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"Als ich acht war, tauschten meine Freunde Bildchen von Hanuta - doch ich saß zu Hause und programmierte den Drumcomputer" (Westberlin Maskulin - Aggressor vs. Compressor).
Fabian Römer, von der Fachzeitschrift Juice zur nächsten Generation des Deutschrap geadelt, passt in dieses Schema. Das Nachwuchstalent weist im Jahr 2005 mit gerade mal 15 Lenzen bereits ein Album vor. Das konnte noch nicht einmal Kool Savas in diesem Alter von sich behaupten.
Während die meisten frühreifen Rapfrüchtchen (Kurzer Prozess, Lil Bow Wow) eine Zeit lang vorne mitschwimmen, nur um kurz danach von der Welle des Desinteresses erfasst zu werden, will sich der am 19. Januar 1990 geborene F.R. nicht mit dem Prädikat "Eintagsfliege" zufrieden geben.
Mit sechs das erste Album der Fantas, mit acht das erste Rap-Konzert, mit elf die ersten eigenen Texte: Für jemanden, der sich dieser Musikrichtung von Kindesbeinen an verschrieben hat, kann es eigentlich nur von Vorteil sein, sich gerade im lernfähigsten Alter zu befinden, während in Deutschland die große Hip Hop-Welle losschwappt.
Im Rest Deutschlands wenigstens: F.R.s Heimatstadt Braunschweig gilt nicht gerade als Hochburg des Sprechgesangs. Darauf ist vermutlich zurückzuführen, dass die ersten Gehversuche des Frischlings im Internet stattfinden. Bei der Reim Battle Area gewinnt der junge Mann jedes Gefecht, dem er sich stellt.
Den Grundstein für sein erstes Album legt jedoch erst ein Treffen im Jahr 2002. Da lernt er den Produzenten Champagner aus dem mindestens ebenso verschlafenen Bad Honnef kennen. Es folgt der erste Liveauftritt im November 2003 beim "Flava Jam" im Braunschweiger Jugendhaus. Bei weiteren Jams komplettiert sich mit DJ Cut Concept sowie Backup-MC Zwieback auch die Crew um das Talent.
Zwei Jahre lang arbeitet F.R. hart an seinem Debüt, im August 2004 erscheint es auf dem Ruhrpottlabel Rec.On: "Mundwerk" startet mit einer minimalen Auflage, doch steigt der Bekanntheitsgrad des Rappers nicht zuletzt wegen Jams (unter anderem gemeinsam mit Franky Kubrick). Die Juice erkennt die Gunst der Stunde und supportet F.R. in der Novemberausgabe als Nachwuchstalent auf einer Stufe mit Summer Cem.
In der Folgezeit verbessert der Rapper seine Skills durch Gastauftritte auf Mixtapes - unter anderem auf Ercandize' Untergrund-Projekt "Ear 2 The Street" und dem Debütalbum des aufsteigenden Berlin-Rappers Taichi.
Die Juice gibt kräftig Rückenwind, ein Auftritt bei Europas größtem Hip Hop-Festival Splash! tut sein Übriges: Es wundert kaum, dass bereits im Juni 2006 - F.R. ist inzwischen 16 - mit "Mittelweg" sein zweites Album in die Läden kommt.
Die Beats kommen dieses Mal von bekannteren Produzenten wie Joe Rilla, Brisk Fingaz und Busy. Ab November 2007 finden Fans auf F.R.s offizieller Webseite ein kostenloses Mixtape mit Tracks, die der Rapper in den Jahren 2003 bis 2007 für Magazine, Internetseiten oder auch die Juice-CD veröffentlicht hat.
Rückblicke auf das bis dato zu wenig beachtete Frühwerk gestattet Ende 2009 "Truemanshow". Mit üppigem Bonusmaterial ausgestattet lässt sich die Zeit bis zu dem Zeitpunkt überbrücken, "Wenn Mein Album Kommt 2010" ...
... was sich dann doch als Arbeitstitel entpuppt: F.R.s nächstes Album heißt schlicht "Wer Bist Du?" - "der nunmehr vierte Teil meines vertonten Lebens". Mit Schützenhilfe der Beatgees liefert der inzwischen 20-Jährige erstmals einen Longplayer ab, der neben starken Texten auch angemessen starke Beats auffährt.
"Sein Style komme, sein Wille geschehe", ruft sich der "Son Of A Preacher Man" - auch im richtigen Leben ein Pastorensohn - zum Rap-Messias aus. Wer wollte da widersprechen?
Mit 15 das erste Album rausbringen, ist schon nicht ganz normal. Eine Sonne, die schneit, auch nicht. Und was ist mit Facebook und Internet?
Wir sprachen mit F.R. über das, was normal ist und was nicht, darüber, was alles verpasst wird, aus Angst, zu verpassen, über Wunderkinder und Rapwunder, über Unbeschwertheit und: seinen Steuerberater.
