in der sogenannten seriösen Presse und dem Feuilleton echte Totenruhe. Ihr werdet ignoriert und findet vornehmlich in den Hofberichterstattungen der Gothic- und Metal-Postillen statt. Das muss doch auf die Nerven gehen, oder?
Ja, da hast Du recht. Das ist manchmal schon schwer. Aber mittlerweile lächeln wir nur noch darüber. Nimm doch nur unser Jubiläumsfestival in Erfurt. Da haben wir es als Band geschafft, 13.500 Karten zu verkaufen. Das schaffen manch große Festivals teilweise nicht. Alle Zeltplätze und Hotels sind seit Monaten ausgebucht. Und die Stadt selbst interessiert das alles nicht.
Ebenso der Sender Radio Thüringen. Für die haben wir bei Raabs Bundesvision Song Contest seinerzeit den dritten Platz gemacht. Und weißt Du was? Die spielen uns nicht! Das kann man wirklich mal laut in die Welt reinrufen: "Leckt uns alle mal am Arsch!" Und ich weiß doch, wenn jetzt 13.500 Leute da aufmarschieren, werden die auch ihre Leute mit Kameras und Mikros dahinschicken. Aber die werden alle kein Interview von mir bekommen!
Um so schöner, dass wir hier heute so ein angenehmes Gespräch führen. Da darf sich laut.de ja privilegiert fühlen.
Nee, ich meine das wirklich ernst. Das ist einfach eine Schande! Bei so einem Event! Wir haben da wirklich ein Dreivierteljahr dran gearbeitet, um alles auf die Beine zu stellen. Wir stellen der Stadt Erfurt einen komplett mittelalterlichen Markt zur Verfügung, der für alle Bürger kostenlos ist; egal wo sie herkommen. Quasi als Geschenk dafür, dass sie sich so herzhaft um uns gekümmert haben.
Ist doch auch schön, wenn man die Unabhängigkeit hat, solche Sachen allein auf die Beine stellen zu können.
Oder solche Sender wie MTV oder Viva. Da ist es uns auch komplett egal, ob die uns spielen. Ich meine, das sind ja keine Musiksender mehr. Da laufen ja nur noch irgendwelche Comic Porno-Sachen. Wie gesagt: Wenn sie uns spielen, freuen wir uns. Wenn nicht, ist es auch egal.
Das große In Extremo-Gewinnspiel. Zur Feier der großen Konzert-Sause in Erfurt verlosen wir folgendes Paket:
2x2 Tickets für das Festival "Wahre Jahre" am 23. und 24. Juli in Erfurt 2x Signiertes In Extremo-Buch "Spielmannsfluch" 2x signierte limitierte "Sängerkrieg"-CD-Album-Editionen inkl. T-Shirt (wahlweise in L oder XL)
Schickt einfach eine Mail an gewinnen@laut.de mit dem Subject "Wahre Jahre" und beantwortet folgende Frage: Welcher Band mussten In Extremo beim Bundesvision Song Contest 2006 am Ende den Vortritt lassen?
Das Letzte Einhorn über das neue Album, Straßenmusik und die Arbeit mit Silbermond.
Eine Prelistening-Session mit In Extremo? Warum eigentlich nicht? Zwar sind die Möglichkeiten München, Berlin, Hamburg von Mainz aus alle nur suboptimal, aber was solls!
Wohin also? Hamburg? Kenn ich kein Schwein. Berlin? Die Nasen hab ich erst letzte Woche bei Overkill und Megadeth gesehen. München? Stimmt, da wohnt ja noch ein alter Studienkollege, mit dem man schon lang mal wieder einen heben wollte! Ach ja – und Schwesterchen wohnt auch noch da ... Also Ticket buchen.
Gedacht, getan, und schnell mal beim ehemaligen Kommilitonen angerufen, um das Erscheinen des Erlösers anzukündigen. Dumm nur, dass der den Braten irgendwie gerochen haben muss und sicherheitshalber schon am Tag vor meiner Ankunft nach London fliegt. (Notiz an mich: trotzdem mal vorbeischauen, nur zur Sicherheit!) Na dann eben doch zum Schwesterlein, die mich zwar freundlich in ihre Wohnung einlädt, welche sie mit ihrem Freund bewohnt, doch die ist in einem ausgelagerten Wohngebiet, in dem man morgens nur mit der S-Bahn an Brötchen rankommt ... Außerdem sucht auch meine Schwerster das Weite und flieht - ebenfalls einen Tag bevor ich nach München komme - nach Florenz.
