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Laith Al-Deen will Musik machen und mit ihr "Assoziationen und Gefühle beim Zuhörer wecken. Die Leute sollen sich fallen lassen und ihre Alltagssorgen - wenn auch nur für kurze Zeit - vergessen."
Wie süß! Schmusesound is in the house, wenn der Multiinstrumentalist Al-Deen (Schlagzeug, Gitarre, Klavier) ans Mikro tritt. Mit seiner samtenen Stimme trägt er deutsche Texte vor, die Frauenherzen auf der Stelle dahin schmelzen lassen. Im schönen Karlsruhe geboren, probiert er als Teenager zum ersten Mal, der Orgel seiner Eltern einige vernünftige Töne zu entlocken.
Das muss ganz gut geklappt haben: Er musiziert fröhlich weiter und stellt mit siebzehn Jahren die erste eigene Band auf die Beine. Später verdient er sich weitere Meriten als Studiosänger. Eigene Produktionen kann Laith bisher nicht vorweisen. So bestreitet er seinen Unterhalt mit Coverbands, die im Raum Heidelberg/Mannheim, wo er mittlerweile sesshaft geworden ist, bekannte Schmonzetten zum Besten geben.
Der erste aussichtsreiche Kontakt zur Musikindustrie kommt über die Band Vega zustande, für die er einige Backing Vocals einsingt. Die Produzenten von Vega - Ralf Hildenbeutel (Sven Väth), Stevie B-Zet und A.C. Boutsen - nehmen sich daraufhin seiner an. Aus Stevies Feder stammt Laiths erster Single-Hit "Bilder Von Dir", im Original "Everlasting Pictures" betitelt.
Dieser Song wird bald darauf im Radio hoch und runter gespielt und kurbelt die Nachfrage nach einem kompletten Album enorm an. Mit "Ich Will Nur Wissen" folgt im Sommer 2000 die Schmusibusi-Vollbedienung.
Im April 2001 gibts die Single "Noch Lange Nicht Genug" und passend dazu einen Re-Release des Debütalbums, auf dem zusätzlich eine Live-Version von "Bilder Von Dir" und das aufwändige Video der neuen Single enthalten sind, das in Kapstadt entsteht. Zwischen Juni und August kann sich Al-Deen in jenem Jahr keinen Urlaub buchen. Die erfolgreichen Schwabenrocker von Pur buchen stattdessen ihn für ihre Deutschland-Tour.
"Melomanie" knüpft dort an, wo das Debüt aufhörte. Verträumter deutscher Pop mit einer kräftigen Portion Soul. Ein weiteres Mal beweist der Iraker dabei, dass Deutsch als musikalisches Ausdrucksmittel sich in keiner Weise hinter der Weltsprache Englisch verstecken muss.
2004 besticht "Für Alle" sowohl mit seinen langsamen, schwer zu verdauenden Stücken als auch mit schnelleren Rock-Tunes. Trotz der relativ großen Unterschiede zieht sich Al-Deens sentimentale Stimme wie ein roter Faden durch die Songs, so dass die Harmonie immer gewahrt bleibt.
Die Standard-Instrumentierung mit Gitarre, Keyboard und Piano ist auch auf "Die Frage Wie" (2005) gesetzt, bevor Laith im Jahr 2007 mit "Die Liebe Zum Detail" seiner Herzensdame ein Denkmal hinstellt: Da hängt der Himmel voller Geigen.
Ein Jahr später zieht der Sänger einen "Schlussstrich unter die Vergangenheit", allerdings nicht, wie er selbst sagt, weil er inzwischen so verbittert wäre. Im Gegenteil: Mit "Best Of: 2000 - 2008" liefert er eine umfangreiche Rückschau auf sein bisheriges Schaffen und ein gelungenes Gesamtbild der zurückliegenden acht Jahre. Das macht es doppelt schwer zu glauben, dass er dieses erfolgreiche Konzept tatsächlich aufgeben will.