Frauenfeld Openair 2011: auf der Fahrt im Tourbus von F.R. aufs Festivalgelände, ranken sich die Gesprächsfetzen vor allem um ein Thema: Jungfrauen. Genauer gesagt: "Frauenfeld-Jungfrauen". Für Rapper Fabian Römer und seine gesamte Crew ist der Auftritt auf dem Frauenfeld-Openair eine Premiere. Noch nie zuvor dagewesen, darf F.R. um 13 Uhr das Festival eröffnen. DJ Chris fasst das Ganze prägnant in die Worte: "Ich bin auch 'ne Frauenfeld-Jungfrau ... Ich weiß ja gar nicht, wo ich hier reinfahren soll!" Gelächter von allen Seiten. Klar, dass der Kerl neben F.R. in der hintersten Reihe sitzt. Im Bus sitzen die Coolen schließlich immer hinten.
Es ist spät am Vormittag und im VIP-Bereich noch kaum was los. Ryan Leslie, der direkt nach F.R. auf die Bühne geht, spielt mit seinem Kollegen Kicker, während ich Fabian vorschlage, das anstehende Interview im Jacuzzi zu machen, den wir eben in einer Ecke des VIP-Bereiches entdeckt haben.
Pokertisch, Jacuzzi und ein ganzer Haufen feinster Hip Hop-Caps zur freien Verfügung- schön ist es hier, bei den Schweizern! Findet F.R. auch. Neben F.R. und Ryan Leslie geben sich allein am Freitag übrigens Größen wie Atmosphere, Ice Cube, Kool Savas und Snoop Dog die Ehre. Deshalb sind alle geknickt, schon kurz nach Fabians Auftritt weiter auf ein anderes Festival fahren zu müssen.
Das Interview findet schließlich nicht im Jacuzzi statt. Frei vom Zwang zu narzisstischer Selbstinszenierung zieht sich F.R. kurz vorm Soundcheck lieber in den Schatten seines Containers zurück, als sich lasziv im Pool zu räkeln oder mit eingefrorener Coolness über dem Pokertisch zu hängen.
Zunächst mal möchte ich dir – auch im Namen unserer Hip Hop-Queen Dani - zu deiner coolen Formulierung in "Exzess all areas" vom letzten Album gratulieren: "Ich bin so fly, meiner Scheiße wachsen Kotflügel."
(Lacht.) Ja - Danke!
Reden wir zunächst mal über dein aktuelles Album "Ganz normaler Wahnsinn", das am 2.9.11 veröffentlicht wird. Was ist der ganz normale Wahnsinn?
Das ist, denke ich, für jeden Menschen ganz unterschiedlich. Also mein ganz normaler Wahnsinn ist z.B., dass ich mit 12 Jahren angefangen habe, Musik zu machen. Und jetzt seit ungefähr einem Jahr "Berufsmusiker" bin und mich wirklich dazu entschieden habe, das mal durchzuziehen bzw. mich nicht direkt ins Studium zu stürzen. Das ist einerseits ganz normal, wenn man meine Entwicklung als Musiker sieht. Weil ich eben schon so früh angefangen habe, würde jeder denken: 'Okay, der hat das jetzt schon so lange gemacht, das ist seine Leidenschaft'. Aber andererseits ist es eben trotzdem ein bisschen wahnsinnig in einer Zeit, in der einem vermittelt wird, dass man eher den geraden Lebensweg einschlagen sollte und von der Schule direkt in die Uni. Ich bin schon ein bisschen "outstanding", sag' ich mal - im Vergleich zu allen anderen oder vielen anderen Leuten aus meinem Jahrgang.
Das ist so ein Ding. Aber im Grunde genommen ist es bei allen Albumtiteln immer das Wichtigste, dass sie einfach cool klingen und man sich irgendwie gut dabei fühlt. Man denkt sich dann immer für die Interviews irgend 'ne coole Erklärung bzw. Rechtfertigung dafür aus, aber eigentlich ist es das Wichtigste, dass man einfach ein gutes Gefühl dabei hat bzw. das irgendwie zum Album passt.
Aber der gleichnamige Song "Ganz normaler Wahnsinn" handelt ja schon konkret davon, wie wahnsinnig es eigentlich ist, ein Nachwuchstalent zu sein. "Vor dem Referat heulen gehen, aber den Tag davor mit 15 vor 6.000 Leuten stehen." rappst du. Jetzt bist du älter und weiser. Fandest du das alles im Nachhinein zu früh?
Ich sag immer: das ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits ist es natürlich auch von Vorteil, wenn man erstmal in seinem stillen Kämmerlein an seiner Lebenserfahrung und seinen Fähigkeiten feilt, bis man wirklich bereit ist und ein Vollblutmusiker ist, und dann erst raus geht. Aber andererseits macht das meine Karriere auch aus, dass ich die Leute von Anfang an hab teilhaben lassen an meiner Musik - seit meinem 13. Lebensjahr - und eigentlich auch immer sehr persönliche Musik gemacht habe, d.h. die Leute konnten immer mein Seelenleben auf CD verfolgen.
Und ich hab ja auch sehr viele Erfahrungen erst dadurch machen können, dass ich so früh angefangen hab. Ich hätte ja z.B. nicht ansatzweise so viel Live-Erfahrung sammeln können, wenn ich einfach nur in meiner dunklen Kammer Mucke gemacht hätte und gedacht hätte: 'Okay - ich übe jetzt erst mal 12 Jahre'. Ich hab so viel erlebt, bin in so viele Städte gekommen, hab so viele Menschen kennengelernt, dass ich das auf jeden Fall niemals rückgängig machen wollen würde.