Sollte mir das zu denken geben? Ich glaube nicht ... Dafür lässt sie mir aber ihren italienischen Freund zurück, dessen Deutschkenntnisse fast so ausgeprägt sind wie mein Italienisch. Naja, kann man wenigstens in Ruhe arbeiten.
München im März ist einfach nur wunderschön. Zumindest, wenn man sein bisheriges Leben entweder in einem Nebelmoor an der schottischen Westküste verbracht hat, oder unter Wasser im Mariannengraben. Also verkneife ich mir den Spaziergang durch die City, jage ein paarmal die Katzen durchs Haus, verteile dabei mehr von meinen Haaren in der Wohnung als die beiden Viecher zusammen und lege mir lieber ein paar Fragen zurecht, die ich In Extremo heute Abend nach dem gemeinsamen Probhören des neuen Albums stellen werde.
In der Münchner Innenstadt ist es arschkalt und da ich mich zeitmäßig ein wenig verschätzt habe, bin ich schon eine gute Stunde vor dem angesetzten Termin vor Ort. Die Kneipe hat zum Glück schon auf, und ich darf mich mit einer Tasse Kaffee schon mal irgendwo ins Eck drücken. So nach und nach trudeln immer mehr Journalisten und anderes Gesocks ein, und als auch Das Letze Einhorn (Micha) und Van Lange (Basti) vor Ort sind, geht es auch schon los. Bei diversen Bier, Burgern und dem ein oder anderen Klaren dürfen wir uns einen ersten Eindruck vom neuen Album "Sängerkrieg" verschaffen, danach steht mir Micha Rede und Antwort.
Als das Album gerade durchlief, was hast du da gemacht? Hast du die Leute ein wenig beobachtet, wie sie auf die Songs reagieren?
Nein, eigentlich überhaupt nicht. Ich habe mich voll aufs Trinken konzentriert (lacht). Nein, ich habe mich eigentlich sehr gefreut, dass so viele Leute gekommen sind und mich mit ein paar davon auch schon unterhalten. Zu der Platte habe ich persönlich ja überhaupt keinen Abstand mehr, aber ich hab schon ein wenig gelauscht, wie die Songs über eine Anlage klingen, die wir nicht selber eingestellt haben. Das ist für mich auch das erste Mal, dass ich die Scheibe nicht über eine teure Studioanlage oder im Auto höre. Das macht schon einen Unterschied aus.
Und wie bist du mit dem Ergebnis zufrieden? Ging irgendwas unter oder habt ihr euch etwas anders vorgestellt?
Naja, ich hätte es vielleicht ein wenig anders abgemischt. Nicht die Scheibe, sondern den Sound der Boxen. Jede Kneipe hat da halt so ihre Ecken und Winkel, aber im Groben war das schon ok.
Ich fand es stellenweise schwer, deinen Texten zu folgen, aber das mag an der von dir schon erwähnten Beschallungsaufteilung gelegen haben.
Ja, aber das ist doch eigentlich bei jedem Album, das du zum ersten Mal hörst so. Hier geht es ja erst einmal um den Gesamteindruck.
Und der ist durchaus positiv, zumindest von meiner Seite her. Ich finde, ihr habt mal wieder ein sehr abwechslungsreiches Album geschaffen. Es sind ganz klar ein paar typische In Extremo-Merkmale dabei, aber auch einiges, was über das bisherige hinaus geht.
Freut mich sehr, wenn du das so siehst. Die Weiterentwicklung ist uns bei allem, was wir tun, enorm wichtig. Wir machen zwar eigentlich alles, was uns in den Kopf kommt, aber dabei muss es auch eine gewisse Entwicklung nach vorne geben. Ein Konzept gab es auch dieses Mal nicht, aber wir sind mit dem Ergebnis sehr glücklich.