"Der Letzte Deiner Art" (2011) bestätigt derlei Vermutungen. Dennoch fügt der Künstler behutsam ausgeführte Neuerungen ein. Insgesamt aber verbindet Laith Al-Deen in seinem musikalischen Output auch weiterhin gefühlvolle Balladen mit Mainstream-kompatiblen Uptempo-Songs, zusammengehalten von Elementen aus Pop, Soul und R'n'B.
Laith Al-Deen über Verschleißerscheinungen bei Lena und seine Rolle als Schmusesänger.
Mit Titulierungen als Mainstream- und Schmusesänger geht Laith Al-Deen gelassen um - schließlich will er im absehbarer Zeit auch noch ein Metal-Album veröffentlichen ...
Im Gespräch mit laut.de erläutert Laith Al-Deen seine Gedanken über Stilwechsel, die Halbwertzeit von Casting-Sängern und sein Unbehagen an der Diskussion über Sarrazins Thesen.
Hallo Laith, wie geht es dir? Hast du einen arbeitsreichen Tag, heute am Telefon?
Ja, ich bin schon richtig heißgelaufen! (Lacht ansteckend) All das zu machen, ist - wegen der langen Pause seit der letzten CD - schon ein Weilchen her. Gerade darum genieße ich es aber auch sehr!
Im Vorlauf zum neuen Album heißt es, du hättest mit den neuen Songs viel herum experimentiert. Wie sah das aus, und wie kann man sich das vorstellen?
Vorgaben gab es eigentlich keine, und ich glaube, gerade das war wohl das Problem. Gerade nach der letzten Platte "Session", die auch im eigenen Fanblock recht stark polarisierte, zweifelte ich: Wie gehts weiter? Geht es überhaupt weiter? Will ich, will ich nicht? Ich habe die Zeit Zeit sein lassen, mich mehr mit anderen Dingen beschäftigt. Begann dann langsam, in einem kleinen gemieteten Studio-Räumchen, ein wenig zu schreiben und zu produzieren. Irgendwann war es eher mein privates Umfeld, das sagte: 'das klingt doch richtig gut, klingt nach dir, aber gib doch ruhig noch ein wenig mehr Gas!'. Ich war selbst überglücklich, wie gut die Arbeit voran ging. Dann kam der Kontakt mit Kiko zustande, mit dem ich das Album zusammen produzierte. Und jetzt liegt es endlich vor!
Der Titel und der dazugehörige Song "Der Letzte Deiner Art" - wie kann das interpretiert werden?
Die Nummer hat eigentlich zwei Seiten. Die eine behandelt so eine ganz persönliche Miniatur-Alltags-Depression, die immer mal auftaucht in einem. Ich glaube, ab und zu muss das der Geist für sich beanspruchen. Auf der anderen Seite dreht es sich für mich darum, dass es immer mehr Leute gibt, die einen wesentlich größeren virtuellen Freundeskreis als einen realen besitzen, also nur wenige 'richtige' Menschen. Für mich ist das rein Technische eine Entwicklung, die ihre positiven Seiten besitzt, gar keine Frage. Aber es würde mich nicht wundern, wenn es - heute junge - Leute gibt, die dann später mit 50 bis 60 Jahren irgendwann feststellen, dass sie die ganze Zeit nur großen Illusionen hintergelaufen sind. Das sind dann Menschen, die in einer Art Einsamkeit stecken, die man heute so noch gar nicht kennt. Das basiert auf all diesen neuen Medien, ist längst da, und wird noch weiter um sich greifen. Ich finde das sehr schade.
Es liegt ein gewisser Fluch auf dieser ganzen Herrlichkeit, ständig und überall präsent sein zu können, das birgt auch die Gefahr des Verzettelns in sich. MySpace, Facebook, eigene Homepage, das will alles gepflegt und aktualisiert sein, was geht da allein für Zeit drauf ...
Richtig. ich selbst besitze z. B. auch gar kein Smartphone ...
... Ich traue mich nicht mal an Facebook ran ...
