Porträt

laut.de-Biographie

Sparks

Knapp vierzig Jahre sind die Sparks im Showgeschäft, als im Jahr 2006 ihr 20. Album "Hello Young Lovers" in die Regale kommt. Den großen kommerziellen Erfolg fuhr das Duo aus Pacific Palisades, Los Angeles trotz seiner Beharrlichkeit nie ein, und das obwohl ihre Videos Anfang der 80er zum Clip-Grundstock des neuen TV-Senders MTV gehören.

Sparks: Kultband führt 21 Alben live auf Aktuelle News
Sparks Kultband führt 21 Alben live auf
Die in England hoch verehrte, amerikanische Kultband Sparks plant eine einmalige Aktion: Im Mai und Juni 2008 will das Duo all ihre 20 Studioalben komplett live aufführen. Die Krönung ist das Abschlusskonzert mit dem neuen, dem 21. Album.

Glam, Orchester-Pomp, Neo-Klassik-Pop, Rock-Avantgarde, Dancefloor-Trash, Musical-Extravaganza; viele Hörer fühlen sich vom reichen musikalischen Oeuvre des Duos schlicht überfordert. Einen Blick auf den Massengeschmack leisteten sich die Sparks denn auch nie - und trafen ihn letztendlich auch selten.

Ihren Durchbruch feiert das ungleiche Brüderpaar Ron (Keyboards, Hitler-Bärtchen, wenig Haare) und Russell Mael (Sänger, glatt rasiert, mehr Haare) im Jahr 1974 mit dem Album "Kimono My House". Das mitten im Glamrock-Fieber veröffentlichte Werk und die dynamisch-eingängigen Singles "This Town Ain't Big Enough For Both Of Us" (Platz 2 in England) und "Amateur Hour" (Platz 3) bringen die Sparks auf die Titelseiten der Musikgazetten.

Es ist nicht nur Russels beeindruckender Falsettgesang, der zur Blütephase von Bands wie Queen, T. Rex und Sweet den Nerv der Zeit trifft. Auch die monumentalen, opernartigen Arrangements sind gerade en vogue. Der zynische, selbstironische und abseitige Humor in den Texten des Duos sowie ihr weitreichendes Kunstfaible sucht dagegen bis heute seinesgleichen, was Mitte der 70er zumindest den britischen Fans auffällt.

Wie praktisch, sind doch die Maels ein Jahr zuvor gerade von ihrer Heimat Südkalifornien nach London übergesiedelt, zu den Wurzeln ihrer Swinging 60s-Helden Pink Floyd, The Who und The Kinks.

Ganz so rosig sieht der Beginn ihrer Bandgeschichte allerdings nicht aus. Ende der 60er Jahre noch unter dem Namen Halfnelson aktiv, experimentieren die Maels in ständig wechselnder Bandbesetzung mit Tape-Rekordern und Bandmaschinen und bekommen ihre Art Pop-Demos von sämtlichen Plattenfirmen zurück geschickt. Im Whiskey-a-Go-Go erspielen sie sich dennoch eine kleine Fangemeinde.

Als der junge Todd Rundgren die Songs hört, empfiehlt er sich der Truppe als Produzent, das resultierende Debütalbum gerät jedoch zum Flop. Zwar findet auch der unter dem Namen Sparks erscheinende Nachfolger "A Woofer In Tweeter's Clothing" eher wenig Beachtung, bringt die Band aber erstmals nach London, wo man durch mehrere Auftritte im Marquee auf sich aufmerksam macht.

Sparks - Dee Vee Dee
Sparks Dee Vee Dee
"Christ, Hitler is on the telly!" (John Lennon).
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Zurück in Kalifornien, dämmert dem ehemaligen Grafikdesign- und Kunststudenten Ron und Theaterwissenschaftler Russell, dass die Zukunft der Band nicht im Land der unbegrenzten Möglichkeiten liegt.

Mit Sack und Pack kehren die Brüder ohne ihre Mitstreiter nach London zurück, geben eine Anzeige im "Melody Maker" auf und nehmen anschließend mit Bassist Martin Gordon, Gitarrist Adrian Fisher und Drummer Dinky Diamond den Klassiker "Kimono My House" auf.

Das giftgrüne Cover mit den zwei Geishas, das später immer wieder in diversen Albumcover-Bestenlisten auftauchen sollte, war seiner Zeit voraus und verzichtete sowohl auf den Bandnamen als auch auf den Albumtitel.

