laut.de-Kritik

Potpourri aus Pop, Soul und gelegentlichen Dancefloor-Ausflügen.

Review von

Vordergründig geht Mutzke einen Schritt zurück was den musikalischen Anspruch anbelangt. Nachdem er sein Können als Jazzer auf "Durch Einander" bewies, konzentriert sich der Nachfolger "Max" 'nur' auf Pop. Mit purer Absicht: "Ich wusste nur, dass ich nicht noch ein Jazz-Album machen wollte."

"Praise The Day" als Opener ist zwar launig und makellos produziert, hinterlässt allerdings einen etwas zu bewusst auf klassischen Mainstream konzipierten Eindruck. Viel besser macht es "Unsere Nacht" mitsamt einem besonderen Gaststar. Eko Fresh sorgt hier wortwörtlich für viel Frische. Die zwei so unterschiedlichen Künstler harmonieren prächtig miteinander. Zudem gerät das Ganze auch ausgesprochen tanzbar. In den Song packen die beiden auch ihre Message für ein buntes Deutschland; undogmatisch und ohne erhobenen Zeigefinger.

"Welt Hinter Glas" gefällt als charmanter Beziehungssong, der die Weltsicht eines verliebten Pärchens auf dem frühmorgendlichen Weg zum Strand thematisiert. Musikalisch relaxt umgesetzt und mit sommerlichen Orgeln bestückt, sorgen auch Erwähnungen über Anachronismen wie Musikkassetten für ein rundum stimmiges Old Fashion-Feeling.

Viel Kurzweil bietet das dynamische "Laut". Der Song besticht mit ordentlichem Groove und einem konsequenten Aufbau. Reizvoll gestalten sich die Kontraste zwischen Piano-Parts und Uptempo-Beats. Als wenig ereignisreicher Popper hinterlässt "You Are All Around" dagegen nur einen matten Eindruck. Besser macht es "Ich Ohne Dich" dank seines smoothen Sounds und einer eleganten Melodieführung.

Mutzkes Potpourri aus Pop, Soul und gelegentlichen Dancefloor-Ausflügen klingt stimmig, mitunter aber auch recht konventionell, was dann auf Kosten der Spannung geht, auch wenn hier und da überraschende Wendungen in Form von eingestreuten Jazz-Sprengseln ("Hier Bin Ich Sohn") oder verzerrten Gitarren auftauchen.

Überzeugende Tracks sind trotz des einen oder anderen Mankos dennoch in der Überzahl. Zu diesen gehört auch das zunächst verhaltene und sich immer weiter steigernde "IOU" sowie das rhythmisch nach vorne gehende "The Love Before".

"Max" ist ein sauber produzierter und inszenierter Longplayer, auf dem Mutzke seinen Sympathien und seinem Talent für klassisches Songwriting freien Lauf lässt. Die Großzahl der Tracks bedient sich zwar schwarzer Sounds, bleibt im Kern aber immer Pop.

Trackliste

  1. 1. Praise The Day
  2. 2. Unsere Nacht
  3. 3. Welt Hinter Glas
  4. 4. Meant To Be
  5. 5. Magisch
  6. 6. Iou
  7. 7. Still The Same
  8. 8. Laut
  9. 9. You Are All Around Me
  10. 10. Ich Ohne Dich
  11. 11. You
  12. 12. The Love Before
  13. 13. Hier Bin Ich Sohn
  14. 14. Original Girl
  15. 15. Not Right
  16. 16. Not The Only One
  17. 17. Welt Hinter Glas - Radio Edit

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4 Kommentare mit 3 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    Das bisher mit Abstand enttäuschendste Mutzke Album. Liegt's vielleicht am Produzenten? Als Fan schmerzt der glattgelutschte Dudelfunk-Eindruck der sich unweigerlich einstellt. Da bleibt nix im Ohr, wie beim Großteil des musikalischen Grundrauschens der Mainstream Sender ("Das Beste der 80er, 90er, 2000er und heute..."). Da passt dieses Album allerdings gut hin. Wenn das das Ziel war, dann hat der Produzent gut abgeliefert.

    Hoffentlich wenden sich nicht zu viele Fans ab und beim nächsten Album findet Max wieder zu seinen alten Stärken zurück.

    • Vor 2 Jahren

      Und wenn es doch wieder nur vertonter rostbrauner Ausfluss wird, dann gebe ich dir einen Tipp: Spring. ;-)

    • Vor 9 Monaten

      Wirklich "Mainstream" ist nur "Welt hinter Glas" der meistgespielte und schwächste Song des Albums. Ansonsten wohl nicht wirklich hingehört auf Texte, Arrangements und vor allem Gesang ! ? Sorry, das ist eine ziemlich oberflächliche Beurteilung mit Schlagworten( glattgelutschte Dudelfunk) eines durchaus guten Albums, (Nur "Durch-Einander" und die Live-Mutzke- CD sind noch besser-alle anderen vorherigen Mutzkealben sind weitaus schächer als "MAX".