... ja, ich hatte sogar eine ganze Zeitlang Facebook, ohne davon zu wissen! (Lacht) Die Plattenfirma war damit ziemlich fix. Aber ich finde das schon schwierig, wenn da jemand anderes in deinem Namen Dinge beantwortet und so etwas. Sicher ist es ein komplett legitimes Werkzeug, gerade in professioneller, beruflicher Hinsicht. Doch es passiert oft eine Vermischung von privaten und beruflichen Angelegenheiten, die nicht immer postiv ist. Sogar in meinem Bekanntenkreis gibt es schon mal untereinander Ärger, wenn es z. B. um hochgeladene Fotos geht, die keiner autorisiert hat.
Ach, man kann sich schon selbst das Leben ganz schön schwer machen mit solchen Dingen! Auch, was die Hinterlegung von Daten angeht, etwa im Playstation-Netz. Ich habe mich da zwar angemeldet, aber eigentlich nie richtig genutzt. Es gibt dir einfach ein schlechtes Gefühl, wenn du weißt, dass da eine gewisse Machtlosigkeit im Spiel ist, was nun eigentlich tatsächlich mit persönlich hinterlegten Daten geschieht. Das kann man eigentlich nur dadurch bekämpfen, indem man gar nicht erst mitmacht. Klingt auch nach einer altmodischen Haltung, ich weiß ...
Du hast explizit erklärt, dass der Begriff 'Mainstream' für dich kein Schimpfwort bedeutet. Wie gehst du damit um, dass viele - vermeintlich höherstehende - Musiker-Kollegen und Kritiker etwa aus dem Independent-Bereich in gewisser Weise auf dich herabschauen, was das künstlerische Element angeht?
In meinem Umfeld habe ich ein paar Leute, die können sich zu Recht als Independent-Künstler bezeichnen. Sie sind vertragsfrei, verlagsfrei, kümmern sich um alles selbst, glauben an ihre eigene Musik, die genauso verträglich ist, wie die Anzahl der Leute, die gerade vor der Bühne stehen. Alle Indie-Bands, die mit ihrer Musik unfassbar bekannt werden, sind - in meiner Sicht - aus diesem Status aber eigentlich raus. Ich finde das auch nicht schlimm. Wenn du etwas machst, was vielen Leuten gefällt, gehörst du meiner Auffassung nach zum Mainstream - in einer sehr positven Art und Weise.
Weil du vielleicht trotzdem polarisierst, aber gleichzeitig eine Menge von Leuten einfach interessierst und zusammenführst. Deswegen halte diese Diskussion für müßig. Viele Leute, die mit Musik anfangen, haben das Ziel, viele Leute zu erreichen. Und einige finden das dann uncool. Das versteh' ich nicht. Es gibt ja diese absolut respektablen Musiker, die ihr Ding voll durchziehen und zufrieden sind, auch wenn da nur zehn Leute vor der Bühne stehen. Doch viele mit diesem Anspruch verfallen dann doch dem irgendwann einsetzenden Erfolg und Geld, und dann wird so eine Haltung unfassbar unehrlich.
Ich habe mich sehr gefreut, mit Franz Plasa zu arbeiten, und dem ganzen anderen Musiker-Haufen. Doch zuerst habe ich verzweifelt nach einem passenden Lied für mich gesucht. Ich recherchierte wochenlang im Internet, bei all den Shantys, Seemanns-Sachen und so weiter. Dabei habe ich festgestellt: 'Alter, du bist doch eigentlich gar kein See-Typ. Du hast nie an der See gewohnt, hast mit der See nichts zu tun'. Andererseits geht es in solchen Liedern immer irgendwie um Heimweh, und dazu existieren doch auch andere Sachen als nur Maritimes. Dann entdeckte ich diese Nummer. Ich muss im Nachhinein gestehen, dass ich es sehr schade finde, Freddys Original-Sprechteil nicht mit übernommen zu haben. Der Part ist so kitschig, aber er ist gleichzeitig auch einfach großartig.
Es ist eine sehr unterhaltsame Zusammenstellung geworden, und hoffe immer noch auf einen zweiten Teil.
