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"Haut les bras, les rebelles sont là!" Warum Schlachtruf und Texte nicht mal weitgehend in französischer Sprache halten? Von Heidelberg, wo die Irie Révoltés ihren Siegeszug durch die deutsche Reggae- und Dancehall-Szene antreten, ist es bis zur Grenze schließlich nicht allzu weit.
"Ich bin zweisprachig aufgewachsen", erklärt Pablo 'Mal Éléve' Charlemoine die Herkunft der überwiegend französischen Texte. "Anfangs war ich der einzige Sänger, und mir fiel es in dieser Sprache leichter, Texte zu schreiben."
Zu Beginn ahnt noch niemand, zu welcher Lawine sich die Proben für einen Auftritt in einem Jugendzentrum entwickeln sollen. Mal Éléve und Schlagzeuger Felix 'Flex' Mussell, die zuvor gemeinsam in einer Punk-Band Krawall schlagen, schließen sich mit Mal Éléves ebenfalls singendem Bruder Carlos 'Carlito' und dem Saxophonisten Tobias Bär zusammen.
Mit einem Gitarristen und Bassmann Conrad 'Conriot' Sievers bereiten sie sich 2000 auf die Geburtstagsfeier des Letztgenannten vor. Die Nacht wird ein durchschlagender Erfolg. Die gebotene Mischung aus Ska, Reggae, Dancehall und Hip Hop mit französichen und deutschen Lyrics zündet. Allen Beteiligten ist klar: Das kanns noch nicht gewesen sein.
Im Gegenteil: Die Combo wächst auf neun Mitglieder an, absolviert im Rahmen der Heidelberger Theatertage ihren ersten "offiziellen" Auftritt und spielt sich fortan durch Jugendzentren und Clubs in und um die Heimatstadt.
Mit überwältigenden 84 Prozent der Stimmen erreichen die Irie Révoltés das Finale eines Heidelberger Talentwettbewerbs. Den Termin verpassen sie zwar anderer Verpflichtungen wegen. 2001 finden sie sich trotzdem bereits vor Seeed und Jan Delay auf der Festivalbühne wieder.
Neben der Partytauglichkeit liegen den Irie Révoltés die Inhalte extrem am Herzen. Sämtlich politisch engagiert wenden sich die Bandmitglieder gegen Diskriminierung jeder Art, Ausbeutung und Konsumwahn.
"Wir wollen einen Gegenpol bilden zu den dominierenden 'Ficken, Frauen, Ärsche, verbrennt die Schwulen'-Texten im Reggae/Dancehall und auch im Hip Hop", betont Mal Éléve gegenüber irirites.de.
Auftritten in ganz Deutschland folgt mit "Les Deux Côtés" 2003 das erste Album. Zeitgründe erzwingen im Anschluss jedoch diverse Wechsel im Line-Up. Neben den Genannten verbleiben Rapper Andreas 'Silence' Spreier, Tobias 'idoT' Osten an der Gitarre und Michael Comba an der Trompete. Die Keyboards übernimmt Christian Comba.
Die erste Tour 2004 setzt den Startschuss für einen wahren Konzertmarathon. Die folgenden Jahre befinden sich die Irie Révoltés im Grunde durchgehend auf Tour. Dass die Hälfte der Crew mittlerweile in Berlin, der Rest über ganz Deutschland verstreut lebt, fällt angesichts dessen kaum ins Gewicht. Umso beeindruckender, dass dem Neuner genug Zeit zur Albumproduktion bleibt: 2006 erscheint der gefeierte Zweitling "Voyage".
Gäste am Mikrofon sind bei den Irie Révoltés gern gesehen. Unter anderem kollaborieren sie mit dem Karlsruher Rapper Chaoze One, mit Paco Mendoza und dem Heidelberger Urgestein Toni L.
Ganz ohne Featuregäste, dafür mit einem deutlich gestiegenen Anteil deutscher Texte kommt die Band 2010 mit der dritten Platte "Mouvement Mondial" um die Ecke. "Die Texte sollen bei mehr Leuten ankommen. Die Verständlichkeit der Inhalte ist echt der Hauptgrund für die Veränderung, weil sie uns eben extrem wichtig sind", erklärt Sänger Carlito gegenüber der Studentenzeitung Ruprecht.
