Porträt

laut.de-Biographie

The Weeknd

Am Anfang war nur die Musik. Kein Bild, keine Biografie. Nichts. Nur die Musik. Im März 2011 schießt ein Track durch die Blogosphäre, der mit flirrender Leichtigkeit, britischem Drum-Programming und einer einzigartigen Stimme R'n'B-Freunden weltweit den Atem verschlägt.

Der Track heißt "What You Need", stammt von der nicht weiter erklärten Band (?) The Weeknd und erzählt von Sex und Drogen und all den anderen Schmerzen. Die kontemporäre R'n'B-Szene scheint sich nach einem neuen Star die Finger zu lecken. Anders ist nicht zu erklären, wieso Szene- und Massenmedien The Weeknd im Laufe von nur wenigen Wochen zum nächsten großen Ding stilisieren. Nun gut, es könnte auch damit zusammenhängen, dass diese Musik nicht von dieser Welt zu sein scheint.

Nach dem plätschernden Abgang von R. Kelly, dem ungekrönten König des so anzüglichen wie grandiosen Rhythm & Blues', scheint sich die Szene mit einem Nachfolger schwer zu tun. Klar, es gibt The-Dream, Trey Songz und andere als Weichspüler bezeichnete Liebessäusler. Aber so richtig weiß man den musikalischen Anspruch dieser neuen Garde - zumindest hierzulande - nicht zu schätzen.

Vielleicht ist das der Grund, wieso die geneigte Öffentlichkeit das geheimnisvolle Projekt aus dem kanadischen Toronto nach so kurzer Zeit so bedingungslos feiert. The Weeknd liefert die Kraftausdrücke, die unter die Haut gehenden Emotions-Abfahrten, die Drogenräusche und die zu kalten Tränen rührenden Balladen. All das präsentiert auf einem musikalischen Tablett aus Post-Dubstep-Entwürfen und diesem verloren geglaubten Aaliyah-Gefühl.

Zur Online-Veröffentlichung des EP-Mixtapes "House Of Balloons" im März 2011 sickern die ersten Informationen ins Internet. The Weeknd besteht im Wesentlichen aus dem 21-jährigen Abel Tesfaye. Zudem sollen die Produzenten Doc McKinney und Illangelo am Weeknd-Sound beteiligt sein.

Grundsätzlich sei The Weeknd aber ein Ein-Mann-Unternehmen und Teil der XO Crew aus Toronto. Auch die kennt natürlich keine Sau, dennoch setzt sich die Crew als gut organisierter und übermotivierter Kreativ-Haufen in Szene. Zumindest verkauft man dieses Bild über etliche Tumblr-Seiten und Twitter-Timelines.

Einen einflussreichen Mentor findet The Weeknd in dem gerade zum Superstar aufgestiegenen Rapper Drake, der über seine Web-Kanäle Abel in den höchsten Tönen lobt. Drake twittert Lyrics von "House Of Balloons", erklärt seine Faszination für den Jungspund aus der Nachbarschaft, dementiert aber zeitgleich: Er und sein Haus- und Hof-Produzent Noah "40" Shebib haben nichts mit der Produktion zu tun.

Dennoch sind die Weichen für den Erfolg gestellt. "House Of Balloons" besitzt die Qualität, um sich mit dem ganzen Musikindustrie-Rest zu messen. Die Veröffentlichung eines Albums von einem anderen aufsteigenden R'n'B-Sternchen, "Nostalgia, Ultra" von Odd Futures Frank Ocean, reißt Kritiker sogar dazu hin, von einer gänzlich neuen R'n'B-Bewegung zu schwärmen.

The Weeknd und Frank Ocean seien Hybride aus dem Geist der vergangenen R. Kelly-Generation und den singenden Produzenten-Spezies James Blake, How To Dress Well und Jamie Woon. Man nennt die Chose Hipster-R'n'B, weil man sich offensichtlich nicht so ganz im Klaren darüber ist, dass es sich hier lediglich um die logische Weiterentwicklung eines Sub-Genres handelt, das es über die Jahre immer gegeben hat.

Eine Aussage von The Weeknd über die musikhistorische Eigeneinschätzung gibt es jedenfalls nicht. Interviews finden nicht statt. Stichhaltige Kommunikation sowieso nicht. The Weeknd bleibt das geheimnisvolle Phänomen, das in seinen Songs im Falsett über Drogentrips und Beischlaf-Exzesse singt und Siouxsie and the Banshees' "Happy House" aus dem Jahr 1981 covert.

Spacige Synthies, elektronische Drums und narkotische Melodien machen aus der inhaltlichen Kater-Stimmung eine musikalische Großtat. Auf der Erfolgsleiter, die im Jahr 2011 nicht in Albenverkäufen, sondern Twitter-Followern, Facebook-Likes und Free Download-Zahlen gemessen wird, geht es weiter nach oben.

In Drake findet Abel nicht nur einen treuen Supporter, sondern auch einen seiner größten Fans. Drake informiert seine Gefolgschaft in regelmäßigen Abständen von der Größe von The Weeknd und kollaboriert mit seinem neu gewonnenen Kumpel aus Toronto schon zu Beginn dessen noch junger Karriere. Auf der zweiten Mixtape-EP "Thursday", die als Teil einer Triologie im August 2011 erscheint, taucht Drake auf dem Song "The Zone" mit einem Gastbeitrag auf. Am ersten Tag wird das Mixtape fast 200.000 Mal heruntergeladen.

The Weeknd revanchiert sich und legt Drakes "Trust Issues" neu auf. Im Booklet seines zweiten Albums "Take Care", auf dem The Weeknd auf zwei Songs dabei ist, lässt sich Drake zu großen Worten über den Newcomer hinreißen:

"An Abel: Dich zu treffen, hat mein Leben verändert. Und ob dus glaubst oder nicht: Du bist dafür verantwortlich, wie dringend ich möchte, dass dieses Album eines ist, das im Gedächtnis bleibt. Du bist eine begabte Seele und hast der Welt etwas extrem besonderes gegeben." The Weeknd revanchiert sich 2013: Auf seinem Album "Kiss Land" geht der einzige Featurepart an Drake.

Wie sehr The Weeknd im popkulturellen Hier und Jetzt angekommen sind, zeigt aber schon eine Auftragsarbeit aus dem Herbst 2011, nur wenige Monate nachdem das erste Mal überhaupt außerhalb der Stadtgrenzen Torontos von The Weeknd die Rede war: Für das Remix-Album von Lady Gaga darf The Weeknd den Song "Marry The Night" neu interpretieren und sich so schlagartig einem Millionenpublikum vorstellen. Die Zuneigung der größten Pop-Stars der Gegenwart hat The Weeknd offensichtlich sicher. Millionen weitere Fans werden folgen.

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