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Spandex-Einteiler und schulterlange Dauerwellen sind das Trademark des exzentrischen Frontmanns Justin Hawkins (voc, git, syn). Auch der Rest der Band gibt sich im Glamrock-Retrolook: Bruder Dan (git) konkurriert in der Haarlänge, Basser Frankie Poullain trägt eine Respekt einflößende Rotzbremse und Bandana. Ed Graham, der Schlagzeuger der Dunkelheit wartet mit mächtigen Kajal-Augenringen auf. Musikalisch versiert bringen sie den Rock der Achtziger zurück und klingen mal wie Queen, mal wie Kiss und dann wieder wie Chicago.
Dabei beginnt die Bandgeschichte recht unspektakulär. Die Hawkins-Brüder wachsen in Suffolk Town im ländlichen England auf und üben sich schon früh an den sechs Saiten. Über sich und seinen Bruder sagt Justin: "I'm white hot, but he's shit hot". Bei so viel geballtem Talent liegt es nahe, bald in einer Band zu spielen. So beginnen sie ihre musikalische Karriere in einer Coverband, mit Dan als Sänger.
Die Brüder trennen sich, als Justin 1997 an die Uni in Huddersfield in der Nähe von Leeds und Dan nach London geht. Dort sucht er nach einer Band, in der er seine Gitarre bearbeiten kann. Er trifft den Schotten Frankie Poullain, der nebenbei bemerkt behauptet, sein Vater sei ein Pirat in der Karibik gewesen. Das hilft vielleicht, wenigstens sein Aussehen zu erklären. Die beiden machen eine WG auf, in der viel mit Freunden gejammt wird. An den Wochenenden kommt Justin zu Besuch, er bringt einen alten Schulfreund von Dan mit: den Drummer Ed Graham.
Die Hawkins-Brüder und Poullain gründen eine Progrockband mit dem Namen Empire, der jedoch nur ein kurzes Leben beschert ist. Den imminenten Misserfolg vor Augen beschließen die Drei, den Sänger zu feuern. Eine Diskussion um die Zukunft der Band beginnt. Irgendwie kommen sie zu dem Ergebnis, dass Justin der neue Leadsinger der Band werden muss. Ed muss nicht lange bekniet werden, um als Schlagzeuger einzusteigen. Et voilà : The Darkness.
Die Band hat jedoch noch harte Arbeit vor sich auf dem Weg auf den Rockolymp. Sie geht zunächst in Nordlondon zu Werke, wo sie hauptsächlich an den Wochenenden Shows spielt. Ihre Anhängerschaft wächst schnell und fast nur durch Mundpropaganda. Doch ihre Art stößt vielerorts auf Kopfschütteln, oft wird sie wegen ihres Outfits und wegen der Eunuchenstimme Justins als Rockparodie wahrgenommen. Die gute alte Mutter Musik zu verarschen, weisen sie entrüstet von sich: sie wollen lediglich den Spaß zurück auf die Bühne bringen. Viele der heutigen Bands sind ihnen zu ernsthaft.
Ihr Debüt "Permission To Land" erscheint im September 2003 in England gleich auf einem Majorlabel, und der Hype kann beginnen. Das Album crasht die Charts und bohrt sich auf Platz eins tief in die Erde. Auch die Singles landen locker in den Top Ten. Ihre Liveauftritte sind umjubelt, ob in London oder New York. Das Album erscheint hierzulande im Oktober. Im selben Monat kommen sie auch mit Meat Loaf auf Tour, nachdem sie im Sommer schon einmal im Vorprogramm von den Rolling Stones gespielt und eine Handvoll Gigs in kleineren Clubs absolviert haben.
2005 verschanzen sich The Darkness in den Monmouth Studios in Wales, wo auch schon die großen Vorbilder von Queen ihr "Bohemian Rhapsody" aufnahmen. Während der Arbeiten am "Permission To Land"-Nachfolger verkünden Justin und co. überraschend den Ausstieg von Bassist Frankie Poullain. Als Grund nennt man "musikalische Differenzen", eigentlicher Auslöser war wohl, dass Frankie seine Zeit immer öfter auf seinem Anwesen in Frankreich statt mit den Jungs verbrachte. Später stellt sich heraus, dass Justin kurzzeitig die Band verließ, dann aber zurückkehrte und Frankie herausgeworfen wurde. Der Druck hinterlässt offensichtlich seine Spuren. Als neuer Basser wird Richie Edwards, Dans alter Gitarrentechniker, eingestellt.
