Porträt

laut.de-Biographie

Mellow Mark

Im Dezember 2011 ertönt die schockierende Nachricht: "Mellow Mark ist tot." Doch zum Heulen und Zähneklappern besteht trotzdem kein Anlass. In der Eröffnungsnummer seiner EP "Bye Bye Babylon" besingt Mellow Mark zwar das eigene Ende - zelebriert aber zugleich Trauerfeier, Leichenschmaus und seine eigene Wiederauferstehung. Nach Ausflügen in Singer/Songwriter-Gefilde hat er zurück in die Arme des Reggae gefunden.

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Schon seit 1994 ist Mellow Mark als Musiker mit verschiedenen Projekten am Start. Doch erst neun Jahre später steht sein Debüt-Album "Sturm" in den Plattenläden. Die Musik des vielseitigen Künstlers präsentiert eine Melange aus Hip Hop, Soul, Reggae und Gitarrensound. Er selbst nennt seinen Stil "seelenvolle Mellow-Musik".

Oft rappt Mark in seinen Songs über Missstände unserer Gesellschaft. Für ihn bleibt Revolution ein Thema, obwohl er sich nicht vorstellen kann, in der Politik zu arbeiten: "Ich bin halt kein Politiker. Ich möchte nicht sagen, ich habe die Lösung für die Probleme der Welt. Ich bin Musiker", erklärt Mark in einem Interview. Dennoch sieht sich der Hip Hop-Nomade fest in der Anti-Globalisierungs-Bewegung verankert.

Am 23. Mai 1974 erblickt der Wahl-Hamburger in Bayreuth das Licht der Welt. Bald schon begreift er, dass für ihn nur eine Karriere als Musiker in Frage kommt. Um ein bürgerliches Leben zu führen, kann er sich nicht stark genug an die Gesellschaft anpassen:

"Ich habe mit 15 angefangen, Musik zu machen und wollte auch nie etwas anderes tun. Außerdem hatte ich Schwierigkeiten in der Schule. Ich hatte irgendwie das Image des schwarzen Schafes und ich wurde es nicht los. In der zwölften Klasse hatte ich dann genug und habe mich ganz der Musik gewidmet. Ich hatte also praktisch gar keine andere Wahl."

Mit zwanzig gibt Mark Schlumberger sich den Namen Mellow Mark. Drei Jahre später zieht er in die Hansestadt Hamburg. Doch lange verweilt er nie in einer Wohnung, da er meist in der ganzen Welt unterwegs ist. Seit dem Jahr 2002 gibt er verschiedenste Live-Shows. Mal tourt er als Straßen-Musiker durch die Lande, aber auch gewöhnliche Bühnen-Gigs mit DJ und Co-Rapper stehen auf seinem Programm.

Im Oktober 2002 zieht der selbsternannte Krieger des Lichts mit der Saian Supa Crew durch ganz Deutschland. Zeitgleich bringt er seine EP "Revolution" auf den Markt. Doch den Höhepunkt 2002 stellen die 22 Gigs mit Gentleman, einem großen Vorbild Mellows, dar.

Auftritte in verschiedenen Ländern sind sehr wichtig für das Multi-Talent: "Wir haben auf Kuba gespielt, wir spielen in Russland im Herbst, wir versuchen, die Welt zu sehen und mit der Band herumzureisen, als musikalischer Botschafter zu fahren, um die Welt kennen zu lernen und nicht nur aus der Zeitung darüber zu lesen."

Dieser Fleiß zahlt sich wenige Monate später aus. Im Januar 2003 freut Mellow Mark sich über eine Nominierung zum Radio-Nachwuchspreis des ECHO. Als der Sänger die Auszeichnung kurze Zeit später in Empfang nehmen darf, reagiert er verblüfft: "Das war ein Online-Voting, da haben dann Leute gestimmt, die nicht wollten, dass Ben oder Yvonne Catterfeld gewinnen. Das ist ein gutes Zeichen."

Mellow Mark - L.I.E.B.E. Live
Mellow Mark L.I.E.B.E. Live
Zu viel für die Straße, zu wenig für den Club.
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Die Veröffentlichung der Single "Weltweit" läuft dagegen nicht ganz so reibungslos ab. Wegen der Ereignisse des elften Septembers kann Mellow den Song vorerst nur im Internet unter das Volk bringen. "Ich habe ihn auf unsere Aktivisten-Website www.freedom-of-speech.info gestellt. Das ist ein Diskussionsforum, wo Menschen über das politische Geschehen und die Meinungsfreiheit diskutieren. Ich habe die Website ins Leben gerufen, als Bush gesagt hat: 'Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns', eine erschreckend undemokratische Aussage", gibt er seine Meinung zum viel diskutierten Thema preis.

Im Jahr 2003 veröffentlicht der rappende Sänger, Gitarrist und Drummer endlich sein Debüt-Album "Sturm". Fans mussten mit viel Geduld auf diese erste Platte warten. Doch nun wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Schon im folgenden Jahr veröffentlicht MLO seinen zweiten Silberling "Das 5te Element". Seiner Ansicht nach handelt es sich dabei um "eine Fortsetzung (seiner) ersten Platte, auf der sehr viele Protestsongs drauf waren".

Auch die Macher der German Reggae Awards finden die Scheibe gut: Mellow Mark erhält 2005 den Preis für das beste Reggae-Album. In dieser Zeit ist der Sänger viel auf Reisen. Unter anderem bereist er Russland und Griechenland, immer auf der Suche nach Antworten, wie er selbst auf seiner Homepage sagt. Zwischendurch heirat Mellow Mark, die Ehe mit einer Kubanerin zerbricht aber.

2007 hat Mellow Mark - vorerst - seinen Seelenfrieden gefunden, sich seiner Dreadlocks entledigt und sein viertes Album fertig gestellt. "Metropolis" soll eine Weiterentwicklung zu den Vorgänger-Alben darstellen und dem Hörer einen Einblick in das Seelenleben des Sängers geben: Statt traditionellem Reggae dominieren inzwischen Singer/Songwriter-Elemente Mellow Marks Sound.

Doch seine Suche endet mitnichten an dieser Station. Mellow Mark sucht spirituelle Antworten auf die großen Fragen des Lebens, konvertiert zum Islam, wird Vater. Gemeinsam mit Kollegen Pyro veröffentlicht er 2009 das Kollabo-Album "Ratz Fatz Peng". Im, gleichen Jahr erscheint seine erste DVD "Mellow Maroc Live & Unplugged".

Einem gemeinsamen Song mit Kimoe im Sommer 2011 folgt Ende des Jahres ein neuerliches Lebenszeichen: Die EP "Bye Bye Babylon" birgt - der Titel lässt es vermuten - wieder lupenreinen Roots-Reggae.

Unverändert legt Mellow Mark aber das Gewicht auf Inhalte: "Stirb, bevor du stirbst", singt er in "Mellow Mark Ist Tot". "Nimm dein Schicksal in die Hand. Mach' dich frei von Illusionen. Komm', benutz' deinen Verstand!"

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