Wir haben wirklich viel Gas gegeben, ich glaube aber, in das ganze Projekt wurde mehr reingesteckt, als dann am Ende bei rumgekommen ist. Doch, wer weiß: vielleicht findet sich dafür dennoch mal wieder ein großes Herz!
Wie beurteilst du die heutige - sich immer schneller drehende - Spirale des sogenannten 'Star-Seins', gerade, was all diese Casting-Geschichten angeht? Sprich: diese Sterne stürzen doch schneller vom Himmel herab, als sie nach oben geschossen werden.
Es ist ein Tagesgeschäft. Es hat etwas Abgebrühtes. Was auch die Toleranz der eigentlichen Mediennutzer, sprich Zuschauer etc. beinhaltet, denen das ebenfalls von vornherein klar ist. Wenn man mit Freunden über diesen und jenen Künstler aus dem Bereich spricht, kommt immer häufiger: 'Von dem und dem hört man auch gar nichts mehr'. Zunächst wundert man sich nur, andererseits ist dieses 'man hört nichts mehr' nur ein Garant dafür, dass inzwischen jemand anderes am Start ist. Diese Halbwertzeit ist allen Beteiligtem klar, keiner rechnet mehr auch großartig damit, dass das Starsein länger andauert. Was auch mit der Fan-Treue zu tun hat. Die Fans kaufen sich vielleicht mal die erste Platte, und das wars dann. Dann wundern sie sich, dass da nichts mehr passiert. Aber ohne selbst Einsatz zu zeigen, als Anhänger, ist das nicht verwunderlich.
Es würde mich jetzt wirklich überraschen, wenn jemand bei seiner Bewerbung zu so einer Show davon ausgeht, es wäre einfach, über die Ein-Album-Hürde hinauszukommen - wenn er denn überhaupt gewinnt. Ich schätze Mike Leon Gosch, seinerzeit mal Zweitplatzierter, guter Mann, wie ich finde. Habe ihn ein paarmal live gesehen, und bei ihm verhält es sich ähnlich. Da scheiterte beim Label gleich die zweite Platte. Er hätte dennoch locker eine Tour spielen können, er hätte sicher Zuschauer da hineinbekommen, er hätte bestimmt auch weiterhin Platten verkauft, nur nicht in diesem hohen Zahlen-Segment wie zu Beginn. Doch damit war er fürs Label eigentlich schon abgeschrieben, und bei den Leuten schnell in Vergessenheit geraten. Aber wenn - bösartig gesagt - alle eine solche Vorgehensweise unterstützen, kann es auch nicht anders laufen.
In der Presse wirst du immer gern als Schmusesänger und Liebling der Frauen tituliert. Empfindest du das als schmeichelhaft?
Nun, zeig' mir mal den Mann, der das Attribut Liebling der Frauen NICHT als schmeichelhaft empfindet! Auch wenn es bei mir nicht mehr unbedingt stimmt, leider bin ich inzwischen eher Liebling der Paare. (Lacht) Vielleicht habe ich das Ganze auch selbst etwas zu sehr forciert. Als wir in der Schweiz gespielt haben, gab es einen Flyer, auf dem stand: 'Schmusepapst'. Na gut, Papst - damit kann man schließlich leben, in welcher Form auch immer. Wenn man sich ausschließlich meine Singles ansieht, acht, neun Nummern, die vornehmlich das Verliebtsein betiteln, übersieht man dabei gern den ganzen Rest.
Ich bin es überhaupt nicht müde, jedesmal von Neuem zu erklären, dass Themen wie Selbstliebe und Nächstenliebe - um die eigentliche Liebe herum - als Schlagwörter viel wichtiger sind. Vielleicht wird das Anliegen mit der neuen Platte etwas klarer, denn die klassischen Liebeslieder halten sich in Grenzen. Aber ich glaube nicht daran, dass es so funktioniert, und werde das weiterhin wie eben erklären müssen. Aber das ist für mich o.k. Ich habe festgestellt, dass der Bezug zwischen mir und Liebestexten so groß ist, dass man sich zum Teil medial sehr schwertut, mich mit anderen Dinge zu assoziieren.