Kurz nach diesem unerfreulichen Intermezzo unterschreibt Frontmann Hawkins bei Warner/Chapell einen Solo-Plattenvertrag. "Blue Whale" soll aber erst 2006 nach der zweiten The Darkness-Scheibe veröffentlicht werden. "One Way Ticket To Hell ... And Back" erscheint Ende November 2005. An den Reglern saß Roy Thomas Baker (Queen, Rolling Stones, David Bowie, The Who), die Band traut sich auf dem Album ein wenig mehr, "OWTTH...AB" klingt wesentlich abwechslungsreicher als der Erstling.
Am 11. Oktober 2006 berichtet die englische Boulevardzeitschrift The Sun, dass Sänger Justin Hawkins aufgrund von Alkohol- und Drogenproblemen aus der Band aussteigt. Für seine Kokainabhängigkeit habe er umgerechnet über 220.000 Euro verschwendet - eine beängstigend hohe Summe, wie der Frontmann reumütig eingestehen muss. Angeblich soll Bassist Edwards das Mikro übernehmen. Seine musikalische Karriere möchte Hawkins aber keineswegs an den Nagel hängen, der Spandexmann kündigt an, solo weitermachen zu wollen.
Anfang 2007 begeben sich The Darkness ohne Hawkins ins Studio. Dan, Ed und Richie beginnen mit den Aufnahmen zur dritten LP. Den Gesangspart übernimmt tatsächlich Edwards. Das neue Material soll zudem unter einem neuem Bandnamen veröffentlicht werden. Dazu kommt es allerdings nicht mehr. Es vergehen vier Jahre, ehe bekannt wird, dass The Darkness wieder in ihrer Urbesetzung zusammengefunden haben.
Im selben Jahr stellen sich The Darkness beim Download-Festival erstmals wieder einem breiten Publikum. Mit reichlich Tatendrang und wiedergefundener Euphorie begeben sich die vier Briten mit Alt-Produzent Bob Ezrin (Kiss, Bon Jovi) ins Studio und stellen ihr Drittwerk fertig. Das Album "Hot Cakes" erscheint im August 2012.
Die vereinten Hawkins-Brüder über ihr Rock-Comeback, Lady Gaga und haarige Kinder.
The Darkness: Was für eine Bandgeschichte. Kometenhafter Aufstieg, das Rockstarleben mit allem, was dazu gehört. Auch die dunkle Seite: Drogen, Alkohol, Sucht. Dann der große Knall.
Bassist Frankie steigt aus, anschließend auch Sänger Justin. Alles bricht auseinander, die Brüder Justin und Dan entzweien sich. Monatelange, absolute Funkstille. Dan, Frankie und Schlagzeuger Ed spielen als Stone Gods weiter, Justin versucht sich beim Eurovision Song Contest und mit seinem Soloprojekt British Whale.
Er wird clean und sitzt mir 2012 als geläuterter Mann gegenüber. Obwohl er nur ein Jahr älter ist als sein Bruder, ist sein Gesicht deutlich gezeichneter. Aber er ist bestens aufgelegt, lacht und reißt Witze - und offenbart eine nie geahnte Tierliebe. The Darkness sind zurück, die Brüder wieder vereint und könnten motivierter nicht sein.
Im kommenden Herbst werden sie als Vorband von Lady Gaga wieder riesige Arenen bespielen, in der Superbowl-Halbzeit lief ein 90-Sekunden-Spot von Samsung, und wie vor zehn Jahren kiekste Justin dazu "I Believe In A Thing Called Love". Am 17. August erscheint das Comeback-Album "Hot Cakes" - ein "moderner Dreh für Classic Rock". Dan ist inzwischen Vater, hat aber immer noch die Haare schön. Um Justins Mund prangt der prächtige Bart eines britischen Sires. Und - Gott sei Dank - sitzt er mir im handelsüblichen Poloshirt gegenüber.
Gehts euch gut?
Justin: Ja, uns gehts super! Und dir?
Mir auch! Sitze ich nun einer neuen Band gegenüber?
Justin: Der Hälfte davon! (lacht) Doch, es ist definitiv neu.
Was ist an euch neu?
Justin: Wir sind zitronig-frisch!
Dan: Wir tragen neue Klamotten. Und neue Haare (lacht).
Eure Frisuren sind doch gleich!
Justin: Mehr Gesichtshaar!
Stimmt, das sehe ich.
Justin: Nein, keine Ahnung. Es sind eine Menge Veränderungen passiert. Touren und das ganze Leben ist gesünder jetzt. Dan hat Kinder! Und ich habe Haustiere.
Das sind ja auch irgendwie Kinder.
Justin: Haarige Kinder. Sehr plüschig. Ich weiß nicht, sie machen dich ... Warte mal, was rede ich eigentlich? Also aus der Perspektive eines Haustierbesitzers kann ich sagen, es verändert dich! (lacht) What the fuck! Dan, erzähl doch mal! Man muss der Welt anders begegnen, oder?
