Porträt

laut.de-Biographie

Chicks On Speed

Wenn man im hektisch pulsierenden Nachtleben der Großstadt nach dem Daseinsgrund sucht, zusätzlich die eigene Kreativität zum Gelingen später als Kunst-Events bezeichneter Abende ins Spiel bringt, wenn man sich außerdem zum Musizieren entschließt und noch weiblichen Geschlechts ist, gibt es wohl nur einen treffenden Namen: Chicks On Speed.

Station 17: Fettes Brot in Behandlung
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Die Vinylserie "Die Goldstein Variationen" bringt die geistig behinderten Elektrofrickler mit befreundeten Acts aus der Hamburger Schule zusammen. Der dazugehörige Film folgt im Herbst.
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Kiki Moorse, Melissa Logan und Alex Murray-Leslie sind ehemalige Münchener Kunststudentinnen, die sich 1994, gelangweilt vom drögen Pinselalltag an der Akademie, nach neuen Betätigungsfeldern umschauen. In der Seppi Bar organisieren sie unregelmäßig Parties, bei denen sie den Laden mit eigenen Transparenten oder sonstigem Schnickschnack schmücken und befreundete DJs für die akustischen Rahmenbedingungen engagieren. Von da an ist der Schritt zu Eigenkompositionen nur noch ein kleiner.

In ihr Multimediaprojekt namens "The Box Set" packen sie Shirt, Aufkleber, Poster und ein Tape mit der Songcollage "I Wanna Be A DJ Baby", die in einer 3-Minuten-Live-Performance aufgeführt wird. Um lustige 7"-Singles unters Partyvolk schmeißen zu können, braucht man ein Label. Gesagt, getan: Anfang 1998 gründen die zugedröhnten Hühner das Label Go Records. Anschließend covern sie mit dem befreundeten DJ Hell den The Normal-Klassiker "Warm Leatherette". Die streng limitierte Single ist, wie auch die meisten der nachfolgenden 7"es (mit u.a. Gerhard Potuznik, Patrick Pulsinger, Goldenen Zitronen), längst zum begehrten Sammlerobjekt geworden.

Musikalisch hält sich die Band an Minimal-Electro, der sämtlichen Einflüssen fremder Genres inklusive Thrash Metal offen gegenüber steht. Adieu, Schubladendenken. Beeinflusst sehen sich die Chicks schließlich von so unterschiedlichen Interpreten wie Pan Sonic, Madonna, Nick Cave, Human League, Boy George, Sonic Youth oder Anthrax. Für die drei Mädels gehören Plattenaufnahmen und Covergestaltung genauso zum Gesamtkonzept Kunst wie ihre Ausstellungen. 1999 lässt man es sich, terminlich durch Auftrittsanfragen aus New York, London und Sidney bereits in leichter Bedrängnis, nicht nehmen, zu den Weimarer Kulturhauptstadttagen mit dem Projekt "Chicks TV" beizutragen. Zu sehen gibt es in Eigenregie gedrehte Filmchen, außerdem Ausschnitte von Gigs und Parties.

Chicks On Speed - Cutting The Edge
Chicks On Speed Cutting The Edge
"We're not cocks on weed / we are chicks on speed".
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Nachdem sich ihr Ruf der exzessiv-kultigen Live-Performance immer weiter verselbständigt und auch Berufs-Trendnase John Peel zur BBC Peel Session lädt, präsentiert man sich den zahlreichen frisch Bekehrten gegenüber gnädig und veröffentlicht im Jahr 2000 vergriffene Singles und andere Obskuritäten auf dem Longplayer "Chicks On Speed Will Save Us All". Das Werk ist gleichzeitig der erste Release ihres neuen Labels: aus Go! Records wird Chicks On Speed Records.

Ende 2000 erscheint die EP "Chix 52", die außer dem bekannten "Give Me Back My Man" noch zwei neue B-52's-Coverversionen und den Song "The Chixmachine" enthält. In den Staaten erscheint auf dem kultigen Label K-Records (u.a. Beck, Make Up) die Compilation "The Re-Releases Of The Unreleases", da die Amis durch das neue Genre Electroclash mittlerweile ebenfalls Chicks-infiziert sind.

