Porträt

laut.de-Biographie

UB 40

Mit England assoziiert man Regen, Nebel, Fußball und Bier. Lauter Dinge, die sich nicht so ohne weiteres mit den gängigen Reggae-Klischees von Marihuana, Sonne und Rastalocken vereinbaren lassen.

Trotzdem ist der Rasta-Sound Ende der Siebziger die herrschende Musik in den nassen Straßen von Birmingham. Die Brüder Robin und Ali Campbell beschließen deshalb ihren großen Vorbildern aus Jamaika nachzueifern und gründen im Sommer (wann sonst?) 1978 zusammen mit sechs Freunden ihre eigne Reggae-Band, die sie nach einem Formular für den Antrag auf Arbeitslosenunterstützung benennen. UB 40 sind geboren.

Die ersten sechs Monate verbringt man in einem Keller, in welchem die meisten Bandmitglieder ihre Instrumente zum ersten Mal in der Hand halten. Nach diesem halben Jahr hat man den Reggae schon ganz gut im Griff und tourt ununterbrochen durch die Clubs des Landes. Die Acht nehmen ein Demotape auf, das sogleich auch im Radio gespielt wird und dort auch der britischen DJ-Legende John Peel zu Gehör kommt. Vom britischen Reggae-Sound mächtig beeindruckt lädt er die Band sofort in sein Studio zu einer Session ein.

Der Zufall schlägt bei UB 40 ein weiteres Mal zu, als die Sängerin der Pretenders, Chrissie Hynde, die Band bei einem ihrer Clubgigs sieht und gleich anbietet, bei der Pretenders Tour 1980 als Support mitzufahren. Man willigt ohne Zögern ein. Durch die guten Kontakte ist ein Plattenvertrag nicht mehr in so weiter Ferne, ein kleines Indie-Label veröffentlicht während der Pretenders Tour die erste UB 40-Single "Food For Thought". Der Song schießt in den englischen Charts auf Platz vier und ist damit die erste Single, die es ohne einen Majorvertrag in die Top Ten schafft. Der Aufstieg des englischen Reggae schreitet unaufhaltsam voran.

Im gleichen Jahr erscheint auch das Debut-Album "Signing Off", welches sich in England blendend verkauft. Obwohl sie nie bei einem Major unterschrieben haben sind UB 40 auch mit der Politik ihres Indie-Labels unzufrieden und gründen ihr eigenes Label "DEP International", um völlige Unabhängigkeit zu erlangen.

1983 veröffentlichen die Briten "Labour Of Love", ein Album, welches ausschließlich Cover-Versionen enthält. Mit der Single "Red Red Wine", einem Cover von Neil Diamond, gelingt der Band ihr größter Wurf und ein Nummer Eins Hit in England. Fünf Jahre lang passiert nicht viel. Sie veröffentlichen sechs Alben, darunter zwei Live-Mitschnitte, erreichen mit ihren selbstkomponierten Songs aber nur in ihrem Heimatland ansehnliche Verkäufe. In anderen Staaten laufen sie mehr als lausig.

Dieses Dümpeln ändert sich schlagartig, als die Band bei Nelson Mandelas Tribut Konzert 1988 wieder ihren größten Hit "Red Red Wine" heraus kramt und dafür euphorischen Applaus erntet. Die Zeit ist reif für die Vergangenheit, die Single zu "Red Red Wine" schafft fünf Jahre (!) nach ihrer ersten Veröffentlichung den Wiedereinstieg in die Charts und wird ein weiteres Mal zum Welthit. UB 40 nutzen die Gunst der Stunde und machen eine Fortsetzung zu ihrem ersten Coverversionen-Album "Labour Of Love". Durch den großen Erfolg der Single verkauft sich "Labour Of Love 2" natürlich prächtig.

Das nächste Album lässt vier Jahre auf sich warten, wird dann aber wieder zum Verkaufsschlager. Das Elvis Presley Cover "Can't Help Falling In Love" ist daran wohl nicht ganz unschuldig. Der Song hält sich sieben Wochen auf der Spitzenposition und bekommt auch einen Auftritt in Sharon Stones Film "Sliver". UB 40 sind die Stars der Stunde.

Nach dem Erfolg von "Can't Help Falling In Love" ebbt der Rummel um die Band wieder ab. UB 40 können bis heute nicht mehr an ihren Erfolg anknüpfen. In den internationalen Charts spielen sie kaum noch eine Rolle. Auch mit dem 2001 erscheinenden Album "Cover Up" schaffen die Engländer nicht den erneuten Durchbruch.

Dafür erweisen ihnen 2002 auf "The Fathers Of Reggae" diverse jamaikanische Größen die Referenz. Nach "Homegrown" (2003) und der Live-DVD "Homegrown in Holland" (2004) erscheint 2005 schon wieder ein neues Studioalbum. Mit "Who You Fighting For" reißen UB 40 vielleicht keine Bäume aus, doch sie musizieren so mitreißend und texten zugleich so nachdenklich über Liebe, Krieg oder Religion wie nicht allzu viele junge Bands.

Im Herbst 2007 veröffentlicht Frontmann Ali Campbell sein erstes Soloalbum und bleibt dabei der musikalischen Linie seiner Band treu. "Running Free" punktet vor allem mit Gast-Beiträgen von Stars wie Katie Melua, Beverley Knight, Lemar oder Mick Hucknall.

Erst im Sommer 2008 folgt "TwentyFourSeven", das letzte gemeinsam aufgenommene UB 40-Studioalbum. Dass Ali Campbell mit UB 40-Hits auf Tour geht, ärgert angeblich seine Brüder. Bei den Konzerten von UB 40 selbst steht Duncan Campbell am Mikro.

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