Porträt

laut.de-Biographie

Klaus Doldingers Passport

Wir alle kennen seine Musik, denn allwöchentlich eröffnet sein bekanntestes Werk den sonntäglichen Fernsehabend. Das Thema des Krimi-Flagschiffs "Tatort" stammt ebenso aus der Feder von Klaus Doldinger, wie die Filmmusik zu "Das Boot" oder "Die unendliche Geschichte" und die Titelmelodien zu "Ein Fall Für Zwei" und "Liebling Kreuzberg".

Neben der Filmmusik ist Klaus Doldinger auch für vielseitigen Jazz bekannt, der die verschiedensten Einflüsse und Stilistiken kombiniert. Er betritt am 12. Mai 1936 in Berlin die Bretter der Lebensbühne. Sein Vater arbeitet während des zweiten Weltkrieges als Oberpostdirektor in Russland. Die Familie lebt in Wien und flüchtet nach Kriegsende über Bayern nach Düsseldorf. "Alles begann im Alter von neun Jahren. Zu Kriegsende probte eine US-Kombo in unserer Nähe eine Musik, die ich nie wahrgenommen hatte", erinnert sich Doldinger.

Dieses groovende Schlüsselerlebnis weckt seine für die Musik und bestimmt das weitere Leben des Jungen. "Meine Großeltern hatten ein Klavier. Immer, wenn ich dort war, spielte ich mit zwei Fingern meine eigenen Lieder. Meine Eltern nahmen das wahr und deshalb durfte ich die Aufnahmeprüfung am Konservatorium machen, obwohl ich weder Noten noch Klavierspielen konnte. Aber auch dort hat man gemerkt, dass ich den Impetus hatte, gewisse Töne zusammenzufügen.“ So erhält er schon in frühen Jahren eine fundierte, klassische Ausbildung in den Fächern Klavier und später auch Klarinette am Robert-Schumann-Konservatorium in Düsseldorf. Doch Doldingers Herz schlägt für den Jazz.

Bereits 1952 gründet er als Schüler mit ein Freunden eine Band. Sie heißt The Feetwarmers und spielt hauptsächlich Dixieland. Mit dieser Formation nimmt er im Folgejahr seine allererste Platte auf. Bald darauf tritt er in die Fußstapfen seines großen Vorbilds, dem Jazz-Pianisten Oscar Peterson. Er gründet ein eigenes Trio, das er Oscar's Trio nennt, und gewinnt mit ihm den ersten Preis beim Brüsseler Jazzfestival. Außerdem bringt er sich selbständig das Saxophonspielen bei.

Nach bestandenem Abitur Studiert er Tontechnik und Musikwissenschaften. Für eine US-Getränke-Werbung interpretiert er den Traditional "Muss I Denn Zum Städtele Hinaus". Seine Version stößt auf große Beliebtheit und ermöglicht ihm die erste US-Tournee. Während dieser Zeit musiziert er unter anderem mit dem Jazz-Klarinettisten George Lewis und erhält die Ehrenbürgerschaft von New Orleans.

1962 Gründet er das Klaus Doldinger Quartett, mit dem er im Folgejahr sein Debüt-Album "Doldinger - Jazz Made In Germany" einspielt. Die Platte verarbeitet vor allem Komponenten des Bebop und avanciert zu einem großen Erfolg. Es folgen ausgeprägte Auslands-Tourneen. So bereist die Formation unter anderem Frankreich und Marokko, wo Doldinger lernt, sich für afrikanische Musik zu begeistern. Hinzu kommen erste Kompositions-Aufträge für Theater, Film und Fernsehen. 1967 steuert Doldinger den Trailer zur Einführung des Farbfernsehens bei.

Zum Ausklang der Dekade gibt sich der umtriebige Musiker dem Jazz-Rock hin. Hierfür gründet er die Band Motherhood, mit der er zwei LPs produziert. Außerdem entsteht die berühmte Tatort-Titel-Melodie.

1971 gründet er die Band Passport. Sie verpflichtet sich dem Fusion-Jazz. Kennzeichnend für dieses Projekt sind die ständigen Veränderungen im Band-Gefüge. So saß in der ursprünglichen Band-Konstellation der damals noch unbekannte Deutsch-Rocker Udo Lindenberg am Schlagzeug. Mit Passport nimmt Doldinger im Lauf der Jahr(zehnt)e zahlreiche Alben auf, feiert internationale Erfolge und untermauert damit nachhaltig sein künstlerisches Standing.

Zusätzlich liefert er die eingangs erwähnten Titelmelodien zu den Fernseh-Serien "Ein Fall Für Zwei" und "Liebling Kreuzberg". Damit brennt er sich tief in das kollektive musikalische Gedächtnis Deutschlands ein. Auch die Soundtracks zu internationalen Blockbustern wie "Das Boot" oder "Die unendliche Geschichte" helfen, den Namen Doldinger als kreative Marke weltweit zu etablieren. Bei all der Vielseitigkeit steht für Klaus Doldinger der Jazz jedoch immer an erster Stelle: "Jazz ist das innere Feuer, das in mir brennt.".

Alben

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