Dem Viertling "Allez" (2013) geht im Mai 2012 nach zwölf Jahren Bandgeschichte die erste Live-DVD voraus. Neben dem Mitschnitt eines explosiven Auftrittes im Mannheimer Capitol enthält diese einen 50-minütigen Dokumentarfilm. Dieser portraitiert nicht nur die schöne Geschichte, sondern auch das unermüdliche politische Engagement der Band.
Denn dieses lassen sich die Heidelberger bei aller Umtriebigkeit nicht nehmen. Immer wieder treten sie im Rahmen von Demos auf. Mal Éléve ist Mitbegründer des Vereins "Rollis für Afrika e.V.", die Initiative "Kein Platz für Rassismus" unterstützen sie mit dem Song "Viel Zu Tun". Ihr Motto bleibt gewahrt: "Nous restons critiques."
Über Schwulenhass nicht nur im Reggae, politischen Widerstand und Polizeigewalt in Stuttgart.
Irie Révoltés über Unzufriedenheit mit dem eigenen Schaffen, Homophobie, politischen Aktivismus und die konservative deutsche Reggae-Szene.
Nach vier Jahren Arbeit haben sich die Irie Révoltés mit "Mouvement Mondial" eindrucksvoll zurückgemeldet. Ihre sowohl musikalische als auch inhaltliche Entschlossenheit zeigte sich auch im Gespräch mit dem französischstämmigen Sänger- und Brüderpaar.
Direkt vom Soundcheck zum 40-minütigen Telefoninterview? Kein Problem. Mal Élevé und Carlito, hauptverantwortlich für die politischen Texte und den hohen Wiedererkennungswert der Band, zeigen sich freundlich und entspannt. Trotz Tourstress ergibt sich ein ausführliches und interessantes Gespräch.
Im Booklet eures neuen Albums ist bei jedem Song euer Produzent Don Krutscho als musikalischer Hauptsongwriter angegeben. Inwiefern hat sich die Band am komponieren der neuen Stücke beteiligt?
Carlito: Natürlich haben die Sänger alle ihre Texte geschrieben, mal alleine mal zusammen. Bei den Kompositionen waren wir eigentlich halb-halb beteiligt. Krutscho und wir haben die ganzen Sachen zusammen ausgefeilt aber dadurch, dass er der Produzent ist, steht nur er drin. Es wäre einfach aus Platzgründen nicht möglich gewesen, jeden hinzuschreiben. Also haben wir uns einfach so geeinigt.
Bereits für Herbst 2009 hattet ihr euer neues Album angekündigt und die Vorabsingle "Zeit ist Geld" veröffentlicht. Was genau hat euch dazu veranlasst, noch weiter zu arbeiten und den Release um ein ganzes Jahr zu verschieben?
Carlito: Erstmal ging es uns darum, dass der Sound noch nicht ganz so war, wie wir ihn gerne hätten. Wir waren da noch nicht so ganz zufrieden. Zudem wollten wir erstmal schauen, ob wir das Album alleine rausbringen oder ob wir einen guten Partner finden, der uns so nimmt wie wir sind und bei dem wir alle Entscheidungen selbst fällen können. Dann haben wir irgendwann angefangen, mit Ferryhouse zu sprechen und haben gemerkt, dass die eigentlich genau zu uns passen beziehungsweise wir zu ihnen. Dabei ist eine coole Zusammenarbeit entstanden. Sowas dauert einfach immer eine Weile und das war auch der Hauptgrund dafür, dass es jetzt nochmal fast ein Jahr gedauert hat.
Wann habt ihr angefangen, am neuen Album zu schreiben und zu arbeiten? Was hat so viel Zeit beansprucht?
Mal Élevé: Angefangen haben wir eigentlich schon direkt nach Voyage, immer in kleinen Etappen sozusagen. Dass es so lange gedauert hat, hatte mit ganz verschiedenen Faktoren zu tun. Wir waren einfach lange nicht zufrieden und deswegen hat es sich über die Jahre hinweg gezogen. Irgendwann haben wir natürlich auch gesagt, dass es langsam wirklich Zeit wird weil 4 Jahre nicht gerade wenig sind. Auf der anderen Seite hat "Voyage" auch 3 Jahre gebraucht. Wir waren als Band in der Zeit ja trotzdem aktiv, sind weiterhin auf Tour gegangen sind, haben Aktionen gemacht und haben immer wieder kleine Sachen veröffentlicht. Dadurch war es nicht so, dass wir einfach vier Jahre von der Bildfläche verschwunden waren, sondern es hat einfach nur mit dem Album so lange gedauert.