Dan: Ähm ...
Justin: Also als Onkel kann ich dir sagen, dass es vielen Dingen eine neue Perspektive gibt.
Dan: Ja, es gibt allem, was du tust, einen Wert. Du bist nicht mehr so versucht, sinnlose Dinge zu tun. Alles hat einen Grund.
Denkt man da auch mehr an Morgen und die Zukunft?
Justin: Nein, eigentlich versucht man mehr, das Meiste aus dem Moment zu machen. Wenn du für einen Monat weg bist, verändert sich dein Haustier sehr (lacht). Wir versuchen ja nicht, ein Nest zu bauen. Wenn du Musik machst, um Geld zu sammeln, dann klappt es nicht. Musik um des Geldes willen zu machen, ist der beste Weg, kein Geld zu machen. Es muss um die Kunst gehen. Wenn du damit dann Geld machst, ist das ein Bonus.
Justin: Das ist eine reine Glückssträhne! Wir schicken unsere Sachen in die Welt und bekommen die Belohnung, sie vor vielen Leuten präsentieren zu können.
Aber ist Lady Gaga denn Kunst oder ein Mainstreamprodukt?
Justin: Oh nein, sie ist Kunst! Ihre Zielgruppe ist eben zufälligerweise der Mainstream, aber sie ist Kunst. Ihre ganze Erscheinung ist Kunst, mehr als jeder andere Popstar. Du siehst sie nie außerhalb ihrer Rolle, ohne Make-Up oder Kostüm. Sie ist ziemlich spektakulär.
Ist sie die Queen Of Pop?
Justin: Ja! Madonna ist ... die Queen Mother! (lacht) Auf eine gute Art. (Scherzt:) Fuck, sie ist noch nicht tot, oder?
Naja, fast!
Justin: Madonna war die Queen Of Pop und ist genauso wichtig, respektiert und geliebt, aber ich finde, dass ihre beste Arbeit einige Zeit zurückliegt. "Like A Virgin", "Like A Prayer" – all diese Like-Songs! Die liebe ich.
Was erwartet ihr denn von dieser Lady Gaga-Tour?
Justin: Gar nichts, wirklich. Rausgehen, eine gute Zeit haben. Ich hoffe, etwas davon zu lernen. Eine schöne Erfahrung soll es werden.
Wie glaubt ihr denn, dass die Gaga-Fans auf euch reagieren? Ihr seid zwar schrill, aber ja irgendwie nicht ganz die Zielgruppe.
Justin: Oh, wirklich keine Ahnung!
Dan: Hoffentlich klatschen sie, wenn wir einen Song beendet haben.
Dann seid ihr zufrieden?
Dan: Ja, das reicht.
Justin: Wenn wir nur einen Menschen erreichen können, haben wir wahrscheinlich sehr gute Arbeit geleistet.
Dan: Unsere Arbeit wird es sein, die Menge aufzuwärmen und ihnen eine gute Zeit zu geben. Wir sind sozusagen die Vorspeise. Diese Rolle haben wir ganz oft gespielt, so haben wir unsere Fanbase im UK gewonnen, indem wir alles und jeden supportet haben. Wir waren Vorband von Robbie Williams über Metallica bis zu den Stones und Deep Purple, Meat Loaf... Das könnte ewig so weitergehen! Uns wollte damals keiner unter Vertrag nehmen, aber wir hatten einen guten Agenten und wussten, dass wir live spielen können. Wir freuen uns auf die Herausforderung!
Justin: Das ist auch wirklich ein guter Zeitpunkt. Unser Album erscheint bald und wir gehen mit Lady Gaga auf die derzeit größte Tour. Es gibt keinen Ort, an dem wir lieber wären. Das ist eine großartige Möglichkeit!
Genau – euer Album! Ich finde, es hat einen sehr positiven Drive. Wo nehmt ihr denn die neue positive Energie her? Familie? Haustiere?
Justin: Haustiere! Ich denke immer an Tiere! (lacht) Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber wenn wir einen neuen Song schreiben, finden wir zuerst die Melodie und dann den Text. Das ist einfacher so. Und wir haben immer über den Smellbear gesungen. Er sieht eben aus wie ein Bär, und er stinkt, darum heißt er Smellbear. Wir haben Sachen gesungen wie: "Smellbear hat trotzdem seinen Stolz", und daraus wurde "Forbidden Love"! Oder: "Smellbear läuft immer davon", das wurde "Keep Me Hanging On" (zwei Tracks des neuen Albums, Anm. d. Red.). Ach weißt du, es ist einfach schön, nach Hause zu kommen und jemanden da zu haben. Ob das nun Katzen, Hunde oder nur ein paar Kinder sind.
