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Am 20. März im Jahre des Herrn 2004 steht ein 22 Jahre alter junger Mann mit schütteren Haaren, schlabbrigen Jeans und Rollkragenpulli auf der großen Bühne und wirkt dort etwas verloren. Er tritt zur Vorausscheidung zum 'Eurovision Song Contest' an und rivalisiert mit arrivierten Popgrößen wie Sabrina Setlur, Scooter und Laith Al-Deen um den Sieg. Eben jenen fährt er - erdrutschartig wäre noch untertrieben - mit sagenhaften 92 Prozent der Stimmen im finalen Wahlgang locker ein.
In der Glitzerwelt der Popmusik sticht der am 21.05.1981 als Maximilian Nepomuk Mutzke im kleinen Krenkingen geborene Newcomer durch seine unaufgeregte Einfachheit heraus. Während anderswo die Ausschnitte nicht offenherziger, die Frisuren nicht bombenfester gesprayt sein könnten, wirkt ein in Freizeitklamotten daher kommender Twen verstörend fremdartig. Was ihn jedoch von Super-, Mega- und Möchtegernstars unterscheidet, ist seine im besten Sinne des Wortes volle, warme und soulige Stimme. Für die Berliner Taz ist er nach seinem Finalsieg "das ersehnte Dementi aller Alexanders, Küblböcks und Juliettes". Weshalb? Schließlich kann auch Max nur deshalb am Eurovisions-Wettbewerb teilnehmen, weil er vorher das Casting von TV Total-Moderator Stefan Raab für sich entscheiden kann.
Der Unterschied liegt auf der Hand. Wo beim Superstar-Genudel allzu oft lediglich die Marketingseite der Musik im Vordergrund und nicht selten Talent befreite Hupfdohlen im Rampenlicht stehen, kehrt mit Mutzkens Max die Seele der Musik ins Rampenlicht der Charts zurück. Die Frage, weshalb das Gesangstalent erst jetzt Beachtung findet, erklärt der Süddeutsche selbst. Er habe keine Lust gehabt, bei anderen Castingshows mitzumachen, da es dort weniger um die Klänge als um das Drumherum gehe.
Ein Faible für Musik gibt ihm sein Vater weiter, der seit den Sechziger Jahren begeisterter Schlagzeugspieler ist und den kleinen Hüpfer oft mit zu den Proben seiner Band nimmt. Als Sechsjähriger schnappt er sich zum ersten Mal die Sticks seines Daddys, die er fortan nur noch selten aus der Hand legt. Sein stimmliches Talent entdeckt die Mutter. Ausgerechnet Matthias Reims "Verdammt Ich Lieb Dich" offenbart, dass da doch mehr als nur ein musikbegeisterter Knirps trällert. Übereifrige Mamas rennen bei solchen Gelegenheiten zum Gesangslehrer, nicht in diesem Fall, denn Nepomuk nimmt kein professionelles Training in Anspruch.
Dafür hört er umso intensiver bei seinen musikalischen Favoriten hin. Der zehnköpfige Tower Of Power schenkt ihm die Liebe zum Funk, der Gottvater den Soul und Incognito die groovelastige Improvisation. Er scheint die Lauscher ziemlich weit aufgestellt zu haben, denn die Freiburger Jazz- und Rockschule scheint an sein Talent zu glauben und nimmt ihn auf.
Das geregelte Befassen mit Musik scheint seine Sache jedoch nicht zu sein, und so kehrt er dem Breisgau den Rücken und in den Südschwarzwald zurück. Dort schließt er sich 2000 der Formation Project Five an, bei der er neben dem Leadgesang auch für die Schlagzeugparts zuständig ist. Eigentlich nur für einen Gig gegründet, entwickelt sich das Spaßprojekt zu einer ernsteren Angelegenheit, die in der Produktion der ersten CD "B'Funked" gipfelt. Die Professionalität erreicht mit dem Gewinn eines Bandcoachings beim Soundcheck-Magazin ein höheres Level. Die Gruppe gibt viele Konzerte, bei denen sie den Anwesenden ordentlich einheizt. Eigentlich stehen alle Zeichen auf Durchbruch, bis dann die Ansage von Stefan Raab im Dezember 2003 kommt, ein Casting für den Song Contest durchführen zu wollen.