Oftmals ist das Problem der Wunderkinder ja, dass nicht mehr viel übrig bleibt, sobald sie keine Kinder mehr sind. Du wurdest als junges Rapwunder gehändelt. Wo verortest du dich im Moment denn selber, jetzt, wo du dem Wunderkindstatus entwachsen bist?
Also ich glaube, dass ich schon mit meinem letzten Album den Schritt da raus gemacht habe, also dass die Leute mich jetzt nicht mehr als den jungen Typen, der mal ganz früh angefangen hat, sondern schon eher als ernstzunehmenden Künstler wahrgenommen haben.
Es ist auch immer die Sache, wie man das selber vermarktet. Also ob man jetzt in seine Biographie schreibt: "Okay - ich bin das Wunderkind und möchte von euch Pressemenschen auch so gesehen werden" oder ob man eben sein Album in den Vordergrund stellt und das mach ich dieses Mal auf jeden Fall ganz klar. Ich hab natürlich 'ne Vergangenheit und die ist auch gut, aber letztlich geht's mir immer um die Musik und um den aktuellen Stand meiner Musik. Das ist dieses Mal auch wieder so.
Du spielst auf mein vorletztes Album an. Da hab ich den Song gemacht "Rap braucht Abitur" und damals hatte ich das Gefühl, dass dieses Gleichgewicht, was für mich immer herrschen sollte - jetzt rein in der Öffentlichkeit, wie Rap dargestellt wurde - nicht gegeben war. Es gab in der Szene auf jeden Fall schon immer 'ne Vielfalt, aber es kamen wenige Sachen an die Öffentlichkeit, die das richtige Bild von Rap gezeigt hätten.
Straßenrap hat in meiner Auffassung auch auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung. Es wäre schlimm, wenn es nicht erfolgreiche Rapper geben würde, die aus schwereren Verhältnissen kämen. Aber mir ist eben wichtig, dass auch die andere Seite der Medaille gezeigt wird, und das ist mittlerweile, find' ich, in einer sehr guten Entwicklung. Es kommen gerade sehr viele Leute an den Start, die auch eine andere Art von Rap vertreten und deswegen sehe ich die Entwicklung grade eigentlich sehr positiv.
Wer z.B.?
Marteria z.B. hat's ja allen vorgemacht mit seinem letzten Album und Casper steht jetzt in den Startlöchern, wird durch die Decke gehen - das sind jetzt z.B. zwei Beispiele. "Z.B. zwei Beispiele" - ist auch nicht schlecht (lacht).
Was hältst du denn persönlich von jemandem wie Casper?
Finde ich super! Ich glaube, dass er mit seinem Album auf jeden Fall das erfüllen wird, was viele von ihm erwartet haben. Ich hab immer - auch schon bei seinem letzten Album "Hin zur Sonne" - gedacht, dass es eigentlich geil wäre, wenn er so ein bisschen mehr die Indieschiene fahren würde, weil er eben auch aus diesem Kontext kommt und das viel besser passt, als wenn er jetzt Boombap-Beats rappt. Deswegen finde ich das ganz gut, was er macht.
Im Interview mit Kollege Gässlein hast du gesagt, du checkst jede Rapplatte - was hat der Markt im Moment, außer "XOXO" von Casper, aktuell für dich an gutem Stuff zu bieten?
Das ist jetzt nicht extrem aktuell, aber was mich zuletzt sehr überzeugt hat, war z.B. das Kanye West-Album. Das letzte - das fand ich extrem gut. Und ansonsten klar: Drake hab ich auch gefeiert, feier ich auch immer die neuen Songs, die rauskommen. Und ja ... da gibt's schon so das ein oder andere, was ich feier.
Wer hat eigentlich die Beats auf deinem neuen Album produziert? Wieder die Beatgees?
Ja - hauptsächlich haben wieder die Beatgees produziert, wie auch schon meine letzten beiden Alben. Nur dass dieses Mal noch ZPYZ dabei ist - das ist 'ne Band aus Berlin, die so ein bisschen mit ihrem letzten Album, das "2080" heißt, unseren Toursoundtrack gemacht hat. Wir haben das die ganze Zeit im Tourbus gehört und ich hab dann irgendwann so spaßeshalber gesagt: "Ey - wenn ich mein nächstes Album mache, produzieren das auf jeden Fall die Beatgees und ZPYZ." Und jetzt ist es halt letztlich echt so gekommen und das ist ziemlich geil. Die haben auf jeden Fall noch einiges zum Album beigetragen, auch zwei Produktionen komplett alleine gemacht.
Auf "Ganz Normaler Wahnsinn" geht es, wie auch auf deinem letzten Album "Wer Bist Du", wieder viel um Abschied, Aufbruch, Stationen auf dem Weg zum Erwachsenwerden und zu neuer Selbständigkeit. Wie sieht diese neue Selbstständigkeit im Moment eigentlich aus?
