Porträt

laut.de-Biographie

Robert Hood

Mit zwei Alben revolutioniert der stille Mann aus Detroit die Geschichte der elektronischen Musik nachhaltig. "Minimal Nation" und "Internal Empire" heißen seine Meisterwerke, die mit ihrer reduzierten Ästhetik den Minimal-Techno erfinden und zum Bezugspunkt für Dutzende anderer Musiker von Steve Bug bis zu Jeff Mills werden. Mit seinem Label M-Plant schafft Hood zudem ein Outlet für sehr soulige und jazzige Technoexperimente, die bei jedem Ton den Geist von Detroit atmen.

Ende der 60er Jahre kommt Robert Hood in der Auto-Metropole zur Welt, wo er auch zur Schule geht. Seine erste musikalische Heimat findet der Teenager im Motown-Sound und bei Soul-Künstlern wie Marvin Gaye und Curtis Mayfield. Diese Wurzeln begleiten Hood ein Leben lang und lassen sich vor allem Ende der 90er Jahre in seinen auf Drama und Duet veröffentlichten Platten wie der Doppel-LP "Hoodlum" wiederfinden.

Doch zurück in die 70er Jahre. Als Robert Hood gerade sechs Jahre alt ist, wird sein Vater umgebracht, er selbst überlebt nur knapp. Von da an ist Musik für Robert Hood immer auch Therapie. Trost findet er zum Beispiel bei 'The Electrifying Mojo', der in seiner Radiosendung Soul, Funk, Disco, Electro, Hip Hop und frühe Housetracks zu einer ganzheitlichen Vision von Tanzmusik verbackt und damit alle frühen Detroit-Künstler maßgeblich beeinflusst.

Jahre später bestärken die ersten Tracks von Derrick May Hood darin, sich eigenes Equipment zu kaufen und selbst Sounds zu produzieren. Ein Demotape, auf dem Robert über Drumpatterns rappt, kommt 'Mad' Mike Banks zu Ohren. Der ist zusammen mit Jeff Mills gerade dabei, das Musikerkollektiv Underground Resistance ins Leben zu rufen. Hoods Sounds gefallen dem "verrückten" Mike und so ist Hood neben Mills und Banks auf einmal Teil von Underground Resistance. Der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit, die in einer Reihe bahnbrechender Releases zwischen 1990 und 1992 ihren Niederschlag findet.

Zusammen spielen sie unter anderem die "Riot EP" ein und nehmen für das Berliner Label Tresor 1991 die drei Longplayer "X-101", "X-102" und "X103" ein, die heute allesamt zu Meilensteinen des Techno gehören und den Anfang der Achse Berlin-Detroit markieren. Kurze Zeit später verlassen Hood und Mills Underground Resistance und gehen eigene Wege. Bevor Mills sein Label Axis Records gründet, schreiben die beiden mit der "Waveform Transmissions"-Reihe ein weiteres Mal Technogeschichte. Hood benutzt für das von ihm produzierte "Waveform Transmissions Vol.2" das Pseudonym The Vision.

1994 materialisieren sich Hoods Visionen in Form der Longplayer "Internal Empire" und "Minimal Nation". Reduzierte Soundarrangements, wie auch schon auf "Master Builder" läuten ein neues Zeitalter der elektronischen Musik ein: Weniger ist seither mehr. Das Genre Minimal ist geboren und der gläubige Robert Hood ist sein erster Botschafter: "What I've always wanted to hear, the basic stripped down, raw sound. Just drums, basslines und funky grooves and only what's essential. Only what is essential to make people move", beschreibt er einmal seinen Zugriff auf Techno.

Und wie jeder gute Botschafter, so braucht auch Hood ein geeignetes Medium. Das findet er in seinem 1994 gegründeten Label M-Plant: "I started to look at it as a science, the art of making people move their butts, speaking to their heart, mind and soul. That's the only thing I focused on and that's M-Plant." Releases wie "The Pace" oder "Moveable Parts" legen davon beredet Zeugnis ab.

Mit Duet und Drama verschafft sich Hood Mitte der 90er Jahre zwei weitere Standbeine, die seine experimentellere Seite zum Ausdruck bringen. Rob "Noise" Hood macht hier seinem Spitznamen alle Ehre, kreuzt mal in Richtung Jazz und Soul, mal wieder zu harschem Industrialsound. 1996 erweckt er 'The Vision' zu neuem Leben und ist damit auf Juan Atkins' Label Metroplex zu Gast.

Das neue Jahrtausend beginnt Hood mit einer Mix-CD auf Logistic Records, das den feinfühligen Produzenten auch als flickfingrigen Turntable-Wizard allererster Güte ausweist. Deepe und natürlich minimale Sounds durchziehen seine Release-Flut auf Peacefrog und Logistic, wo 2002 und 2003 mit "Point Blank", "The Art Of War", "Wire To Wire" und "Molecule" (als Monobox) gleich vier Doppel-Maxis erscheinen.

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