Porträt

laut.de-Biographie

K-Nel

Sprache betrachtet K-Nel, "The Voice of Kenya", als seine schärfste Waffe: "Ich versuche, mein Deutsch immer weiter zu optimieren, genau wie Swahili und Englisch. Die Sprache ist mein Job and education is light!" Kiswahili hatte es zuvor bereits anderen angetan: Künstler wie Lionel Richie oder Michael Jackson ließen afrikanische Zeilen in ihre Songs einfließen. Der rappende DJ fusioniert seine Muttersprache mit dem allgegenwärtigen Englisch zu einem ganz eigenen Idiom und kreiert "Anglohili".

Bei der Wahl seines Vornamens bewiesen seine Eltern Geschick: Der Knabe, der am 7. April 1979 in der kenianischen Hauptstadt Nairobi das Licht der Welt erblickt, soll Nelson Mike Mithamo Muriuki heißen. "Ich heiße Nelson mit Vornamen", erklärt er Jahre später im Interview mit rappers-guide.com. "Meine Kumpels nannten mich immer Mandela. Darauf war ich besonders stolz. Nelson Mandela ist mein größtes Vorbild! Was dieser Mann für sein Land geleistet hat, ist einfach unbeschreiblich."

Zunächst fängt dieser Nelson allerdings klein an: mit vier Jahren als Sänger in einem Gospelchor. Die Liebe zur Musik treibt erste Blüten. Etwas später verfasst Schüler Nelson Gedichte und Theaterstücke und entdeckt dabei sein Talent für den Umgang mit Sprache. Auf der Highschool schließlich liefern Rap und R'n'B frische Inspiration: Nelson verfällt den Zeilen Tupac Shakurs und Biggie Smalls' genauso wie den sanfteren Tönen, wie sie etwa Boyz II Men parat haben. Als sein größtes musikalisches Vorbild führt er Jay-Z ins Feld.

Getreu seinem persönlichen Motto, den eigenen Wurzeln treu, aber gleichzeitig für Neues offen zu bleiben, kombiniert Nelson all diese Einflüsse mit der Musik seines Heimatlandes. In seinen Texten wechseln englische Zeilen mit Kiswahili: Nelson nennt seinen Sprach-Cocktail "Anglohili" und erhebt ihn zu seinem Markenzeichen. Sein erklärtes Ziel besteht darin, mit der Kombination aus der verbreitetsten Sprache Ostafrikas und der führenden Weltsprache sämtliche afrikanischen und anderen Nationen zu erreichen.

Das Jahr 1999 bringt einen entscheidenden Wendepunkt in Nelsons Leben. Er hat längst erkannt, dass der Schlüssel zu einer gesicherten Zukunft in einer soliden Ausbildung liegt: "Das Morgen gehört denen, die sich heute darauf vorbereiten." Nelson siedelt nach Deutschland über, um in Köln ein Wirtschaftsstudium aufzunehmen. Doch auch in der neuen Heimat lässt ihn die Musik nicht los: Allwöchentlich dreht er, inzwischen unter dem Alias K-Nel unterwegs, als Resident-DJ die Platten in einem Kölner Club.

Kontakte zu Kollegen ergeben sich so fast zwangsläufig. K-Nel arbeitet unter anderem mit DJ Mad von den Beginnern und DJ Physique aus den Reihen der X-Men Squad. Gemeinsam mit letzterem nimmt er um 2001 erste Tracks im Studio auf. Im Jahr darauf folgt das Mixtape "The Street Mixtape Vol. 1: We Ain't Playing". Auftritte im In- und Ausland schließen sich an.

"In Kenia, in Afrika im Allgemeinen, steht die Familie im Vordergrund", erinnert sich K-Nel im Gespräch an seine erste Zeit in Europa. "Diese Verbundenheit hat mir am Anfang hier in Deutschland gefehlt. Die Jugendlichen wachsen in Kenia anders auf, da sie früher auf sich alleine gestellt sind und dadurch früher Verantwortung tragen müssen. Dies hat mir sehr geholfen, mich am Anfang einzuleben." Offensichtlich hilft die Erziehung zur Selbständigkeit auch beim nächsten Karriereschritt: 2004 präsentiert K-Nel in Zusammenarbeit mit dem Produzenten D-Buss sein Debüt-Album. Unter den zahlreichen Gastkünstlern, die auf "The Middle Finger" in Erscheinung treten, befindet sich auch Metaphysics, einer der Söhne Mannheims.

K-Nel startet durch. Einer Club-Tour auf Ibiza schließen sich diverse Kollabo-Projekte mit verschiedenen DJ-Kollegen an. Unter anderem arbeitet K-Nel hier Hand in Hand mit DJ Tony von der G-Unit. Gemeinsam mit Horace Brown nimmt er den Song "Static Soldiers" auf. K-Nel steht in Köln bei den Feierlichkeiten zum kenianischen Unabhängigkeitstag auf der Bühne. Sein Aktionsradius erstreckt sich mittlerweile von Spanien bis nach Russland.

2006 zahlt sich der gute Kontakt zur G-Unit aus. K-Nel hostet deren Kölner After-Show-Party. "Alle waren da, außer 50 Cent, Lloyd Banks und Young Buck", schwelgt er in Erinnerungen. "Wir holten die ganze Crew im Hotel ab. Mase war da, Prodigy, Havoc, DJ Whoo Kid, Alchemist und M.O.P. Die Jungs waren sehr locker und wir haben viel erzählt. Als Havoc mich fragte, wo ich herkomme, und ich als Antwort 'from Kenya' sagte, war er kurzzeitig sprachlos. Er bat mich dann, eine kleine Freestlye-Session zu machen. Ich legte sofort los, und fing an auf Englisch und Swahili zu rappen. Sein Kommentar dazu war einfach nur 'Damn!'."

Für sein zweites Album "Voice Of Kenya" erfährt K-Nel Unterstützung seitens des Kölner Produzenten Enno Kremser. Dieser saß bereits für Künstler wie Patrice, Gentleman oder das weibliche Brothers Keepers-Pendant Sisters Keepers hinter dem Mischpult. Für den Background-Gesang verpflichtet K-Nel Mamadee, die unter anderem auf Erfahrungen mit Gentleman, Mellow Mark und Seeed zurück greift. "Voice Of Kenya" wird zunächst in Afrika veröffentlicht und schlägt dort wie eine Bombe ein.

Im Norden und Osten Afrikas beherrscht "Voice Of Kenya" die Playlists der großen Radio-Stationen. K-Nel gibt Interview um Interview und wird in diversen Magazinen porträtiert. Die Single "Mimi Ni Hustler" rangiert mehrere Wochen an der Spitze der Hitlisten und verweist Snoop Dogg und 50 Cent auf die Plätze. Im September 2007 erscheint der Longplayer auch international.

Mit einem bunten Gemischtwarenladen bestückt mit Rap, R'n'B, Reggae, Reggaeton, Kwaito, Latin, Rock und Weltmusik spricht K-Nel ganz unterschiedliche Hörerschaften an. Er selbst sieht sich als Bindeglied zwischen seiner alten und seiner neuen Heimat: "Ich möchte auf die Probleme in Afrika aufmerksam machen und gleichzeitig meinen Landsleuten Hoffnung, Optimismus und Mut vermitteln." Dabei bleibt jedoch der gesunde Egoismus nicht auf der Strecke: "Mein Ziel ist, international Erfolg zu haben, und nicht nur in Kenia!"

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