Porträt

laut.de-Biographie

K-OS

"Hip Hop ist wunderschön, quicklebendig und bereit, auf das nächste Level gehoben zu werden." Für die Räuberleiter sorgt wie kaum ein zweiter ein Mann, den sein Lebensweg von Trinidad über Toronto, Vancouver und L.A. weltweit in die Lieblingsplattenschränke aufgeschlossener Heads führt.

Kheaven Brereton erblickt das Licht der Welt am 20. Februar des Jahres 1972 in Port-of-Spain, der Hauptstadt von Trinidad & Tobago. Allerdings wächst er nicht unter karibischer Sonne auf. Das Elternpaar Brereton übersiedelt mit seinen beiden Söhnen ins kanadische Whitby in der Nähe von Toronto.

Glauben und Überzeugungen spielen seit jeher eine Rolle in Kheavens Familie. Die Eltern führen ein bescheidenes Leben als strenggläubige Zeugen Jehovas. Kheaven und sein jüngerer Bruder wachsen in einer vorwiegend weißen Wohngegend auf. Schon im zarten Alter von acht Jahren entschließt sich Kheaven zu einem Leben als Vegetarier.

Wie seine Kumpels hört er die Musik von Michael Jackson, A Tribe Called Quest, der Fugees und Slick Rick. Aber auch die Werke der Beatles und Stevie Wonders oder der Sound von Depeche Mode und New Order hinterlässt Spuren: "Wenn die Melodie okay war, konnte ich damit etwas anfangen."

Die Suche nach den Sinn seiner Existenz durchzieht Kheavens Leben wie ein roter Faden. Nach seinem Schulabschluss schreibt er sich 1992 für ein Semester an der Carleton University in Whitby ein. Er widmet sich dem Studium der Weltreligionen. Später setzt er seine Ausbildung an der York University in Toronto fort.

"Wenn man sich mit den Lehren des Islam, Hinduismus, Christentums, Judaismus und dem Glauben der Rastafarier beschäftigt, findet man zumindest eine Gemeinsamkeit: Ich glaube, dass es einen Schöpfer gibt, von dem wir alle abstammen. Das macht uns alle zu Brüdern und Schwestern." Selbsterkenntnis wird zum Schlüssel: Kheaven wählt K-OS, Knowledge Of Self, als seinen Künstlernamen.

1993 veröffentlicht K-OS gemeinsam mit Freunden seine erste Single "Musical Essence", eine stark soul-lastige Hip Hop-Nummer. Obwohl er zugunsten der Musik sein Studium abbricht, folgt Track Nummer zwei erst drei Jahre später. "Rise Like The Sun" verhilft K-OS sogar zu einem Angebot seitens der BMG, das er allerdings dankend ablehnt.

"Irgendwann hatte ich sogar Material für ein Album zusammen", erinnert sich K-OS. "Aber dabei handelte es sich nur um Imitate meiner Einflüssen von A Tribe Called Quest, der Fugees und der Roots." Vor allem der Roots: Deren Auftritt 1997 in Toronto erschüttert K-OS' Welt: "Diese Show hat mein Leben verändert", resümiert er gegenüber cordmag.com. "Zum ersten Mal wurde mir klar, dass man Hip Hop mit Live-Instrumenten machen kann. Das war eine Offenbarung für mich. Ich meine ... WOW!"

Überlegungen, wie seine Musik wohl klingen würde, würde er sich von bekannten Schemata frei machen, führen K-OS auf den richtigen Weg. Er entdeckt: In jedem Instrument steckt ein Beat und, ja! Ein MC darf durchaus auch singen. K-OS mischt seine Raps mit Harmonien und ringt Hip Hop, der mittlerweile zum globalen Phänomen aufgestiegen ist, seine ganz eigene Interpretation ab, die im Wesentlichen vom völligen Fehlen musikalischer Scheuklappen geprägt wird.