Also, ich bin vor kurzem nach Berlin gezogen - im Dezember. Es war mir einfach auch wichtig mal in 'ne andere Stadt zu kommen und Berlin war für mich sehr naheliegend. Ich hab mein ganzes Leben lang in Braunschweig gewohnt - das ist auch 'ne coole Stadt, um aufzuwachsen, in meinen Augen nicht zu klein, nicht zu groß, hat so ungefähr 260.000 bis 270.000 Einwohner - aber irgendwann war's dann einfach mal an der Zeit. Da ich auch schon ein sehr gutes Umfeld hab in Berlin - ich hab viele Freunde da, hab mein Management da, meine Produzenten, mein Label sitzt da - war's einfach extrem naheliegend, wenn ich noch mal umziehe, auf jeden Fall nach Berlin zu ziehen - von daher ... jo ... läuft das ganz gut mit der Selbstständigkeit.
Du wohnst jetzt also allein?
Ja nee - ich wohn' mit meinem Steuerberater zusammen (lacht).
Du sagst, du hast es "satt am Zweifel zu verzweifeln". Hört man Tracks wie "Zweifellos" oder "Irgendwas mit Medien", hat man aber stark den Eindruck, du beschäftigst dich trotz deinem Erfolg mit der Möglichkeit des Scheiterns und mit den Alternativen zu einer Rapkarriere.
Ja - ich bin eigentlich eher von pessimistischer Natur, d.h. wenn ich ein Problem abgearbeitet habe, dann seh ich schon wieder das nächste und mir fällt's immer schwer, wirklich mal zu genießen. Jeder Mensch hat so Sachen, wo er denkt, 'okay, das nehm ich mir jetzt mal vor zu ändern', weil es einfach so 'ne Marotte ist, die nicht sein muss. Einerseits treibt die einen zwar mit Sicherheit auch voran - man ist immer sehr zielorientiert - aber andererseits ist es eben schade, weil einem dadurch ein paar schöne Momente flöten gehen, wo man eigentlich einfach mal alles hätte beiseite schieben müssen und einfach mal hätte sagen müssen: "Okay, das ist jetzt einfach geil, so wie's is! Es is einfach alles perfekt." - so diese Unbeschwertheit.
Die hast du selten?
Die hab ich eher selten - auf jeden Fall. Und das ist so das, was ich mir immer wieder vornehme, und wo ich aber, denke ich, auch auf einem ganz guten Weg bin. Aber deswegen ist das auch Thema auf dem Album.
Du willst an etwas Unbeschwertheit arbeiten, heißt das, du lässt andere Pläne, wie Studium etc., jetzt erstmal außen vor?
Ja. Ich gebe mit meinem Album "Ganz Normaler Wahnsinn" eigentlich so ein bisschen die Antwort auf mein letztes Album "Wer Bist Du?". Das war sehr fragend und sehr zerrissen und sehr selbstzweifelnd und das Album jetzt ist eigentlich extrem selbstbewusst und einfach viel entschiedener und viel mehr in der Aufbruchstimmung.
Das beschäftigt mich schon sehr, deshalb habe ich auf dem Album drei Songs, die das eben thematisieren. Das ist ein kleiner Konzeptteil auf dem Album. Die Songs kommen auch mit Absicht hintereinander, also "Gefällt mir", "Irgendwas mit Medien" und "Russisch Chatroulette". Das ist einfach bei mir sehr nah dran. Ich hatte damals den Fehler gemacht, dass ich mein privates Facebookprofil direkt für Promozwecke nutzen wollte. Ich wurde eher so dazu gezwungen: "Mach dir jetzt mal ein Facebook-Profil!"
Ich war immer eher Gegner von so Social Networks, war z.B. nie bei Studi- oder Schüler-VZ oder so, außer mal als Fakeaccount - also jemand hat einen Fakeaccount von mir gemacht, ich hab jetzt keine Spionageaccounts gemacht oder so (lacht).
Jetzt habe ich bei Facebook so ca. 5.000 Freunde oder so - es gibt ja ein Freundeslimit bei privaten Accounts - und da sieht man einfach den Gossip von Leuten, die man nicht kennt, von 12- bis 16-Jährigen, und da denkt man sich schon: 'Krass - da ist die Schamgrenze schon extrem weit unten'. Und ich frag mich eben, wie weit das noch gehen kann. Meine Generation ist schon mit dem Internet aufgewachsen - ich bin nur so tief in die Mucke eingetaucht, weil ich Internetzugang hatte - und das wird, denke ich noch viel extremer.
Deswegen sehe ich das Ganze schon sehr kritisch, obwohl ich eben genau weiß, was das Internet für Vorteile hat. Auch Facebook hat riesige Vorteile - alleine schon aus marketingtechnischen Gründen. Was man da für Einblicke in Statistiken hat oder so - nicht nur auf Musiker bezogen, sondern auch generell für irgendwelche Firmen - für die ist Facebook im Moment einfach alles! Da gibt's nix anderes. Aber trotzdem gibt's eben bestimmte Sachen, wo ich denke, das sollte man auch mit 'nem kritischen Auge sehen und deswegen flammt das Thema auch immer wieder auf meinem Album auf.