Das wird passieren! Die Frage ist nur, wann. Ich habe zum Beispiel eine halbfertige, selbst eingespielte Metal-Platte im Gepäck. Wenn ich Metal sage, dann meine ich das Spektrum zwischen Saxon und Metallica. Gemischt mit Hardrock, daran schraube ich schon ewig rum. Es ist ein Wunsch von mir, mal eine Platte komplett selbst einzuspielen. Zum Blues-Ding: da hatte ich den Plan, mit "Session" einen Grundstein zu legen, für eine zwischendurch erscheinende Reihe von Part I bis sonstwo betitelt. Der Grundstein ist auf jeden Fall gelegt, Part II wird also kommen. Einige Leute werden sich vielleicht wundern und das Teil auch nicht kaufen, aber das wäre dann auch völlig egal. Das Ganze dann mal bluesmäßig - und vielleicht auch auf Deutsch - aufzuziehen, fänd' ich tierisch spannend. Leute dafür hätte ich schon - schaun' mer mal!
Bei Künstlern mit nicht ausschließlich deutschem Hintergrund - wie bei dir - habe ich oft das Gefühl, dass ihr euch mehr Mühe mit der deutschen Sprache gebt, als reine 'Eingeborene'. Ich denke da z. B. an Frauen wie Pat Appleton oder Joy Denalane. Oder täusche ich mich da?
Ich kenne genug deutschsprachige 'Sänger', die eigentlich eher Interpreten sind. Bei denen der Wortfluss, die Textgewalt kaum stattfindet, und der eigentliche Gesang mehr im Vordergrund steht. Wenn man aus dem Englischen kommt, was den Gesang betrifft, ist man es gewohnt, Wörter ein Stück weit anders zu dehnen, Xavier macht das ja z. B. par excellence. Dass er eben teilweise sehr ausgesuchte Wörter an bestimmte metrische Stellen setzt, damit es richtig funktioniert. Ich glaube, das macht so ein bisschen den Unterschied, und gottseidank wird so etwas immer populärer. Ich finde, das ist eine tolle Entwicklung.
Wie bewertest du als Deutscher mit Wurzeln von außerhalb die Debatte um die Thesen des Thilo Sarrazin? Fühlt man sich dabei sehr unwohl, oder lässt es einen kalt?
Unberührt bleibe ich nicht, das Thema ist sicher sehr kontrovers. Man kann so einem Thema nicht aus dem Wege gehen, wenn sich ein Land mit der Migrantenfrage auseinandersetzt. Es ist schwierig für mich, dazu etwas zu sagen. Ich glaube, dass es heutzutage schwer genug ist, sich einer Sache unbefangen anzunehmen, ohne vorher schon mit mindestens drei oder vier Auslegungen konfrontiert worden zu sein. Auch Eva Hermanns Buch ist da ein gutes Beispiel. Ich bin einer von den Leuten, die all das ziemlich seltsam finden, ich kann bis heute nicht sagen, was sie eigentlich wirklich meint. Ich habe ihr Buch bislang nicht gelesen, und kann deswegen auch nicht beurteilen, ob das, was man ihr unterstellt, stimmt, oder nicht stimmt.
Bei Sarrazin geht es mir ähnlich. Es sind natürlich, bei dem, was man mitbekam, gewagte Behauptungen dabei. An einem Teil davon, rein wissenschaftlich betrachtet, könnte durchaus was dran sein - aber ich weiß es nicht. Dass gewisse Dinge nur auf Migranten zutreffen, will ich aber in Frage stellen. Er hat gesellschaftliche Entwicklungen angesprochen und an den Tag geholt, die uns als Deutsche betreffen. Es ist wahnsinnig schwierig, wenn man nicht nah dran an der Materie ist - das war ich bislang nicht, das gestehe ich offen. Ich versuche, so etwas im Kleinen und mit meinem Umfeld auszumachen. Sprachrohrmäßig war ich bei diesen Themen nicht dabei.
