- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
Das erste Mal musikalisch an die Öffentlichkeit begibt sich Stefan Brügesch aka Steve Bug im Jahre 1991, als er auf selbstorganisierten Partys im Bremer Club MAXX auflegt. Dort versorgt er wöchentlich die Gäste mit Housegrooves. 1992 expandiert Steve und legt nun auch in anderen deutschen Clubs auf, so auch im Hamburger Unit, wo er DJ Henry kennen lernt. Daraus entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden Plattendrehern, was auch eine gemeinsame Studioarbeit in Henrys Hamburger Studio zur Folge hat.
Ein Jahr später gestaltet Steve zusammen mit Jens Mahlstedt zusammen jeden letzten Freitag im Monat den 'T-Dance' im Modernes in Bremen. Als Steve Bug eine Koproduktion im Oldenburger O.M.P.-Studio angeboten bekommt, beendet er seine Arbeit als Hairstylist und verschreibt sich ganz der Musik.
1994 wechselt Steve seinen Wohnort und zieht nach Hamburg, wo er mit DJ Henry einige Partys im Front Club veranstaltet und die Superstition Bookingagentur von Tobias Lampe führt. Es folgen einige Produktionen von Steve in Zusammenarbeit mit DJ Henry und Gerret Frerichs auf Superstition. 1995 erscheint seine erste Soloproduktion unter dem Pseudonym Steve Bug ebenfalls auf Superstition.
In den nächsten Jahren folgen diverse EPs unter anderem mit Acid Maria und Fred Gianelli. Die EP "Mein Bug, Dein Bug" wird von dem englischen Label Rising High lizenziert und erscheint in England mit einigen Zusatzmixen. Ende des Jahres 1995 gründet er dann sein eigenes Label Raw Elements, das 1996 seine erste Veröffentlichung mit einer gemeinsamen Produktion von Steve Bug und Acid Maria feiert.
Die Mix-CD Reihe "Da Minimal Funk" macht den Minimalhouse-Style von Steve Bug bekannt. Auch seine Rolle als Partyveranstalter hat Steve nicht aufgegeben, so veranstaltet er die "reduziert"-Partyreihe im Hamburger Unit. 1998 legt Steve Bug Raw Elements auf Eis und gründet stattdessen Poker Flat und Dessous Recordings, wobei Dessous eher für die Deephouse-Produktionen gedacht ist und innerhalb kürzester Zeit die Aufmerksamkeit der deutschen Houseszene auf sich zieht.
Ein weiterer Umzug steht für Steve an, er wechselt seine Heimat nach Berlin, wo er im Jahr 2000 sein zweites Album "The Other Day" auf Poker Flat heraus bringt und eine wöchentliche Partyreihe im Club Sternradio am Alexanderplatz startet. Im Jahr 2001 veröffentlicht Steve auf dem Frankfurter Label Cocoon von Sven Väth eine weitere Mix-CD mit dem Namen ""The Flow"".
Neben diesem und weiteren Releases wie seinem dritten Longplayer "Sensual", den Compilations "Da Minimal Funk Vol. 3" und "Bugnology" sowie diversen Singles wie "That's What I Like", "Loverboy - Re-Loved" oder "The Smackman EP" findet Steve Bug noch die Zeit, in verschiedenen Clubs rund um den Globus aufzulegen.
Darüber hinaus arbeitet er als A&R für die mittlerweile um Traffic Signs sowie Audiomatique Recordings erweiterte Poker Flat/Dessous-Labelfamilie. Und landet nebenbei mit der "Entdeckung" des Dänen Trentemøller einen großen Coup.
Im Frühjahr 2006 erscheint mit "Bugnology 2" eine von ihm zusammengestellte und gemixte Compilation, auf der Steve Bug eine Reihe von Lieblingstracks vorstellt. Die Arbeit an einem neuen Album zieht sich dagegen in die Länge. Auch 2007 erscheint mit "Fuse Presents Steve Bug" zunächst ein Sampler, den Bug für den belgischen Fuse-Club kompiliert. Kurz vor Weihnachten gibts mit "Dessous' Best Kept Secrets" dann noch eine Werkschau eines Bug-Imprints, bevor "Bugnology 3" das Licht der Welt erblickt.