Meinst du denn, dass ein Teil des Zaubers der Jugend verloren geht durch das ganze Gechatte? Früher – du bist schon mehr mit dem Internet aufgewachsen als ich - hingen wir in Kellern oder draußen rum, haben gefeiert, Musik gehört und uns ganz dem Moment verschrieben, heute wird alles festgehalten, nur um dann letztlich ein cooles Bild für Facebook zu haben.
Ja - das sage ich auch auf meinem Album auf "So soll's sein": "Statt den Moment zu genießen, muss gefilmt werden". Das ist auf jeden Fall immer ganz lustig zu sehen, wie die Leute eigentlich gerade einen der besten Momente ihres Lebens haben und ihr Handy zücken. Wo du so denkst: 'Ey - du verpasst einfach gerade so den krassen Moment! Aber gut hast es halt gefilmt.' Das finde ich sehr extrem und das ist eigentlich charakteristisch für dieses ganze Internetphänomen, das man denkt, man darf auf keinen Fall was verpassen und man muss die ganze Zeit up to date bleiben, obwohl man dabei eigentlich total viel verpasst.
Zu "Sonne schneit" - da interessiert mich noch: Was ist die Sonne, was ist der Schnee? Geht es darum, wie klein alle Sorgen werden, sobald wir etwas sehen, was wir noch nicht kennen? Oder um was geht's in dem Song eigentlich?
In "Sonne schneit" geht's eigentlich um alles und gleichzeitig auch um nichts. Es ist so, dass die Strophen sich ein bisschen um den Alltagstrott drehen - um diese Monotonie, diesen täglich gleichen Ablauf, um dieses Festgefahrene. Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Der Refrain ist dann eben der Aufbruch bzw. es geht darum, dass man irgendwas erlebt, was einen komplett ins Positive umkehrt bzw. irgendwas Unerwartetes passiert, wo man denkt: 'okay - krass!' Und das kann für jeden eigentlich alles Mögliche sein, ob es jetzt die Geburt von seinem Kind oder einfach irgendwas anderes ist, womit man nicht gerechnet hätte, was einem eine ganz andere Perspektive auf das komplette Leben gibt - das ist eigentlich "Sonne schneit" für mich.
"Wir schweigen es tot" verstehe ich jetzt einfach mal autobiographisch: Welche Leichen hast du im Keller, über die du gerne mit mir reden würdest?
Lacht.
Oder gibt's keine?
(Schmunzelt). Da kannst du ja meinen Mitbewohner, meinen Steuerberater, fragen, was ich für Leichen im Keller hab.
Der Song ist auf jeden Fall auch autobiographisch, aber ich lasse solche Sachen immer gerne bewusst offen bzw. geh da immer schon krass an die Grenze, weil meine Musik, wie gesagt, sehr persönlich ist. Ich sag in den Songs auch meistens das, was ich zu den Songs sagen will und weiter hinaus eigentlich nicht.
Und - ähm - ich denke, das kennt einfach jeder, dass man 'ne Beziehung zu irgendeinem Menschen hat, egal, ob das jetzt die Eltern sind oder 'ne Liebesbeziehung oder einfach ein guter Freund, wo es so ist: eigentlich liegt die ganze Zeit irgendwas in der Luft und eigentlich denken beide das Gleiche und eigentlich begehen beide denselben Fehler, aber keiner bringt's eben zur Sprache. Beide lächeln sich an, aber das Lachen ist eben nicht echt. Darum geht es in "Wir schweigen es tot".
Eine letzte Frage zum Abschied nehmen: "Du musst, was du liebst verliern, es kommt zurück irgendwann und bleibt für immer bei dir", rappst du. Du hast für deinen Weg sicherlich viel aufgeben müssen, viel Abschied nehmen müssen ... Woher nimmst du die Gewissheit, dass es wiederkommt?
Hmm - puhh - schwierige Frage ...
Hast du das so schon mal erlebt? Oder ist das ein gewisser Grundoptimismus - obwohl du ja vorher noch gesagt hast, du bist kein Optimist?
Das ist, glaube ich, einfach 'ne gute Ansicht, mit der man durch's Leben kommt, wenn man sich einfach sagt: "okay - manchmal muss man eben loslassen und das Positive, was man dabei loslässt, kommt irgendwann auch in 'ner anderen Art und Weise wieder." Das wollte ich eigentlich mit der Zeile sagen. Und das kann man, denke ich, auch schwer konkret in irgendwelche Alltagssituationen übertragen, das ist einfach so 'ne Einstellung, von der man sich wünscht, dass sie stimmt. Da bin ich dann mal für 'nen kleinen Moment Optimist in dem Song (lacht).
Gut. Dann behalt dir das! Danke für's Interview und viel Spaß beim Auftritt!
Danke auch. Danke auch.
Das größte Nachwuchstalent des Deutschraps über Vorbilder und den idealen 'Mittelweg' zwischen Schule und Beruf.
Wenn das größte Nachwuchstalent des Deutschraps gerade nicht die Schulbank drückt, tourt er wie besessen durch den heißen Festivalsommer, um seine zweite Platte vorzustellen. Bei dieser Gelegenheit bekamen wir einen sichtlich ausgepowerten F.R. zwischen Gig und Heimfahrt vors Mikrofon.
