Porträt

laut.de-Biographie

The Senior Allstars

"Der Hauptgrund, warum wir Musik ohne Gesang machen? Weil wir diese Musik ohne Gesang geil finden!" Schlagzeuger Thomas Hoppe bringt es im Interview mit irieites.com auf den Punkt: Für ihre "definition of a jamaican jazz style" brauchen die Senior Allstars keinen Sänger.

Das war nicht immer so. Zu Beginn ihrer Laufbahn Anfang der 90er-Jahre ist die Band aus Münster noch gemeinsam mit Frontmann Dr. Ring-Ding unterwegs. Als Dr. Ring-Ding & The Senior Allstars avancieren sie rasch zu einer fixen Größe in der hiesigen Ska- und Reggae-Szene.

"Wir haben mit Sixties-Ska angefangen", erinnert sich Dr. Ring-Ding, der auch unter dem Alias Richie Senior agiert, im Interview mit rootz.net. "Die Stile haben sich aber schnell ausgeweitet." Zeitgenössischer und traditioneller Dancehall, Rocksteady, Roots-Reggae, Raggamuffin, Dub und immer wieder Jazz: Was groovt, das findet Eingang in den Sound der Allstars.

Mit "Dandimite!" legen Dr. Ring-Ding & The Senior Allstars 1995 ihr Debüt-Album vor. Obwohl man sich nicht als reine Ska-Band versteht, dominiert dieser Sound den Erstling doch merklich. Den Vorwurf der Einseitigkeit lassen sich die Allstars jedoch zu keinem Zeitpunkt gefallen.

Das zweite Album "Ram Di Dance" folgt 1997. Zwei Jahre später setzen die Senior Allstars dem mit "Diggin' Up Dirt" das Sahnehäubchen auf. Hier vereinen sie verschiedene Remix- und Dub-Versions und kollaborieren auch mit Rappern.

Zentral bleiben die zahllosen Live-Auftritte: "Länger als vier Wochen Pause gab es eigentlich nie", so Drummer Thomas im Rückblick. "Der einzige, der bei allen Shows dabei war, war Richie. Sonst spielte, wer gerade Zeit hatte." Trotz der lockeren Handhabe kristallisiert sich über die Jahre ein festes Line-Up heraus.

Bereits um 1998 entwickeln sich die Senior Allstars nebenbei zum rein instrumentalen Projekt, in dessen Rahmen sie jamaikanische Musik mit Jazz verbinden. Die erste 12" "Sniff" legt 1999 davon Zeugnis ab. Auf dem Longplayer-Debüt der Allstars, "Nemo" aus dem Jahr 2000, finden sich zudem kubanische und Latin-Einflüsse.

Im Verbund mit Dr. Ring-Ding arbeiten die Senior Allstars mit verschiedenen Musikern zusammen. Unter anderem nehmen sie mit Laurel Aitken und Derrick Morgan auf. Mit Lord Tanamo und Doreen Shaffer, der Sängerin der Skatelites, entsteht jeweils ein gemeinsames Album. Dr. Ring-Ding & The Senior Allstars stehen im In- und Ausland auf der Bühne.

Im Jahr 2001 lassen sie es noch einmal richtig krachen. Zum neuen Album "Big Up!" veröffentlichen die Herren die dazugehörige Dub-Version "Pick Up The Pieces". "Golden Gate" präsentiert eine Zusammenfassung: "The Best Of Dr. Ring-Ding & The Senior Allstars".

Vom Aufblühen der deutschen Reggae-Szene fühlt man sich nur am Rande tangiert: "Unsere Band selbst betrifft dieser Boom gar nicht so sehr, wir sind ja schon lange und beständig dabei. Und wenn's neuerdings ein paar offene Ohren mehr gibt, freut uns das." (rootz.net)

Die gemeinsame Zeit soll jedoch bald ein Ende haben. Die Wege des Frontmanns und der Band trennen sich 2002 nach einer gefeierten Abschieds-Tournee. Der Sound der Allstars wandelt sich zusehends: "Ring-Ding war ja in erster Linie eine Party-Band, das steht natürlich jetzt nicht mehr ganz oben auf der Liste", so Thomas. "Andererseits waren wir ja auch damals eher am Ska der 60er-Jahre, Rocksteady oder Early Dancehall interessiert als an Two Tone oder so. Eine Haudrauf-Ska-Band waren wir ja da auch nicht gerade."

Die Combo operiert inzwischen als Quartett. Neben dem Gitarristen, Keyboarder und Songwriter Markus Dassmann gehen mit Drummer und Dubmaster Oliver Wienand und Thomas Hoppe am Schlagzeug zwei Allstars der ersten Stunde an den Start. Bassist Gudze, der nebenbei in unterschiedlichste musikalische Projekte, unter anderem bei den H-Blockx, involviert ist, stellt seit etwa 2004 den 'Neuling' des Gespanns.

Die Senior Allstars leisten Beiträge zu verschiedenen Samplern. Ein eigenes Album steht mit "Red Leaf" an. Dieses erscheint 2006 bei Grover. Dem Grundsatz "Mehr Ska als Jazz, mehr Reggae als Pop, mehr Dub als Ambient" bleibt die Truppe treu.

Nicht so ihrem Label - eher zufällig ergibt sich der Wechsel zu Skycap Records: "Ich habe Dirk von Skycap über unsere Agentur Klassenfahrt Booking kennen gelernt und bin nun sehr gespannt auf die Zusammenarbeit", verrät Thomas. Das Ergebnis darf sich sehen lassen: Unter dem Titel "Come Around" legen die Allstars im Februar 2008 ein äußerst entspanntes Werk vor.

Alben

The Senior Allstars - Come Around: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2008 Come Around

Kritik von Dani Fromm

Verjazzter Reggae, der sich jeder Improvisation verweigert. (0 Kommentare)

Videos

Video Video wird geladen ...

Noch keine Kommentare