Im selben Jahr entert der Song "Kaltes Klares Wasser" (COS versus Malaria!) die deutschen Single-Charts auf Platz 16, als Drehort für den Videoclip zu "Glamour Girl" wählen Chicks On Speed das kriegsgeplagte Israel, wo sie auch Konzerte geben. Kaum zurück, muss das Trio zum MTVIVA-Medien-Rapport und veröffentlicht nebenbei noch das zweite Album der feministischen New Yorker Electro-Punks Le Tigre auf dem eigenen Label (dem guten Beispiel folgen u.a. Sylvesterboy, DAT Politics aus Lille und Kevin Blechdom).

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Chicks On Speed Ein Monster ganz aus Titten? Zu hart für die Kids!
"Push Upstairs" vermeldeten gerade noch Underworld und nichts anderes scheint sich die Musikpresse rund um den Globus momentan im Bezug auf die Münchner Elektro-Trash-Combo Chicks On Speed auf die Fahnen geschrieben zu haben.

Künstlerisch tätig werden die Chicks 2001 u.a. für die Galerie "Media And Moving Art" in Rotterdam, auf der Fashion Week in Paris und, nach einem US-Tour-Einschub mit Peaches, auch auf einem Festival in Birmingham. Ihre trashigen Pop Art-Collagen für Textilien findet man bald darauf auf Titeln von Hip-Magazinen wie The Face und leicht abgeändert in Kollektionen renommierter Designer wieder (Dolce & Gabbana). 2002 verkriecht sich die Band auch mal wieder für eigene Album-Aufnahmen ins Studio. Heraus kommt zunächst nur die Vorabsingle "Fashion Rules", für deren Covergestaltung die Band keinen Geringeren als Modezar Karl Lagerfeld gewinnen kann.

Das dazu gehörige Album "99 Cents" erscheint jedoch erst ein Jahr später, zusammen mit der Peaches-Single-Kollaboration "We Don't Play Guitars". Zwischendrin sind Chicks On Speed mit ihren Installationen und Collagen weiterhin gern gesehene Gäste und Teilnehmer diverser Modenschauen und müssen auch live in Australien ihre Frau stehen. Im Herbst 2003 ist es dann aber so weit: Nachdem gerade das zweite Peaches-Album "Fatherfucker" in den Feuilletons hochgejubelt wird, schicken sich die Chicks an, mit "99 Cents" wieder die Herrschaft der arty Selfmade-Trash-Kultur an sich zu reißen. Schon ein Jahr später erblickt "Press The Spacebar" als Kind einer Kollaboration mit den spanischen The No Heads das Licht der Welt.

Im Sommer 2006 bekommt dem selbsterklärten Kunstprojekt eine besondere Ehre zu Teil, sie dürfen das Museum of Modern Art in New York rocken. Bevor man sich an ein neues Albumprojekt heran wagt, konzipiert Alex Murray-Leslie ein Dreifach-Album, das eine Geschichte der Frauen in der alternativen Musik kompiliert. Die aufwändige Sammlung mit anspruchsvollem Artwork erscheint im selben Jahr und beinhaltet Künstler wie Le Tigre, Peaches und Björk.

Bevor ein weiteres Album erscheint, wartet 2008 ein neuer Chix-Slogan auf die subversionsgeschulte Fangemeinde: "Art Rules!", ein als Soundtrack einer Kampagne gedachtes neues Werk, dem die gleichnamige Maxi inklusive Christopher Just-Mix voraus geht. Das Statement gegen den 2007er Kunst-Trash von Kassel, Venedig und Basel entstand in einem Hotelzimmer in New York, unmittelbar nach einer Performance im MoMA. "Art Rules!"-Auftritte gab es bereits in Paris (Centre Pompidou), New York (MoMA) sowie in Madrid und Wien, Museen in Kyoto und Tokyo sind interessiert. Das Museum als Gefechtsschauplatz - die Chicks bleiben in Bewegung.

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We Don'T Play Guitars
  • Chicks On Speed

    Offizielle Seite mit Einblick in die Kunst der Chicks. Mit coolem Chix-Shop.

    http://www.chicksonspeed.com

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