Wie beurteilst du Lenas Chancen beim Song-Contest?
Also, ich habe sie zwischendurch beim Echo gesehen, und hatte Mitleid mit der Leere in ihren Augen, die nach so einem Jahr durchaus verständlich ist. Es wird ja im Vorlauf eine ganze Woche im TV Promotion betrieben, aber letztendlich wird es der Song entscheiden. Ob sie noch mal so strahlen kann, das weiß man nicht, würde es ihr aber nicht verübeln, wenn sie es nicht kann. Allein, nach so einem Sieg noch mal an den Start zu gehen, ist schon eine sehr gewagte Sache. Doch das ist irgendwie ein Raab-Klassiker: er braucht einfach diese Herausforderung. Aber man weiß auch nicht, ob er nun der Alleinverantwortliche dafür war. Ich bin vorsichtig in Sachen Prognose, drücke Lena aber die Daumen!
Laith, vielen Dank für das Gespräch!
Mit "Für Alle" ist Laith Al-Deen gerade auf Platz eins der Albumcharts eingestiegen. Mit LAUT sprach der Musiker über den Grand Prix, Saddam Hussein und seine Liebe zu Johnny Cash.
Laith Al-Deen hat allen Grund zur Freude. Sein drittes Studioalbum sowie sein Nebenprojekt Zeichen der Zeit dominieren gerade die deutschen Charts. Zudem wird der sympathische Halbiraker an der Qualifikation für den Grand Prix teilnehmen. Am Telefon stand er LAUT Rede und Antwort. Über deine musikalische Richtung wird viel gerätselt. Vor zwei Jahren hast du den Comet in der Sparte R'n'B und Hip Hop abgelehnt, jetzt distanzierst du dich vom Soul. Wie hat deine musikalische Karriere begonnen? Laith: Tatsächlich habe ich als Heavy Metal-Gitarrist angefangen. Das war der Startschuss, da war ich gerade mal 17. Ein Traum wäre es sicherlich, vielleicht auch einmal eine Heavy Metal-Platte aufzunehmen. Wie kamst du letztendlich zur Popmusik? Seitdem sind 14 Jahre vergangen, und ich habe eigentlich alle Sparten kennen gelernt. Ich habe zwei Jahre klassisch gesungen, hatte vor, Jazzmusik zu studieren. Nebenher spielte ich in einer Bluesband, zu Zeiten der großen Chili Peppers-Erfolge auch in einer Funkrockgruppe. Mit Popmusik kann ich mich gut ausdrücken und auch identifizieren. Privat mache ich aber auch viel andere Musik. Kann man sich in ferner Zukunft auf ein Release in dieser Richtung einstellen? Könnte ich mir gut vorstellen. Der Erfolg von Sasha/Dick Brave zeigt ja auch, dass man manche Sachen einfach mal ausprobieren sollte. Allerdings dürfte es vielen Fans nicht gefallen, wenn das dann unter dem Namen Laith Al-Deen rauskommt. Aber es wäre echt schade, wenn diese Songs gar nicht erst veröffentlicht würden. Deine Songs entstehen vollständig durch dich und dein Schreiberteam. Würdest du auch mal ein Stück covern? Ja, da gäbe es Einiges. Da würde ich sicher eine ganze Platte voll bekommen. Einige Curtis Mayfield-Stücke müssten da drauf, etwas von Robert Palmer und von Johnny Cash. Das letzte Johnny Cash-Album, Akustik mit Gitarre, so was könnte ich mir gut vorstellen. Die Musikrichtungen würden zwar nicht wirklich zusammenpassen, aber genau das würde in meinen Augen den Anreiz ausmachen. Ist Johnny Cash ein Vorbild von dir? Na ja, Vorbild wäre etwas hoch gegriffen. Immerhin ist Johnny Cash viel mehr Rock'n'Roll, als ich es jemals war. Aber was ich von ihm kenne, ist eine der ehrlichsten und schönsten Formen der Musik, die ich je erlebt habe. Das hat mich schon beeindruckt. Wie kommt es, dass deine neue Platte so viel experimentierfreudiger ist als die