Porträt

laut.de-Biographie

Tony Yayo

"Mach's wie wir, Generation T! Es trägt sich einfach besser, wenn man dazu steht, und jedes T-Shirt hat seine Geschichte, also spitz' Deine Ohren, wenn ich Dir eine berichte." (Eins Zwo, "Generation T") "Lass Deine T-Shirts sprechen", dachte sich wohl auch Kollege Eminem, als er seine Garderobe für die Grammy-Verleihung am 24. Februar 2003 wählte. "FREE YAYO" las die Welt und fragte sich: Yayo? Bitte wer? Spätestens seit Sommer 2005 dürfte diese Frage einfacher zu beantworten sein. Tony Yayo, der Knastbruder der G-Unit, präsentiert mit "Thoughts Of A Predicate Felon" sein Debüt-Album.

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Die Geschichte von Eminems T-Shirt beginnt am 31. März des Jahres 1978 in Queens, New York: Hier erblickt Marvin Bernard das Licht der Welt; später soll er den Bühnennamen Tony Yayo wählen. Gerne lässt er sich auch Tsunami Yayo rufen. Oder T.O.N.Y., was soviel heißen soll wie "Talk Of New York". Er errapt sich in seiner Gegend Ansehen und Respekt; mit Unterstützung des (vollkommen unbekannten) Indielabels First Choice veröffentlicht er etliche Mixtapes. Etwa zur gleichen Zeit, als dieser von Columbia unter Vertrag genommen wird, trifft Yayo 50 Cent, der zu seinem Freund und Mentor avanciert. Tony gehört 1998 zu den Gründungsmitgliedern der G-Unit.

Beim Dreh zu 50s erstem Video, Tony Yayo ist selbstverständlich mit von der Partie, hat er nach eigenen Angaben eine Art Erweckungserlebnis: "Mir wurde klar, dass es Rapper gibt, die genau so viel Kohle machen wie Drogendealer, oder sogar mehr", lässt er im Interview verlauten. "Da man mit der Dealerei über kurz oder lang tot oder im Knast endet, war die Entscheidung für mich klar." Nun, wie der Lauf der Dinge zeigt, schützt eine Karriere als Rapper zuverlässig weder vor dem einen noch dem anderen. Im Mai 2000 wird 50 Cent von neun Kugeln niedergestreckt. Diese erledigen zwar nicht ihn (nach nur 13 Tagen im Krankenhaus ist er wieder auf den Beinen), wohl aber vorerst seine Rap-Karriere: Columbia fürchtet die negative Publicity und trennt sich von 50. Nach etlichen Wirren landet er 2002 schließlich bei Shady Records.

Tony Yayo ist in dieser Zeit des Wechsels anderweitig beschäftigt: Im Zusammenhang mit einem Mordfall wird er vor Gericht geladen. Er hat zwar mit der Sache nichts zu tun, zieht aber dennoch vor, zu diesem Termin gar nicht erst zu erscheinen. Das wird auch in den USA nicht gern gesehen: ein sicherer Weg zum Haftbefehl. Im Dezember 2002 macht Tony sich mit seinen G-Unit-Kollegen 50 Cent und Lloyd Banks auf den Weg zu einem Auftritt. Man fragt sich: Wozu brauchen die Herren dabei eine Waffe im Auto? Diese Frage stellen sich sie kontrollierenden Ordnungshüter ebenfalls und nimmt das Trio fest.

Während die anderen beiden gegen eine Zahlung frei kommen, funktioniert das bei Tony Yayo nicht, da er ohnehin gesucht wird. Er muss sich wegen unerlaubten Waffenbesitzes verantworten. Ein cleverer Anwalt sowie breite Unterstützung von Shady und Interscope Records (unter anderem in Form von Briefen von Eminem und Dr. Dre, die Tony eine viel versprechende Karriere attestieren) führen zu einem relativ milden Strafmaß: Tony Yayo muss lediglich für etwas länger als ein Jahr hinter Gitter.

In dieser Zeit ändert sich einiges. Young Buck stösst zur G-Unit; sofort kursiert in der Szene das Gerücht, er käme als "Ersatz" für Tony Yayo. Dieser sieht das anders: "50 wollte Young Buck schon lange ins Boot holen. Damit hab' ich kein Problem." Auf dem G-Unit-Debüt von 2003 kann Tony Yayo in Anbetracht der Unstände nur bedingt mitmischen: Er liefert lediglich zwei Feature-Auftritte auf "Beg For Mercy".

Die Familie lässt ihren gefallenen Sohn allerdings nicht im Stich: In der Absicht, eine Art Support-Netzwerk für den inhaftierten Kollegen zu schaffen, ruft die restliche G-Unit die Free-Yayo-Bewegung ins Leben. Die Sache, die mit Shout-Outs ("Free Yayo!" tönt Young Buck im G-Unit-Track "Stunt 101") und Graffiti-Pieces (im zugehörigen Video) beginnt, verselbständigt sich. Wenig später sind bereits Free-Yayo-Klamotten und -Accessoires zu haben. Am 8. Januar 2004 wird Tony Yayo aus der Haft entlassen. Am 10. Januar sitzt er bereits wieder im Bau. Diesmal nicht, wir zunächst gemeldet wird, wegen Verstoßes gegen die Bewährungsauflagen: Nein, Mr. Yayo wird mit einem gefälschten Pass erwischt. "Free Yayo" hat weitere sechs Monate seine Daseinsberechtigung.

Die Zeit im Gefängnis stürzt Tony Yayo nicht in Selbstzweifel. Wieder draußen, macht er sich an die Arbeit: Nach seinem Erscheinen auf diversen Mixtapes (darunter DJ Whookids "G-Unit Radio"), Features auf sämtlichen G-Unit-Solodebüts (von 50, Lloyd Banks, Young Buck und The Game) und Aufnahmen mit Lil' Flip, Paul Wall, Eminem und Dr. Dre wird es Zeit für den eigenen großen Auftritt. "Thoughts Of A Predicate Felon" erscheint 2005, nachdem Vorabveröffentlichungen neuer Tracks auf Tapes und im Radio die Erwatungen schürten.

50 Cent wirkt als Gastkünstler und Executive Producer mit; andere Produktionen stammen von Dr. Dre, Eminem und Rockwilder (der bereits für Methodman, Redman, Jay-Z, De La Soul und zahllose andere an den Reglern saß). Die Singleauskopplung "So Seductive" featured 50 Cent, aber auch Spider Loc, Eminem, Obie Trice, Lloyd Banks, Olivia, Joe und Jagged Edge kommen im Lauf des Albums zu Wort. Selbstredend nutzt Tony Yayo sein Album, um seine Feindschaften zu pflegen: Jadakiss, Fat Joe und besonders der 2005 von 50 aus der G-Unit gekickte The Game bekommen derbe ans Bein gepisst.

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