Porträt

laut.de-Biographie

Dr. Ring-Ding

Die erste Assoziation zu Dr. Ring-Ding? Ganz klar: die Posaune. Dann: Reggae, Dancehall, Rocksteady, Ska und Dub. Doch soll man sich nicht täuschen. Der Entertainer, Musiker, Arrangeur, Produzent und ehemalige WDR5-Moderator ist darüber hinaus auf den Gebieten Swing, Rhythm'n'Blues, Chanson, Hip Hop und Punk zu Hause, auch wenn sein Herz hauptsächlich im Offbeat-Style der jamaikanischen Volksmusik schlägt.

Dr. Ring-Ding - Once A Year
Dr. Ring-Ding Once A Year
Morgen kommt der Rub-A-Dub Santa.
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Es handelt sich - wen wunderts? - um eine musikalische Familie, in die Richard Alexander Jung am 2. Juni 1970 hinein geboren wird. Gesungen wird gerne und oft, sowohl im westfälischen Münster als auch in Frankreich, woher Mutter Jacqueline stammt und Richie einen beträchtlichen Teil seiner Kindheit verbringt.

Im Alter von sechs Jahren malträtiert der Sohn seine erste Blockflöte. Mit den Jahren wachsen die Instrumente. Über die Trompete landet Richie, mittlerweile zehnjährig, bei der Posaune. Er spielt von 1981 bis 1989 im Posaunenchor der Münsteraner Markuskirche.

1987 gerät Richie, der zu diesem Zeitpunkt "über Ska und Reggae nur weiß, dass es langweilig ist", an der Schule einer Band in die Fänge. Einer Ska-Band, einer deutschsprachigen Ska-Band. El Bosso und die Ping Pongs zelebrieren bereits seit zwei Jahren jamaikanischen Sound. Richie verstärkt die Combo mit der Posaune.

Von wegen langweilig: Unter dem Alias Professor Richie Senior erhalten Ska und Reggae einen neuen Anhänger und die Ping Pongs bis 1992 einen zweiten Frontmann.

El Bosso und die Ping Pongs debütieren mit der Ska-Hymne "Immer Nur Ska". Das selbstbetitelte erste Album (1990) und der Nachfolger "Ich Bin Touri" von 1991 erfahren 1996 als "Komplett" eine Neuauflage.

Mittlerweile gehen El Bosso und die Ping Pongs als Folge unüberbrückbarer musikalischer Differenzen allerdings längst getrennte Wege. Das vierstündige Abschiedskonzert in ihrer Heimatstadt Münster muss schlicht und einfach legendär gewesen sein, behaupten Augen- und Ohrenzeugen. Seit 2003 geben El Bosso und die Ping Pongs wieder ab und an Konzerte in Originalbesetzung.

Richie mischt daneben in etlichen anderen Bands mit, darunter in der Swing- und Jazz-Rock-Gruppe Cooltour, bei den Provibes und (als Richie Lohman) bei der Rhythm'n'Blues-Formation Willi Lohmann Kapelle. Weil das nicht reicht, gründet er Weihnachten 1992 noch "etwas Eigenes": Dr. Ring-Ding & The Senior Allstars sollen sich in den zehn Jahren ihres Bestehens einen Ruf als exzellente Live-, Backing- und Studio-Band erspielen.

Die Senior Allstars treten mit diversen Größen im Ska- und Reggae-Geschäft auf. Sie touren unter anderem mit Desmond Dekker und mit den Skatalites und verstärken die Auftritte von Judge Dread, Derrick Morgan und Laurel Aitken (um nur einige zu nennen - eine komplette Liste wäre uferlos).

Anfangs noch in wechselnder Besetzung, kristallisiert sich bei den bald ein festes Allstars-Line-Up um Richie Senior aka Dr. Ring-Ding heraus. Auf dem 1995 erscheinenden, stark Ska-haltigen Debüt-Album "Dandimite" geben sich Gastmusiker wie Götz Alsmann die Ehre.

In Abständen von jeweils zwei Jahren folgen "Ram Di Dance" und das Version-Album "Diggin' Up Dirt" mit diversen Dub- und Remix-Tracks. Daneben spielen die Allstars ein Album mit Doreen Shatter von den Skatalites sowie eins mit Lord Tanamo ein.

2001 veröffentlichen sie kurz hintereinander "Big Up!" und die zugehörigen Dubversionen "Pick Up The Pieces" sowie das Best-of-Album "Golden Gate" (2002). Nach neun gemeinsamen Jahren trennen sich Dr. Ring-Ding & The Senior Allstars, allerdings nicht ohne zuvor im Herbst 2002 eine fulminante Tournee hinzulegen. Für ein mit "Livecated" betiteltes Album wird Material mitgeschnitten.

Dr. Ring-Ding hat derart viele Projekte am Start, dass man mit einer vollständigen Aufzählung übermorgen noch beschäftigt wäre. Er posaunt und singt als Gastmusiker in diversen Bands, darunter die deutsche Reggaegruppe Movements, die Busters und die wohl dienstälteste Ska-Combo, The Toasters, aus New York (mit denen er 1998 durch die USA tourt).