Nach seiner Tour durch Japan, Australien, Kanada und die USA gastierte Deutschlands begehrtester House-DJ Steve Bug zu einem exklusiven Gig in Konstanz am Bodensee.
Steve Bug gab uns in lauer Spätsommernacht ein Open Air-Interview und plauderte über die Nachteile des DJ-Daseins und seine Einstellung zum Party-Tourismus auf seiner Lieblingsinsel Ibiza.
Hi Steve, Du kommst gerade zurück von Deiner Tour durch Australien. Wie war's da?
Super. Vorher war ich noch in Japan und davor Kanada und den USA. Alles besser als in Deutschland. Tokio z.B. war wild. Das kann man gar nicht beschreiben, das muss man einfach gesehen haben. Da wird ganz anders gefeiert und die Leute sind auch eher bei der Sache als hierzulande. Vielleicht liegt's daran, dass dort diese Art von Musik, die ich mache noch viel frischer ist. Gerade in den Staaten gab es noch nie eine wirklich große Housemusikszene. Das war dort immer nur eine Randerscheinung. Man hat das Gefühl, die Leute dort haben mehr Plan von Musik und sind einfach freier und lassen sich mehr auf das ein, was gerade läuft, weil sie einfach Bock haben auf Party. Nicht so verkopft wie hier in Deutschland. Diese Typen die einfach nur rumstehen: "Öh, das kenn ich ja gar nicht. Warum spielt denn der keinen Techno oder Vocal-House?" Im Moment finde ich es gerade extrem schwer in Deutschland zu spielen, weil die Leute so total unlocker sind und nur das hören wollen, was sie sonst so zuhause hören. Techno-Marschmusik funktioniert leider überall.
Wie läuft es denn mit den "Pokerflat Nights" im Berliner Club "Sternradio"?
Das haben wir aufgehört. Bis zur Love-Parade haben wir das noch gemacht, aber es wurde einfach zuviel Arbeit mit der Tour zusammen usw. Der Laden war letztendlich für das, was wir uns so vorgestellt hatten zu groß. Das ist schon eine coole Location, aber wir hätten lieber was Kleineres. Im Moment sind auch noch keine neuen Räumlichkeit in Sicht.
Deine Letzte Platte hast Du in Zusammenarbeit mit Sven Väths Agentur Cocoon produziert. Wie kam es dazu?
Sven hat mich gefragt, ob ich in die Agentur reinwolle, schon lange bevor es diese überhaupt gab. Er wollte mich unbedingt exklusiv, aber ich hatte zu diesem Zeitpunkt nicht das Gefühl, dass dies das richtige für mich wäre. Deswegen hab ich damals nein gesagt. Letzten Sommer kamen dann wieder ein paar Gespräche auf und später nach langem Hin und Her hab ich dann mein OK gegeben.
Dieses Jahr warst Du wieder zu Gast auf Ibiza. Wie war's dort?
Ich kenne die Insel seit elf Jahren. Früher waren die Leute dort alle OK, heute sind eigentlich alle scheiße. Die Cocoon-Veranstaltungen ziehen jetzt aber wieder angenehmeres Publikum an, zumindest was man von der DJ-Seite sehen kann. Mir war es eigentlich nie wirklich wert, auf der Insel zu spielen, weil die Leute dort eher auf Schalala-Vocal-House stehen. Die Engländer eben. (lacht) Vor drei Jahren noch ist einem nur schlecht geworden beim Ausgehen dort. Ich war jeden Sommer dort und hab auch den einen oder anderen Gig gespielt. Aber ich bin einfach nicht mit dieser Säufer-Mentalität der Leute klar gekommen. Mit Ballermann in Mallorca ist das zwar nicht unbedingt vergleichbar. Aber diese Einstellung, "Hauptsache breit und die Musik so einfach wie möglich" liegt mir sehr fern. Ich hab das Gefühl, das sich das jetzt gerade ändert. Ob's wirklich so ist, weiß ich nicht.