Der nun einsetzende Kult um die Gruppe vergrößert sich anhand ihrer impulsiven Live-Konzerte. Der hyperaktive und gerne opulent gekleidete Bewegungsnotoriker Russell steht dabei in starkem Kontrast zum Kollegen Ron, der manchmal über ganze Konzertlängen hinweg in regungsloser Mimik und Haltung hinter seinem Keyboard verharrt.

Der Erfolg setzt bei den Brüdern zusätzliche Kreativität frei: Noch im selben Jahr von "Kimono" erscheint bereits der Nachfolger "Propaganda" (1974), gefolgt von "Indiscreet" (1975), beide unter der Leitung von Bowie-Produzent Tony Visconti. Die Hitsingles "Looks, Looks, Looks", "Never Turn Your Back On Mother Earth" und "Something For The Girl With Everything" halten die Sparks im Gespräch.

"No. 1 In Heaven" gerät 1979 zum ersten elektronischen Album der Band. Mit Fachmann Giorgio Moroder, der Donna Summers "I Feel Love" kommandierte, schaffen die Mael-Brüder den Weg aus der kreativen Sackgasse. In den 80er Jahren veröffentlichen die Sparks weiter stetig Platten, die nur selten außerhalb der Fangemeinde wahrgenommen werden. Im Song "Cool Places" kommt es zu einem Duett mit der kalifornischen Go-Gos-Sängerin Jane Wiedlin.

Für absurde Auftritte sind die Maels weiter zu haben: Auf einem deutschen Festival im Jahr 1981 steigen sie zu Peter Hammill, dem Sänger der Progressive Rock-Band Van der Graaf Generator, auf die Bühne und performen mit ihm Lennons "Give Peace A Chance". Einen TV-Auftritt absolvieren die beiden in einem Boxring. 1988 kooperiert das Duo mit den französischen Stars Les Rita Mitsouko für die Single "Singing In The Shower".

Bevor die Band mit der Techno Pop-Single "When Do I Get To Sing 'My Way'" 1994 überraschend wieder zu MTV- und Chartehren kommt, erscheinen noch Ende der 80er Jahre Sparks- Coverversionen bekennender Fans: Martin L. Gore covert die Ballade "Never Turn Your Back On Mother Earth", Siouxsie & The Banshees nehmen sich 1987 "This Town Ain't Big Enough For Both Of Us" vor, wie 18 Jahre später übrigens The Darkness-Frontsau Justin Hawkins.

1998 erscheint mit "Plagiarism" ein von den Sparks neu eingespieltes Best Of-Album, teilweise unter Mitwirkung ihrer Fans Erasure, Faith No More und Jimmy Somerville. Ein größeres Medienecho bleibt aus.

Nicht so 2004: Morrissey lädt das Duo in seiner Funktion als Kurator des Meltdown Festivals ein und die Amerikaner revanchieren sich mit einem Liveset der kompletten Alben "Kimono My House" und "Lil Beethoven" (2002).

Im Zuge der Veröffentlichung ihres 20. Albums "Hello Young Lovers", an dem das Duo 18 Monate arbeitete, gehen die Sparks 2006 mal wieder auf Welttournee und spielen in England, Amerika, Australien und Japan. Die Konzerte bestehen theatergleich aus zwei Hälften: In der ersten kommt das komplette neue Album zu Ehren, anschließend folgt ein Best Of-Set. Vom London-Auftritt erscheint Ende 2007 die DVD "Dee Vee Dee".

Ihren Witz haben die Maels auch nach vier Jahrzehnten im Business nicht verloren: So verwursten sie etwa im Song "(Baby, Baby) Can I Invade Your Country?" die amerikanische Nationalhymne zu einer galligen Regierungskritik. Ob die Sparks tatsächlich die unglaublichsten, cleversten, talentiertesten und einflussreichsten Popmusiker ihrer Zeit sind, für die sie ihre Anhänger gerne halten, mag diskutabel sein. Ein Kurzauftritt mit dem Song "Perfume" in einer Folge der beliebten US-Serie "Gilmore Girls" bedeutet jedenfalls wieder einen Riesenschritt der Art Pop-Kings in Richtung Mainstream.

Im Mai und Juni 2008 bringt das Duo eine einmalige Aktion auf die Bühne: Alle zwanzig Studioalben sollen in voller Länge an zwanzig Konzertabenden live aufgeführt werden. Als Krönung gibts am 21. Abend das brandneue 21. Album namens "Exotic Creatures Of The Deep". Der lyrische Schalk kommt auch hier nicht zu kurz, was alleine am Songtitel "Lighten Up, Morrissey" abzulesen ist.

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