Vorgängeralben? Wir haben im kreativen Team einfach mehr gestritten bei der Entstehung (lacht). Bei den letzten zwei Alben haben wir einen Stil zwischen Akustik und Elektronik gesucht, aber ihn nie ganz gefunden. Mittlerweile sind wir da viel näher dran. Bei den Touren ist uns auch aufgefallen, dass das Publikum Laith Al-Deen live fast mehr schätzt als auf Platte. Deswegen wollten wir Elemente aus der Liveumsetzung mit rein nehmen. Und ich denke, das ist uns auch ganz gut gelungen. Stichwort Grand Prix: Was sagst du zu den Vorwürfen von Dieter Thomas Heck, der Grand Prix bewege sich zu sehr von seinen Wurzeln weg? Man darf nicht vergessen, dass es auch auf dem Schlagersektor in den vergangenen Jahren starke Entwicklungen gegeben hat. Der Versuch, mal ganz unterschiedliche Musikrichtungen da zu kreuzen, kann der deutschen Musiklandschaft nur gut tun. Man sollte einfach etwas aufgeschlossener sein. Klar weiß niemand, ob sich das letztendlich auch durchsetzt. Passen Acts wie Sabrina Setlur oder gar Scooter da rein? Schwer zu sagen. Ein gutes Beispiel sind ja auch Mia, die die Independentecke mit reinbringen. Das sind alles etablierte Musiker, die das, was sie machen, schon lange und geradlinig verfolgen. Ich finde das schon interessant. Wie schätzt du deine Chancen ein, dich gegen deine Konkurrenz durchzusetzen? (lacht) Das ist natürlich schwer zu sagen. Die deutschen Texte können einem immer einen Strich durch die Rechnung machen. Vielleicht funktioniert es aber auch. Alle haben das Problem, dass die Nummer nicht länger als drei Minuten sein darf. Wenn jemand wie wir dann schon bestehendes Material hat, muss man es kürzen. Ich denke schon, dass Bands mit einem Publikum, das es gewöhnt ist, für sie anzurufen, einen Vorteil haben. Aber ich lasse mich überraschen. Du beschwerst dich, du würdest immer wieder aus Kommerzgründen gemeinsam mit anderen deutschen Künstlern in die Schublade German Soul geworfen. Spielst du auf Xavier Naidoo an? Nein, gar nicht. Ich schätze Xavier als großartigen Musiker. Er hat sich die Sparte ja selbst ausgesucht. Ich suche nach wie vor vergeblich nach einer Definition von German New Soul. Was soll das sein? Soul gab es in Deutschland nie. Eine bessere Bezeichnung wäre vielleicht German R'n'B, aber auch davon bin ich meilenweit entfernt. Deshalb damals auch die Ablehnung des Cometen. Nur weil einer eine soulige Stimme hat, ist er noch lange kein Soulmusiker. Du arbeitest mit Naidoo und 12 anderen Musikern auch bei Zeichen der Zeit zusammen. Gestalten sich die Aufnahmen bei so vielen unterschiedlichen Charakteren nicht schwierig? Mit Ausnahme der Single habe ich nicht so viel mit Zeichen der Zeit zu tun. Ich kenne die Jungs zwar alle, weil wir ja alle aus der gleichen Ecke kommen, aber Songs von allen gemeinsam wird es wohl nicht allzu viele geben. Eher Kollaborationen. Ich denke, auf der Platte wird nicht allzu viel von mir zu hören sein. Mit welchem internationalen Künstler würdest du gerne mal zusammen arbeiten? Ich darf dieses Jahr endlich mal auf ein Seal-Konzert. Das würde mich schon stolz machen. Seal ist einer meiner Lieblingssänger. Ansonsten ist es eine Frage des Materials. Außer gegenüber Schlagern und megahartem Hip Hop-Zeug à la Megavier bin ich da absolut offen. Du erzählst von der Schwierigkeit des Christseins - wie wichtig ist Religiosität für dich? Ich sehe mich als