Porträt

laut.de-Biographie

The Crusaders

Drei der Original-Crusaders spielen heute immer noch, oder eher schon wieder zusammen. Vor allem während der Siebziger, aber auch heute noch begeistern sie die Jazzer-Massen mit ihren funkigen Improvisations- und Groovekünsten. Das Dreigestirn der Gründungsmitglieder heißt Joe Sample, Stix Hooper und Wilton Felder. Joe ist der Wunderfingermann an Orgel, Wurlitzer und Rhodes. Stix Hooper, der Schlagzeuger, perfektionierte die Technik "Filigran-Verdreschen", und Wilton spielt das Tenorsax. Lediglich Ex-Posaunist Wayne Henderson macht heute nicht mehr mit. Schade, denn durch ihn wurde das Bläserduo Tenorsax/Posaune zu einem der bekanntesten und einflussreichsten der Funkband-Szene - eine keineswegs gewöhnliche Besetzung zweier eher tiefer Blasinstrumente.

Während ihrer High School-Zeit, die sie in Houston, Texas verbringen, lernen die vier sich 1954 kennen. Angefüllt mit den damals florierenden neuen Ideen der Jazzszene verwirklichen sie ihren musikalischen Drang in ihrer ersten Gruppe, den Swingsters. Doch die Welt bestürmen sie erst in ihren Zwanzigern, nachdem sie sich ein paar mal umbenannt haben und nach Kalifornien gezogen sind. Einen Vertrag mit Pacific Jazz Records gibt's dafür. Und die Namenssuche hört vorläufig mit The Jazz Crusaders auf. Als diese nehmen sie etliche Alben auf, in denen sie mit Liebe ihr perfekt sitzendes Zusammenspiel betreiben, mit viel Raum für solistische Jazz-Freiheiten.

Doch die Jazzszene ist gegen Ende der 60er Jahre an einem schwierigen Punkt angelangt. Je mehr sich der Jazz in Richtung Kunstmusik entfaltet, desto weniger füllt er Stadien und bringt die Leute zum Tanzen. Das bekommen auch die Jazz Crusaders zu spüren, deren Karriere abzuflauen beginnt, bevor sie auch nur ihre berühmtesten Werke gebastelt haben. Dabei eint die Bandmitglieder neben ihrer Liebe zum Jazz der Drang, treibende Grooves zu basteln, auf die Menschen ihre Arme schlenckern und selig grinsen.

"The era of soul music, was perfectly akin to our own roots." erklärt Wilton Felder. "We heard what visionaries like John Coltrane were doing - and we loved it. But we also loved the music of Marvin Gaye." sagt Stix. Der Tatendrang ist also noch lange nicht vorbei, und so kommt es nach einem kleinen Tief zum Wiedererwachen. Der Produzent Steward Levine erkennt im Fehlen einer jazzinspirierten und trotzdem partytauglichen Soulmusik eine Marktlücke. Er gibt den Crusaders 1971 eine weitere Chance, nimmt sie bei MCA Records unter Vertrag und streicht den "Jazz" aus dem Namen.

Und mit dieser Taktik erreicht in den folgenden Jahren die Karriere der Crusaders ihren Höhepunkt. Sie treffen mit neuen Alben den Zeitgeist, bekommen folglich mehr Airplay und somit auch mehr Fans. Ihr längst bewiesenes Können veranlasst, dass das Songwriting Joe Samples und das Groovegespür der Crusaders für etliche Gesangsgrößen "missbraucht" wird - darunter Marvin Gaye, Bill Withers und Joni Mitchell. Ihrer Popularität schadet das nicht. Sie touren wie die Wahnsinnigen und landen schließlich 1979 mit "Street Life", ihren Volltreffer. Randy Crawford verhelfen sie so ganz uneigennützig zu einer blühenden Karriere. 1982 ensteht wohl eines der bahnbrechendsten Jazzfunk-Live-Alben: "The Crusaders Live In Japan".

Doch mit dem Forschreiten der Achziger scheint sich die Crusaders-Zeit dem Ende zuzuneigen. Henderson verlässt als erster die Gruppe, nach und nach löst sich auch der Wille der anderen seit Jahren zusammen Spielenden auf. Joe Sample pustet schließlich die kläglichen Überreste der Crusaders in den Wind, konzentriert sich in den folgenden Jahren noch stärker auf seine solistische Karriere und wendet sich wieder mehr dem Jazz zu.

Vielleicht das Ende einer Ära, denn die schwindende Popularität der Crusaders und ihre Auflösung zeigen nur, dass der Musikmarkt während den Achzigern beginnt, stark nach neuen Richtungen zu lechzen. Doch Joe Sample, Wilton Felder und Stix Hooper hat das - mittlerweile über 60 - aufgehört zu interessieren, sie spielen nur noch zu ihrem eigenen Vergnügen. Und so verblüffen die drei Musiker die Soul-, Jazz- und Funkwelt mit ihrer Reunion. 2003 erscheint nach der Jahrzehnte währenden Crusaders-Pause "Rural Reneval". "Es ist an der Zeit, wieder einen Gang hochzuschalten", behauptet Joe Sample. Und die Musik die sie spielen strotzt wie eh und je nur so von afroamerikanischen musikalischen Einflüssen des Amerika das 20. Jahrhundert: Blues, Soul, Jazz und Gospel.

Alben

1 (1971)

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