Porträt

laut.de-Biographie

Incognito

Incognito - der Name ist Programm. Zumal er bestätigt, dass trotz des Erfolgs keiner genau weiß, aus wem diese Band eigentlich besteht. Das dürfte ungewollt sein, doch die Mannschaft von Incognito ist über die Jahre seit der ersten Zusammenkunft schließlich auch eine wechselnde gewesen. Gleichbleibend ist allerdings der Trainer: Jean-Paul "Bluey" Maunick, Gitarrist, Komponist und das "Studio-Ohr" des Jahrtausends - Schöpfer von Incognito.

Und jenem ist in London, als der Dance-Hype gegen Ende der 70er gen Höhepunkt zusteuert, der Traum nach eingängiger, clubtauglicher aber deswegen nicht weniger komplexer und improvisationslastiger Musik ins Hirn gewitscht. Die damalige satte Existenz von groß besetzten Discofunk-Bands wie Earth Wind and Fire, Weather Report und Ubiquity unter der Leitung von Roy Ayers beeinflusst und inspiriert ihn nicht unwesentlich.

Er gründet nach mäßigem Erfolg seiner ersten Truppe "Light Of The World" (LOTW) mit seinem Kollegen, Freund, und Bassisten Paul "Tubbs" Williams ein Kollektiv mit Namen "Incognito", ein Arsenal studio- und livefähiger Musiker, die forthin Blueys Kreativität aufs Schönste fordern. 1981 erscheint das erste Album, treffend "Jazz Funk" benannt, und landet in den British Top 30.

Bluey und Tubbs kommen so gut ins Geschäft, dass sie während das Jahrzehnt verstreicht zunehmend getrennte Wege gehen und sich in etlichen Formationen verlustieren (mehr aus Blueys Feder unter dem Namen "The Worriers"). In England grassiert musikalisch die Punkwelle, doch der funkige kompositorische Tatendrang von Bluey hört nicht auf nach Soul für eine imaginäre Incognito-Formation zu schielen.

Uns so kommt es 1991 zu Incognitos zweitem Frühling, als Giles Peterson, anerkannter britischer DJ , der das berühmte "Talkin' Loud"-Label übernommen hat, freudig erregt über Blueys vollgepropftes Demotape stolpert. Bluey sammelt Teile seiner Gründungsmitglieder zusammen, macht sich zusätzlich auf die Suche nach weiteren fähigen Musikern, die ihn auf der Suche nach einem größeren, fetteren, orchestraleren Sound unterstützen sollen und veröffentlicht die beiden wohl berühmtesten Hits von Incognito, "Always There" und "Don't You Worry 'bout A Thing", die auch heute noch auf Tanzflächen auftauchen. Erstaunlich, dass es sich bei beiden um Coverversionen handelt, bei denen man fairerweise erwähnen muss, dass sie mit dem Original kaum etwas außer Ideenreichtum gemein haben.

Insgesamt werden bei Talkin Loud vier Alben vertrieben, die dem Kollektiv "Incognito" eine nicht zu verachtende Fangemeinde bescheren. Auch ein hübsches Modewort für den knackig produzierten Neofunk-Sound hat sich die Musikwelt erdacht - Acid-Jazz.

Wolle man die Leute aufzählen, die unwiderruflich mit dem Incognito-Sound verknüpft sind, würde es schwierig und endlos werden. Bluey verbrät etliche, Perkussionisten, Bläser, Geiger, Flötisten, einfach alles. Für gleichbleibend hohe Qualität verantwortlich ist bei Incognito vor allem Blueys fast schon haarspalterische Studioarbeit und sein begabtes Casting-Händchen, dass sich beispielsweise bei den Sängerinnen und Sängern offenbart. Und während in den Charts verkleidete Blondinen tanzen, klingen bei Incognito die echten soulvollen Stimmen von Maysa, Jocelyn Brown, Pamela Anderson (nicht die!), Joy Rose und Tony Momrelle an.

Doch nicht nur im Studio wird Incognito hochgelobt, auch die Liveauftritte sind umschwärmt, denn Bluey begibt sich alle paar Jahre mit seinem Kollektiv auf Tour und beweist dabei jedes mal, dass es sich lohnt, absolut versierte Musiker mit sich rumzuschleppen. 2003 gründet Bluey aufgrund großartiger Studiofrickel-Fähigkeiten sein eigenes Label. Damit beweist er, dass er sich als Produzent immer noch nicht zu Genüge ausgetobt hat. Originalton Bluey: "Our motto is to feed your soul rather than your stomach!"

Dass man sich aber auch auf dem schönsten Motto nicht ausruhen sollte, zeigen weitere Veröffentlichungen wie "Adventures In Black Sunshine", "Eleven" oder "Bees + Flowers + Things" (UK only), denen Kritiker mangelnden Willen zur Innovation bescheinigen. Dieses Schicksal ereilt auch die 2008er-Veröffentlichung "Tales From The Beach". Da helfen auch "More Tales" in Form von Remixen und Rearrangements nichts.

Alben

Incognito - Eleven: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 2 Punkte

2005 Eleven

Kritik von Dani Fromm

Funk der 70er unter einer polierten Schicht Kunstharz. (0 Kommentare)

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