Tübingen, RACT-Festival. Der Samstag versprach von Anfang an, unter einem günstigen Hip Hop-Stern zu stehen. Als Abschluss dieser sportlichen Herausforderung auf dem so schönen wie beschaulichen Festivalgelände im Herzen der schwäbichen Studentenstadt brachten die Konzerte von Mike Crush, Youngster F.R. und Stuggys Finest Franky Kubrick das Hip Hop-Herz zum Bouncen. Zwischen solchen Namen auf einem prall gefüllten Umsonst & Draußen zu rappen und dabei noch eine verdammt gute Figur zu machen - für einen vitalen Sechzehnjährigen am schulfreien Wochenende kein Problem. Oder doch?
Während die Beats von der Bühne aus die Luft schwängern, spricht der Brauenschweiger mit laut.de backstage über Vergangenheit, Zukunft und elterlichen Support - nachdem sich die laut.de-Redakteure durch eine autogrammheischende Mädchentraube gekämpft haben.
Glückwunsch zunächst! Ich finde es erstaunlich, wie du in deinem Alter eine solche Masse von Menschen derart begeistern kannst, wie du eine solche Atmosphäre aufbaust. Seit wann gibst du Livekonzerte vor vergleichbar großem Publikum, und wann kam diese Selbstsicherheit?
Meinen ersten Auftritt hatte ich Ende 2003, mit 13. Der war damals eher ungewollt, ich wurde auf die Bühne gerissen. Es war eine kleine Jam damals, und ich habe nur gefreestylt, aber es war trotzdem eine harte Probe für mich. Danach kamen mehrere Auftritte auf ebenso kleinen Jams. Richtig Erfahrung sammeln konnte ich dann bei der Mundwerk-Tour, da sind wir überall aufgetreten, knapp 30 Konzerte. Manche in kleinen Jugenzentren, und dann als Höhepunkt natürlich das Splash! 2005. Aber bis die Selbstsicherheit kam, dauerte es eine lange Weile.
Gerade auf dem Splash standest du das erste Mal vor einem riesigen Publikum. Warst du da nicht wahnsinnig nervös?
Das war eigentlich witzig. Bevor ich auftrat, waren eigentlich gar nicht soo viele Leute vor der MZEE-Bühne. Samy trat kurze Zeit später auf der Hauptbühne auf, und ich dachte, mein Auftritt interessiert eh keinen. Also saß ich hinter der Bühne, habe total die Paras geschoben und war dann sehr geflasht, als ich raustrat und es standen doch eine Menge Leute da. Aber auch da war es wie bei jedem Auftritt: Sobald der Beat reinkommt, ist die Nervosität plötzlich weg.
Du fährst für ein Wochenende mit deinen Freunden nach Tübingen, um eine Show zu geben, und weißt nicht, wo du schlafen wirst, wie und wann du nach Hause kommst. Wie kommen deine Eltern damit klar? Du erwähnst ja auch in einem Track, dass sie sich Sorgen machen ...
Naja, ich würde sagen, sie haben sich daran gewöhnt. Ich mache das ja nun schon, seit ich 14 bin. Es stimmt, ich erwähne es in einem Track, aber eigentlich sind sie in dieser Hinsicht total tolerant. Sie wissen ja auch, dass ich immer vertraute Personen um mich herum habe, die zum Teil schon um einiges älter sind. Die sorgen schon dafür, dass ich nicht zu krass abgehe und nicht auf falsche Bahnen gerate (lacht). Meine Eltern kennen meine Freunde, und insofern ist das meistens alles chillig.
Haben deine Eltern dich supportet?
Na ja, was heißt supportet? Also in der Hinsicht auf jeden Fall, dass sie gesagt haben: "Mach dein Ding, wir setzen dir keine Grenzen." Ich kann insofern machen, was ich will, kann auf Auftritte fahren, also supporten sie mich schon in gewisser Weise. Aber ich habe ihnen noch nie einen Track von mir gezeigt oder so.
Du hast deinen Eltern noch nie einen Track gezeigt? Denkst du, sie würden wegen der rap-üblichen teils expliziten Lyrics an die Decke gehen?
(Grinst:) Nein, auf keinen Fall. Ich nehme an, die hören die Hälfte eh durch meine Wand, weil ich die Tracks ja bei mir im Zimmer aufnehme. Ich glaube, sie finden das schon alles okay.
Ich sage dir ganz offen, ich höre hauptsächlich Hip Hop. Nebenbei kann ich dir jetzt keinen bestimmten Act nennen, den ich speziell höre. Ich mag viele gesanglich interessante Gruppen wie zum Beispiel Xavier Naidoo. Ich bin nicht versteift auf Rap, aber ich kann im Gegensatz zu vielen anderen Rappern auch zugeben, dass ich hauptsächlich Rap höre. Die meinen ja immer, sie fänden alles außer ihrem Zeug scheiße und wollen sich nicht beeinflussen lassen. Ich halte es da mit Curse, der in "Zehn Rap-Gesetze" fordert: "Du musst Hip Hop lieben, als wärst du immer Fan geblieben." So ist es bei mir auch, ich checke jede Rapplatte.