  • Vor 2 Jahren

    Richtig geiles Cover-Artwork.

  • Vor 2 Jahren

    Cypermat, ich denke, du bist im Herzen Jazzfan. Dann ist eine gewisse Enttäuschung aufgrund der Ausrichtung des Albums verständlich.
    Bei diesem Album aber von Grundrauschen zu sprechen, ist schlicht weg eine Beleidigung und falsch. Da bleibt nix im Ohr? Hör dir das Album mindestens 5 mal an. Anspruchsvolle Musik alla Mutzke geewinnt mit jedem Durchlauf, weil die einfachen, kitschigen Ohrwürmer ja eben vermieden werden. Du solltest mit seinen Stücken Liebe machen. :-)
    Cypermat, ich denke, du bist im Herzen Jazzfan. Dann ist eine gewisse Enttäuschung aufgrund der Ausrichtung des Albums verständlich.
    Bei diesem Album aber von Grundrauschen zu sprechen, ist schlicht weg eine Beleidigung und falsch. Da bleibt nix im Ohr? Hör dir das Album mindestens 5 mal an. Anspruchsvolle Musik alla Mutzke geewinnt mit jedem Durchlauf, weil die einfachen, kitschigen Ohrwürmer ja eben vermieden werden. Du solltest mit seinen Stücken Liebe machen. :-)

  • Vor 9 Monaten

    MAX“ - ist „magisch“ - getränkt mit Leidenschaft...Mit dieser Überschrift verweise ich gleich als Auftakt dieser Rezension auf einen der stärksten Titel seiner neuen CD „MAX“. Der Song „Magisch“ beginnt mit einem kurzen, hohen Schluchzer und kurze Zeit später - nach der ersten Strophe - ist er schon voll im ekstatischen Rausch seiner Euphorie. „Du bist magisch, magisch, magisch - es tut fast schon weh“! Diese Zeilen werden von Mutzke ständig steigernd, letztlich so suggestiv und mit Adrenalin-Überschuss vorgetragen, dass man als Zuhörer selber und wie selbstverständlich in diesen Sog der blinden Hingabe gerät.

    Für mich klingt der Song wie ein Motto für das gesamte Album - auch wenn es ab und an etwas entspannter zugeht - denn die Leidenschaft verlässt den Sänger nie. Diese große Intensität seines Gesangs haben die Menschen schon bei Mutzkes erster Single „Can't Wait Until Tonight“ verspürt, mit der er dann auch 2004 in Istanbul beim Eurovision Song Contest 2004 einen erstaunlichen achten Platz erreichte.

    Seitdem sind elf Jahre vergangen und Mutzkes absolut großartige und immens vielseitige Entwicklung war trotz des Wissens um sein musikalisches Potenzial so nicht zu erwarten. Mit seinen signifikanten (um nicht zu sagen: authentischen) Covern großer Soulklassiker auf seinem fünften, stark jazzorientierten Studioalbum „Durch Einander“ (2012) und dem genialen Livealbum (2013), begleitet von monoPunk, erreichte Mutzke fraglos seinen bisherigen künstlerischen Zenit.

    Das neue Album, schlicht und passend „MAX“ betitelt, kann und will diese zwei Meilensteine in Mutzkes Karriere nicht unbedingt übertrumpfen - aber meiner Meinung nach zementiert es sein hohes künstlerisches Niveau. Und es bringt Max Mutzke dahin, wo er seine musikalische Identität verortet. So bekennt er selber zum neuen Album: "Ich habe lange nach meiner musikalischen Identität gesucht und sie nun auf `MAX` gefunden. Dieses Album ist mein musikalischer Ausweis. Das bin ich. Das ist Max."

    Nun ja – für mich ist Max nicht weniger oder kein gänzlich anderer „Max Mutzke“, wenn er Songs wie „You Are So Beautiful“ oder „Singing My Song For You“ in seiner unverwechselbaren Art covert.

    Im Text zur CD steht jedoch einiges an Erklärung dafür, wieso Max nach einer Zeit von Konzerten mit so unterschiedlichen Künstlern wie monoPunk, Tobi, Maik und Danny, Klaus Doldinger und Passport, den Philharmonics, sowie Jazz Trios, Big Bands und klassischen Streichorchestern in einen Zwiespalt der eigenen Identität geriet. Nachvollziehbar ist das.

    Nach knapp vier Jahren Arbeit liegt nun ein imposantes, mit Bonussongs über 70zig minütiges Werk vor. Der Selbstfindungsprozess ist gelungen - das Album „MAX“ klingt wie die Quintessenz seines Könnens.

    Hier einige Songs etwas beleuchtet:
    Mit „Praise The Day“ startet die CD mit einem leichten Popsong voll schöner Harmonien, markanten Percussions und im Refrain einem kompakten Pop-Instrumentarium.

    „Unsere Nacht“ hat noch härteren, dichteren Sound, fetzige Drums, groovende Bläsersätze. Der RAP von Eko Fresh ist gut integriert und dosiert.