Dan: Nur ein paar Kinder!
Ist ja das Gleiche! Was meint ihr, seid ihr zwei durch euren Streit enger zusammengewachsen?
Dan: Vielleicht ist das so. Dadurch, dass wir den ganzen Dreck rausgekehrt haben, fühlt es sich irgendwie entspannter an. Wir haben jetzt mehr Spaß als damals, als wir wirklich gar nichts ernst genommen haben.
Justin: Wenn du jung bist, behandelst du eine Ideen vorsichtig, weil du dir noch unsicher bist. Dann ist es gut, einen Bruder zu haben oder jemanden, der dir sehr nahe steht, weil deine Ideen oft von anderen zerrissen werden – sei es jemand aus der eigenen Band! Da gibt es immer Unstimmigkeiten, aber jetzt bist du darüber hinweg. Du spielst oder singst einfach vom Herzen weg und gibst dir die größtmögliche Mühe. Dass wir uns so zerworfen haben, war wie ein reinigendes Feuer. Jetzt können wir von vorne anfangen.
Scheißt ihr jetzt auf alles, was die Leute sagen?
Justin: Das haben wir irgendwie schon immer gemacht – weil wir es uns leisten konnten. Inzwischen mache ich es nicht mehr immer, aber ich könnte. (lacht) Ich selektiere da und wenn ich drauf scheiße, dann aus gutem Grund.
Lest ihr denn, was die Presse schreibt?
Justin: Nein. Ich lese nicht mal die Sachen, die ich angeblich selber gesagt habe. Ich lese nur ein Interview, wenn mir jemand sagt, dass es sehr gut ist. Ich spreche sehr undeutlich, glaube ich, und deswegen werde ich oft falsch zitiert. Manchmal sage ich in Interviews unheimlich kluge Sachen und kann kaum erwarten, es niedergeschrieben zu sehen, aber dann hat der Interviewer es falsch verstanden! Das passiert sogar bei unseren eigenen Biographien. Wenn dein Lieblingsjournalist kommt und es immer noch missversteht ... (seufzt) Das juckt mich aber gar nicht mehr.
Ich hoffe, ich missverstehe nichts!
Justin: Das werden wir auch überprüfen! Sonst frag nach! (lacht) Die meisten Leute trauen sich nicht, zu fragen und es ist ihnen total egal, was du denkst. Machst du dir Gedanken darüber, was Leute über deine Artikel denken?
Ja, schon. Wenn ich meine eigenen Sachen lese, finde ich immer etwas zu mäkeln.
Justin: Aber das ist doch gut!
Ist es das?
Dan: Das macht dich gut.
Justin: Es gibt Leute, die schreiben schon zu lange. Die sind abgestumpft, denen ist es egal. Sie benutzen immer die gleichen Ausdrücke und selbst, wenn sie schon mal etwas über dich geschrieben haben, schreiben sie das nächste Mal einfach das Gleiche. Das ist eine sterbende Kunstform.
Zurück zu euch: Wo wollt ihr mit eurem neuen Album denn hin?
Justin: Raus, nur raus! Das Frustrierendste ist, dass es seit Ewigkeiten fertig ist und nur ganz wenig Leute es bisher gehört haben, aber nicht die, von denen du am meisten willst, dass sie es hören – die Fans!
Dan: Wir wollen zurück aufs Feld. Wir brauchen irgend etwas da draußen, damit wir vernünftig touren können. Ob das jetzt ein Hitalbum auf der ganzen Welt wird, ist eine Nebensache. Vielleicht wird es auch ein Riesending, das weiß keiner. Wir konzentrieren uns mehr darauf, die bestmöglichen Videos und Liveshows zu machen, als ein Nummer 1-Album.
Wollt ihr, dass die Leute sagen, dass es wie früher klingt, oder dass es etwas ganz Neues ist?
Dan: Vielleicht, dass unsere Batterien wieder aufgeladen sind. Es hat einen moderner Dreh für Classic Rock. Das wollten wir erreichen.
Justin: Mir war wichtig, dass meine Stimme gleich klingt. Kennst du das, wenn du eine alte Platte von einer Band hörst und die Stimme einfach anders ist? Es macht mir tatsächlich Sorgen. Denn wenn jemand hoch singt und dann älter wird, klingt das nicht immer astrein. Aber ich kann das noch! (lacht)
Ja, das klappt noch gut - ganz im Gegensatz zu deinem Eurovision-Versuch 2007. Der ging daneben.
Justin: Ja, das lief nicht gut. Ich probiere es einfach noch einmal!
