Porträt

laut.de-Biographie

Derrick May

Von den ursprünglichen Technoproduzenten aus Detroit, die Mitte der 80er Jahre mit elektronischer Musik experimentieren, ist es Derrick May, der mit seinen melancholischen Tracks weit in die Zukunft weist. Mit einer Handvoll Maxis, die er zwischen 1987 und 1989 in seinem Schlafzimmerstudio komponiert, revolutioniert er die Musikwelt derart nachhaltig, dass ihm schon kurz darauf der Status einer lebenden Legende zugesprochen wird. "Strings Of Life" und "Nude Photo", die er unter dem Pseudonym Rhythim Is Rhythim veröffentlicht, sind der nötige Dünger für das noch junge Pflänzchen Techno und stoßen die Tür zur Zukunft um mehr als nur einen Spalt auf.

Mays wichtigster Track "Strings Of Life" lässt eine spirituelle Dimension des Techno anklingen, die ihm eine zeitlose Ästhetik verleiht. Martin Luther King gewidmet, nehmen die Loops aus fließenden Klavierakkorden, lockeren Streichern und wohlig tiefen Basslines den Zuhörer mit ihrer Leichtigkeit gefangen und kommen fast ganz ohne Beats aus. Sanft nach vorne drängend, fallen sie immer wieder auf sich zurück und wachsen doch im selben Moment aus sich heraus. Ein kontemplatives Lebensrad, dessen Schönheit Derrick May nach Vollendung der Komposition sechs Tage am Stück ohne Unterbruch fesselt. So zumindest will es die von Legenden durchzogene Geschichte der ersten Techno-Takte in Detroit.

Dort kommt Derrick May als einziger Sprössling am 6. April 1963 auch zur Welt. Später dann besucht er die Highschool im Vorort Belleville, wo er auf Juan Atkins, Kevin Saunderson und Eddie 'Flashin' Fowkles trifft. Mit ihnen teilt er die Begeisterung für Musik, tauscht Mix-Tapes aus und lässt sich von Atkins in die Künste des DJing einführen. Als seine Mutter nach Chicago zieht, bleibt May bei seinem Kumpel Kevin Saunderson in Detroit, um die Schule zu beenden. Bei Besuchen in Chicago zieht es die beiden in frühe House-Clubs wie Ron Hardys Music Box oder Frankie Knuckles' Power Plant. Von Atkins mit New Wave-Bands wie Depeche Mode oder Human League in Berührung gebracht, sind sie fasziniert von den Skills der Houselegenden Hardy und Knuckles, die Funk, Disco, New Wave, R'n'B und HiNRG zu einem tanzbaren Mix verbinden.

1985 gründen Atkins und May die Deep Space DJ Crew, legen in Clubs in Detroit auf und bestreiten mit "Streetbeat" schließlich gar das Vorprogramm zu Electrifying Mojos legendärer Radiosendung. Doch Djing allein reicht May nicht. Inspiriert von Atkins Cybotron-Releases produziert May 1986 seinen ersten Track "Let's Go", der unter dem Alias X-Ray auf Atkins' Metroplex-Label erscheint. Kurze Zeit später gründet Derrick May mit Transmat seinen eigenen Imprint, der sich in der Folge zu einer der ersten Adressen der Technoszene auswächst, auf dem neben May selbst auch Carl Craig, Stacey Pullen, Kenny Larkin und Juan Atkins einen Output für ihre Tracks finden.

1987 nimmt Derrick May das Alias Rhythim Is Rhythim an und veröffentlicht in den folgenden zwei Jahren eine ganze Reihe von Tracks, die heute allesamt als Klassiker des Genres gelten. "Nude Photo", "It Is What It Is" oder "Kaos" entwickeln den puristischen Zugriff von Mr. Fingers weiter und akzentuieren das Spannungsverhältnis von Groove und Melodie weiter. Einen ganz anderen Weg geht May mit seinem Meisterstück, dem hypnotisch- hymnischen "Strings Of Life". 1989 zieht sich May, angewidert vom einsetzenden Technohype, zurück und veröffentlicht keine neuen Tracks mehr.

Zwar halten sich hartnäckig Gerüchte über geheime Produktionen Mays, doch erblickt in den 90er Jahren kein einziger neuer Song mehr das Licht der Welt. Seinen Legendenstatus beschädigt die kompositorische Pause indes nicht, zu prägend erweisen sich seine Tracks. 1997 macht er auf der Compilation "The Innovator" sein altes Material wieder zugänglich und stellt auf der Mix-CD "Mix Up, Vol. 5" seine außergewöhnlichen Skills an den Turntabels unter Beweis. Auf drei Plattentellern nimmt May Tracks von Jeff Mills, Green Velvet, Phuture, Basement Jaxx und DJ Sneak nach allen Regeln der Kunst auseinander.

Ansonsten tritt er ab und an in der Produzentenrolle auf, wie bei Carl Craigs Alben "More Songs About Food And Revolutionary Art" und "Abstract Funk Theory". Oder er gefällt sich in der Rolle der Remixers, unter anderem für die Popgruppe Fine Young Cannibals oder das Underground Resistance Mitlgied DJ Rolando, dessen 2000er Hit "Jaguar" von May neu bearbeitet wird.

Zur Geschichte von Techno, die mit seiner eigenen Biographie aufs innigste verwoben ist, hat May ein ironisch nüchternes Verhältnis. Nach dem Ursprung von Techno gefragt, soll er geantwortet haben: "Techno is just like Detroit, a complete mistake. It's like George Clinton and Kraftwerkstuck in an elevator."

Alben

Videos

Video Video wird geladen ...

Noch keine Kommentare