Max fährt mit einem Kumpel nach Köln, um im dort aufgestellten Container vorzusingen. Wieder zurück in der Heimat angekommen, überrascht ihn die Nachricht, dass er bei der Show "SSDSGPS" ("Stefan Sucht Den Super Grand Prix Star") mitmachen soll. Gegen weitere acht Mitbewerber geht er am 19. Februar 2004 aus der Sendung als Sieger hervor. Jetzt soll seine Teilnahme eigentlich gesichert sein, was sich jedoch als Irrtum heraus stellt, denn der Initiator des Castings, Raab persönlich, verpennt schlicht und einfach die Frist, um seinen Kandidaten beim Ausrichter, dem Norddeutschen Rundfunk, anzumelden. Das Hintertürchen, das noch übrig bleibt, ist die Platzierung des teilnehmenden Titels unter den Top 40 der deutschen Single-Charts. "Can't Wait Until Tonight", so der Name des von Raab komponierten und produzierten Titels landet Dank Stefans unermüdlichen medialen Einsatzes auf der Pole Position der Bestenliste.
Gerade noch rechtzeitig bekommt Mutzke so die Wildcard des NDR. Vor der Veranstaltung, die im Berliner Tempodrom über die Bühne geht, kristallisiert sich immer deutlicher heraus, dass der Show-Newcomer aus dem Ländle als Favorit ins Rennen geht. Spätestens nach seinem ergreifenden Auftritt, weiß auch der Letzte weshalb. Das Ticket nach Istanbul ist gesichert, und auch wenn Max dort nicht alle Erwartungen erfüllen kann, ist die Grand Prix-Teilnahme für ihn doch der Beginn einer musikalischen Karriere, der mit dem Erscheinen seines ersten Albums eine angemessene Fortsetzung erfährt.
Das Publikum liebt die zurückhaltende und fast schon etwas schüchterne Art des Sängers. Um seine Karriere voran zu treiben, zieht er aus dem beschaulichen Südschwarzwald ins turbulentere Köln. Dort hält er es jedoch nicht allzu lange aus und kehrt wieder in die Heimat zurück. Konzerte gibt Max reichlich. Diese finden jedoch nicht in Riesenhallen statt, sondern in kleineren Clubs. Und das trotz Platin für die Single "Can't Wait Until Tonight" und mit 100.000 verkaufter Einheiten, Goldstatus für "Max Mutzke", das fünf Wochen die Pole Position der Charts hält.
Im Mutzke-Lager herrscht eitel Sonnenschein, der jäh eine unerwartete Trübung erfährt. Im Oktober 2005 ist Mutzke mit einem Bekannten in einem PS-starken Auto in der Umgebung seiner Heimatstadt Tiengen unterwegs, als der Fahrer des Wagens wegen völlig überhöhter Geschwindigkeit von der eigenen Fahrbahn abkommt und den VW-Polo einer entgegen kommenden jungen Frau rammt. Die Fahrerin stirbt, Mutzke erleidet lediglich leichte Verletzungen. Auch der Fahrer des Unglückswagens kommt mit Verletzungen davon. Das Tragische an der Geschichte: Max kannte die Frau persönlich. Noch dazu war sie schwanger und stand kurz vor ihrer Hochzeit. Damit wird er noch einmal konfrontiert, als es im August 2006 zur Gerichtsverhandlung kommt, während der Mutzkes Bekannter behauptet, dieser habe ihn angehalten, schneller zu fahren, was Max jedoch bestreitet.
Abseits dieser traurigen Geschichte gibt es auch Positives zu vermelden. Für die Piece By Piece-Tour des englischen Superstars Katie Melua bestreitet Max 2006 das Vorprogramm. In großen Hallen beweist er, dass er es nach wie vor drauf hat, die Massen zu unterhalten.
Rechtzeitig zum Hochsommer 2007 präsentiert Mutzke sein zweites Album "... Aus Dem Bauch". Er komponiert fast alle Songs selbst und schärft damit sein Profil deutlich zu seinen Gunsten. Den Produktionspart übernimmt abermals Stefan Raab, der ihm einen warmen, (fast schon zu) angenehmen Sound auf den Leib schustert. Handgemachte Musik die "... aus Dem Bauch" kommt, mit hohem Wiedererkennungswert und erheblichem Chartpotenzial - was will man mehr?