Setzt ihr euch denn irgendwelche Grenzen, an denen ihr sagen würdet: 'Öha, damit entfernen wir uns doch ein wenig zu weit von unserem Stil'?
Eigentlich nicht. Mir würde jetzt zumindest spontan nichts einfallen. Wir sind da sehr offen in alle Richtungen und haben ja auch schon mit Silbermond auf der letzten Scheibe gearbeitet (auf "Kein Blick Zurück", d.Verf.) Da mussten wir auch Kritik für einstecken, aber das kratzt uns nicht sonderlich. Der Ray zum Beispiel ist ein absolute Straßenmusiker. Der stand sechs Jahre auf der Straße und hat da Musik gemacht. Das ist für mich härter als jeder Metaller (lacht). Der liebt das aber, was er macht und passt einfach perfekt zu uns. Wir sind wirklich für alles offen, so lange man am nächsten Morgen noch aufstehen und in den Spiegel schauen kann. Es muss einfach ehrlich sein, dann passt das. Das ist für mich das Allerwichtigste.
Nicht ganz. Im Titeltrack hat Tommy Victor von Prong ein paar Backing Vocals eingesungen. Tommy ist ein sehr guter Freund von uns, und als er auf seiner Tour einen Day Off hatte, hat er uns im Studio besucht und spontan die Sachen eingesungen. Auch Monte Pitman (Basser bei Prong/Gitarrist von Madonna) hat mitgemacht, das war schon sehr geil. Ein paar Sachen mussten wir dann auch wieder löschen, weil das in einer echten Partystimmung eingesungen wurde (lacht). Da ging dann auch schon einiges neben der Spur ab. Das wars dann aber auch schon. Zwar macht noch jemand wohl neien Remix für uns, aber das ist momentan noch ein ungelegtes Ei, deswegen rede ich da noch nicht drüber (grinst).
Mich würde jetzt aber noch interessieren, wie es denn zu Kooperation mit Silbermond oder dem mittlerweile verstorbenem Paul Raven (Ex-Killing Joke/Ministry) kam?
Wenn du es gerade ansprichst: Das war die letzte Fremdarbeit, die Paul für eine andere Band gemacht hat. Wahnsinn, wenn ich da jetzt so drüber nachdenke.
Das hätte man damals auch nicht gedacht, oder?
Ne überhaupt nicht. Das hat mich auch sehr getroffen, als ich von seinem Tod erfahren habe. Ich hab mich auch mit Tommy Victor sehr lange und sehr intensiv darüber unterhalten, denn die beiden waren ja auch sehr eng befreundet. Aber zurück zu deiner Frage: Die eigentliche Idee war, dass uns ein paar Bands mal covern, und dass ein Künstler wie Götz Alsmann das macht, ist natürlich ein Ritterschlag für uns. Bei Silbermond haben viele einfach sofort Teenieband im Hinterkopf, und ich muss gestehen, dass ich das vorher auch immer gedacht hab. Als ich die aber zum ersten Mal auf einem Festival gesehen habe, auf dem wir auch aufgetreten sind, ist mir die Kinnlade runtergeknallt. Wenn ich damals in dem Alter musikalisch so weit gewesen wäre, hätte ich mich glücklich schätzen können. Wir haben uns mit denen angefreundet und ich fragte sie dann einfach. Ihre Antwort war: "Für euch jederzeit!" Das fand ich einfach klasse.
Bei Götz Alsmann auch?
Ja, total. Der kennt uns schon lange und ist auch ausgesprochener Fan von uns, was ich bis dahin auch nicht wusste. Ich habe ihn irgendwann als Gast bei seiner Sendung kennen gelernt und bin wirklich schwer beeindruckt von dem Mann.
Wie erklärt ihr euch eigentlich euren Erfolg in Südamerika? Da geht ihr ja ab wie ein Jalapeno-Zäpfchen.
