Porträt

laut.de-Biographie

Morgan Heritage

"Morgan Heritage sind mehr als eine Reggae-Formation", weiß die Homepage der Band. "Morgan Heritage sind eine Revolution, eine Familie, eine Naturgewalt." Von letzterem überzeuge sich der geneigte Zuschauer bei einer der unzähligen Live-Shows der unermüdlich tourenden Truppe bitte selbst. Tatsächlich handelt es sich bei Morgan Heritage allerdings um ein Familienunternehmen.

Bereits in den 60er Jahren erarbeitet sich Denroy Morgan einen erstklassigen Ruf in der jamaikanischen Reggae-Szene. 1965 kehrt er seiner Heimatinsel den Rücken, um in den USA sein Glück zu suchen. Der Legende nach macht er sich mit gerade einmal hundert Dollar in der Tasche auf nach New York.

Neben der Musik scheint Denroy noch ein weiteres Hobby zu pflegen: Der Sänger ist stolzer Vater von 29 Kindern, die zumindest teilweise sein Talent geerbt zu haben scheinen. Auf zwei Dinge wird im Hause Morgan Wert gelegt: Auf die Pflege des Rastafari-Glaubens und auf eine fundierte musikalische Ausbildung.

Geboren im New Yorker Stadtteil Brooklyn verleben die Morgan-Kinder sehr viel Zeit in Springfield im Westen von Massachusetts, wo sie die Highschool besuchen. Die Ferien verbringen sie aber stets in New York, wohin es sie nach dem Abschluss auch wieder zurück zieht.

Peter 'Jahpetes' Morgan, Leadsänger der Gruppe, erinnert sich im Interview mit jahworks.org: "Während unserer Jugend, war unser Vater das Rückgrat von allem, das wir in Bezug auf Musik in Angriff genommen haben. Er brachte uns bei, wie wir beim Singen auf die Worte zu achten hatten. 'Ihr könnt schon singen', sagte er immer. 'Also haltet euch nicht mit Style und Melodien auf. Ihr müsst die Worte so vortragen, dass die Leute sie verstehen können.'" Als leuchtende Vorbilder in diesem Punkt dienen der allgegenwärtige Bob Marley oder Black Uhuru.

Allerdings hinterlassen auch ganz andere Einflüsse Spuren in der Musik der Morgan-Geschwister. "Wir sind in amerikanischen Vorstädten aufgewachsen", so Peter. "Uns blieb gar nichts anderes übrig, als Radio zu hören." So dudeln neben Reggae-, Ska- und Rocksteady-Veteranen auch R'n'B- und Soul-Interpreten wie Sam Cooke, James Ingram oder Stevie Wonder sowie Songs von Phil Collins, Journey, Duran Duran, Tears For Fears, Metallica und Van Halen durch den Morgan'schen Haushalt.

Bereits zu Beginn der 80er Jahre nimmt Denroy Morgan mit seinen Kindern erste Songs auf. Acht von ihnen gründen um 1990 das Familien-Projekt Morgan Heritage. Mit der Förderung durch den Vater avancieren sie bald zur Kelly Family der jamaikanischen Volksmusik.

Sänger, Percussionist und MC Mammalatel Morgan alias Mr. Mojo erinnert sich: "Als die Leute zum ersten Mal hörten, wie Una, Peter und Gramps gemeinsam sangen, war das wie Magie. Jeder einzelne in der Band meines Vaters war komplett von den Socken, dass sie sich in so zartem Alter schon so gut anhören konnten."

1992 legen Morgan Heritage beim Reggae Sunsplash Festival auf Jamaika einen umjubelten Auftritt hin, der nicht ohne Folgen bleibt: Beim Label MCA interessiert man sich für die Morgans und nimmt den musizierenden Clan umgehend unter Vertrag.

Das 1994 erscheinende Debüt-Album "Miracle" erntet dann jedoch reichlich Kritik. Es sei gar zu poppig, mit starrem Blick auf den Mainstream produziert worden, mäkelt die Presse. Auch in den eigenen Reihen ist man nicht glücklich mit dem Resultat: "Bei MCA wussten sie mit unserer Musik nichts anzufangen, sie hatten keine Ahnung, wie sich das vermarkten ließ", berichtet Peter. "Sie verlangten Popmusik, und wir fühlten uns gar nicht gut dabei. Wir haben es trotzdem gemacht, schließlich war es ihr Geld, ihre Firma, und wir waren bei ihnen gesignt."

Die Geschäftsverbindung steht unter keinem guten Stern: Zwei Jahre nach der Vertragsunterzeichnung trennen sich die Geschwister von ihrem Label. Erfahrungen, die sie auf Tour durch Afrika machten, bringen sie dazu, sich wieder mehr den Ursprüngen ihrer Musik zuzuwenden.

Zudem übersiedelt die ganze Familie Mitte der 90er nach St. Thomas auf Jamaika, zurück in die Heimat des Vaters. Die Umstellung fällt nicht schwer: "Es hat sich angefühlt, als kämen wir nach Hause. Viele Leute, die es nicht besser wussten, dachten, wir seien auf Jamaika geboren uns aufgewachsen, weil wir einfach reingepasst haben", freut sich Peter. "Das lag daran, dass unsere Eltern sichergestellt haben, dass die jamaikanische Kultur bei uns zu Hause an erster Stelle stand. So haben sie uns erzogen, und auf Jamaika haben uns die Leute sofort akzeptiert."

