Porträt

laut.de-Biographie

Christopher Just

Der Name klingt auf Anhieb nicht unbedingt österreichisch, aber wen interessiert das schon. Christopher Just jedenfalls kommt im Wiener Stadtteil Penzing zur Welt, in dem er nach eigenen Angaben eine ganz gewöhnliche Kindheit verbringt und die Schule besucht. Nach vier Jahren auf dem Gymnasium geht Just jedoch wieder ab.

In einer Schwulenbar sammelt er erste Erfahrungen als DJ. Mit einem geschenkten Casio-Sampler beginnt Just eigene Tracks zu produzieren. Sein erstes Stück "Wenn der Toni mit dem Polster und der Edi mit dem Finger" schickt er an den Österreichischen Rundfunk ORF, um an einem Wettbewerb für den "Besten Fußballsong zur WM 1988" (obwohl in diesem Jahr überhaupt keine Weltmeisterschaft stattfindet...) teilzunehmen. Zwar geht Just als Sieger hervor, wartet aber bis jetzt noch auf den versprochenen Pokal. Statt sich auf den Lorbeeren auszuruhen, geht er zu Studienzwecken fünf Jahre lang auf die Wiener Modeschule.

Just bewirbt sich außerdem am Kolleg für angewandte Künste. Der Studiendirektor Wolfgang Hutter, Dozent für 'Fantastischen Realismus', erkennt sein Talent und sagt ihm zu – ohne eine Aufnahmeprüfung ablegen zu müssen, aber unter der Bedingung, Just solle ja seinen Stil beibehalten. Just kann jedoch nicht lange aus- bzw. durchhalten. Hegels Philosophie und die überaus anstrengenden Kommilitonen geben ihm den Rest. Kein Wunder, dass er lange ausgeht, sich dem Suff und der holden Weiblichkeit hingibt.

Auf einer Party hört er dann zum ersten Mal einen Technotrack. Just verhökert seine Malerutensilien und kauft sich dafür Sampler, eine Roland 909 sowie eine 303. Zuhause schreibt er an eigenen Stücken. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, arbeitet Just nebenher in einem Plattenladen. Hier trifft er Gleichgesinnte, darunter Peter alias DJ Pure mit dem Just später prolligen Dada-Techno für das gemeinsame Projekt Ilsa Gold produziert. Er vernachlässigt sein Studium, sehr zum Missfallen von Professor Hutter. Bei einem Live-Auftritt im Wiener Club U4 werden Just und sein Partner sozusagen entdeckt. Gleich ihre erste Single "Up" erobert Platz 1 in den Charts des deutschen Frontpage-Magazins. Das Duo tritt daraufhin mehrere Male in Deutschland auf, darunter auch beim Massenrave Mayday. Ihr zweites Stück "Silke" erscheint auf Vinyl. Just gründet das Label Sons Of Ilsa.

Als Marusha mit "Somewhere Over The Rainbow" erfolgreich bis an die Spitze der Hitlisten durchstartet und Westbam anfängt, über die sogenannte raving society zu faseln, hat DJ Pure die Faxen dicke und möchte keine Live-Gigs mehr machen. Als Ersatz für den Kollegen bringt Just eine Bühnenperformance in Gummi-Unterwäsche ins Spiel, die sich als überaus erfolgreich entpuppt. In der Folge produziert er einige Platten für Cheap Records von Patrick Pulsinger und Erdem Tunakan sowie für Labworks, Pomelo und Test Tube. Sein Studium lässt er derweil ruhen.

Um seine künstlerische Ader nicht vollständig verkommen zu lassen, zeichnet er Karikaturen für das Technomagazin Envelope. Aufgrund des Erfolgs von Schlumpftechno eines Mark Oh, Scooter oder Blümchen in den 1990er-Jahren sieht Just keine Notwendigkeit mehr gegeben, Ilsa Gold fortzuführen und wendet sich stattdessen verstärkt eigenen Produktionen zu. Just gründet das Label Petra, er wirkt am Soundtrack mit für "Tempo", dem ersten Technofilm Österreichs. Darüber hinaus arbeitet Just am Album "Hoppla jetzt komm ich" für sein Pseudonym Gerhard. Außerdem entdeckt er für Pomelo Records den Amerikaner Punk Anderson. Mit dem Stück "I'm A Disco Dancer" feiert Just besonders in Großbritannien großen Erfolg. Aber als sein Zögling Anderson sich gen Heimat verabschiedet, ist Just davon derart getroffen, dass er sich mehrere Jahre vom Produzieren fernhält und lediglich ein paar Remixe anfertigt.

Bis 2001 hält seine Schaffenspause an. In diesem Jahr tritt er zusammen mit Clemens Neufeld als Milano Brothers für das Label Giant Wheel an und veröffentlicht dort das Remix-Album "Let There Be Pop". 2002 gründet Just mit Gregor Huhsowitz das Plattenlabel Global Matador und macht ein Cover des Acid-Tracks "Jesus Loves The Aciiieed". Zwei Jahre später wiederum erscheinen zum zehnjährigen Jubiläum von Ilsa Gold "Regretten? Rien!", die Single "House 2" sowie in Neuauflage das Album "Jeans & Electronic". Im Jahr 2005 steht "Roland Flick Fairmont Princess #1527" zur Veröffentlichung an.

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