Welche Acts aus den letzten Jahren, gerade aus dem deutschen Hip Hop, sind dir besonders ans Herz gewachsen?
Das ist eine gute Frage ... Klar, die großen Namen sowieso, die bleiben wohl bei jedem hängen. Curse, Samy, Savas. Aus der Undergroundecke auf jeden Fall Damian. Damian Davis aus Berlin, der ja auch auf meinem Album mit drauf ist. Das ist auch das einzige Feature, bei dem ich vorher überhaupt keinen Kontakt hatte und ganz gezielt versucht habe, ihn zu erreichen, weil ich von seinem Album "Kehrseite der Medaille" so geflasht war. Das ist meiner Meinung nach bis heute eines der besten Deutschrapalben überhaupt. Er hat mich als Künstler in den letzten Jahren am meisten beeindruckt, und deshalb bin ich froh, dass wir jetzt so viel zusammen machen. Der nahmhafteste Featuregast auf deinem zweiten Album ist der Stuttgarter Franky Kubrick, gerade eben standest du mit ihm gemeinsam auf der Bühne. Wie kam es zum Kontakt mit ihm?
Franky habe ich mal in Paderborn bei einer Rec. On-Jam kennen gelernt. Wir hatten gerade unsere Alben rausgebracht, fanden den Stuff des anderen jeweils sehr cool, haben gelabert und uns gut verstanden. Wir haben uns dann von Brisk Fingaz Beats geholt, uns auf einen geeinigt und dann eben diesen Featuretrack aufgenommen. Wie findest du sein Mixtape, das ja im gleichen Monat wie deine zweite Platte erschienen ist?
"Mein Moneyfest" find ich cool, auf jeden Fall! Ich muss sagen, sein Album ist schon was anderes, weil es mehr Inhalte transportiert und besser ausproduziert ist. Insofern gibt mir "Rücken Zur Wand" auf lange Zeit sicher mehr, aber das Mixtape hat definitiv krasses Niveau. Aber ich schätze Franky am meisten, wenn er Tracks mit Aussagen bringt, die sind auf dem Mixtape zwar vertreten, aber auf dem Album im stärkeren Maße.
Gutes Thema! Auch dein Album ist ja wieder vollgepackt mit Reflektionen, Gedankenspielchen zu fiktiven Situationen und ähnlich tiefgründigen Texten - und dann kommt ein Track wie "Sport" (die erste Single, Anm. d. Red.), ein hammerharter Battletrack. Wie kommt es zu dieser Diskrepanz?
Sagen wir, ich bin einfach ein Allround-MC. Das war auf jeden Fall schon immer mein Anspruch. Ich will alles ausprobieren und Tracks produzieren, die mir Spaß machen, und ich habe halt an jeder Sparte Spaß. Wenn es mir scheiße geht, schreibe ich eher einen persönlichen, melancholischen Track, und wenn ich Lust habe, auf die Kacke zu hauen schreibe ich halt so was wie "Sport". Ich setze mir da keine Grenzen, ich überlege mir auch nicht vor einem Album, wie viele Tracks es von welchen Sparten beinhalten soll. Ich will immer das machen, worauf ich Lust habe, insofern entwickelt sich das von alleine. Ich will kein reiner Consciousness- oder Battle-MC sein, sondern alles machen. Gibt es einen MC, der dich in dieser Hinsicht geprägt hat?
Ich bin auf jeden Fall ein großer Fan von den Eminem-Alben bis einschließlich der "Eminem Show". Die haben mich sicher geprägt; die Platten habe ich damals gehört, als ich noch keinen großen Plan hatte, und ich höre sie auch heute noch oft. Er ist der absolute Allround-MC meiner Meinung nach, weißt du? Er vereint einfach alles. Er geht krass erfolgreich ab, aber gibt sich superviel Mühe bei seinen Tracks, hat derbe Reime ... naja, flasht mich halt auf allen Bereichen, wie gesagt.
Du hast zunächst Fanta 4-Sachen gehört. Wenn du jetzt, aus Sicht eines gefragten MCs der deutschen Rapszene, diese Gruppe bewerten solltest - sind das wichtige Urväter des deutschen Sprechgesangs oder doch nur Popclowns, wie ihnen immer wieder vorgeworfen wird?
Oh. Naja, ich habe die Platten schon ewig nicht mehr gehört, muss ich zugeben. Viele denken, ich hätte wegen den Fantas begonnen zu rappen, aber das stimmt nicht. Sie waren für mich halt der allererste Kontakt mit Hip Hop. Damals habe ich mir die Alben von denen gekauft und fand die Musikrichtung halt cool. So richtig mit Rap befasst habe ich mich aber erst später, als der Internetzugang kam, weil ich da so viele Künstler kennengelernt habe, die heute nicht in den Medien stehen. Insofern kann ich nicht viel dazu sagen, ich habe zum Beispiel ihr neuestes Album auch noch gar nicht gehört. Ist sicher schade, dass ich mir den Kram seit der Grundschule kaum noch reingezogen habe, weil es sicher interessant wäre, wie er heute auf mich wirkt.