Morgan Heritage kooperieren fortan mit namhaften jamaikanischen Produzenten wie Robert 'Bobby Digital' Dixon und Lloyd 'King Jammy' James. "Mit Bobby Digital zu arbeiten war, als ob wir Brüder wären", beschreibt Peter die 'family vibes'. "Manchmal hingen wir ganz ohne zu arbeiten im Studio ab, kochten uns Fisch und hatten eine gute Zeit zusammen."

Trotzdem erweist sich diese Verbindung als äußerst produktiv. Morgan Heritage landen auf Jamaika und darüber hinaus mehrere Hits. Das 1997 folgende zweite Album "Protect Us Jah" baut statt auf Pop-Anleihen auf klassischen Rootsreggae und spirituell beeinflusste Texte und entzückt Fans weltweit.

Inzwischen haben Morgan Heritage ihr eigenes Label Heritage Music Group gegründet. Hier veröffentlichen neben der Familie auch Künstler wie Buju Banton oder Capleton.

Die Band selbst tritt nach einigen Umstrukturierungen nunmehr nur noch zu fünft an. Una, die die Idee von einer Karriere als Anwältin zugunsten der Musik in den Wind schießt, ersetzt ihre Schwester Takilot an den Keyboards. Nakhamyah 'Lukes' Morgan beerbt seinen Bruder Jeff und nimmt fortan dessen Position als Gitarrist ein. Daneben bleiben Sänger Peter, der singende Keyboarder Roy 'Gramps' und Schlagzeuger Mr. Mojo der Gruppe erhalten.

Morgan Heritage veröffentlichen Album um Album. Zudem bringen sie unter dem Titel "Morgan Heritage And Friends" eine Reihe von Compilations auf den Markt. Die Morgans nehmen mit Beres Hammond, Capleton, Luciano, Sly & Robbie, Gentleman, Toots And The Maytals, Anthony B., Jah Cure und vielen, vielen anderen Kollegen zusammen auf.

Vor allem aber erarbeiten sie sich einen Ruf als ganz exzellenter Live-Act. Bei ihren Auftritten steht gelegentlich Papa Denroy mit auf der Bühne. Häufig touren LMS, ein stärker Hip Hop-lastiges Projekt weiterer Morgan-Geschwister, im Schlepptau von Morgan Heritage, die als einziger Nicht-Punk-Act mehrfach im Rahmen der Vans Warped Tour unterwegs sind: "An der Seite von Acts wie Good Charlotte und Konsorten haben wir ganz neue Seiten an uns entdeckt."

Das erklärte Ziel von Morgan Heritage ist, einer neuen Generation von Reggaefans den Roots-Reggae wieder näher zu bringen, denn: "Roots ist des Rastamanns Gospel-Musik." Mit Einflüssen von R'n'B und Rock schlagen sie eine Brücke von der Vergangenheit in die Jetzt-Zeit. "Wir bringen Reggae, der rockt!", so die Selbsteinschätzung von Gramps. "Wir sind die royal family of reggae, eine Crew von fünf unabhängigen Künstlern mit einer Mission."

"Full Circle" von 2005 vereint Reggae mit Elementen aus Ska, Hip Hop und Latin-Musik: Die Sounds jamaikanischer Dancehall-Soundsystems, Brooklyns Boomboxes, von New Englands Pop-Radio und kalifornischer Punkrock-Moshpits finden hier zueinander. Damian Marley absolviert einen Gastauftritt, und LMS steuern gemeinsam mit Bounty Killer und Sizzla einen Dancehall-Remix bei.

2006 nimmt sich Una, die sich gemeinsam mit ihrem Vater um das Management der Band kümmert und der familieneigenen Plattenfirma vorsteht, eine Auszeit, um sich ihren Pflichten als mehrfache Mutter zu widmen. Morgan Heritage touren unterdessen ungebrochen weiter.

Im Frühjahr 2008 erscheint mit "Mission In Progress" das mittlerweile zehnte Studioalbum. "Wir haben versucht, unsere Bühnenpräsenz noch stärker in die Aufnahme für die Platte mit einfließen zu lassen", verkündet Una auf der MySpace-Seite der Formation. "Musikalisch wie inhaltlich handelt es sich um das aggressivste Album, das wir je aufgenommen haben."

Neben Eigenproduktionen stehen Beiträge von Shane Brown und Stephen McGregor, dem Sohn von Reggae-Legende Freddie. Als erste Single wird "Raid Rootz Dance" ausgekoppelt, eine Coverversion von "Blues Dance Raid" von Steel Pulse.

Im März 2008 besuchen Morgan Heritage auf ihrer Soundsystem-Tour auch ihre Fans in Deutschland. Die können sich vom Wahrheitsgehalt von Unas Aussage selbst ein Bild machen: "Es ist mit uns wie mit Wein, weißt du?", erklärte sie gegenüber jahworks.org. "Je älter, desto reichhaltiger, aromatischer und stärker."

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