Porträt

laut.de-Biographie

Brothers Keepers

Von den Fanta 4 stammt die Textzeile "Du redest viel, doch du sagst gar nix!". Vielleicht dachten die Initiatoren des Projektes "Brothers Keepers" ähnlich, denn so ungefähr muss es einem vorkommen, wenn bundesdeutsche Politiker sich mit dem Thema Rechtsradikalismus und Gewalt gegen alles Fremde auseinandersetzen.

Das Gesetz des Handelns musste wieder auf die richtige Seite gezogen werden, und das übernahm eine Reihe mehr oder weniger bekannter afrodeutscher Musiker. Dieses lose Kollektiv wendet sich ganz direkt an den Feind draußen auf der Straße und ruft ihm eine "letzte Warnung" zu. Gleichzeitig wirbt der Untertitel zur Single "Adriano" nicht mehr für Toleranz, sondern: "was wir reichen sind geballte Fäuste und keine Hände".

Die Idee zur Initiative stammt von der Hip Hop/Reggae-Band Bantu, deren Rapper Adé bereits seit 1994 aktivistisch unterwegs ist. Neben Adé steigt auch gleich sein Bandkollege Don Abi mit ein. Ganz bewusst wollten sie Deutsche mit dunkler Hautfarbe ansprechen, sich zur Wehr zu setzen. Das Deutsch-Rap-Urgestein Torch war der Erste, der sofort seine Mitarbeit zusagt, ein erster Anfang war gemacht. Weitere Mitstreiter waren bald gewonnen. Chima, Denyo77, D-Flame, Dj Desue, Ebony Prince, G.E.R.M., Ono, Samy Deluxe, Sékou, Tyron Ricketts, Vanessa Mason, Brooke Russell, Joy Denalane, Meli und Xavier Naidoo wirkten bei der ersten Single mit. Das dazugehörige Video wurde von Dani Levy filmisch in ein rundes und stimmiges Ding umgesetzt.

Der Titel der Single "Adriano" erinnert an Alberto Adriano, der nach einem feigen Neonazi-Angriff am 11. Juni 2001 den Folgen der Verletzungen erlag, die ihm die Faschos zugefügt haben. Durch die Erlöse aus Konzerten und Plattenverkäufen werden Brothers Keepers im Rahmen ihrer Möglichkeiten unter anderem denjenigen helfen, die am dringendsten medizinische und/oder psychologische Hilfe benötigen: den Hinterbliebenen der Opfer und den Opfern selbst.

Offeriert schon "Lightkultur" (2001) geballte Fäuste statt Hände offeriert, geht der Aufruf zur körperlichen Gegengewalt im zweiten Album "Am I My Brothers Keeper?" (2005) noch etwas weiter. "Ich kämpfe für meine Brüder, geboren, um Nazis zu ficken | ich wollte nie Krieg, doch jetzt werd' ich euch alle vernichten" ist nur eine Textzeile.

Im Jahr 2007 suchen die Brothers Keepers nach neuen Wegen, ihre Botschaft unters Volk zu bringen, und entdecken dabei das Kino. In seiner Dokumentation "Yes, I Am!", die am 15. Februar anläuft, porträtiert Sven Halfar Ade, D-Flame und Mamadee.

Bleibt noch die Frage, warum "Brothers Keepers", und auch die hat etwas mit dem Kino zu tun. Wer den Film "Pulp Fiction" gesehen hat und Samuel L. Jackson in seiner Rolle als Auftragskiller bewundern konnte erinnert sich vielleicht an diese Worte:

There's a passage I got memorized, seems appropriate for this situation: Ezekiel 25:17. "The path of the righteous man is beset on all sides by the inequities of selfish and the tyranny of evil men. Blessed is he who, in the name of charity and good will, shepherds the weak through the valley of darkness, for he is truly his brother's keeper and the finder of lost children. And I will strike down upon thee with great vengeance and furious anger those who attempt to poison and destroy my brothers. And you will know my name is the Lord when I lay my vengeance upon you."

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Brothers Keepers - Lightkultur: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

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