Klar habe ich viel darüber nachgedacht, auch auf dieses Album bezogen schon. Was wäre, wenn ich jetzt bei einem Majorlabel wäre, wenn ein Track dick charten würde ... Gerade beim Auftritt vorhin hast du ja die kreischenden Mädchen in der ersten Reihe schon gesehen. Aber ich will auf jeden Fall nie ein MC werden, zu dessen Konzerten nur noch Leute kommen, die als Fans nicht so wirklich ernst zu nehmen sind. Deshalb bin ich über meinen Status gerade sehr froh. Ich hab ja sowieso schon ein Image, das ich selbst überhaupt nicht kreiert habe, weißt du? Die Leute sehen in mir den jungen Rapper, das ist okay. Aber mir ist es wichtig, da nicht selbst noch zusätzlich drauf rumzureiten und es marketingtechnisch auszuschlachten. Das wäre auf jeden Fall ein großer Fehler, ich finde, die Leute sollen sich selbst eine Meinung bilden. Auf die Zukunft bezogen denke ich natürlich auch darüber nach, was für ein Format ich rausbringen werde. Ich will auf keinen Fall wieder zwei Jahre Pause machen bis zu meiner nächsten Veröffentlichung. Aber in welche Richtung das gehen soll, weiß ich noch nicht. Also in den Medien stehen ... will ich schon, eigentlich, natürlich will ich mit dem dritten Album einen Schritt weitergehen als mit dem letzten und keinen Stillstand haben. Von "Mundwerk" zu "Mitelweg" war es nicht nur musikalisch sondern auch geschäftlich eine krasse Steigerung, und das will ich auf jeden Fall auch so weiterführen.
Du bist noch in der Schule und hast vor, dein Abitur zu machen. Wäre es, rein hypothetisch, eine Option, bei ausreichendem kommerziellen Erfolg die Schule abzubrechen und dich ganz auf das Rapding zu konzentrieren?
Nein, gar nicht, also wirklich überhaupt nicht. Die Schule abzubrechen, wäre das Letzte, was ich tun würde. Ich bin so ein Typ, der sich auch für die geschäftlichen Sachen interessiert, für die ganze Musikindustrie. Und man sieht viele, die alles auf eine Karte setzen. Die wiederholen dann auch immer in ihren Tracks, dass das nun ihre letzte Chance ist, dass das Geld her muss und so. So will ich auf keinen Fall enden, ich will auf jeden Fall immer etwas Sicheres in der Hand haben, auch wenn es mit dem Rap nicht klappt. Deswegen stehen Schule und Abitur im Vordergrund, vielleicht später auch noch studieren, das weiß ich noch nicht. Aber auf keinen Fall eingleisig fahren - halt auf jeden Fall den "Mittelweg" finden (grinst). Ich will halt das machen, was mit Spaß macht, aber auch das, was mich in der Zukunft absichert, deshalb würde ich die Schule auf keinen Fall abbrechen, egal was kommen mag, auch dann nicht wenn Universal mir die Möglichkeit gibt, ein Album mit drei Singles zu droppen.
Hast du diesbezüglich ein Vorbild in der deutschen Rapszene? Jemand, von dem du sagst: Der hat es richtig gemacht, so würde ich das auch angehen?
Es ist schwer, denn das hat ja auch viel mit dem Alter zu tun. Ich kenne keinen, der mit 18 sein drittes Album draußen hatte und vor der Wahl stand. Daher habe ich da kein konkretes Beispiel ... Aber karrieremäßig finde ich sogar Blumentopf ganz vorbildlich. Die schaffen es regelmäßig, auf ihren Touren Hallen zu füllen, aber ich glaube, das sind trotzdem Typen die in ganz Deutschland rumlaufen können und keine Sau erkennt sie. Im Gegensatz zu Savas oder so, und das finde ich geil. Ich merke halt an mir, dass es nicht wirklich mein Ding ist, von allen erkannt zu werden und Autogramme zu schreiben und so eine Scheiße. Ich will meine Musik machen, natürlich auch viele Käufer haben und so weiter, aber so wie bei Blumentopf wäre es glaube ich für mich optimal - auch wenn es sehr schwer umsetzbar ist.
Du hattest die Möglichkeit, dein Album auf einem Majorlabel zu veröffentlichen, oder ...?
Naja, sagen wir so: Wir wollten abchecken, wie wir die Scheibe vertreiben, und standen da auch im Kontakt mit manchen Majors. Aber wir haben schnell gemerkt, dass das nicht vereinbar ist mit der Strategie, die wir fahren wollen. Das kann man ihnen auch nicht übel nehmen, die wollen halt ordentlich Kohle reinpumpen in Promotion und so, um dann auch wieder Kohle rauszubekommen. Und diese Art der Vermarktung wollten wir halt nicht. Deshalb haben wir das nicht gemacht.
Danke für dieses Gespräch und gute Heimfahrt.
Ich danke für das Gespräch!
Truemanshow (2009)
Das Mundwerk (2004)
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Die Unmöglichkeit, sich den Tod vorzustellen_Tatort felishia |
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30.09.11, 16:21 Smetana |
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