Nach diesem gelungenen Album bricht eine Zeit des Wandels an. Lehrmeister Raab hat aufgrund seiner zahlreichen Fernseh-Tätigkeiten keine Zeit mehr, einen dritten Longplayer mit Max zu produzieren. So begibt Mutzke sich auf die Suche nach einem neuen Arbeitsumfeld. Nebenbei spielt er fleißig Konzerte, kollaboriert mit Klaus Doldinger oder tritt mit dem Tatort Jazz Orchester auf.
In Hamburg findet er in Oliver Rüger und Michael Kersting (Sasha, Cosmo Klein) seine neuen Produzenten. "Black Forest" erscheint im November 2008 und gerät erheblich poppiger als die beiden Vorgänger. Das Album erreicht nicht mehr die Chartsplatzierungen der Vorgänger, was Mutzke aber nicht daran hindert, langsam zu einem festen Bestandteil der deutschen (Alternativ-)Popszene zu werden. Stetig arbeitet er an seiner Musik.
Im Herbst 2010 als mittlerweile fast 30-Jähriger veröffentlicht er ein erwachsenes Album. "Home Work Soul" bedient sich, wie der Titel andeutet, wieder auf Mutzkes stimmliche Primärtugend, den Soul und mischt ihn mit nicht zu aufdringlichen Pop-Elementen. Mit seinem vierten Soloalbum findet Mutzke zu einem eigenständigen Stil und verwirklicht das Bild, das er schon als schlaksiger Grand Prix-Teilnehmer zu Beginn seiner Karriere vermittelt hat: Gute deutsche Musik in Handarbeit ist eben doch möglich.
Der Sänger über die Trennung von Stefan Raab, Castings und den Mainstream.
Vor seinem dritten Album hat Max Mutzke sich von seinem Produzent und Lehrmeister Stefan Raab getrennt. Kurz vor Weihnachten sprachen wir mit dem Waldshuter über die neu gewonnene Freiheit und "Black Forest".
Als an diesem kalten Dezember-Nachmittag in der Redaktion das Telefon klingelt, bin ich schon ein wenig nervös. Schließlich ist es mein erstes Interview. Doch die freundliche und lockere Stimme am anderen Ende der Leitung schafft sofort eine entspannte Atmosphäre. Schon nach den ersten paar Sätzen netten Smalltalks ahne ich, dass Max Mutzke viel zu erzählen hat. Einem spannenden Gespräch steht also nichts im Wege.
Dein neues Album heißt "Black Forest", ist aber ziemlich amerikanisch gehalten. Wie spiegelt sich der Schwarzwald darin wieder?
Das ist eine gute Frage. Es gibt viele Interpretationsmöglichkeiten warum wir den Titel gewählt haben. Einmal hätte ich es auch Schwarzwald nennen können, aber dann wollte ich ihm natürlich einen englischen Namen geben, weil das Album auch englisch-sprachig ist. Viele sagen: Black Music - dann halt "Black Forest". Das passt ja auch irgendwie. Aber so weit wollte ich gar nicht gehen. Ich wollte echt nur diesen Namen aufs Album bringen, weil ich ihn sehr eigen finde. Ich kenne kein Album, das "Black Forest" heißt. Und inwiefern spiegelt es den Schwarzwald wieder - das ist natürlich ganz schwierig. Den Song "Backyard" habe ich für den Schwarzwald geschrieben, für meinen Freundeskreis. Backyard heißt ja eigentlich Hinterhof.
Im Schwarzwald gibts ja gar keine Hinterhöfe, da fängt immer gleich die Wiese an, wenn man aus dem Haus läuft. Aber dieses Gefühl, das der Hinterhof in einer Stadt vermittelt, wo man sich in die Sonne legen oder Fußballspielen kann, das habe ich oft wenn ich hier bin. Denn wenn ich Zuhause bin, dann ist das für mich Freizeit. Also ich habe Zuhause sozusagen außer Mails checken nichts zu tun. Wenn ich auf Tour bin, bin ich ja dann dafür 24 Stunden am Tag unterwegs. Deswegen ist der Schwarzwald für mich ein ganz wichtiger Ruhepol.
Wie kam es denn dann zu den englischen Texten? Die widersprechen dem Gefühl von Heimat doch ein wenig.
