Porträt

laut.de-Biographie

Underground Resistance

Wen Techno eine Seele hat, dann ist sie schwarz, trägt martialische Militäruniformen und hört auf den Namen Underground Resistance. Das Musiker-Kollektiv aus Detroit ist die einzige Ansammlung von Produzenten weltweit, die sich als Gralshüter elektronischer Musik fühlen darf, ohne dafür ausgelacht zu werden. Klangvoll lauten die Namen der Produzenten, die sich Underground Resistance zurechnen oder dies in der Vergangenheit getan haben: The Vision, The Wizard oder The Martian prägen die Frühzeit, Agent Chaos, The Unknown Soldier und The Suburban Knight nennen sich ihre Nachfolger.

Beinahe noch klangvoller liest sich die Liste der Discjockeys, die nie ohne ein Underground Resistance-Release im Koffer an die Plattenspieler treten. Laurent Garnier und Richie Hawtin verehren UR genauso wie Carl Cox, Ellen Allien, Sven Väth, Heiko Laux oder Ricardo Villalobos.

Jeff Mills, Robert Hood und Mastermind Mad Mike Banks aka The Martian starten Underground Resistance zu Beginn der 90er Jahre. Die sogenannte zweite Generation von Produzenten aus Detroit ist hier am Werk und zeichnet für zahlreiche Techno- und House-Klassiker verantwortlich. Die EPs "Riot" und "Sonic" gehören längst zu den wichtigsten Techno-Releases aller Zeiten, genauso wie der futuristische Track "Hi Tech Jazz", aufgenommen von Underground Resistance unter dem Pseudonym Galaxy 2 Galaxy.

Zu den Wurzeln von Underground Resistance befragt, benennt Mad Mike in einem Interview vor allen Dingen zwei Bands, die das Musikerkollektiv seit den Anfangstagen geprägt und dadurch wesentlichen Anteil an der UR-Ästhetik haben: "Underground Resistance ist aus der Kraft von Public Enemy und aus der Liebe für die deutsche Präzision von Kraftwerk entstanden."

Mitte der 80er Jahre legen die sogenannten Belleville Three, Kevin Saunderson, Derrick May und Juan Atkins, die Grundlagen elektronischer Musik in Motor-City. Inspiriert von den kühlen Sounds der drei rufen Mills, Hood und Banks 1990 Underground Resistance ins Leben. Während Saunderson und May mit ihren Hitsingles bei Major-Labels unterkommen, verstehen sich Underground Resistance von Beginn an als unabhängige Institution im Musikgeschäft.

Dieses Credo vertreten Mad Mike und seine Mitstreiter kompromisslos und, wenn es sein muss, auch mit dem nötigen Nachdruck. Den bekommt Sony Music im Jahr 2000 zu spüren, als der Platten-Multi ein Trance-Plagiat des DJ Rolando-Hits "Jaguar" in Auftrag gibt, obwohl UR die Rechte für eine Coverversion halten. Die billige Neuaufnahme von "Jaguar" hält sich dann auch nur einige Tage in den Plattenläden, bevor Sony die Platte wieder aus dem Verkehr zieht. Zu stark kratzt der von Mad Mike initiierte, und von vielen Techno-Fans weltweit unterstützte Boykott am Image des Großkonzerns.

Doch Underground Resistance verstehen sich nicht nur als unabhängiger Produzentenpool. Die soziale Komponente kommt zum Tragen, wenn man sieht, wohin die Gewinne aus den Plattenverkäufen wandern. Ende der 90er baut Banks das Submerge-Gebäude, in dem Studios, ein Plattenladen sowie eine Vertriebszentrale für elektronische Musik aus Detroit untergebracht sind. Gleichzeitig steckt der UR-Kopf das Geld in Kindergärten und Stadtteilprojekte.

Das eng geknüpfte Netzwerk an persönlichen Kontakten und geschäftlichen Verbindungen funktioniert seit den Anfangstagen von UR bestens. Jeff Mills und Robert Hood halten Mike Banks trotz internationaler Solokarrieren noch heute die Treue und vertreiben ihre Musik über dessen Submerge-Netzwerk. Zudem schauen bei den UR-Jamsessions regelmäßig die Großen der Detroiter Szene wie Octave One, Drexciya und James Pennington vorbei.

Zu Beginn der 90er setzen sich Underground Resistance mit ihren Releases "Sonic EP" und "Riot EP" an die Spitze der Techno-Bewegung und bringen die Energie von Techno auf "Revolution For Change" auf den Punkt. In ihrem Heimatland weitgehend unbekannt, begrüßt man sie im Berliner Club Tresor mit offenen Armen. Die Achse Detroit-Berlin rückt Deutschland ins Zentrum der neuen Musik und bringt zahlreiche Releases hervor, denen der Status des Klassikers unumwunden zugestanden werden kann.

Nach dem Weggang von Mills und Hood verliert Underground Resistance zwei prominente Mitglieder. Den elektroiden Sounds, die seit Mitte der 90er aus Detroit kommen, tut dies keinen Abbruch, wie "Interstellar Fugitives" von 1998 zeigt. Hier stellen sich die neuen Produzenten der UR vor. Sie heißen Mike Pennington aka Suburben Knight oder DJ Rolando und bringen Underground Resistance mit "The Stalker" beziehungsweise "Jaguar" in der Szene wieder ganz nach oben.

2003 verhelfen UR mit ihrer Singles-Serie einem vernachlässigten Format zu neuer Popularität und zeigen gleichzeitig, dass mit ihnen immer noch zu rechnen ist. Im folgenden Jahr macht das Kollektiv als Galaxy 2 Galaxy eine ihrer seltenen Live-Performances und tritt 2005 zugungsten der Tsunami-Opfer auf.

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