Porträt

laut.de-Biographie

Dodo

Die Ganglords, die Scrucialists, Phenomden. Das Reggaefieber hat die Eidgenossenschaft wahrlich fest im Griff. Roots und Ragga aus der Schweiz haben ohnehin bereits einen guten Klang. Mit Dodo erhebt ein weiterer Mundart-Künstler Schwyzerdütsch zum Patois Europas. Dabei erlangt Dominik Jud landesweite Bekanntschaft in einem ganz anderen Kontext.

Zunächst einmal kommt er aber zur Welt, und das nicht, wie es sich für einen Schweizerbuben geziemt, in Alpennähe sondern unter sengender afrikanischer Sonne: Dominiks Vater ist bei einem namhaften schweizerischen Lebensmittelkonzern beschäftigt. 1977 lebt die Familie in Nairobi, Kenia. Dort und in Abidjan an der Elfenbeinküste verbringt Dominik seine Kindheit, bis es seine Eltern 1983 zurück in die Heimat zieht.

Dominik, kurz Dodo gerufen, behält aus diesen ersten Jahren eine Vorliebe für afrikanische Klänge und Trommeln zurück. Trotzdem lernt er Klavier spielen. Eine gute Entscheidung, wie sich zeigen soll. Im Studio seines Klavierlehrers machen er und sein Freund, der drei Jahre ältere Thomas Gassmann, erste Erfahrungen mit Samplern und Computern. 1994 gründen sie eine Band und treten in Jugendhäusern und Schulen auf.

Gemeinsam mit Thomas aka Mec2Rue singt und rappt Dodo in verschiedenen Formationen. Auf Da Bantus und Drüüde Poeten folgen 1997 Heimlich Pheiss mit Martin "Ämgee" Geisser und Samuel "Tex" Textor. Dodo erhält den Beinamen Goldmuul. An den Reglern und Plattentellern der drei MCs steht, wie kann es anders sein, Mec2Rue. Im Juni 1999 will man es wissen: Komplett in Eigenregie produziert und vertreibt die Crew ihre Debüt-EP "Schtrassefäger" in einer Auflage von 500 Vinylplatten. Bei aightgenossen.ch urteilt man über das drei Tracks und zwei Remixe umfassende Werk: "Eine gelungene Maxi, die den "Robinsong" vergessen macht."

Bitte, was? Mit dem gescholtenen "Robinsong" wären wir an besagtem Punkt mit der landesweiten Bekanntheit angelangt. Diese verschafft sich Dodo weniger über seine Musik als über seine Teilnahme an "Expedition Robinson" im Herbst 1999. Bei dem Format handelt es sich um eine Reality-Show des Schweizer Privatsenders TV3. Nicht ganz ohne Grund stellt TV3 nach nur drei Jahren nicht nur "Expedition Robinson" sondern gleich den Sendebetrieb ein. Eine bereits abgedrehte dritte Staffel wird erst gar nicht mehr ausgestrahlt - sehr zur Freude von Kritikern und Tierschützern, denen die Show (ähnlich dem deutschen Dschungelcamp "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!") ein Dorn im Auge ist.

Dodo kanns egal sein, er hatte seinen Auftritt und vermarktet den nach seiner Abwahl unter Mithilfe von Mec2Rue in seinem "Robinsong", der die Schweizer Charts stürmt. Die Nummer erscheint bei Warner, deren Aufmerksamkeit wohl auch Dodos TV-Präsenz zu danken ist. In den Reihen von Heimlich Pheiss herrscht derweil Uneinigkeit. Während sich Dodo und Mec2Rue einem breiteren Publikum annähern möchten, lehnen Dodos Mikrofonkollegen Ämgee und Tex solches ab. Die Crew schrumpft zum Duo und nennt sich fortan Doppelganger.

Die Doppelganger veröffentlichen - immer noch unter dem Dach von Warner - im August 2000 ihr Album "Hörspiel" mit der Singleauskopplung "Wieso". Im Frühjahr gründen sie zur Unterstützung ihrer Live-Shows eine Backing-Band. Die Bushfire Band besteht im Rahmen einer Friedensdemo in Zürich im September ihre Feuertaufe. Bei Warner stößt die zunehmende Entwicklung vom Hip Hop hin zum Reggae und Dancehall auf wenig Begeisterung. Vermutlich tun die Verkaufszahlen von "Hörspiel" das Ihrige dazu: Ende 2001 kündigt die Plattenfirma den beiden Doppelgangern die Zusammenarbeit auf.

Dennoch erscheint ein weiteres Album. Mit verständlicher Verzögerung zwar, doch immerhin: Dodo und Mec2Rue stellen ihre raggalastige Nachfolge-LP auf eigene Rechnung im ebenso eigenen Success Club Studio fertig. "Original" steht ab September 2002 in den Plattenläden der Schweiz, die beiden Singles "Campari Soda" und "Nöd Jede" werden ganz ordentlich im Radio gespielt.

Seit 2004 ist Dodo wieder solo unterwegs. Er hat den Schritt vom Hip Hop zum Reggae vollzogen, singt als Gastsänger bei K&K Soundsystem, Bensch, den Krümelmonstaz und Drüklang und tritt in Begleitung von Selector Blaze Monkey und seiner Backgroundsänger bei Konzerten und Festivals in der Schweiz und im benachbarten Deutschland auf. Seine Interpretation von Tekas "Crystal Woman"-Riddim taucht unter dem Titel "Schnee Vo Geschter" auf dem zugehörigen One-Riddim-Sampler sowie der Compilation "reggae.ch" auf.

Im Sommer 2006 schürt die Single "Vo De Berge" die Hoffnung auf ein Dodo-Album. Der Tune erscheint - wie sich das gehört - in klassischem 7"-Vinyl-Format und präsentiert der Welt erstmalig den Mountain-Riddim Firereds, eines in Zürich lebenden Jamaikaners. Zur nächsten Nummer "Din Pulli" gibt es dann auch einen Video-Clip. "Endlich" erlebt Ende September in Zürich seine Release-Party. Ab November ist das Werk in Deutschland erhältlich. "Ich habe drei Jahre lang fast täglich daran gearbeitet." Klar, dass man es dann mit einem sehr persönlichen Album zu tun bekommt. Die Texte stammen sämtlich aus Dodos Feder. Darüber hinaus produziert er einige Riddims ("Mis Ding", "Usrede") selbst. Andere Instrumentals stammen von Teka, House Of Riddim oder Payaz. Neben Rebellion The Recaller aus Gambia und dem Schweizer Shooting-Star Cali P geht mit Nosliw auch ein deutscher Kollege an den Start.

Alben

Dodo - Endlich: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2006 Endlich

Kritik von Dani Fromm

Zürich scheint von Zion nur einen Katzensprung entfernt. (0 Kommentare)

Videos

Video Video wird geladen ...

Noch keine Kommentare