Was hat sich aus musikalischer Sicht seit Voyage bei euch geändert? Was genau wolltet ihr beim neuen Album verbessern, um euer bisheriges Schaffen zu übertreffen?
Carlito: Es hat sich viel live getan. Jeder, der uns live kennt, weiß, dass wir sehr viel ausprobieren. Wenn man uns einmal sieht und das nächste Mal wieder, ist vieles anders. Wir arrangieren die Stücke neu und versuchen immer neue Sachen. So hat sich der Irie-Sound sowieso immer weiterentwickelt und bleibt nie auf einer Stelle. Mit diesem Album haben wir versucht, die Energie, die wir live rüberbringen auf eine andere Art in die Boxen zu bekommen. Das war echt nicht sehr einfach. Deswegen haben wir wie gesagt auch so lange gebraucht. Entweder man macht ein komplettes Live-Album, was wir nicht unbedingt machen wollen, oder man versucht es halt anders. Das ist der Ansatz bei "Mouvement Mondial". Der Sound ist eher ein wenig Synthie-lastiger und wir haben ein paar verzerrte Gitarren mit reingenommen, um eben diesen Druck zu bekommen. Das ist das musikalische Konzept gewesen und ich denke das ist ganz gut gelungen. Es ist anders aber es geht fett nach vorne und hat viel Druck. Wenn wir mal wieder ein Album machen sollten, kann das wieder ganz anders klingen. Wir wollen auf jeden Fall weitergehen und nicht stehen bleiben.
Ihr habt als als Band einen einzigartigen Stil entwickelt, der sich kaum an andere Künstler anlehnt. Da stellt sich die Frage, aus welchen Richtungen ihr eigentlich alle kommt und was ihr selbst für Musikstile bevorzugt.
Mal Élevé: Es ist eine Mischung aus ganz vielen verschiedenen Dingen, wir sind ja neun Leute. Man merkt natürlich, dass es viele Reggae- und Hip-Hop-Einflüsse gibt. Einige von uns hören mehr R'n'B, Soul oder auch Punk. Eigentlich ist echt von allen Musikrichtungen was dabei. Wir haben ganz verschiedene Geschmäcker, aus deren Mischung dann der Irie-Sound entstanden ist.
Im Gegensatz zu anderen Bands mit ähnlich hoher Mitgliederzahl verzichtet euer Sound fast komplett auf Soloparts einzelner Instrumentalisten. Hat das spezielle Gründe?
Carlito: Eigentlich nicht wirklich, eigentlich lieben wir Soli. In unseren Shows haben wir dann mehr Soli in unserem Set drin. Auf dem Album hat es sich einfach nicht ergeben, es ist schwer zu sagen warum.
Gibt es unter euch ein Mitglied, das man als musikalisches Herz der Band bezeichnen könnte?
Carlito: Mal Élevé auf jeden Fall.
Charakteristisch für den Irie Révoltés-Stil ist besonders das Gesangsduo, das aus euch beiden besteht. Wie seid ihr zur Musik gekommen und wie habt ihr diesen einzigartige Kombination entwickelt?
Carlito: Ich denke wir wurden durch unseren Vater 'musikalisiert'. Der spielt Gitarre und hat in unserer Kindheit viel mit uns gesungen. Dann haben wir uns in jugendlicher Zeit, was Musikgeschmack betrifft, ziemlich auseinander entwickelt. Mal Élevé hat eher Punk gehört und ich war eher Soul- und Hip-Hop-lastig unterwegs. So haben sich auch unsere Styles entwickelt. Mal Élevé ist dann zu Ska und Reggae gekommen und hat dadurch eher Ragga-Einflüsse. Ich bin eben eher zu meiner eher souligen Gesangsart gekommen, oder wie man es auch immer nennen will. Es war jetzt nicht so, dass wir nichts miteinander zu tun hatten, wir hatten einfach nur verschiedene Geschmäcker. Bei Irie Révoltés ist dann quasi beides wieder zusammengeflossen.