Ja, das stimmt. Das Album ist ja diesmal rein englisch-sprachig, anders wie bei den ersten beiden Alben, da waren ja deutsch und englisch gemischt. Ich mag beide Sprachen sehr gerne. Früher hatte es damit zu tun, dass ich sehr viel selbst geschrieben hatte und ausschließlich deutsch schreibe. Ich schreibe nicht gerne auf Englisch, weil ich dann das Gefühl habe, es kommt eher flaches Schulenglisch dabei raus. Bei diesem Album ist es so gewesen, dass wir das ganze Arbeitsumfeld geändert haben. Ich bin ja weg von Stefan Raab, was die Arbeit angeht. Also wir verstehen uns nach wie vor sehr gut und er unterstützt mich auch wo es geht, aber wegen Zeitmangels, konnten wir nicht mehr zusammen ins Studio gehen. Er hat ja viele Shows, gerade am Wochenende.
Wir haben uns zusammen nach einem neuen Management umgeschaut und haben es in Hamburg gefunden. Dort sind auch unsere Produzenten, die Plattenfirma und die Band. Dadurch hat sich mein ganzes Arbeitsumfeld nach Hamburg verlagert. Gleich am ersten Tag haben wir "Marie" und "New Day" erarbeitet, die Songs haben die beiden Produzenten für mich geschrieben. Mit den Stücken erhielten wir so gutes Feedback, dass wir eine enorme Euphorie und Motivation für das Album bekamen. Wir haben dann innerhalb kürzester Zeit sechzehn Titel geschrieben und die waren auf Englisch. Das hat sich einfach so ergeben. Wir wollten nachher nicht zwanghaft noch einen deutschen Titel schreiben. Wir waren sowieso schon im Zugzwang mit den VÖ-Terminen. Wir haben dann gesagt: jetzt haben wir sechzehn so schöne Titel, von denen wir sowieso wieder vier runternehmen müssen, weil nur zwölf aufs Album sollten. Die anderen vier werden zu anderen Gelegenheiten veröffentlicht. So wurde es englisch-sprachig.
Wie viel Einfluss hatten die Produzenten auf deine Arbeit?
Natürlich sehr viel. Es ist ganz wichtig, dass man den Produzenten vertraut. Die Produzenten sind nämlich stark dafür verantwortlich, dass man das richtige Gesangs-Timbre findet, die richtigen Instrumente einsetzt, eben dass das Gesamtpaket homogen ist. Außerdem haben sie großen Einfluss auf die Arbeit, die man im Studio abliefert. Bei "Not Right" zum Beispiel, färbe ich meine Stimme, wie ich es vorher noch nie getan habe. Wir haben zehn Stunden an der Nummer gesessen, bis ich es dann nachts um zwei irgendwann geschafft habe, so zu singen, wie die beiden sich das vorgestellt hatten. Jetzt bin ich auch überglücklich, dass wir diese ganze Diskussion hatten. Da wird dann auch richtig kontrovers diskutiert, dann wirds auch mal lauter und dann geht man ins Internet und sucht nach Beispielen. Produzenten haben einen ganz ganz großen Teil am Album beizutragen.
Hättest du denn Interesse gehabt, noch mal mit Stefan Raab zu arbeiten?
Als wir uns beruflich getrennt haben dachte ich: schon Scheiße irgendwie. Das könnte jetzt auch der Anfang vom Ende sein. Jetzt fühle ich mich sehr gut mit der Situation und könnte mir zurzeit auch nicht vorstellen, noch mal ein Album mit ihm zu machen, aber nur weil wir gerade schon so heftig am Arbeiten sind. Wenn sich irgendwann die Möglichkeit ergibt, wieder etwas gemeinsam zu machen, würde ich sofort zusagen. Ob es ein ganzes Album wäre weiß ich nicht, aber bei einem Projekt wie "Dicks On Fire" für Stock Car oder der Single zum Bully-Film "Lissi Und Der Wilde Kaiser" wäre ich jeder Zeit wieder dabei. Oder auch wenn er 'ne gute Nummer hat, 'ne Jazz-Nummer oder sowas. Er schreibt ja auch sehr schöne Sachen, bei denen man niemals dahinter käme, dass sie von ihm sind. Bei vielen Songs hört man, dass Stefan sie geschrieben hat, aber es gibt auch Stücke, die klingen gar nicht nach ihm. Zum Beispiel die Jazz-Ballade "Like A Fire" vom zweiten Album. Deswegen kann ich mir gut vorstellen, auch wieder Sachen von ihm zu machen.