Hahaha, wie erkläre ich mir das? Weil wir so sind, wie wir sind, denke ich mal. Ich kann es dir nicht anders erklären. Ich habe einfach das Gefühl, dass man in Südamerika nicht nur auf die Musik, sondern auch auf die Menschen dahinter anspricht. Wir waren in Mexiko, Argentinien und Chile, also viel Neuland für uns, und auch da wurden wir dermaßen herzlich empfangen und abgefeiert. Das war unbeschreiblich.
Was mir vorhin beim Hören des neuen Albums mal wieder aufgefallen ist: Mit Gitarrensoli arbeitet ihr ja eigentlich gar nicht. Wenn, dann übernehmen die Dudelsäcke die Soli ...
Stimmt. Das wäre auch für Basti kein Problem, mit der Gitarre ein paar Soli oder Melodien zu übernehmen, aber das wäre nicht mehr In Extremo. Das machen einfach die Bläser und das finde ich auch in Ordnung. Das heißt nicht, dass wir so was nie machen würden, aber bislang gibt es einfach keinen Grund dazu. Außerdem ist auf der Best-Of in "Kein Sturm Hält Uns Auf" ein Gitarrensolo. Das funktioniert also schon.
Ihr habt ja auch immer viel mit historischen Texten gearbeitet, aber wie sieht das denn aus, wenn ihr selbst ans Texten geht. Was inspiriert euch da?
Eigentlich alles, was um uns rum passiert. Außerdem machen wir ja sowieso immer alles zusammen, so dass ich dir nicht mal sagen könnte, welche Zeile in welchen Song jetzt von wem stammt. Das ist mir aber auch vollkommen egal, denn auch das macht uns als In Extremo aus. Zumindest inzwischen. Vor acht, neun Jahre sah das noch anders aus, da hätte ich noch drauf bestanden, dass MEIN Text genau so verwendet wird, wie ICH den geschrieben habe. Heute bin ich richtig dankbar dafür, wenn sich alle am Textgut beteiligen, weil der Wortschatz dadurch auch großer wird.
So zwischenrein mal was ganz anderes. Wie seid ihr denn auf die Idee gekommen "An End Has A Start" von den Editors zu covern? Der Song ist doch gerade mal knapp ein Jahr alt.
Pffff, den Song haben wir gehört und Basti meinte dann, dass er den ganz gern mal so umschreiben würde, wie er ihn empfindet und sich vorstellt. Das war einfach aus einer Laune heraus. Nach zehn Platten kannste doch wohl mal eine Coverversion machen.
Keine Frage, aber normalerweise covert man doch was, was einen in der Jugend beeinflusst hat oder was in der Art.
Ja, aber das macht doch jeder so. Das war für uns einfach nur ein Spaß, wir haben da gar nicht lange drüber nachgedacht.
Ich persönlich hätte den Song niemals irgendeiner Band zuordnen können, da mich der Sound von den Editors nicht kratzt.
Na also, ist doch perfekt. Jetzt haste einen coolen Song gehört und hörst vielleicht auch noch mal bei The Editors rein. Da zuckt einfach mein Tanzbein bei dem Stück.
Nö, das ist eigentlich ne ganz einfache Sache, zumindest wenn man es kann (lacht). Das ist halt so eine Sache, entweder du hast es oder du hast es nicht. Ich habe mich mal eine Weile damit beschäftigt und beherrsche nun diesen tiefen Obertongesang. Ich war dann nur leider zu faul, um da weiter zu machen und kann die anderen Arten immer noch nicht. Das ist schade, aber ich war letztendlich zu faul, mich weiterhin damit zu beschäftigen. Privat höre ich mir aber Musik dieser Art auch ganz gern an. Mongolische Gesänge und so was, aber auch Reggae. (Inzwischen hat sich auch Basti kurz zu uns gesellt) Basti hier hört sich privat noch viel mehr an.
Basti: Es muss einem ja nicht alles gefallen, aber wenn man Musik macht, wäre es doch ein wenig albern, wenn man sich anderen Stilen und Klängen gegenüber verschließt. Ich bin natürlich auch eher ein Rockschwein, aber es gibt auch in anderen Musiksparten gute Melodien und Akkorde.
Micha: Was ich privat auch sehr gern höre, ist Roots-Musik. Da zählt dann Reggae und auch Blues dazu. Man kann ja nur davon lernen, wenn man sich anderen Sachen gegenüber öffnet.