Bist Du noch Resident im "Monza"?
Nein, im Moment hab ich überhaupt kein festes Engagement. Es gibt zwar Orte, an denen ich jedes Jahr ein- zweimal spiele. Aber so richtig Resident bin ich nirgends. Die Schwerpunkte sind bei mir gerade die Tour und das Produzieren. Vor allem meine Labels Pokerflat und Dessous beschäftigten mich. Eigentlich wollte ich im Herbst ein neues Album herausbringen, aber durch die ganze Tour liegt das jetzt auf Eis. Außerdem hab ich ziemlich viele Remix-Aufträge gehabt. Ich wollte eigentlich im Bezug auf die Tour etwas kürzer treten, aber dann bekommt man eben gute Angebote für Gigs und da will man auch nicht nein sagen.
Wieso dann ausgerechnet Konstanz?
Ich kenne die Veranstalter ziemlich gut. Hier im Umfeld gibt's doch den Club Tempel. Dort hab ich früher oft aufgelegt. Aber jetzt nach der Tour habe ich schon eine kleine Deutschland-Phobie. Ich hatte jetzt einfach eine viel größere Freiheit beim Auflegen, aber in Deutschland habe ich immer das Gefühl, dass das Publikum etwas besonderes erwartet. Das war im Ausland nicht so.
Wenn Du Deine Platten produzierst, welche Hard- und Software benutzt Du dann?
Ich habe einen G4, dazu Logic Audio mit 4 virtuellen Synthis, die ich aber kaum benutze. Davon halte ich im Grunde auch nicht sehr viel. Wenn der Grund des Tracks fertig ist, macht es erst Sinn für mich, mit Plugins herumzuspielen. Ich arbeite aber lieber mit Hardware. Ich habe noch ein paar Synthesizer. Der Sampler ist aber immer das Herzstück aller meiner Stücke. Mit dem mache ich fast alle Beats und da ich keine Drummachine habe, muss eben alles über den Sampler laufen.
Du bist doch gelernter Friseur?
Leider ja! (lacht)
Würdest Du gerne wieder bürgerlicher Leben?
Ich möchte auf jeden Fall nicht mehr von morgens bis abends arbeiten. Das war eigentlich damals auch der Hauptgrund, warum ich damit aufgehört hab. Ich hab die letzten Jahre als Friseur nur noch drei Tage die Woche gearbeitet. Nebenbei hab ich schon ziemlich viel aufgelegt. Irgendwann kam ich an den Punkt, wo ich mich für das eine oder andere Ding entscheiden musste. Für das was ich jetzt mache, brauche ich die volle Zeit. Damals hätte es sich aber sowieso niemand erträumen lassen, dass es mal so weit kommt, mit dem DJ- Ding, dass man tatsächlich herum reist und in der ganzen Welt auflegt. Das hat schon Formen angenommen, die niemand erwartet hat. Wenn man aber die Musik nicht wirklich liebt, wird man früher oder später das Handtuch werfen. Das Ganze ist eben auch ein superharter Job, nicht nur Spaß und Party. Man ist nie zu Hause, das ganze Sozialleben mit Freunden fällt einfach weg. Man durchläuft auch viele Depri-Phasen. Die Leute, die richtig viel unterwegs sind, haben alle irgendwann voll den Durchhänger und denen geht's dann richtig schlecht. Das geht dann so weit, das man sich wirklich einen Kopf macht, wenn man einen schlechten Gig hatte und die Leute einfach nicht auf deinen Sound anspringen wollen.
Du scheinst aber ganz gut davon Leben zu können?
Am Anfang war das schon schwierig, als ich gerade meinen Job aufgegeben hatte. Da fiel das regelmäßige Einkommen weg. Die ersten zwei Jahre waren dann ziemlich hart. Aber durch meine Labels ist das heute ein ganz einträgliches Geschäft. Das ist wie so eine Art Schneeballeffekt, wenn das einmal ins Rollen kommt...