Echt? Gibts ein nächstes Mal?
Justin: Ja. Was glaubst du, warum ich mich anziehe wie ein Knallbonbon? (lacht) Aber ich würde nicht als Performer hingehen. Ich würde gerne einen Eurovision-Song schreiben.
Dan: Auch für andere Länder!
Justin: Stimmt, du musst ja nicht mal Europäer sein, um einen Beitrag einzureichen. Du kannst einen Song von amerikanischer Songwriterhand als französischstämmiger Künstler für das UK singen! Ich verstehe die Regeln nicht genau, aber das Kapitel ist noch nicht abgeschlossen.
Wo ortet ihr denn genau euer Comeback? Die Werbung in der Superbowl-Halbzeit, in der "I Believe In A Thing Called Love" gespielt wurde, vor Millionen von Zuschauern?
Dan: Eher als wir 2011 auf dem Download Festival gespielt haben. Das hat uns zurück auf den Plan gerufen. Die Werbung war ein guter Bonus. Unser Manager hat mal gesagt, dass das ein guter Beweis ist, dass The Darkness noch von Bedeutung sind.
Justin: Das war das größte Sportevent, das jemals ausgestrahlt wurde! Größer als alles zuvor und wir hatten da 90 Sekunden. Das Timing war brillant, weil wir gerade in den USA auf Tour waren. Die zweite Hälfte war ruckzuck ausverkauft! Naja, nicht, dass die erste es nicht gewesen wäre, aber es läuft dort wie geschmiert. Wir sind mit dem Song auf Platz Eins der Rock Download-Charts gestiegen, dabei ist er zehn Jahre alt!
Euer Comeback beim Download Festival, wie wurdet ihr da begrüßt?
Justin: Ich war schrecklich nervös. Du gar nicht so, oder?
Dan: Ich war die ganze Woche vor der Show nervös, aber das hat sich so zwei Minuten vor der Show in Luft aufgelöst. Dann habe ich mich einfach nur noch tierisch gefreut! Ich wurde irgendwie dahin zurückkatapultiert, wo wir aufgehört haben. Es war weniger ein "Oh Gott, hoffentlich geht das gut!" als ein "Fucking eat this!" (lacht)
Justin: Das Ding war, wir haben 2003 schon mal beim Download gespielt und ich wusste noch, dass das Publikum ziemlich schwierig war. Die Leute haben auf die härteren Bands gewartet und waren gar nicht offen für das, was wir machen. Ich hatte Angst, dass es noch mal so werden würde. Aber man hat uns den Slot vor Def Leppard gegeben, weil wir schon einmal zusammen getourt haben und man wusste, dass das gut zusammen geht. Es hätte nicht besser sein können! Das war ein großer Moment.
Ich hab gelesen, die Leute haben Brüste gezeigt!
Dan: Oh ja!
Justin: Ja, Brüste - die Währung des Erfolgs! (alle lachen.)
Justin: Das läuft jetzt anders. Alkohol und Drogen stoßen mich mittlerweile ab. Die Vorstellung davon lockt mich einfach nicht mehr. Ich möchte mich auch gar nicht mehr in so einem Umfeld bewegen, weil Betrunkene einfach lästig sind. Diese Unterhaltungen und dieser Alkoholgeruch ... Da fühle ich mich nicht wohl. Ich toleriere das, wenn ich muss, aber ich selber will damit gar nichts mehr zu tun haben. Ich habe nun andere Sachen, die mir wichtig sind, wie zum Beispiel ... (überlegt) Hm, was ist mir eigentlich wichtig?
Tiere?
Justin: (lacht) Ja! Tiere streicheln!
Dan, trinken du und die anderen zwei denn auch keinen Alkohol mehr?
Dan: Ed trinkt nicht mehr und Frank war nie der große Trinker.
Justin: Frank war mehr der flüchtige Trinker! Er könnte wochenlang nichts trinken und dann viel zu viel billigen Cider. Zu besonderen Anlässen.
Dan: Ich mag einen guten Ale unten im Pub. Ich trinke nicht, um betrunken zu werden.
Justin: Was ja auch ziemlich dumm ist.
Dan: Ich glaube, das machen aber ganz viele, ohne es zu merken.
Ich denke, das hat was mit diesem Rockstar-Ding zu tun, oder? Dass man sich vor Shows betrinkt und dann lallend rausgeht?
Justin: Ja. Aber ich habe nie vor Shows getrunken. Nur während! (lacht)
Na, die letzten Songs gingen dann eher daneben?
Justin: Ja, und dann taumelst du voller Reue von der Bühne!
Ach Mensch, die Zeit rennt uns schon weg. Als Frau muss ich abschließend diese Frage stellen: Justin, warum die Overalls?
