Porträt

laut.de-Biographie

Westberlin Maskulin

Westberlin Maskulin – ein Name wie in Stein gemeißelt. Konventionen und Anstand gelten nicht, wenn Männer unter sich sind. Hier wird rumgehurt, beleidigt, gedisst und provoziert. Alles ist erlaubt, solange es politisch unkorrekt ist. Westberlin Maskulin ist Alice Schwarzers Alptraum, lange bevor sie in einem ARD-Fernsehstudio einem völlig überforderten King Orgasmus One gegenübertritt, um über Frauenverachtung und Gewaltverherrlichung in Raptexten zu schwadronieren.

Der Erfolg des Duos Kool Savas und Taktlo$$ treibt Jugendschützer in den Wahnsinn und stellt Medien- und Kulturforscher vor eine vermeintlich unlösbare Aufgabe: Wieso hat dieser billig produzierte Hip Hop mit seinen eintönigen, amateurhaft gebastelten Beats eine solche Wirkung auf die Jugend? Die Antwort ist denkbar einfach: Gerade weil er so ist, wie er ist. Roh, direkt, hemmungslos, stellenweise urkomisch, aber vor allem immer derb und völlig anders.

Westberlin Maskulin ist das Gegenstück zum dominierenden Spaß- und Gute Laune-Hip Hop aus den Städten Hamburg, Stuttgart und München, der von Mitte bis Ende der 1990er den Deutschrap dominiert. "Hoeys, Flows und Moneydoes", das 1997 auf Kassette und Vinyl erscheint, bildet so etwas wie den Ursprung des deutschsprachigen Battle-Raps.

Der Aufstieg der Hauptstadt zum Mekka des hiesigen Hip Hop ist ohne das Debüt und den Nachfolger "Battlekings", der drei Jahre später erscheint, kaum vorstellbar. Fortan tummeln sich auf den Straßen Berlins Massen von mehr oder weniger tumben, unterhaltsamen und talentierten Rappern, die Westberlin Maskulin nacheifern und mit immer heftigeren Lines und Battles die große Rapkarriere suchen.

Von den Urvätern besteigt nur einer die steile Leiter. Zum Jahrtausendwechsel gelingt Kool Savas mit dem Featuretrack "King Of Rap" auf "Full House" von Plattenpapzt der Durchbruch. Sein Stern steigt unaufhörlich. Bis ihm Bushido und Sido Mitte der 2000er den Rang ablaufen, ist Savas Deutschlands bekanntester Rapper. Dies scheint mit ein Grund gewesen zu sein, weshalb für Westberlin Maskulin nach "Battlekingz" plötzlich Schluss ist.

Während Savas nach finanziell Höherem strebt, bleibt Taktlo$$, lange Zeit verlacht, letztlich doch in der Szene etabliert, in der Undergroundspur hängen. Teilweise heftige sexistische und rassistische Attacken auf imaginäre oder reale Gegner, gepaart mit einem wirren und avantgardistischen Reimstil sind seine Markenzeichen. Damit ist Taktlo$$ ohnehin Gift für den Mainstream.

Man trennt sich wohl wegen künstlerischer Differenzen, macht jedoch nicht viel Aufhebens darum. Jahrelang äußern sich die beiden nicht zum Split. Die oft erhoffte und geforderte Reunion weisen sie konsequent von sich. Wenngleich Savas einer punktuellen Zusammenarbeit im Interview mit laut.de zumindest nicht obligatorisch abgeneigt ist: Ausgeschlossen ist nichts, alles ist möglich.

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