Du warst ja vor dem Album ziemlich lange weg. Was ist denn während der Pause passiert?
Wir haben sehr viele Projekte gemacht, also Dinge, die nicht direkt mit mir zu tun hatten. Wir waren mit Klaus Doldinger und Passport unterwegs, haben mit Jazzkantine ein Album aufgenommen, außerdem habe ich im Friedrichstadtpalast und an der Großen Eisrevue in Wolfsburg gespielt. Es kamen ganz viele solche Dinge dazu. Davon bekommt man in der Öffentlichkeit nichts mit. Natürlich kommen 5.000 Leute wenn man mit der Jazzkantine irgendwo spielt, aber das sind halt dann nur 5.000. Es kommt nicht im Fernsehen und auch nicht groß in der Presse. Deswegen sieht es dann immer so aus als hätte man in der Zeit nichts gemacht. Es hat natürlich auch gedauert, bis im neuen Team alles routiniert ablief, das Album produziert und die VÖ-Termine gewählt waren. Dazu kommen Artwork und Videodreh. So etwas geht über Monate.
Sind die Kollaborationen mit den Großen dann die Momente, die man nutzt um zu lernen? Oder wie lernst du sonst? Hast du Stimmbildung?
Nein, ich habe nie Gesangsunterricht genommen. Ich hatte einmal Probleme bei einer Tour. Da hatte ich Heuschnupfen und wir waren bei uns in Waldshut im Rhein baden. Bei uns hat der Fluss ja noch Trinkwasser-Qualität, da kann man sozusagen noch aus dem Rhein saufen. Nachdem die Band und ich dann einen Tag gebadet hatten, waren meine Stirnhöhlen voll, und ich konnte überhaupt nicht mehr singen - also nicht mehr richtig gut. Da half mir dann ein Gesangs-Coach. Der hat mir beigebracht, wie man sich aufwärmt, wenn man schon am Tag merkt, dass die Stimme kratzt. Ich nehme nicht alles ganz ernst. Ich wärme mich vor dem Konzert relativ selten auf. Es ist aber auch oft eine Kopfsache. Wenn es einem mal nicht gut geht, oder man unter negativem Stress leidet, muss man sich auf jeden Fall gesanglich warmmachen. Ansonsten geht es nicht. Im Moment geht es mir psychisch so gut, dass ich mich überhaupt nicht warmsingen muss. Wie gesagt, ich glaube das ist eine Kopfsache.
Nein, dass ich bei einer Casting-Show war, hat mich hat ehrlich gesagt gar nicht so groß beeinflusst. Das lag aber daran, dass mir die Öffentlichkeit sofort zu verstehen gegeben hat, dass sie sich darauf überhaupt nicht konzentriert. Diese Casting-Show war ja auch nur da, um beim Grand Prix mitzumachen, was ja reibungslos geklappt hat. Und das sogar mit überwältigendem Erfolg. Stefan und ich waren ganz aus dem Häuschen. wir hätten das nie geglaubt. Dieser Aha-Effekt mit Casting-Show, Stefan Raab wieder beim Grand Prix und ein Junge aus dem Schwarzwald, der so singt, hat natürlich für Furore gesorgt. Ich glaube, das hat ganz schnell von der Casting-Show abgelenkt. Und wenn ich Interviews gegeben habe hieß es immer: "Hey, du kommst zwar von einer Casting-Show, aber man sieht dich nicht als Casting-Gewinner, sondern man hat das Gefühl, du warst relativ schnell etabliert. Ich bin sehr froh, dass es so angesehen wird. Wenn es anders wäre, wüsste ich nicht, ob ich ein Problem damit hätte. Casting-Gewinner haben durch die Häufigkeit und die fehlende Qualität der Casting-Shows in Deutschland einen Negativ-Touch. Die Gewinner dieser Sendungen werden meistens nicht ernst genommen.
Was hältst du von Popstars?