K-OS bedient sich bei Jazz, Rock, Funk, Blues, Pop und Reggae. Einflüsse aus allen Ecken der Welt, von Mariachi-Gitarren bis zu Tabla-Percussion, finden ihren Platz. Neben klassischen, auf Samples basierenden Hip Hop-Tracks spielen "echte" Instrumente, vorwiegend die akustische Gitarre, eine dominierende Rolle.

Erst 1999 bewirbt sich K-OS mit neuem Demo-Material wieder um einen Plattenvertrag und gerät so an einen Deal mit Capitol Records. Zwischen seiner ersten Single "Musical Essence" und seinem Debüt-Album "Exit", das 2002 erscheint, liegen neun Jahre.

"Exit" nimmt Fans wie Kritiker im Sturm. Immer wieder wird es mit bahnbrechenden Alben wie "Low End Theory" (A Tribe Called Quest), "The Score" (Fugees) oder "Three Feet High And Rising" (De La Soul) in einem Atemzug genannt. "Lyrisch transportiert K-OS Wissen und Weisheit, wie man es von der Native Tongue-Bewegung gewohnt ist", befindet die Fachpresse. Die Source kürt "Exit" zum internationalen Album des Jahres.

Die Begeisterung schlägt - mit Recht - hohe Wellen. K-OS kann sich vor Anfragen kaum retten. In Folge tourt und kollaboriert er mit Nelly Furtado, De La Soul, den Roots, India Arie, Floetry und den Chemical Brothers. "Follow Me" mit prägnanter Flamenco-Gitarre bereichert den Soundtrack von "Girlfight".

"Ideale werden zu einem kreativen Gefängnis, wenn man sie nicht ständig hinterfragt", erläutert K-OS sein Credo. Diese Hinterfragung muss gründlich vonstatten gegangen sein: Von Gefangenschaft ist nichts zu spüren. K-OS' zweiter Longplayer "Joyful Rebellion" erscheint im August 2005 und zeugt ein weiteres Mal von atemberaubendem musikalischen Verständnis.

Ohne Zweifel handelt es sich um Hip Hop, auch wenn neben Public Enemys Chuck D, Bob Marley, die Beatles und The Police aus K-OS' Zeilen zu sprechen scheinen. Einmal mehr geht Rap Hand in Hand mit Gesang. Samples und eine satte Live-Band kommen sich nirgends ins Gehege. K-OS brilliert als Rapper, Sänger, Songwriter und Produzent, fasst fernab aller Gangsta- und Ghetto-Klischees seine Ansichten über Ruhm, Geld, Politik und die Zukunft des Hip Hop in geschliffene Worte und hält der Welt erbarmungslos einen Spiegel vor.

Die erste Single "Crubbuckit" bedient sich bei The Cure und Ray Charles. "Love Song" findet 2006 gar Verwendung in einem Werbespot von Vodafone. "Joyful Rebellion" erreicht, ebenso wie die DVD "Publicity Stunt" von 2005, Platin-Status. K-OS freut sich neben zahllosen Preisen über eine Grammy-Nominierung.

Bei seinem dritten Longplayer, "Atlantis: Hymns For Disco", besinnt sich K-OS wieder auf sich selbst und sucht Ruhe in der Zurückgezogenheit. "Ich wasche meine Seele über die Musik, lasse andere an meinen Gefühlen und Gedanken teilhaben. Nur so kann ich sicherstellen, dass sie nicht in meinem Inneren zu einem gefährlichen Gift werden." Wie bei den beiden voran gegangenen Alben produziert K-OS den Löwenanteil selbst und spielt zudem Gitarre und Keyboards.

Unter den Feature-Gästen finden sich nur enge Freunde. Sam Roberts und Kevin Drew von Broken Social Scene sind mit von der Partie, daneben Buck 65 und Kamau. "Atlantis" liefert einen weiteren Beweis für K-OS schier grenzenlosen musikalischen Facettenreichtum und zeugt von Open Mindness in einem Maße, das beschränkte Gemüter das Fürchten lehrt.

Alben

K-OS - Exit: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2003 Exit

Kritik von Stefan Johannesberg

"Darf ich auf einem Hip Hop-Album singen?" - "Du musst!" (0 Kommentare)

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