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Zwieback

Zwieback - was für ein beknackter Name für einen Rapper! Diesen oder einen ähnlichen Kommentar hört der Mann aus Bad Honnef regelmäßig, und eben so regelmäßig lässt ihn das kalt. "Ich bin aus Deutschland, also wollte ich auch einen deutschen Namen", erklärt er seine Wahl. "Außerdem ist Zwieback Schonkost, also quasi ein Heilmittel. Und ich bin das Heilmittel für den Deutsch-Rap."

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Selbstbewusste Worte - aber ohne ein ordentliches Ego ist ohnehin verloren, wer sich auf das glatte Rap-Parkett wagt. Unser Kandidat ist ein Kind der 80er. Geboren im Mai 1981 gefällt ihm die Vorstellung, zu den Klängen von Kurtis Blows Klassiker "The Breaks" gezeugt worden zu sein. Hip Hop liefert jedenfalls von Anfang den Soundtrack seines Lebens.

Mit zarten zehn Jahren kratzt er sein Weihnachtsgeld zusammen und ersteht seine erste Rap-Platte: Dr. Dres "The Chronic" bildet einen wahrhaft würdigen Einstieg. Ansonsten gibt es wenig zu lachen für ein Schlüsselkind im unglamourösen Bad Honnef in der Nähe von Bonn. Die Eltern haben nur wenig Zeit für ihren Sohn.

Woran das liegt, eröffnet ihm sein aus Kanada stammender Vater, als Zwieback, wie er sich später nennen soll, 14 ist: Beide Eltern sind schwer drogenabhängig. Für ihren Sprössling bricht eine Welt zusammen. Er versucht zunächst, das Gehörte zu verdrängen, es auf die Seite zu schieben.

Alkohol und Weed bieten einen scheinbaren Ausweg. Erste Kontakte mit Frauen tragen ebenfalls nicht gerade dazu bei, sich auf die Schule zu konzentrieren. Dort beäugt man Zwiebacks in den Keller rutschende Leistungen mit Sorge und erwägt, extra für ihn die Note 7 einzuführen.

Wenig später lässt sich die Realität nicht mehr ignorieren: Zwiebacks Eltern werden 1996 beim Versuch, Heroin über die niederländische Grenze zu schmuggeln, festgenommen. Beide landen hinter Gittern, den Sohn steckt man in eine Pflegefamilie.

Dort fühlt sich Zwieback allerdings auch nicht zu Hause. Mehr und mehr vergräbt er sich im Hip Hop, den er für sich als Ventil für Frust und Aggressionen entdeckt hat. Er beginnt, Gehörtes nachzurappen und schreibt bald eigene Texte. Block und Stift werden zu ständigen Begleitern. "Ich hab' auch Breakdance probiert, und mich als Turntablist versucht. Für Writing war ich nie so der Typ. Aber auf dem Rap bin ich hängen geblieben."

Gemeinsam mit seinen Kumpels Gage und DJ Cut Concept gründete er bereits 1995 die Rap-Crew Team One7. Das Trio mischt Jams und Partys auf. "Damals war ich allerdings nicht darauf aus, der größte Rap-Star zu werden", erinnert sich Zwieback. "Eigentlich wollte ich nur kiffen."

Was er ausgiebig tut. Mit 17 Jahren hat er die Schnauze voll, rückt bei seiner Pflegefamilie aus und bezieht die erste eigene Wohnung. Die Schule hat Zwieback unterdessen geschmissen. Er konzentriert sich auf seine Texte, beginnt, Beats zu basteln und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser.

Die Einberufung zur Bundeswehr beendet dieses Treiben. Der militärische Drill allerdings geht Dauerkiffer Zwieback mächtig gegen den Strich. Mehrfach taucht er nicht oder verspätet auf und landet entsprechend wegen Fahnenflucht im Bunker. Immerhin: Zwieback hat dort Zeit und Ruhe, an seinen Lyrics zu feilen.

Zwieback - Mach Was Du Nicht Lassen Kannst Aktuelles Album
Zwieback Mach Was Du Nicht Lassen Kannst
Ein Heilmittel für den deutschen Rap?

2000 wird der Katastrophensoldat unehrenhaft aus der Armee entlassen und wandert nahtlos in den Jugendarrest. Auch hier bieten Stift und Papier den Gedanken eine Fluchtmöglichkeit. Wieder auf freiem Fuß, kifft Zwieback fröhlich weiter, bis er 2002 nach einem Zusammenbruch infolge THC-Überdosierung in der Klinik landet.

Hier erkennt er, sobald der Kopf wieder halbwegs klar ist, in erster Linie eines: So kann es nicht weitergehen. Zwieback krempelt sein Leben um. Er schwört den Drogen ab, sucht sich einen Job und besucht ein Abendgymnasium. Unverändert bleibt einzig die Liebe zu den Reimen und den Beats.

Zwieback entwickelt sich zu einem vielseitigen MC, der neben einer ironischen auch eine tiefgehende, ernste Seite pflegt. Er sieht sich als Conscious-Rapper und Storyteller, der selbstverständlich auch representen und unterhalten will. Freestyle-Battles betrachtet er dagegen eher als zweitrangig: "Damit kommt man nicht voran. Ich mag es lieber ausgefeilt."

Der selbsternannte "König der Raposophie" reimt über sein Leben, erzählt seine Geschichte. "Das ganze Gangster-Ding nehme ich nicht ernst", erklärt er, obwohl er durchaus ab und an gerne mit Szene-Klischees kokettiert. "Ich will mich nicht verstellen beim Rappen. Ein Image hindert dein Wachstum und tötet deine Kreativität."

Mehr und mehr kümmert sich Zwieback, wenngleich immer noch Teil seiner Crew, um eine Solo-Karriere. Er ist als Backup-MC des Braunschweiger Rap-Wunderkindes F.R. unterwegs und steht im Vorprogramm von DMX, Masta Ace und Busta Rhymes auf der Bühne.

Letzteren nennt er neben Jay-Z und Ludacris, fragt man ihn nach seinen Vorbildern. Und wenn es ums Produzieren geht? Dr. Dre, 9th Wonder, Timbaland und Scott Storch. Bei seinen eigenen Beats achtet er, ebenso wie bei seinen Themen, auf Vielseitigkeit. Zwieback spielt selbst Gitarre und Keyboards. 'Richtige' Instrumente, gerne auch einmal ein Schlagzeug, finden daher Eingang in seinen Sound.

2008 erklärt Zwieback zu seinem Jahr: Jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht. Einen Vorgeschmack auf das erste Album "Mach Was Du Nicht Lassen Kannst", das im März erscheint, gestattet die Vorab-Single "Mach Was!". Für den zugehörigen Video-Clip, der unter Aufbietung teurer Autos und schöner Frauen auf einem Bonner Schrottplatz entsteht, legt sich Zwieback mächtig ins Zeug: "Ich lerne jetzt Gabelstapler fahren!"

Eine Fertigkeit, die keineswegs schaden kann. Dieses neu erworbene Können wird er vorerst allerdings nicht brauchen: Im Frühjahr 2008 geht Zwieback, um sein Album vorzustellen, erst einmal auf Tour.

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