Porträt

laut.de-Biographie

Kevin Saunderson

Von den zur Legende gewordenen 'Belleville Three', die Mitte der 80er Jahre von Detroit aus den Siegeszug elektronischer Musik begründen, darf sich Kevin Saunderson den größten Mainstream-Erfolg auf die Fahnen schreiben. Juan Atkins, der 'Godfather of Techno' nimmt mit seinen Cybotron-Releases zu Beginn der 80er Jahre vieles vorweg und öffnet seinen Mitstreitern Derrick May und Kevin Saunderson die Ohren.

May lernt die Lektion schnell und komponiert mit "Nude Photo" und dem hymnischen "Strings Of Life" zwei Klassiker, ohne die Techno schwer vorstellbar ist. Kevin Saunderson stößt als Inner City die House-Revolution in Europa mit an und schafft mit seinen Tracks "Big Fun" und "Good Life" sogar den Crossover in oberste Chartsregionen, was ihn zum kommerziell erfolgreichsten Act der ersten Generation von Technomusikern aus Detroit macht. Sein Label KMS Records zählt darüberhinaus zu den feinsten Adressen in Sachen Techno.

Kevin Saunderson, der einzige der Technogründer, der nicht aus Detroit stammt, kommt am 5. September 1964 im New Yorker Stadtteil Brooklyn als neuntes und letztes Kind seiner Eltern zur Welt. Im Alter von neun Jahren zieht er mit seiner Familie nach Detroit, wo er an die Belleville Junior High geht. In jener Institution im Detroiter Vorort Belleville, die der ersten Technogeneration ihren Namen leiht, drücken auch Derrick May, Eddie 'Flashin' Fowkles und Juan Atkins zu jener Zeit die Schulbank.

Die drei verbindet zunächst die Liebe für den Funk-Sound von Parliament, später nach Atkins' umfangreicher missionarischer Tätigkeit, auch die Begeisterung für Kraftwerk, Human League, Depeche Mode, Gary Numan und andere europäische New Wave-Acts. Die Früchte seiner Arbeit kann Atkins schon bald ernten.

Zwar studiert Saunderson zunächst an der Eastern Michigan University Telekommunikation und träumt von einer Karriere als Football-Star. Besuche im New Yorker Club Paradise Garage, wo die DJ-Legende Larry Levan auflegt, führen dazu, dass Saunderson den Traum an die Football Karriere 1984 endgültig aufgibt. Stattdessen zieht es ihn und Derrick May immer öfter nach Chicago, wo sie in der Power Plant oder der Musik Box den Housepionieren Frankie Knuckles und Ron Hardy an den Turntables auf die Finger schauen. Zurück in Detroit steht der endgültige Traumberuf fest: Musikproduzent. Die Gründung des eigenen Labels KMS Productions legt 1986 den Grundstein für eine erfolgreiche DJ- und Produzentenkarriere. Sein Motto dabei ist klar: "Forget what's happened in the past. It was good, but let's move on".

Eine Vielzahl von Pseudonymen und Projektnamen wie E-Dancer, Inner City, Rees Project, Kaos, Tronic House, Reese & Santonio, Essaray, Kreem oder Master Reese erlauben es Saunderson, mit poppigen Housetracks an der Spitze der Charts zu stehen und gleichzeitig seine Credibility als Underground-Producer zu wahren. Die Kreem-Maxi "Triangle Of Love", ein Mix von New Orders "Bizarre Love Triangle" erscheint 1987 auf Atkins' Metroplex Label und gibt den offiziellen Startschuss für Saundersons Produktionen.

Kaum ein Jahr später versetzt die Euphorie des 'Summer of Love' die britischen Inseln mächtig in Aufregung. Wesentlichen Anteil am Acid-House-Movement hat Saunderson. Als Produzent heizt er das Tanzfieber mit Tracks wie "The Sound" (Reese & Santonio), "Bounce Your Body To The Box" (Kevin Saunderson) oder den zusammen mit Sängerin Paris Grey 1988 eingespielten Inner City-Hits "Big Fun" und "Good Life" mächtig an. In der Rolle des Labelowners bietet er Freunden wie Blake Baxter eine Plattform, der mit "When We Used To Play" 1987 für eine der frühen Househymnen verantwortlich zeichnet.

1988 gibt die legendäre Compilation "Techno: The New Dance Sound Of Detroit" der neuen Musik einen Namen. Ein Jahr später unterschreibt Saunderson für Inner City einen Plattenvertrag mit Virgin Records und veröffentlicht dann als erster Detroit-Techno-Künstler einen Longplayer: "Big Fun" überführt den energetischen Flow der Clubmusik in den Popkontext und macht Saunderson zum kommerziell erfolgreichsten Detroit-Produzenten. Der kühlen Härte des Detroit-Sound schwört er trotz allen Erfolgen nicht ab und präsentiert sich unter seinen zahlreichen Pseudonymen als äußerst vielfältiger Produzent, der sich von harten Floorstompern über Breakbeats bis zu souligen Hymnen stets als Meister seines Fachs erweist.

Ab Mitte der 90er Jahre releast Saunderson verstärkt Longplayer. Für die X-Mix-Serie des Berliner Labels Studio !K7 spielt er "Transmissions From Deep Space Radio" mit Tracks von Octave One, Richie Hawtin und R-Tyme ein. Auf Carl Craigs Planet E Communications erscheint 1997 "Faces & Phases", eine Compilation älteren Materials von Reese, Tronik House über Reese & Santonio und E-Dancer bis hin zwei Inner City-Tracks.

Dave Clarke, Funk D'Void und zahlreiche Produzenten lassen sich von Saundersons visionärem Sound zu eigenen Produktionen inspirieren. Ende der 90er Jahre belebt Kevin Saunderson sein Label KMS Productions mit einigen E-Dancer-Releases wieder, die allesamt heftig den Dancefloor rocken.

In dieselbe Kerbe schlagen die 2002 initierten Mix-CDs KS 01, KS 02 und KS 03 mit Tracks von Adam Beyer, Samuel Session, Funk D'Void, Bryan Zentz, Oxia & The Hacker und Jeff Mills. Seine Remixarbeiten für Dirty und Marco Carola unterstreichen Saundersons Liebe für kräftig nach vorne gehende Grooves.

Diese dominieren auch den 2007 für das slowenische Label Matrix Music eingespielten Mix mit dem Titel "Ekspozitija 07: The Detroit Connection". Mit neuen Produktionen hält sich Saunderson dagegen zurück.

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