Porträt

laut.de-Biographie

Phenomden

Es gibt viele gute Gründe, die Schweiz zu lieben: Berge, Kühe, Alphörner, Kräuterzucker, freundliches Bergvolk ... Der phänomenale Dennis Furrer, kurz Phenomden, setzt noch einen obendrauf: Er präsentiert das erste eidgenössische Mundart-Reggae-Album überhaupt. Jamaikanische Volksmusik könnte sich - neben Käse und Schokolade - zum schweizerischen Exportschlager entwickeln.

Was treibt einen Knaben aus Wiedikon zu einer solchen Pioniertat? Zunächst einmal bedarf es einer gewachsenen Liebe zur Musik. Geboren am 18. Juli 1980 in Adliswil singt Dennis schon als Kind gemeinsam mit seinen Brüdern, dem Vater und dessen Freund Lagerfeuerlieder. Mit dieser Nummer treten sie nicht nur im eigenen Garten auf: Auch bei Festen in Restaurants, auf Campingplätzen und (in der Schweiz!) in Skihütten ist der musizierende Familienverband zu hören.

Mit 13 Jahren ist für Dennis damit Schluss. Er infiziert sich böse mit dem Hip Hop-Virus, ab sofort ist Rap angesagt. Dennis gründet 1993 die Hip Hop-Truppe "Rebels", die mit schweizerdeutschem Rap die Parties und Jugendzentren der Gegend unsicher macht. Etwa drei Jahre lang. Dennis ist 16, als er zum einen diverse Freestyle-Abende bestreitet, und zum anderen wieder ganz traditionell zu "richtigen Instrumenten" greift: Er spielt als Bassist für schweizer Rap-Bands.

Vom Hip Hop zum Reggae ist es häufig gar nicht weit, besonders nicht, wenn der Selector im Nachbarzimmer wohnt. Dennis' Freund und WG-Genosse ist Silokko, der für die Zürcher Vibes Galaxy die Platten dreht. Die Saat geht auf, der rot-gelb-grüne Jamaica-Sound erwischt auch Dennis. Erste dahingehende Studio- und Live-Erfahrungen sammelt er als Sänger der Hillside Possee.

Phenomden nimmt ein Demotape auf und spielt das in die Hände der Ganglords, deren Ruf längst weit über die Zürcher Kantonsgrenzen hinausreicht. Die Ganglords sind auch auf Jamaika ein Begriff; Kollabos mit Legenden wie Gregory Isaacs und Max Romeo belegen das. Phenomdens Stil gefällt. Er wird zu einer Studiosession gebeten.

Unter der Regie der Ganglords entsteht 2004 Phenomdens erste Single, "Cha Nüd Defür". Der Bonx-It-Riddim-Tune nimmt die Dancehalls in und um Zürich im Sturm, taucht auf dem Nation-Music-Sampler und wenig später auch auf der Dancehall-Fieber-Compilation auf. Radio FM4 bringt den Song in die Airplay-Top-Ten.

Phenomdes Albumdebüt "Fang Ah" erscheint 2005. An der Produktion ist die erste Garde der deutschen und schweizerischen Reggae-Szene beteiligt: Die Townnet Crew, die Scrucialists und die Ganglords haben ebenso ihre Finger im Spiel wie Pow Pow, Silly Walks, Ire Hi-Fi, Rootdown und Germaican Records. Dazu eine Kollabo mit Don Rico vom italienischen Sudsoundsystem - wer kann dazu schon nein sagen?

Mit den Scrucialists im Rücken begibt sich Phenomden auf Tour und begeistert als energiegeladenes Bühnenviech, als grandioser Entertainer und als Geschichtenerzähler. Er verwurstet in seinen Tunes alltägliche Kleinigkeiten, Probleme, Gefühle und Wünsche.

Das Jahr 2006 beginnt mit einer frischen Single-Veröffentlichung: Wieder sind es die Scrucialists, die Phenomden auf "Polizischte!" zur Seite stehen. Der Riddim entzückt auch ur-jamaikanische Künstler: Burro Banton & Pinchers, Ras Charmer und Ward 21 nehmen ebenfalls eine Version auf.

Phenomden, der sich nebenbei als Comic-Zeichner betätigt und für seinen Animations-Kurzfilm "Birdy" diverse Preise abgreift, hat sich für den Sommer ein neues Ziel gesetzt: Er verpasst sich (in Anlehnung an zahlreiche Künstler dieser Ära) den Alias Phenom Melody und lässt klassischen digitalen Riddims, wie sie in der zweiten Hälfte der 80er Jahre die Dancehalls beherrschten, eine Renaissance angedeihen.

Das zugehörige Album "Style-Generator" erscheint in der Schweiz Mitte Juli 2007. Wenig später ist es auch in Deutschland zu haben. An Phenom Melodys Seite feiert DJ Stereo Luchs seinen Einstand auf dem Reggae-Parkett. Klassiker von King Jammy's und Konsorten stehen neben Produktionen aus dem schweizerischen One Drop-Studio. Der phänomenale Dennis Furrer selbst nähert sich gesanglich seinen Vorbildern Tenor Saw und Sugar Minott an. Zuweilen ein wenig cheesy - doch wer möchte das einem charmanten Eidgenossen schon verübeln?

Nach "Gangdalang", das 2008 erscheint, und ausufernden Touren zum Album nimmt sich Phenomden eine Auszeit. Über ein Jahr lang treibt er sich in der Weltgeschichte - insbesondere natürlich auf Jamaika - herum, sammelt Erfahrungen und Eindrücke. Die fließen nach seiner Heimkehr in die Schweiz in das komplett in Zusammenarbeit mit den Scrucialists aufgenommene Album "Eiland".

Die Position, die im deutschen Reggae Jan Delay gebührt, übernimmt Phenomden als erster Mundart-Sing-Jay bei unseren eidgenössischen Nachbarn. Die Frage "Wer hat's erfunden?" dürfte damit hinlänglich beantwortet sein.

Alben

Phenomden - Eiland: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2011 Eiland

Kritik von Dani Fromm

Immer noch voll besessen vom Mundart-Reggae. (0 Kommentare)

Phenomden - Fang Ah: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2005 Fang Ah

Kritik von Dani Fromm

Der schweizer Jan Delay hat Roots wie ein großer Baum. (0 Kommentare)

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