Justin: In den 1960s hing unsere Mutter mit Leuten wie Brian Jones oder Jimi Hendrix rum. Sie hat Brian Jones als jemanden beschrieben, der mit pinken Catsuits umherlief – außerhalb der Bühne! Also war das für mich das Bild des Rockstars.
Hat sie deinen ersten Anzug genäht?
Justin: (lacht) Nein, das hat sie nicht. Aber bis heute ist sie mit in unsere Kostüme einbezogen. Sie entwirft Sachen und schickt sie dann an die Lady in L.A., die mich einkleidet."
Weil die vier Engländer bei ihrem Stopp in der Schleyerhalle kein Catering bekommen, verlegt die Betreuerin den Interview-Termin kurzerhand in die Vereinsgaststätte des VfB Stuttgart. Mit vollem Magen geben sich The Darkness dann äußerst redewillig.
Obwohl das Management uns nur Gitarrero Dan und Basser Frankie als Interviewpartner angekündigt hat, sind nun alle Vier beisammen. Nur Drummer Eddie sitzt, vom vorangegangenen Telefon-Interview noch ein wenig mitgenommen, still dabei und überlässt dem Sänger mit dem rosa Pulli das Reden. So sind es hauptsächlich Frankie und Justin, die Auskunft über gute und schlechte Musik und Justins Hals geben.
Wir befinden uns hier ja im Vereinslokal vom derzeit besten deutschen Fußballverein. Ihr seid aus England, da seid ihr sicher auch Fußballfans, oder? Welchen Verein unterstützt ihr?
Dan: Wir sind nicht die süchtigen Fußballfans, die viel zu den Spielen gehen. Früher waren wir das schon eher. Aber heute sind wir immer mit denen, die gerade in der Liga oben stehen.
Frankie: Wir wollen immer unter den Besten sein. Winners only, you know?
(Daraufhin entwickelt sich ein äußerst langatmiges Gespräch über den englischen Fußball, welche Japaner und Chinesen wo spielen, und dass das eigentlich nur geschieht, um in Asien Merchandise verkaufen zu können. Dem Leser sei dies erspart!)
Bis vor einem halben Jahr wart ihr noch nicht wirklich bekannt, und jetzt tourt ihr mit Meat Loaf durch Deutschland. Diesen Sommer habt ihr als Vorband von den Rolling Stones gespielt und mit Robbie Williams auf der Bühne gestanden. Was ist das für ein Gefühl, auf einmal vor so großem Publikum zu spielen?
Justin: Wir kommen gerade aus der Festival-Saison in Großbritannien und haben dort fast auf jedem Festival gespielt. Wir haben uns an die Massen gewöhnt. Und wir haben uns daran gewöhnt, dass die Leute so bei unseren Konzerten herumstehen (lässt die Kinnlade herunter). So wie hier in Deutschland. Wenn man als Support Act auftritt, dann spielt man quasi vor anderer Leute Publikum, das eigentlich nur darauf wartet, dass der Haupt-Act auf die Bühne kommt.
Justin, du hattest Probleme mit deinen Stimmbändern in letzter Zeit. Ihr musstet sogar ein Paar Auftritte absagen. Wie sehr musst du dich jetzt noch schonen?
Justin: Es ist ja nur ein Auftritt für eine halbe Stunde, also singe ich normal. Wir sind so gut wie immer. Der Arzt sagte, ich sollte mich zwei Wochen schonen, das kann ich bis Weihnachten nicht. Aber, wie gesagt, es sind kurze Sets und ich passe auf. So passt das schon.
Wie habt ihr euch gefühlt, als ihr davon erfahren habt?
Frankie: Es war schon komisch. In den letzten drei Jahren mussten wir nie auch nur eine Show absagen. Wir mussten unseren Zeitplan neu arrangieren. Wir haben ja so viel zu tun zur Zeit. Wir waren ständig auf Tour und mussten auch noch den ganzen Tag Interviews geben.
Justin: Jeder hat doch mal in seinem Leben eine Krankheit. Unglücklicherweise bin ich am Hals erkrankt. Am Tag, nachdem es passierte, konnte ich nicht einmal sprechen. Als es geschah, versuchte ich zu singen, aber da war nichts. Das war schon Angst einflößend. Ich musste einfach mal verschnaufen und meiner Stimme mal ein paar Tage Ruhe geben.
Wenn man nach Großbritannien schaut, dann gibt es dort einen großen Hype um euch. Immerhin habt ihr den großen NME auf euer Seite, der fast in jeder Ausgabe über euch schreibt.
Dan: Zuerst konnten die uns nicht leiden, aber jetzt mögen sie uns.