Als vorhin "Tanz Mit Mir" lief, musste ich ganz massiv an "Midlife Crisis" von Faith No More denken.
Basti: Bei "Tanz Mit Mir"? Echt? Hm ... (nachdem der Verfasser den Beat kurz auf dem Tisch nachtrommelt) ... stimmt. Das ist da schon drin. Habe ich bislang noch gar nicht bemerkt. Das war mir gar nicht bewusst, weil ich die Scheibe schon Ewigkeiten nicht mehr gehört hab, aber jetzt, nachdem du mich drauf gestoßen hast, werde ich das wohl nie mehr aus dem Kopf bekommen, wenn ich den Song höre oder spiele (lacht). Aber Einflüsse lassen sich kaum vermeiden und treten auch unterbewusst oft zutage.
Keine Frage, aber findet ihr nicht auch, dass Michas Stimme auf der neuen Scheibe ein wenig rauer und von der Klangfarbe etwas dunkler klingt?
Micha: Da kann ich jetzt gar nichts zu sagen. Ich singe halt, wie ich singe.
Basti: Mir fehlt wohl auch der Abstand dazu, aber in dem Zusammenhang sollte vielleicht erwähnt werden, dass wir viele First Takes genommen haben. Wir haben nicht viel Firlefanz gemacht und einfach das genommen, was uns am besten gefallen hat. Egal, ob das jetzt 100% perfekt war oder nicht.
Micha: Mir kommt es beim Singen auch immer hauptsächlich darauf an, dass eine Emotion dabei rüberkommt. Ob das jetzt rauer ist als früher, kann ich dir dabei gar nicht sagen. Es muss einfach das gewisse Etwas haben.
Das ist gelungen, die Songs klingen sehr frisch und auch aus dem Bauch heraus. Gerade ein Track wie "Flaschenpost" wird wohl live nicht mehr wegzudenken sein.
Basti: Also ich würde ihn live gerne spielen.
Micha: Den werden wir mit Sicherheit spielen. Ich denke auch, dass die Fans den fortan fordern werden Das wird für uns aber auch so schon immer schwieriger, ne Setlist zusammen zustellen. Immerhin haben wir schon weit über 100 Songs und wenn du da noch irgendwelche alten auswählen musst ... puh.
Basti: Eigentlich tun wir uns mit einer neuen Platte ja keinen Gefallen, haha. Das wird dann immer schwieriger, die Songs auszuwählen.
Ich habe Micha vorhin schon gefragt, aber was hast du denn gemacht, als die Platte vorhin lief, Basti? Die Leute beobachtet?
Basti: Ja klar, auf jeden Fall! Aber das ist ein wenig schwierig. Die Scheibe klang hier schon ganz gut, aber zuhause im Wohnzimmer klingt die dann doch noch fünfmal besser, und da macht man sich doch immer ein paar Sorgen, wie das Teil hier überhaupt klingt. Aber man beobachtet schon, wie die Leute darauf reagieren. (sprichts und verkrümelt sich wieder)
Ich habe das neulich erst den Gitarristen von Atrocity gefragt: Wenn ihr die Pressereaktionen verfolgt, findet ihr doch sicher zu jeder Aussage mindestens einen, der das genau Gegenteil behauptet. Wie ernst kann man denn Journalisten überhaupt noch nehmen?
Ach je, das wirds doch immer und überall geben. Wenn man aber den Leuten in Interviews gegenüber sitzt, bekommt ja man ja auch einen Eindruck von seinem Gegenüber. Man merkt an den Fragen und an der Art, wie die Fragen gestellt werden, was das für ein Mensch ist. Wir sitzen hier gemütlich beisammen, und ich fühle mich dabei wohl. Man merkt, du hast dich mit uns und unserem Sound beschäftigst und dir Gedanken zu deinen Fragen gemacht. Da kenne ich auch ganz andere Sachen. Wenn du mir jetzt sagst, dass dieser und jener Song aus irgendwelchen Gründen nicht richtig zündet, oder was auch immer, dann mache ich mir da auch mal Gedanken drüber. Wenn mir das jemand sagt, der von uns und unserer Musik eh keine Ahnung hat, dann spare ich mir das. Wenn du mir also sagst, dass dir "Sängerkrieg" gefällt, bedeutet mir das schon was. Das dämlichste, was mir mal passiert ist, war dass ich vor laufender Kamera am Frankfurter Bahnhof gefragt wurde, was In Extremo denn mit dem Dritten Reich zu tun haben. Schließlich hätten die damals ja auch viel mit Feuer und so gemacht ... Da fällt dir doch nichts mehr ein. Ich habe mich verabschiedet, umgedreht und bin gegangen.