Die Tatsache dass ihr zu neunt seid, lässt vermuten, dass ihr euch mit Jobs euren Lebensunterhalt verdienen müsst. Wie seid ihr beschäftigt?
Mal Élevé: Das ist ganz unterschiedlich. Jeder macht nebenbei noch so ein eigenes Ding. Entweder studiert er oder er jobbt und einer hat schon einen festen Beruf. Wir versuchen natürlich teilweise auch durch die Band Geld reinzukriegen aber ganz reicht es natürlich nicht aus.
Carlito: Es hat beides seine Vorzüge, ich ziehe keines von beidem vor. Es ist jedes Jahr so, dass ich mich extrem auf die Festivals freue, wenn der Frühling kommt. Die ganze Festivalstimmung ist ja so eine eigene Welt. Die Leute vergessen ihren Alltag, es sind viele Leute da und es gibt viel zu sehen. Auch wir können natürlich Bands sehen, die wir selbst hart feiern. Vor einem Riesenpublikum zu spielen ist natürlich auch immer spannend. Aber jedes Jahr gegen Ende der Festivalsaison denke ich dann auch wieder: So geil und so groß es ist, nervt es auch, wenn die Leute immer so weit weg sind. Dann ist es immer um so geiler, in die Clubs zurückzukommen und wieder richtig den Schweiß zu spüren, der von der Decke auf uns heruntertropft. Wenn die Leute mitsingen, kommt es einfach viel direkter an und es ist einfach eine ganz andere Stimmung. Deswegen würde ich sagen, dass beides extrem geil ist. Der Wechsel zwischen beiden Sachen ist das Wichtigste.
Ihr seid schon öfters außerhalb Deutschlands auf Tour gewesen. Wo seid ihr bisher am besten angekommen? Wart ihr auch schon im Land eurer Muttersprache, Frankreich?
Mal Élevé: Definitiv am besten angekommen sind wir in Tschechien. Da spielen wir einfach auf den krassesten Festivals und bei den Clubshows ist Prag immer ein Highlight. In der Slowakei waren wir letzten Sommer das erste Mal und haben auf einem Festival in Bratislava gespielt. Das war auch richtig geil, da geht es fast am meisten ab. In Frankreich haben wir einmal eine kleine Tour gemacht. Das war bis auf ein ziemlich cooles Festivals in der Nähe von Bordeaux nicht so gut. Wir hatten da mit Organisatoren zu tun, die das irgendwie nicht gebacken gekriegt haben. Außerdem kennt uns dort auch keiner, weil wir nicht die große Aufbauarbeit haben wie hier. Deswegen war Frankreich noch nicht so erfolgreich, wird aber eventuell der nächste Schritt sein.
Ihr richtet euch gegen Faschismus und Diskriminierung. Häufig bezeichnet ihr euch in euren Texten als 'radikal'. Inwiefern seid ihr linksradikal, wie steht ihr zu diesem Begriff und wie steht ihr zu linker Gewalt?
Mal Élevé: Dazu kann ich jetzt gar keine komplette Bandmeinung wiedergeben. Wir sind da natürlich auch alle unterschiedlich, nicht nur musikalisch. Logischerweise gehen auch unsere Meinungen in einigen Punkten auseinander. Klar, die Message, die wir in unseren Songs haben, vertreten wir alle. Dass wir in dem Punkt sagen, wir sind radikal, vertreten alle. Aber die Frage ist auch immer: Wie definiert man 'radikal'? Wenn wir sagen, wir sind radikal gegen Rassismus, heißt das ja nicht unbedingt, dass wir auf die Straße gehen und Nazis aufs Maul hauen.
Die Gewalt-Frage ist glaube ich immer eine Frage, die dazu führt, dass die linke Bewegung sich spalten lässt. In Rostock, Heiligendamm, waren wir auch bei den Demonstrationen gegen den G8-Gipfel. Da war es dann auch so, dass die Medien eine Riesenspaltung dargestellt haben und die Widerstandsbewegung dadurch quasi zerbrochen ist. Die Leute mussten sich in dem Moment sagen, ob sie es gut fanden oder ob sie dagegen waren, was da passiert ist. Dabei haben glaube ich die wenigsten mitbekommen, was eigentlich passiert ist. Wir waren vor Ort und haben gesehen, dass ein Großteil der Gewalt auch von der Polizei ausging und dass sich auch viele Leute einfach verteidigt haben. Ich bin definitiv dagegen, dass man unschuldige Leute willkürlich zusammenschlägt, egal von welcher Seite aus.