    Mit dem vierten Song „Meant To Me“ erhält die CD bereits mein erstes Highlight. Diese betont spannungsvoll treibende Komposition muss für jeden Soulsänger geradezu ein Wunschsong sein! Max singt sich mit seiner ureigenen Dynamik und fesselnder Energie durch's Soulregister - das Stück ragt als beste Rock-Soul-Ballade mit Sogwirkung aus dem Album hervor.

    Die amerikanische Kurzform von „ich schulde dir was“ ist „I.O.U.“ Und das ist der sechste Song auf „MAX“. Dunkel, basslastig ertönt der Song, Max' Stimme klingt bei den Strophen leicht melancholisch, schon etwas betroffen. Den schönen, melodiösen Refrain intoniert er dann lauter und selbstbewusster. Bei Mutzkes vielen langgezogenen Noten empfinde ich eine klangliche Nähe zur ebenfalls rauhen Stimme Jamie Cullums. Ein hoch intensiver Song. Ähnlich langgezogene, an Jamie Cullum erinnernde Noten hört man auch bei „Still The Same“.

    „Ich Ohne Dich“ ist eine moderat rhythmische Liebesballade in weichem Sound mit schönen Bläsersätzen und hohen Vocal Backings.

    Im „gewissen“ Sinne erhält der Song „Welt Hinter Glas“, den ich für das einzig schwächere Stück der CD halte - mit „The Love Before“ ein wunderschönes, musikalisches Pendant. Warum? Beide Songs sind in hohem Maße mainstreamig, ohrwurmmäßig, radiotauglich konzipiert. Wo mich jedoch „Welt Hinter Glas“ mit seiner Nähe zum Strophen-Sprechgesang und der krass reduzierten, eintönigen Melodie, die wie für's harmlose Wohlfühl-Radio produziert scheint, leider sehr schnell langweilt - da fasziniert mich „The Love Before“ mit sicher recht eingängiger, aber doch unwiderstehlich schöner und leichter Melodik und reizvollem Arrangement. In dieser Melodie kann man baden - der Song ist einfach schön!

    Das folgende Stück „Hier Bin Ich Sohn“ steht im größtmöglichen Kontrast zum vorherigen und treibt den Hörer in eine ganz andere, ernste Stimmung. In seiner schwermütig-bedrückten Offenheit zur Mutter, klingt Max Stimme in diesem Song deutlich brüchiger, mal resignierend, mal aufbegehrend. Mutzkes Bruder Menzel erhellt und veredelt mit der Klangpracht seines wundervollen Trompetenspiels sehr stimmig die etwas triste Atmosphäre der Komposition.

    Der heißeste Up-Tempo-Song der CD „Original Girl“ reißt einen dann ohne sensible Einleitung oder Vorwarnung aus der Besinnlichkeit des zuletzt gehörten Stücks. Ich kann nur sagen: HIER SWINGT MAX DEN ROCK! Vorwärtspreschender , ultraschneller Drive,

    dominierende Drums, exakte Bläsersätze und ganz, ganz viel Funk. Absolut mitreißend - so lass ich mir „atemlos“ gefallen!

    „Not Right“ und auch „Not The Only One“ sind noch einmal betont melodische Love-Soul-Balladen die mit ihren eindringlichen Wiederholungen und in den Arrangements ganz auf Stimme und Gesang ausgerichtet sind. Ein Teil von „Not Right“ wird von Max mit Kopfstimme gesungen - von daher kann ich mir den Song auch sehr gut als romantisches Duett vorstellen.

    Die musikalische Qualität von „MAX“ ist über jeden Zweifel erhaben. Die aufwändigen Arrangements wurden mit viel Kreativität für die jeweiligen Kompositionen erarbeitet und umgeben alle Gesangsparts mit aufregenden, erlesenen Klangbildern. Mutzkes neues Album beweist sein internationales Potenzial, seine Ausdrucksstärke, seine musikalische Vielseitigkeit, auch seine absolute Unverwechselbarkeit. Trotz seiner manchmal übergroßen Leidenschaft gleitet sein Gesang niemals auf eine kitschig-seichte Ebene.

    Die immer wiederkehrenden, elektrisierenden Höhepunkte seiner besten Interpretationen – (auf „MAX“ : Magisch, Meant To Be, Laut, Original Girl, Hier Bin Ich Sohn) - also Gesangsexkursionen, die schon Selbstaufgabe sind, wenn er sich als Person vergisst und zum rastlosen Gesang, zur puren Stimme wird, - dies sind Zeichen seiner künstlerischen Wahrhaftigkeit und seines Talents. Seit seinem Album „Durch Einander“ gehört Max Mutzke für mich in die oberste Liga der besten deutschen Pop-Soul-Künstler.

    Seine aktuelle CD unterstreicht mit ganz neuem, facettenreichen Songmaterial von besinnlich-kontemplativen Songs bis zum musikalischem Dynamit diese Einschätzung.