Ich finde es ganz schwierig. Es gibt immer wieder Teilnehmer, die was drauf haben. Monrose können zum Beispiel sehr gut singen. Es gibt aber auch Leute, bei denen hat man das Gefühl, die sind da irgendwie reingerutscht, ohne es zu bewusst zu wollen. Denen fehlt einfach die Magie und die Ausstrahlung. Aber das kann ja auch noch kommen. Es gibt ja Leute die entwickeln sich. Ich habe mich in den letzten fünf Jahren definitiv auch entwickelt. Das macht man sicher durch, aber wenn man einen Teilnehmer sieht, der irgendwie überhaupt nichts mitbringt, finde ich das schon sehr fragwürdig. Das muss aber jeder selbst entscheiden und wenns funktioniert, dann funktionierts. Ich will das niemals werten. Es ist eben nur nicht alles so wertvoll, wie es immer von den Medien dargestellt wird.
War es schwierig für dich, aus Stefan Raabs Schatten zu treten?
Nein gar nicht. Stefan hat sich immer voll auf mich konzentriert und wollte nicht einfach seine eigenen Sachen machen. Ich musste also keine Kompromisse eingehen. Es war keine reine Diskussion, sondern wir waren uns immer sehr schnell einig. Seien es Texte, Lieder, oder Auftritte, oder andere öffentliche Dinge. Natürlich ist der Stefan eine Ikone in Deutschland, aber ich hatte nie das Gefühl, in seinem Schatten zu stehen. Wir waren immer gleichwertig - eben auf der gleichen Wellenlänge. Als ich aus der Sache mit Stefan raus war, fühlte ich mich erst komisch, aber jetzt ist es um so besser. Es fühlt sich jetzt noch viel mehr nach Rock'n'Roll an und man hat viel mehr eigene Verantwortung.
Früher war meine Einstellung einfach die: Ja wenn Stefan dabei ist - der wird schon wissen was er macht. Ich habe ihm immer sehr stark vertraut, wenn es um Projekte ging. Jetzt hinterfrage ich viel, was so um mich passiert, entscheide sehr viel selbst und will das auch. Das wollte ich vorher nicht, und es fühlt sich jetzt eben noch viel besser an.
Du hast ja gerade sehr viele Sachen am Laufen. Auch mit Project Five, deiner Band, gab es jetzt wieder eine Tour. Was bedeutet die Gruppe für dich?
Project Five ist total wichtig für mich. Allein aus dem Grund, weil es sehr gute Freunde sind, die mit uns da Musik machen. Das macht natürlich brutal viel Spaß. Ein ganz großer Spaßfaktor ist für mich das Schlagzeugspielen, was ich in der Band vom ersten bis zum letzten Song konsequent mache. Außerdem hat sich die Besetzung geändert. Saxophonist, Gitarrist und Posaunist sind gegangen. Wir haben jetzt einen neuen Gitarristen und einen neuen Saxophonisten. Diese Jungs haben so ein extrem hohes Level mitgebracht, das wir innerhalb einer Woche einen Sprung um 400% nach oben gemacht haben. Jetzt mit den Jungs zu spielen, ist komplett frei. Zwar sind alle Songs arrangiert, während der Konzerte passiert trotzdem enorm viel. Wir haben jetzt eine unglaubliche Dynamik drin. Es ist halt keine kommerzielle Musik für die breite Masse. Es tut aber auch mal ganz gut, fern ab von jeglichem kommerziellen oder finanziellen Aspekt Musik zu machen, und das einfach nur genießen zu können. Es ist dann nicht zwingend notwendig, dass die Halle voll ist. Ist sie aber doch immer. Ich glaube, wir haben halt viel Spaß auf der Bühne und das kriegt man auch überall mit. Deswegen haben wir da einen sehr einfachen Job, und der macht extrem viel Spaß.
Ist das dann ein Ausgleich für dich?
Ja, musikalisch ist es ein absoluter Ausgleich am Schlagzeug zu sitzen. Als wir mit Katie Melua auf Tour waren, habe ich bei drei Nummern Schlagzeug gespielt. Obwohl da Hits wie "Can't Wait Untill Tonight" dabei waren, bekam ich weniger Applaus, als wenn ich vorne auf der Bühne stand. Also, man bekommt gute Resonanz, wenn man sich zwei-, dreimal am Abend hinters Schlagzeug setzt. Wenn man das durchziehen würde, würde das die breite Masse nicht verstehen. In der Band kann ich das von a bis z machen, und genieße es.