Carlito: In Stuttgart waren wir übrigens auch. Wir haben im Universum gespielt und waren davor noch auf der Demo. Zufällig waren wir genau an dem Tag dort, als die Polizisten dort die Schüler und alles zerlegt haben. Da war die Stimmung schon sehr aufgeheizt, was man dann auch nachvollziehen kann. Irgendwelche Schüler gehen da hin und die Polizei haut zwölfjährigen Mädchen einfach in die Fresse. Die Polizei ist leider immer geschützt durch den Staat, und wenn sich die Schüler gewehrt hätten, wäre das gleich wieder Widerstand gegen die Staatsgewalt.
Mal Élevé: Es war erstmals auch die bürgerliche Mitte sehr stark vertreten. Da waren ganz viele 'normale' Stuttgarter Bürger, die einfach total empört waren. Und diesmal hat das Konzept der Polizei einfach nicht funktioniert.
Der Konflikt um die Behandlung homophober jamaikanischer Reggae-Acts ist mit der Absage von Sizzlas Auftritt auf dem Chiemsee Reggae Summer in Folge von massiven Protesten wieder aufgeflammt. Habt ihr Verständnis dafür, dass große Veranstalter derartige Künstler buchen und sich dann mit der Kunstfreiheit rechtfertigen?
Mal Élevé: Schweres Thema auf jeden Fall. Das Problem ist, dass man, wenn man richtig straigt sein wollte, auch viele Hip Hop-Acts verbieten müsste. Außerdem wäre es meiner Meinung nach wichtig, dass sich die breite Öffentlichkeit auch gegen Nazi-Konzerte richtet. Dort sind meistens nur ein paar linke Gruppierungen und viele Konzerte finden einfach statt. Die Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Homophobie ist natürlich extrem wichtig, aber schon extrem auf die Reggae-Szene fokussiert. Ich finde es dennoch gut, dass dort eine Diskussion stattfindet und die Acts sich dadurch wenigstens damit auseinandersetzen müssen. Damit, dass es, wenn sie nach Europa einreisen, Leute gibt, die es scheiße finden, wenn man gegen sie hasspredigt. Es bleibt ja auch nicht nur bei den Worten. In Jamaika werden ja auch Leute umgebracht. Von daher finde ich die Auseinandersetzung und den Druck, der dadurch ausgeübt wird, echt gut.
Verständnis für diese Künstler ist für mich ehrlich gesagt ein bisschen zu viel. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es die einzige Möglichkeit ist, ihre Auftritte zu verbieten. Ich finde, man müsste noch mehr Ideen für diese Auseinandersetzung sammeln. Es gab ja bereits eine Art runden Tisch zu dem Thema und es ist wichtig, dass man die Leute überhaupt mit der Problematik konfrontiert. Denn in Jamaika ist es einfach, homophob zu sein, und man ist auf der sicheren Seite. Die meisten, die dort groß rumposaunen, haben dann auch Schiss, sich mal den entsprechenden Leuten gegenüberzusetzen und zu diskutieren.
Wie könnte beziehungsweise muss man die Homophobie denn in Jamaika und in ähnlich problematischen Staaten überhaupt bekämpfen?
Carlito: Ein Ansatz könnte auf jeden Fall sein, dass es in Schulen eine richtige Sexualkunde gibt. Es gibt so viele Ecken an denen man ansetzen könnte aber Bildung wäre vielleicht ein Punkt, über den es funktionieren könnte.
Mal Élevé: Ich denke auch nicht, dass man einfach sagen kann, dass das dort halt so die Denkweise, Kultur oder Religion ist. Man kann auch nicht alles akzeptieren, was woanders aus irgendwelchen Gründen gedacht wird. Irgendwo sind da natürlich Limits, sonst könnte man ja alles tolerieren, was weltweit so passiert.
Carlito: Viele haben sicherlich Angst oder ignorieren das Thema einfach. Klar, es ist alles etwas liberaler geworden, aber gerade durch die Reaktionen auf Thilo Sarrazin merkt man schon, was in den Köpfen eigentlich los ist. Viele sind leider viel konservativer als man denkt. Ich denke, die Künstler haben einfach Angst, dort anzuecken. Sie wollen schließlich Geld verdienen, um von ihrer Musik leben zu können.