Justin: Der NME ist ja ein Independent-Magazin, und wir sind eine Rockband, also haben sie sich einen Scheiß um uns gekümmert, und wir haben nie ein Interview mit denen gemacht. Wir haben es nie gemacht und werden es auch nie tun.
Frankie: Jetzt mögen sie uns, weil sie ihr Magazin verkaufen wollen.
Justin: Sie mögen uns nicht, und sie verstehen uns nicht. Der einzige Grund, warum sie über uns berichten, ist, dass sie dann ihre dumme kleine Zeitung verkaufen können. Der NME ist in der ganzen Welt respektiert, nur in England sind sie ein Witz.
Es ist gerade drei Monate her, dass man von euch Notiz nehmen konnte. Hat es wirklich so kurz gedauert vom Beginn eurer Karriere bis zum großen Durchbruch?
Justin: Ja, es ging so richtig los mit "Growing On Me". Das war unsere zweite Single.
(In diesem Moment kommt die Kellnerin mit dem Nachtisch herein, und die kindliche Begeisterung der Vier macht die weitere Beantwortung der Frage unmöglich.)
Wenn jetzt alles so schnell geht, würdet ihr sagen, es gibt einen Hype um The Darkness?
Frankie: Es ist Berichterstattung, kein Hype.
Dan: Begeisterung ist das Wort.
Frankie: In allem was wir getan haben, gab es viele verschiedene Stufen. Viele Höhepunkte, unser Durchbruch bedeutete einfach nur, dass wir wieder auf einem etwas höheren Level angekommen sind. Es war also ein allmählicher Anstieg. Es wird viel über uns berichtet, weil das, was wir machen, neu ist. Sogar für Kerrang! ist das was Neues. Die Art, wie wir an die Sache mit dem Rock rangehen, das ist lange nicht gemacht worden.
Es gibt im Moment ja so etwas wie ein Revival des Rock, und ihr seid ein großer Teil des Ganzen, zumindest in England. Würdet ihr sagen, es gibt Gemeinsamkeiten zwischen euch und Bands wie den White Stripes oder den Strokes?
Frankie: Also, wir versuchen nicht, Musik zu machen, die cool ist, und versuchen auch nicht, dabei cool auszusehen.
Justin: Aber die White Stripes sind schon ziemlich gut.
Frankie: Ja, ich finde auch, dass sie ziemlich cool sind.
Justin: Ihr Sound ist sehr stilvoll, sie haben die Verbindung zum Classic Rock, aber in einer anderen Art als wir.
Frankie: Aber ich denke, genau deswegen kann man uns vergleichen. Es ist schwer, sie zuzuordnen. Sie könnten genauso gut aus den Siebzigern sein. Wir allerdings kommen aus den Siebzigern oder den Achtzigern oder aus dem Jetzt.
Justin: Sie sind Retro, oder? Wir sind beide Retro auf eine bestimmte Art. Wir haben beide sehr erfolgreiche Alben aufgenommen, die mit einem kleinen Budget und schnell produziert wurden.
Würdet ihr sagen, dass das etwas über das Musikbusiness aussagt? Die großen Label beschweren sich andauernd über die schlechten Verkaufszahlen, und dann kommt ihr daher mit einem billigen, schnell gemachten Album.
Justin: Also, wir mussten es ja schnell aufnehmen und es billig halten, da wir selbst dafür bezahlen mussten. Aber die Plattenfirmen hätten keinen Grund, sich zu beschweren, wenn sie einen ordentlichen Job machen würden.
Ihr seid eine Band, die nicht nur wegen ihrer Musik wahrgenommen wird, sondern auch wegen ihrem Auftreten. Bei den meisten Leuten löst ihr zuerst einmal Kopfschütteln aus. Und dann hassen sie euch entweder, oder sie lieben euch.
Frankie: Ja, diese Reaktion kriegen wir sehr oft, wir haben uns daran schon gewöhnt. Aber das Lustige ist ja, dass die Leute, die zuerst nur den Kopf geschüttelt haben, jetzt behaupten, sie hätten uns entdeckt! Am Ende mussten sie zugeben, dass sie falsch lagen.
Justin: Und jetzt denken sie sich, Mensch, ich hätte sie unter Vertrag nehmen können, aber das hätten sie nicht gekonnt, weil wir mit ihnen nicht einmal geredet hätten. Das sind doch nur ein paar beschissene Arschlöcher. Wir sind sehr zielstrebige Leute, wir kennen unsere Stärken. Wir wollten nicht die Band sein, die schnell einen Plattenvertrag bekommt. Wir wollten die Musik nach unseren Vorstellungen verändern, und das haben wir geschafft.
Frankie: Wir wissen auch ganz genau um ihre Schwächen.
