Porträt

laut.de-Biographie

Kimoe

"Glück kann man nur haben, wenn man all seine Energien abruft. Sich auf einen Punkt konzentriert und alles dafür gibt." Dass sich mit einer solchen Einstellung allerlei erreichen lässt, beweist der Berliner Reggae- und Dancehall-Künstler Kimoe seit Mitte der 90er Jahre. Zu einer Zeit, da in Deutschland im Grunde noch gar keine Szene für jamaikanische Musik existiert, mischt er bereits mittendrin mit.

Dabei gehört Kimoes Herz zunächst einer ganz anderen Musikrichtung: "Ich bin mit Hip Hop aufgewachsen, das war Teil meiner Jugend", erinnert er sich im Interview mit dem Magazin Big Up!, dessen Cover er 2008 ziert. "Ich habe schon immer gesungen, erst auf Hip Hop-Beats, dann auf Reggae-Riddims."

"Mir geht es darum, mich selbst zu verwirklichen, meine Gedanken und Gefühle in Songs umzusetzen", erklärt Kimoe gegenüber allesreal.de. "Ich singe meine Songs und ich schreibe meine Songs, also bin ich in erster Linie Sänger & Songwriter. Ich möchte mir da selbst keine Schranken setzen." Neben Reggae und Dancehall beeinflusst die Liebe zum Soul seine Nummern.

"Hip Hop ist trotzdem immer irgendwo in meinem Herzen, wie eine Jugendliebe. Nur, dass man sich halt in den Jahren in vielen Gesichtspunkten auseinander gelebt hat." Gegenüber berlin030.de führt er aus: "Viele Leute, gerade im Hip Hop, beschweren sich immer nur, wie scheiße alles ist, anstatt sich einfach mal anzustrengen und den Arsch hochzukriegen."

Kimoe wählt einen anderen Weg: "Mir hat die Art von Rio Reiser gefallen, in seinen Texten Missstände aufzugreifen, aber im Refrain immer wieder dieses Gefühl zu geben, 'Hey, gemeinsam schaffen wir das!' ... Gerade Leute in meinem Alter haben Zukunftsängste oder Stress im Job, da finde ich es wichtig, ihnen etwas positive Energie zu geben und sie wieder aufzubauen." (Big Up!)

Nur ganz zu Anfang versucht er sich an englischen Texten. Bald erkennt Kimoe aber, dass er so nicht weiter kommt. "Irgendwann hat man einfach das Gefühl, wirklich etwas sagen zu wollen, und nicht nur Musik der Musik wegen zu machen. Ab dem Punkt wird man sich sicherlich dafür entscheiden, Musik in seiner Muttersprache zu machen, oder man ist halt so fit wie ein Gentleman."

Erste Auftritte machen Spaß und finden Anklang. So richtig platzt der Knoten allerdings erst, als Kimoe 1998 Ganjaman kennen lernt. Mit ihm zusammen schlittert er endgültig in Richtung Reggae und Modern Roots. Seit 2003 zählt Kimoe zur festen Besetzung von Ganjamans Projekt Die Brandstifter. Auf deren gleichnamigen Veröffentlichung ist er mit zwei Tunes vertreten.

Kimoe liefert Beiträge zu etlichen Samplern und Selections und kollaboriert mit verschiedenen Kollegen, darunter Pyranja, Jah Meek, Sebastian Hämer, Benjie, Dodo sowie die befreundeten Herrschaften von Culcha Candela.

Die Arbeit an der ersten Solo-EP nimmt viel Zeit in Anspruch, zumal Kimoe ganz nebenbei einem Broterwerb nachgehen muss. "Ich bin teilweise direkt von der Arbeit zu Greg ins Studio. Dort haben wir an Songs gebastelt, manchmal bis spät in die Nacht. Dann hab' ich meistens direkt dort geschlafen und bin morgens zurück ins Büro."

Greg Danielz trägt die Verantwortung für die Produktion des fünf Tracks starken Debüts "Ein neuer Morgen", das gleich vier Featuregäste auffährt: Pyranja, Ganjaman und Dra-Q mischen mit, und noch einer, mit dem man nicht unbedingt gerechnet hätte: "Ich kiffe zum Beispiel gar nicht. Ich rauche nicht einmal" zitiert motor.de Kimoes Kommentare zu "Clap Ya Hands". "Es ist einfach nur eine Party-Nummer und wer wäre dafür besser geeignet, als der Inbegriff für Party: Harris?"

Bis zur Veröffentlichung eines Albums in voller Länge zieht es sich gewaltig hin. Kimoe bleibt, auch wenn seine Diskografie einen solchen Schluss nahe legt, in der Zwischenzeit keineswegs untätig. Er erackert sich mittels zahlloser Gigs, unter anderem als Support von Turbulence, Culcha Candela, der Freestylers und Sean Paul, einen Ruf als exzellenter Live-Künstler. Zusammen mit Greg Danielz wird er remixend tätig.

Letzterer befindet sich selbstredend auch beim Album-Debüt, fertig gestellt im Sommer 2008, mit im Boot. Zudem helfen der alte Mit-Brandstifter Ganjaman, Sam Gilly von House of Riddim und andere an den Reglern. Am Mic stehen Kimoe Jah Meek, Mal Elevé von den Heidelberger Irie Révoltés, Miss Flint und Dra-Q, Mr. Reedoo, Johnny Strange und Dodo aus der Schweiz bei.

Womit wir wieder am Anfang angelangt wären: "Glück kann man nur haben, wenn man all seine Energien abruft. Sich auf einen Punkt konzentriert und alles dafür gibt", zitiert berlin030.de Kimoe. "Deshalb heißt meine Album 'Streben nach Glück'. Ich habe alles dafür getan. Mehr ging nicht. Jetzt müssen die Leute entscheiden, was daraus wird."

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