Mal Élevé: Ich denke auch, dass viele Soundsystems sich einfach ein wenig zurecht lügen und die Problematik einfach ignorieren. Denn sonst kann ein riesengroßes Repertoire an Songs, wenn man konsequent sein will, einfach nicht mehr gespielt werden. Man muss aber auch sagen, dass es heutzutage insgesamt in der Szene nur noch wenige gibt, die die Schwulenfeindlichkeit wirklich pushen. Natürlich gibt es immer noch ein paar Idioten, die das feiern und alles eins zu eins kopieren, aber das ist wirklich eine Minderheit. Der Großteil ignoriert das Thema einfach, was ein bisschen schade ist. Denn wenn sich mehr Leute dagegen äußern würde, könnte man auch etwas bewegen.
Das hieße ja nicht, dass die Reggae-Musik dann komplett tot wäre, man könnte sie einfach ändern. Das wäre cool, denn die Musik gefällt ja vielen. 2000 gab es einen großen Push in der alternativen und linken Szene. Als die Leute dann gemerkt haben, dass viele Texte überhaupt nicht klar gehen, ist das wieder ziemlich abgeflacht. Das ist eigentlich sehr schade, weil die Leute die Musik ja schon mögen. Die Inhalte der Musik, bestimmen immer noch die Künstler und deswegen ist es einfach wichtig, dass sich da jeder aktiv beteiligt.
Bezüglich Innovation und Eigenständigkeit geltet ihr als Hoffnungsträger der deutschen Reggae-/Dancehallszene. Was haltet ihr von euren Mitstreitern in dieser Musiklandschaft? Wer gefällt euch am besten?
Carlito: Das ist schwer. Es gibt echt viele coole Bands in der deutschen Szene, Ohrbooten sind cool ...
Mal Élevé: Mono & Nikitaman auf jeden Fall.
Carlito: Nosliw. Aber der ist jetzt leider irgendwie nicht mehr so am Start aber den hab ich immer ziemlich gefeiert.
Findet ihr die Szene innovativ? Es gibt ja schließlich viele Künstler die fast nur altbekannte Riddims verwenden.
Mal Élevé: Das stimmt schon. Es ist gemischt, würde ich sagen. Gerade bei Ohrbooten und Mono & Nikitaman finde ich geil, dass die ein bisschen von Standard wegrücken und auch neue Sachen ausprobieren. Aber es ist echt schwer zu sagen. Auch das alte Nosliw-Album mag ich, obwohl das auch die Standard-Riddims waren und er eben mit seinem eigenen Style was daraus gemacht hat.
Fandet ihr es in der Szene verhältnismäßig eher schwierig oder eher leicht, am Anfang der Karriere Aufmerksamkeit, eine Fanbase und ein Plattenlabel zu finden?
Carlito: Um ehrlich zu sein haben wir in der Reggae-Szene bis heute nie richtig stattgefunden. Wir werden so halb dazu gezählt, aber auch wenn wir uns privat natürlich damit identifizieren, wurden wir als Band nie richtig aufgenommen. Unsere Fanbase ist auch komplett gemischt, die Leute sind komplett unterschiedlich. Da gibt es sowohl Punks als auch Popmusik-Hörer, sowohl Teenies als auch Erwachsene. Das ist auch der Grund, dass wir bis heute immer noch so gute Konzerte haben, obwohl die Reggae-Szene leider gerade abgeflacht ist. Wir waren immer unabhängig davon und haben unser eigenes Ding gemacht. Zwar haben wir immer mal wieder versucht, in die Szene reinzukommen aber richtig Anklang haben wir nie gefunden. Dazu war die Szene zu konservativ.
Was steht für euch bei euren Auftritten im Vordergrund? Den Leuten für ihr Eintrittsgeld gute Musik bieten oder ihnen eure politische Message übermitteln?
Mal Élevé: Es ist echt beides. Die Energie, die Stimmung und die Power sind natürlich ein wichtiger Faktor. Kombiniert mit der Message eben. Sonst könnten wir uns auch hinstellen und eine Rede halten, was einfach langweilig wäre. Das Zusammenspiel von beidem ist das Wichtigste. Grade wenn die Leute extra kommen und Eintritt zahlen, ist es wichtig, dass wir in unserem zweistündigen Set einfach alles geben.