Nein, überhaupt nicht. Die Musik, die ich in der Öffentlichkeit mache und die ich auf dem Album habe, habe ich schon immer extrem geliebt und mache sie sehr gerne. Sie ist auch so ähnlich wie die von Project Five, nur dass Project Five einfach noch vermuckter ist. Also komplizierter. Wir haben halt Einflüsse aus Funk und Fusion, die habe ich in der Öffentlichkeit nicht. Aber das ist auch ganz gut so. Denn damit erreiche ich die Leute natürlich auch viel besser. Wenn man vor vielen Menschen spielt, die einfach nur kommen, weil sie Max Mutzke auf dem Plakat lesen und nicht unbedingt wissen, was sie erwartet, funktioniert das so besser. Deswegen ist Project Five ein sehr großer Ausgleich für mich. Das heißt aber nicht, dass mir die Sachen, die ich in der Öffentlichkeit mache, weniger Spaß machen. Ganz im Gegenteil. Ich geh da sehr drin auf.
Könntest du dir nicht vorstellen auch in der Öffentlichkeit in diese Richtung zu gehen?
Schlagzeug spielen in der Öffentlichkeit werde ich wahrscheinlich auf der Tour. Da werden wir zwei Schlagzeuge dabei haben und ich mache dann ab und zu mit dem anderen Drummer eine Show. So etwas ist ja auch immer sehr effektvoll. Ansonsten denke ich, die Musik, die ich jetzt mache, könnten wir mit Project Five ohne weiteres in Konzerten spielen, ohne dass es so aussieht, als ob das Mainstream wäre. Wir würden halt dann einfach noch Bläsersätze einbauen und ein paar Kicks extra. Dann wären das Project Five-Nummern. Also ich glaube, dass es sehr nah dran ist.
Und das wäre dir dann für das breite Publikum zu riskant?
Wenn du ein Album machst, hast du so ein Riesen-Team. Da sind nicht nur die Produzenten, dein Manager und deine Band, sondern auch die Plattenfirma, die viel Geld in das Projekt steckt. Da muss dann immer jemand sein, der so ein bisschen darauf schaut. Der mischt sich dann auch ein und sagt, wo's lang gehen soll. Das war bei diesem Album jetzt überhaupt nicht der Fall. Die haben uns komplett freien Lauf gelassen, weil die Richtung von vorne herein klar war und so eindeutig gut war. Aber du kannst da eben nicht mit solchen Sachen wie wir sie mit Project Five spielen kommen. Da hätten alle die Hosen voll und würden sagen: "Das funktioniert nicht. Wenn du so komplizierte Musik machst, verstehen die Leute das nicht. Warum machst du einen Sieben-Viertel an der Stelle? Und warum spielen die Bläser da extra schief?" Alle Stilmittel der Spartenmusik funktionieren im Mainstream nicht. Ich würde aber nicht sagen, dass Project Five generell nicht funktionieren würde. Wir haben sicher auch Songs, die sehr mainstreamig sind, also leicht erreichbar für viele Leute. Aber wir machen natürlich schon überwiegend Fusion.
Nun noch eine ganz andere Frage zum Schluss. Feierst du gerne traditionell Weihnachten?
Absolut. Weihnachten ist für mich eines der wichtigsten Ereignisse des Jahres. Ich finde es total geil mit der Familie zu feiern, mit einem Baum aus dem Wald. Ich hole mir jedes Jahr meinen Weihnachtsbaum selbst aus dem Wald, natürlich legal. Außerdem ist es der Hammer mit so vielen Familien-Mitgliedern. Im letzten Jahr waren wir 23 Leute bei mir im Wohnzimmer. Das waren alles nur Verwandte und Angehörige. Das ist schon richtig geil, weil es natürlich super lustig ist. Das ist dann keine spießige Weihnacht, aber wir singen trotzdem auch und haben total ehrliche Ansichten, was Weihnachten angeht. Trotzdem machen wir halt unglaublich viel Blödsinn. Wir feiern bis spät in die Nacht, und am nächsten Morgen gehts gleich mit Frühstück weiter, in der großen Meute. Das ist schon geil.
Dann möchte ich dir ein schönes Fest wünschen und bedanke mich für das Interview.
B'Funked (2003)
Homepage der Band, in der Max Schlagzeug spielt(e). Leider nicht mehr ganz aktuell.
http://www.project-five.de/
Die Welt über Max.
http://www.welt.de/motor/article896075/Max_Mutzke_und_die_Liebe_zum_Automobil.html
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Black Forest, Max´ 3. Album Vö. am 28.11.2008 shelly61 |
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16.11.08, 12:29 shelly61 |
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