Justin: Und das macht uns denen überlegen, die uns verarschen wollen. Wenn man sich uns zum Feind macht, dann sind wir Feinde fürs Leben. Wir ziehen einfach unser Ding durch. Wir geben einen Scheiß drauf, was gerade passiert, was trendy ist. Wenn jemand ein Problem mit uns hat, dann ist das deren Problem, nicht unseres. Denn wir werden uns nicht verändern, egal was passiert. Auf der anderen Seite sind wir die einzigen, denen wir die Schuld geben können, wenn das alles nicht so klappt. Wir können keiner Plattenfirma die Schuld geben, wenn sich unsere Platten nicht verkaufen. Wir haben für das Album bezahlt, und sie sind nur an Bord gekommen. Aber das ist ok, denn wir wollen nicht in einer Situation sein, wo unser Schicksal in der Hand von Leuten liegt, die einen Scheiß über Musik wissen. Es muss in unseren Händen liegen.
Ihr sagt, ihr kümmert euch nicht darum, was cool ist und was nicht. Würdet ihr sagen, dass es gewagt ist, ein Album wie "Permission To Land" im Jahr 2003 zu veröffentlichen?
Frankie: Es gibt nicht genug gewagte Musik da draußen. Darum ist Musik so langweilig und so Scheiße.
Justin: Jetzt wird noch viel mehr gewagte Musik herauskommen, wo wir auf der Bildfläche sind. Der britische Markt ist zwar nicht der wichtigste Markt, aber er ist der Markt, der Geschmäcker definiert. Das ist es, wo die Leute hinsehen um herauszufinden, was cool ist. Die Leute in London machen einfach das, was sie cool finden. Sie haben ihre Formeln, und wenn sie nach sechs, sieben Gigs keinen Vertrag bekommen, dann machen sie halt das Nächste, was sie für cool halten. Aber wir haben das gemacht, was wir wollten. Wir haben viel länger als die meisten anderen Bands gebraucht, einen Vertrag zu bekommen. Dafür sind wir jetzt umso erfolgreicher, und jetzt wird es mehr Bands geben, die sich nicht darum kümmern, was cool ist. Die nur nach ihren Einflüssen gehen und danach, was sie dazu bewegt, Musik zu machen. Hoffentlich ist das der Einfluss, den wir haben. Natürlich wird es auch viel Nachahmer geben.
In euerer Biographie gibt es eine kleine Geschichte, wie ihr die Falsettstimme von Justin 'entdeckt' habt. Eines Abends hat Justin auf einer Feier "Bohemian Rhapsody" von Queen gesungen. Dabei kam die Stimme zum Vorschein und der Rest ist Geschichte. Stimmt das?
Dan: Nein, das stimmt nicht. Aber es ist eine ziemlich gute Geschichte. Auf Papier sieht sie gut aus. Wir haben im Ausland so viele Interviews gegeben, und jeder hat diese Frage gestellt, also haben wir ihnen die Karaoke-Scheiße erzählt. Vielleicht sollten wir uns bei Gelegenheit mal eine Biographie zulegen, die stimmt.
Justin: Es ist aber nah an der Wahrheit dran. An besagtem Abend gab es Karaoke, aber ich habe nur getanzt. Wenn man singen und tanzen kann, dann verkaufen sie es. Ich bin ein echter Tänzer, jeder Musiker sollte zumindest ein bisschen tanzen können. Man sollte niemand auch nur in die Nähe eines Instrument lassen, wenn er nicht tanzen kann.
Ihr werdet eine Weihnachtssingle veröffentlichten, die in den Wettbüros hoch gehandelt wird.
Frankie: Ja, das läuft wirklich gut. Wir sind die Favoriten für die am besten laufende Weihnachtssingle. Zusammen mit Pop Idols.
Bedeutet euch das etwas?
Frankie: Natürlich wäre es cool, Pop Idol zu schlagen.
Justin: Ja, das wäre doch eine symbolische Geste, oder? Pop Idols covern "Merry Christmas (War Is Over)" von John Lennon. Das ist so billig. Sie denken, der Krieg ist vorbei, aber er hat grade erst begonnen. Sie haben einen beschissenen neuen Feind, und das sind wir.
Glaubt ihr, dass MTV eine Welt ist, in die ihr rein passt?
Frankie: Ja, natürlich. Wahrscheinlich sogar mehr, als anderswohin. Es gibt so wenige lustige Videos und so wenige gute Songs.
Das Interview führte Mathias Möller
| Sa | 31.08.2013 | The Darkness A-Two Days A Week (Wiesen) |
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Videos, Audioschnipsel und ein Mitschnitt aus Hamburg.
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