Ihr seid sehr engagiert und macht euch für mehrere Wohltätigkeitsorganisationen stark. Inwiefern ist es für ein Band leichter, sich sozial zu engagieren?
Mal Élevé: Leichter ist es eigentlich gar nicht. Das Einzige ist, dass man eben mehr Leute erreicht und eine Plattform für seine Engagement hat. Du kannst quasi was machen und zusätzlich quasi eine kleine Bewegung in Gang setzen. Wenn wir Rollstühle für körperlich behinderte Menschen in Senegal sammeln, ist das im Rahmen einer Band auf Konzerten natürlich leichter als privat.
Habt ihr Verständnis dafür, dass viele Bands soziales Engagement komplett ausblenden, obwohl sie eigentlich gute Möglichkeiten dafür hätten?
Mal Élevé: Das ist schon traurig. Im Endeffekt kann man schon mit minimalem Aufwand etwas bewegen. Und wenn das jeder tun würde, müssten sich nicht ein paar wenige Menschen dermaßen den Arsch aufreißen. Es gibt in vielen Bereichen Leute, die sich so sehr engagieren, dass sie nach ein bis zwei Wochen total ausgebrannt sind, weil sie versuchen, irgendetwas in Bewegung zu setzen. Da ist es natürlich schade, zu sehen, was viele bekannte Bands für Möglichkeiten hätten.
Live (2012)
Voyage (2006), Les Deux Côtés (2003)
| Sa | 25.05.2013 | Irie Révoltés Hannover (Expo Plaza) | |
| Fr | 21.06.2013 | Irie Révoltés Afrika & Karibik Fest Wassertrüdingen (Wassertrüdingen) | |
| Sa | 22.06.2013 | Irie Révoltés Southside Festival (Neuhausen ob Eck) | |
| So | 23.06.2013 | Irie Révoltés Hurricane Festival (Scheeßel) | |
| Sa | 20.07.2013 | Irie Révoltés Serengeti Festival (Schloss Holte-Stukenbrock) | |
| Fr | 02.08.2013 | Irie Révoltés Mini-Rock-Festival (Horb) | |
| Do | 08.08.2013 | Irie Révoltés Open Flair (Eschwege) | |
| So | 11.08.2013 | Irie Révoltés Taubertal Festival (Rothenburg) | |
| So | 18.08.2013 | Irie Révoltés Highfield Festival (Großpösna) | |
| Sa | 31.08.2013 | Irie Révoltés A-Two Days A Week (Wiesen) | |
| Fr | 27.09.2013 | Irie Révoltés Stuttgart (LKA Longhorn) | |
| Sa | 28.09.2013 | Irie Révoltés Ulm (Roxy) | |
| Mo | 30.09.2013 | Irie Révoltés Nürnberg (Hirsch) | |
| Mi | 02.10.2013 | Irie Révoltés Berlin (Astra Kulturhaus) | |
| Mo | 07.10.2013 | Irie Révoltés Bremen (Schlachthof) | |
| Mi | 09.10.2013 | Irie Révoltés Kiel (Pumpe) | |
| Do | 10.10.2013 | Irie Révoltés Hamburg (Uebel&Gefährlich) | |
| Fr | 11.10.2013 | Irie Révoltés Dortmund (FZW) | |
| Sa | 12.10.2013 | Irie Révoltés Hannover (Faust) | |
| Mo | 14.10.2013 | Irie Révoltés Düsseldorf (Zakk) | |
| Mi | 16.10.2013 | Irie Révoltés Wiesbaden (Schlachthof) | |
| Do | 17.10.2013 | Irie Révoltés CH-Basel (Kaserne) | |
| Fr | 18.10.2013 | Irie Révoltés CH-Zürich (Komplex 457) | |
| Sa | 19.10.2013 | Irie Révoltés Mannheim (Maimarkthalle) |
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Rock For People 3.-6.7.2012 ivca |
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16.02.12, 22:12 ivca |
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HILFE! MtotheYRI |
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20.12.11, 18:05 MtotheYRI |
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HILFE...brauche dringend Karten für Irie Revoltes in Stuttgart MtotheYRI |
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20.12.11, 18:02 MtotheYRI |
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