Jede andere Reaktion wäre wohl auch nicht angebracht gewesen. Wie hätte der Mann auch mit einer Kamera im Arsch nach Hause kommen sollen.
Da bist du echt erst mal sprachlos. Aber mit so was muss man sich eben auch schon mal rumschlagen, auch wenn das schon einige Jahre her ist. Inzwischen haben wir dann doch eine entsprechende Größe erreicht, bei der die meisten Leute wissen, womit sie es zu tun haben.
Ihr habt 2006 bei Raabs Bundesvision Contest den dritten Platz belegt, Subway To Sally dieses Jahr sogar den ersten. Denkst du, die Mittelalter-Szene ist wieder dermaßen am Kommen, oder sind die Fans von dieser Musik einfach besser zu motivieren?
Ich habe das nur am Rande mitbekommen, sehe das aber definitiv als Pluspunkt für harte Musik, vor allem, weil du dafür ja kaum mehr eine Plattform hast. Schon gar nicht im gängigen Musikfernsehen. Ich sehe das auf jeden Fall positiv und freue mich, dass die Szene da solche eine Zusammenhalt beweist.
Was kommt denn in Sachen Tour auf uns zu? Die Schiffskulisse hat ja wohl ausgedient.
Ja, auf jeden Fall. Wir haben schon daran gedacht, die Sachen bei ebay zu versteigern. Mit meinem Kostüm werde ich das auf jeden Fall machen. Ich habe ein Patenkind in der dritten Welt und der Erlös geht komplett dahin. Das hab ich schon ein paarmal gemacht, gerade mein Kostum von "Sieben" hat so viel Geld gebracht, dass in einem kleinen Dorf in Indien eine Schule gebaut werden konnte. Das war schon richtig geil.
Am Goldenen Rhein (2009)
In Extremo - Live (2003), In Extremo Live (2002)
Die Verrückten Sind In Der Stadt (live) (1998), Weckt Die Toten! (1998), Hameln (1998), In Extremo (1997)
| Fr | 25.10.2013 | In Extremo Köln (E-Werk) | |
| Sa | 26.10.2013 | In Extremo Hannover (AWD Hall) | |
| Fr | 01.11.2013 | In Extremo Hamburg (Alsterdorfer Sporthalle) | |
| Sa | 02.11.2013 | In Extremo Leipzig (Haus Auensee) | |
| Sa | 09.11.2013 | In Extremo Stuttgart (Porsche Arena) | |
| So | 10.11.2013 | In Extremo CH-Zürich (Komplex) | |
| Fr | 15.11.2013 | In Extremo Metal Hammer Paradise (Weissenhäuser Strand) | |
| Sa | 16.11.2013 | In Extremo Berlin (C-Halle) | |
| Fr | 22.11.2013 | In Extremo A-Wien (Gasometer) | |
| Sa | 23.11.2013 | In Extremo München (Zenith) | |
| Do | 28.11.2013 | In Extremo Mainz (Phoenixhalle) | |
| Fr | 29.11.2013 | In Extremo Erfurt (Thüringenhalle) |
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IN EXTREMO, DORO u.v.a. - Northeim Open Air 2009 am 30.05.09 dark-promoter |
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07.04.09, 00:38 dark-promoter |
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25.08.07, 21:39 Olsen |
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Schlüssel für In Extremo Beutezug Noisegate |
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14.10.05, 11:33 Noisegate |
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IN EXTREMO BEUTEZUG Dustinov |
3 |
19.09.05, 21:34 Noisegate |
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