religiösen Mensch, allerdings gehöre ich keiner Konfession an. Ich habe mir mein eigenes Glaubensbild zusammen gezimmert. Eigentlich ist es egal, ob man da religiöse Dogmen mit reinnimmt. Aber ich finde es schön, dass z.B. die Allee der Kosmonauten versuchen, der Jugend über das Christentum Werte zu vermitteln. Das kann allerdings richtig schwer werden. Fehlt der heutigen Jugend der Glauben? Es klingt so arrogant, wenn ein Dreißigjähriger das sagt. Man kriegt aber viel Feedback von Jugendlichen, die selbst auf der Suche sind. Das beruht nicht auf Zwang oder Disziplin. Das ist eine Altersfrage. Man muss sich damit selbst auseinandersetzen und sein Ding durchziehen. Das ist heute nicht mehr so einfach. Aber bei vielen fehlt schon etwas, vor allem bei denen, die sich ihre Vorstellungen dann irgendwo anders herholen. Hast du das Gefühl, die Jugend macht sich generell zu wenige Gedanken heutzutage? Nein, überhaupt nicht. Ich habe mal ein Interview mit 12- bis 16-Jährigen im Radio mitgehört. Da regte sich doch tatsächlich ein 14-Jähriger darüber auf, was für ein Schund ihm zum Beispiel von VIVA vorgesetzt wird. Das fand ich klasse. Viele Jugendliche lassen sich aber auch vollrieseln, statt sich selbst zu informieren, zum Beispiel im Internet. Ohne zu hinterfragen, was richtig und was falsch ist. Du sagst, deine irakischen Wurzeln haben keinen Einfluss mehr auf dich ... Ich war seit 20 Jahren nicht mehr da unten und spreche nicht mal arabisch. Meine ganze Schullaufbahn fand in Deutschland statt, ich bin so deutsch, wie ich es mir nur vorstellen kann. Mein Vater ist kein praktizierender Moslem, insofern habe ich mit der Kultur auch nicht viel zu tun. Ich würde gerne mal ein halbes Jahr dort unten verbringen, aber das ist immer leichter gesagt als getan. Die Geschehnisse 2003 haben mich deshalb auch nicht unbedingt mehr berührt als andere Deutsche. Was sagst du zur Absetzung vom Saddam? Da kenne ich eine ganz lustige Geschichte. Ich war auf einer Friedensdemo in Mannheim, wo 5000 Menschen gegen den Krieg demonstrierten und von Irakis angeführt wurden, die für den Krieg waren. Das ist schon paradox, aber es zeigt, wie wenig die Leute hier wissen. Saddam hat 28 Jahre Schreckensherrschaft ausgeübt, und man hat in Europa nur was davon mitbekommen, wenn es mal wieder Krieg gab. Das ist ziemlich heftig, von daher kann man die Iraker schon verstehen. Ob die Amerikaner das jetzt natürlich besser machen, ist fraglich. Es wäre dem Land zu wünschen, dass es irgendwann wieder zu seinen Wurzeln zurückfindet, aber das steht alles in den Sternen. Laith Al-Deen, vielen Dank für dieses Gespräch.
2000 - 2008: Best Of (2008)
Live (Limited Fan Edition) (2004)
| Di | 18.06.2013 | Laith Al-Deen Mönchengladbach (HockeyPark) | |
| Do | 20.06.2013 | Laith Al-Deen Kassel (Festival) | |
| Fr | 21.06.2013 | Laith Al-Deen Münster (Schlossplatz) | |
| Sa | 22.06.2013 | Laith Al-Deen Hannover (Parkstadion) | |
| So | 23.06.2013 | Laith Al-Deen St. Goarshausen (Freilichtbühne Loreley) | |
| Do | 27.06.2013 | Laith Al-Deen Zwickau (Platz der Völkerfreundschaft) | |
| Fr | 28.06.2013 | Laith Al-Deen Dresden (Elbufer) |
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Die Liebe zum Detail rudimaus |
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21.09.08, 03:25 Adonis Adipositas |
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