Er nimmt mit den H-Blockx einige Crossover-Stücke, unter anderem eine Version des Johnny-Cash-Klassikers "Ring Of Fire", auf. Eine Figur im Computerspiel "Hostile Waters" ist mit Richies Stimme unterwegs. Im Rahmen von "La Bande A Richard" interpretiert er französische Chansons.

Daneben spielt er deutschsprachige Kinderlieder und liest die Hörbuch-Fassungen der Geschichten um den Reggaehasen Boooo zur und mit der Musik der Reggae-Formation Yellow Umbrella.

Dr. Ring-Dings Version von "Doctor's Darling" und die 7es "Vom Vatter", "Vollgetankt" und "Bombs Over Baghdad" (auf Seeeds Pharao-Riddim) erscheinen bei Germaican Records.

Mit etlichen Mitgliedern der Brothers Keepers begibt er sich für UB 40 ins Studio. Seine Posaune erschallt auf Nattyflos Debütalbum, auf "Innere Sicherheit" des Mindener MCs Curse, auf Nosliws "Mittendrin", auf "Gebe Nicht Auf" von Lazy Youth, auf "Hart Aber Herzlich" von Italo Reno & Germany. Dr. Ring-Ding liefert Background-Vocals für Daddy Freddys "Hardcore".

Seine Tunes finden sich auf diversen Germaican- und Dancehallfieber-Compilations. Gemeinsam mit den Basler Scrucialists und der New Yorker Ska-Legende King Django nimmt er 2003 "King Django Meets The Scrucialists" auf und absolviert eine vierwöchige Europa-Tour ("Transatlantic Dancehall Clash").

Richie produziert in den Reihen der Kant Connection Big Band Swing, Jazz mit seinem Quartett Richie Alexander & The Bop und Ska mit Kingston Kitchen 809, die er aus Musikern der Rotterdamer Ska Jazz Foundation rekrutiert. Er spielt daneben eine der drei Posaunen bei Tom Benneckes Dub Guerilla, deren Debüt 2005 erscheint.

Zu Unmengen von Live-Auftritten gesellen sich noch Soundsystem-Gigs in Deutschland, Europa und den USA. 2006 tourt Dr. Ring-Ding zum vierten Mal als Posaunist in den Reihen der Toasters.

Wars das? Vermutlich noch lange nicht, denn: Dr. Ring-Ding ist unermüdlich und allem voran eine verdammte Rampensau.

Das manifestiert sich einmal mehr im Jahr 2007. Da nämlich zieht der Heiler aus Münster alle Register. Das fast schon traditionelle Weihnachtskonzert mit El Bosso und den Ping Pongs, das sie auch 2006 wieder zelebrieren, erscheint dann nämlich im DVD-Format.

Dr. Ring-Ding fügt seiner Diskographie mit "Back And Forth" ein weiteres Mosaiksteinchen an. Zudem veröffentlichen Kingston Kitchen ihr Debüt "Today's Special". Genug für ein einzelnes Jahr, könnte man meinen. Konfrontiert mit einem solchen Arbeitstier, rechnet man jedoch besser noch mit einem Nachschlag.

Den setzt es im Dezember, und der Titel ist Programm: "Nice Again" spannt vom relaxten Reggae-Tune bis hin zum knallharten Dancehall-Brett einen beachtlichen Bogen. Dass dennoch kein Gefühl von Beliebigkeit aufkommt, muss wohl an den durchgehend positiven Vibes liegen, die dem Heiler des Vertrauens aus jeder Pore strömen.

Das Album stellt Tunes zusammen, die nach Dr. Ring-Dings Zeit mit den Senior Allstars entstanden, darunter seinen bisher größten Erfolg "Doctor's Darling", "Bombs Over Baghdad" aber auch die brandneue Singleauskopplung "Ruff Like A Rock", eine Kollabo mit Mashed Beans.

Alte Weggefährten und neue Mitstreiter vereint Dr. Ring-Ding in den Reihen einer weiteren Formation, deren Name - Dr. Ring-Ding Ska-Vaganza - das Programm bereits vorweg nimmt. Ihr Album "Piping Hot" erscheint 2012 und beweist, dass Ska und Reggae sich bestens mit Jazz vertragen - und dass man dazu auch noch problemlos tanzen kann.

2014 erfährt die Diskografie gleich zwei - halt, nein! - eigentlich drei weitere Einträge: Zusammen it der südkoreanischen Ska-Band Kingston Rudieska veröffentlicht er "Ska 'N Seoul".

Mit seiner frischen Combo, der Sharp Axe Band, legt er "Gwaan (& March Forth)" nach - faktisch zwei vollwertige Alben in einem. "Gwaan" mäandert zwischen Reggae, Rub-A-Dub und Ska. "March Forth" komplettiert das Paket mit Dub-Mixes und Versions.

Mit der Ska-Vaganza veröffentlicht Dr. Ring-Ding 2015 "Bingo Bongo". Später im Jahr, wie es das Thema empfiehlt, lässt er zudem sein Faible für Weihnachtslieder aus aller Herren Länder von der Leine. "Once A Year" kommt fortan der "Rub-A-Dub Santa".

Ungebrochen gilt, was Dr. Ring-Ding spätestens auf seinem 2007er-Album klar stellt: "Papa Ring-Ding on the mic and the dancehall nice again."

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