Was war bisher die erfolgreichste Single auf Pokerflat?
Das war bis Vorgestern (lacht) die erste von Doubleaction "Loverboy" und ich glaube Richie Hawtin. Aber der "A Night Like This"-Remix hat sie mittlerweile getoppt. Genaue Zahlen kann ich euch nicht sagen, aber es ist immer noch wenig, wenn ich sehe, was andere mit ner guten Techno-Scheibe einfahren... (kurzes Zögern) oder mit einer schlechten! (lacht)
Wie würdest Du denn Deinen eigenen Stil beschreiben?
Keine Ahnung. Ich spiele einfach alles mögliche und habe immer versucht, die Sachen zu connecten. Ich spiele auch Techno - nicht wirklich superharten Techno. Ich spiele wenige Vocal-House Tracks. Viele Deep-House-Sachen und dubbige Platten. Natürlich viele deutsche Scheiben und Elektro. Vor allem natürlich alles vom Pokerflat-Label. Irgendwie liege ich zwischen House und Techno. Aber ich tue mich mit Definitionen immer schwer. Viele DJs springen auf irgendeinen Zug auf und spielen dann tatsächlich nur dasselbe Zeug. In den Staaten z.B. gibt es Plattenläden, die haben mindestens zehn Fächer von Deep-House bis Tech-House. Das macht es einem DJ natürlich sehr schwer, sich dort durchzuwühlen. Eine so weitgefächerte Abgrenzung macht für mich keinen Sinn.
Was hältst Du eigentlich von dem aktuellen 80er-Retro-Wahn?
Auf meinem letzten Album gab es zwei Stücke, die irgendwie diesen 80er-Flair transportieren. Es gibt meiner Ansicht nach schon gute Sachen aus den 80ern, aber mir wird das alles gerade ein bisschen zu viel und auch zu billig. 80er-Basslines verfolgen eben immer dieses Zwei-Finger Dideldideldi-Schema. Da hab ich dann oft das Gefühl, das ist eher Trance. Die Harmonien stammen irgendwie alle aus den Hochzeiten des Trance. Einfach supercheap. Da komm ich dann irgendwie nicht mehr ganz mit (lacht). Viele Leute sind da aufgesprungen und spielen eben nur noch diese Zeug. Fashionmäßig finde ich die ganze Welle ganz OK, aber auf meiner Tour sind mir viele Leute aufgefallen, die das so ins Extreme treiben, das sie eigentlich schon schlimmer aussehen, als ihre Vorbilder aus den 80ern.
Was hörst Du eigentlich selber für Musik?
Ich komme nicht wirklich dazu, noch Musik bewusst zu hören. Ich kaufe mir öfter mal elektronische Easy-Listening Scheiben. aber mir fehlt meist die Zeit, das Zeug wirklich durchzuhören. Meistens höre ich die Sachen erst, wenn ich sie selber spiele. Wenn ich zuhause in Berlin bin, dann verbringe ich die meiste Zeit im Studio.
Würdest Du zu Deiner eigenen Musik tanzen?
Auf jeden Fall. Wenn mir die Musik gefällt, dann tanze ich auch. Ich war zusammen jetzt mit DJ Cle (Märtini Brös) auf Tour und immer wenn er am Auflegen war hab ich mindestens eine Stunde auf der Tanzfläche verbracht.
Vielen Dank fürs Gespräch und viel Spaß bei Deinem Gig.
Bugnology 3 (2008)
The Other Day (2000), Volksworld (1998)
Alles über Steve Bug und die Arbeit bei seinem Label.
http://www.pokerflat-recordings.com
| Thema | Posts | Letzter Beitrag | |
|---|---|---|---|
| {ersteller.avatar} |
{thread.titel} {ersteller.name} |
{thread.antworten} |
{letzter.zeit} {letzter.name} |
Format
Homepage: