Porträt

laut.de-Biographie

Senait Mehari

Ausgesetzt, herumgestoßen, als Kindersoldatin missbraucht, schließlich geflohen: In ihrem Buch "Feuerherz", dessen Filmfassung 2009 in die Kinos kommt, erzählt Senait Mehari die Geschichte ihrer Kindheit und Jugend - und bringt es, nicht zuletzt wegen des von den Medien losgetretenen Rummels um ihre Glaubwürdigkeit, zu erheblicher Popularität.

Senait Mehari - Mein Weg Aktuelles Album
Senait Mehari Mein Weg
Eine starke Frau mit beeindruckender Persönlichkeit.

Dennoch: Senait sieht sich selbst nicht als Autorin sondern als Musikerin. "In meinem Buch erzähle ich lediglich, was ich erlebt habe, das ist keine Kunst", gibt sie im Interview zu Protokoll. Den größten Teil ihrer Zeit, ihrer Energie und ihres Herzblutes investiert Senait in Songs.

So berichtet sie selbst: Senait Ghebrehiwet Mehari wird bereits zwischen den Fronten geboren. Sie kommt - genaue Aufzeichnungen existieren nicht - irgendwann zwischen 1974 und 1976 in Asmara, der späteren Hauptstadt Eritreas, zur Welt. Senaits Mutter ist Äthiopierin, der eritreische Vater muss fliehen und lässt Mutter und Kind alleine zurück.

Senaits Mutter setzt ihr wenige Wochen altes Baby in einem Koffer aus. Ihr Leben verdankt Senait einer aufmerksamen Nachbarin, die das Gepäckstück findet. Die Konsequenzen dieser Aktion erweisen sich als einschneidend: Senaits Mutter wird mit einer sechsjährigen Freiheitsstrafe bedacht, ihre Tochter wächst in einem Waisenhaus auf.

Erst einige Jahre später kehrt Senait zu ihrer Familie zurück. Das Glück währt allerdings nicht lange: Senait ist etwa fünf Jahre alt, als ihr Vater sie aus Angst, seine Familie nicht ernähren zu können, in das Lager einer eritreischen Guerillaorganisation steckt.

Gemeinsam mit anderen Kindern wird Senait hier zur Soldatin gedrillt. Es soll quälende Jahre dauern, bis ein Verwandter dem Mädchen und ihren Schwestern Anfang der 80er Jahre zur Flucht in den Sudan verhilft. Erst 1987 gelingt es Senait, ihrem Vater zu folgen, den es mittlerweile nach Deutschland verschlagen hat.

Hier angekommen, absolviert sie ein Jurastudium sowie eine Ausbildung zur Anwaltsgehilfin, um sich abzusichern; jedoch kann sie sich nicht vorstellen, in diesem Beruf wirklich tätig zu sein. Ihr Herz hängt an der Musik, sie lebt und arbeitet als Sängerin, Songwriterin und Komponistin in Berlin, schreibt unter anderem Texte für die No Angels.

2001 erscheint ihre erste Single "Leben", zwei Jahre später folgt "Herz Aus Eis". Ebenfalls 2003 geht Senait in Kiel als Kandidatin der Berliner Tageszeitung bei der Vorausscheidung zum European Song Contest ins Rennen, muss die Fahrkarte nach Riga allerdings einer anderen überlassen: Rotschopf Lou bringt mit der entsetzlichen Ralph-Siegel-Produktion "Let's Get Happy" einen überraschend guten 12. Platz nach Hause - das sah schon weit schlimmer aus.

2004 erscheint unter dem Titel "Feuerherz" Senaits viel beachtete Lebensgeschichte. Sie erzählt über ihre Kindheit in Eritrea, ihre zerrissene Familie, die Gräuel des Bürgerkriegs, ihre Flucht und findet als Buchautorin und Zeitzeugin bald mehr Echo denn als Musikerin.

Ganz bewusst lässt sie beinahe ein Jahr verstreichen, ehe sie nach dem Rummel um ihr Buch wieder mit ihrer eigentlichen Bestimmung an die Öffentlichkeit tritt. Anfang 2005 erscheint die Single "Aura". Ihr Debüt-Album "Mein Weg" folgt im November.

Die auf "Mein Weg" enthaltenen Songs entstehen aus Senaits Lebensgeschichte heraus. Die Musik dient ihr als Schlüssel, um sich mit ihrem Schicksal auseinander zu setzen. Sie verzichtet dennoch auf tiefgehende Inhalte und macht die Liebe zum zentralen Thema. So beschreibt sie in "Hey Du", der ersten Singleauskopplung, beispielsweise den Traumprinz ihrer Fantasie.

"Wenn Die Nacht" stellt eine Liebeserklärung an ihre im stolzen Alter von 102 Jahren verstorbene Großmutter dar. Die Verbundenheit mit ihren afrikanischen Wurzeln, die in der Musik kaum noch spürbar sind, demonstriert Senait, die nach wie vor jedes Jahr sechs Wochen in Eritrea verbringt, indem sie einige Songtexte in ihrer Muttersprache Tigrinya abfasst.

Mit "Wüstenlied" legt Senait Mehari 2006 ein neues Buch vor. Diemal berichtet sie über ihre Eindrücke von ihrer Rückkehr ins Land ihrer verlorenen Kindheit.

2007 begibt sich Senait gemeinsam mit Peter Maffay auf Tour. Inzwischen rummelt sie sich mit ihrer Biografie ein zweites Mal in die Nachrichten hoch. Der Bestseller "Feuerherz" soll verfilmt werden. Im Zuge dessen erschüttern Recherchen des NDR-Magazins ZAPP allerdings die Glaubwürdigkeit der Autorin.

"Ich würde mich nicht als Kindersoldatin bezeichnen", so Senait plötzlich im Interview, "eher als ein Kind des Krieges." Ja, was jetzt? Alles gar nicht wahr? Zeitzeugen, die als Kinder im gleichen Lager wie Senait untergebracht waren, bezeichnen ihre Darstellung der Lage als unwahr, ihre ganze Geschichte als erstunken und erlogen.

Auch Autor Jan Fedderson, der ursprünglich mit dem Verfassen von "Feuerherz" betraut war, hegt Zweifel: "Irgendwann hatte ich mal zu Senait gesagt: 'Ich möchte nicht nur deine Stimme hören, sondern wenn, dann muss das wirklich ein ganz gusseisernes journalistisches Projekt werden, wo man eigentlich auch aus mehreren Quellen schöpfen kann.' Doch sie konnte diese Quellen nicht benennen." Der Verlag habe bewusst nach einer rührseligen, verheulten Darstellung verlangt. Feddersen lehnte den Auftrag ab.

Senaits Glaubwürdigkeit erscheint bei genauer Betrachtung stark angekratzt. Zu viele logische Brüche, zeitliche und inhaltliche Schwammigkeiten tun sich auf. Dennoch stellen sich Verlag und verschiedene Hilfsorganisationen hinter die Sängerin. Anfang 2008, als die Film-Fassung von "Feuerherz" als Beitrag für die Berlinale vorgestellt wird, kocht die Kontroverse erneut hoch. Inzwischen befassen sich Gerichte mit Unterlassungs- und Verleumdungsklagen gegen Senait Mehari. Nichtsdestotrotz kommt "Feuerherz - Die Reise der jungen Awet" im Januar 2009 unter der Regie von Luigi Falorni ("Die Geschichte vom weinenden Kamel") in die Kinos.

Alben

Senait Mehari - Mein Weg: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 2 Punkte

2005 Mein Weg

Kritik von Dani Fromm

Eine starke Frau mit beeindruckender Persönlichkeit. (0 Kommentare)

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Promofotos Senait Mehari - eine starke Persönlichkeit.

Senait Mehari - eine starke Persönlichkeit., Promofotos | © Universal (Fotograf: ) Senait Mehari - eine starke Persönlichkeit., Promofotos | © Universal (Fotograf: ) Senait Mehari - eine starke Persönlichkeit., Promofotos | © Polydor (Fotograf: ) Senait Mehari - eine starke Persönlichkeit., Promofotos | © Universal (Fotograf: )
  • Senait Mehari

    Statt offizieller Homepage ...

    http://www.pop24.de/inhalt/kuenstler/Senait%20Mehari/58570/biografie
  • Die Meute braucht Stoff

    Die Süddeutsche zum Streit um den Kinofilm "Feuerherz".

    http://www.sueddeutsche.de/kultur/758/431509/text/
  • Unter Beschuss

    Für das Medienmagazin "Zapp" ist Senait Mehari eine Lügnerin ... (FAZ).

    http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EF7E426F6CDA5436AAAED7DC250376DA9~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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