Porträt

laut.de-Biographie

Joo Kraus

Joo Kraus ist aus der jüngeren deutschen Musikgeschichte nicht wegzudenken. Bekannt und berühmt geworden durch das Hip-Jazz Projekt Tab Two bedienen sich auch die Jazzkantine, De-Phazz, Fury In The Slaughterhouse, Kinderzimmer Productions, Die Happy, Laith al Deen, Peter Herbolzheimer, Charlie Mariano, Nana Mouskouri, Bap und Tina Turner seiner Kunst. An namhaften Credits in der Name-Dropping-Liste mangelt es dem gebürtigen Ulmer also nicht.

Trotzdem erfährt seine Karriere mit dem Bruch des Erfolgsduos Tab Two 1999 einen gravierenden Einschnitt. Immerhin haben die zwei Jazzer, die sich aus den späten Kraan-Tagen kennen, fast zehn Jahre die Festivals ordentlich aufgemischt und sich eine umfangreiche Fanbase erspielt. Ohne Sie würde der gesamten 90er-Acid-Jazz-Gemeinde eine gewaltige Dimension fehlen. Ihr Hip Jazz begeisterte mit einem Mix aus Hip Hop, Trip Hop, Jazz, Latin und Drum'n'Bass.

Joo Kraus erblickt am 22.11.1966 das Licht der Welt im süddeutschen Ulm. Mit acht Jahren erhält er Klavierunterricht, ein Jahr später folgen die ersten Trompetenspielversuche. Ab 1985 darf er sich Bundespreisträger von "Jugend musiziert" schimpfen. Darauf folgt ein Musikstudium in München, das er 1989 abschließt. In der Zwischenzeit ist er bei Kraan eingestiegen, spielt mit ihnen an die 350 Konzerte und bläst für drei Alben in sein Horn (Kraan Live, Dancing In The Shade, Soul Of Stone). Daneben arbeitet er mit zahlreichen Philharmonischen Orchestern u.a. in München, Stuttgart und Ulm.

Anfang der 90er hat er sich genug Sporen verdient und gründet gemeinsam mit dem Kraan-Bassisten Hellmut Hattler das Trumpet and Bass - Duo Tab Two. Ausgestattet mit einer virtuellen Band sind die Beiden ein Tanz- und Gute Laune-Garant auf allen Festivals. Während ihrer Karriere spielen sie an die 700 Gigs in Europa, Amerika und Asien. Aufgrund persönlicher Schwierigkeiten (Bands sind ja auch ein bisschen wie eine Ehe) lassen sie sich Ende der 90er scheiden. Während Hellmut Hattler versucht, mit seinem Nachfolgeprojekt Hattler an die Erfolge von Tab Two anzuschließen, widmet sich Joo Kraus neuen Ufern.

Nach einer Zeit der Orientierung, in der er für namhafte Bands tätig ist, präsentiert er 2003 sein Debütalbum unter eigenem Namen. Seine "Public Jazz Lounge" stellt sich dabei als Fusion seiner musikalischen Erfahrungen dar: Jazz, Pop und Rap verschmelzen mit Big Band-Arrangements. Joe Zawinuls "Birdland" wird orchestriert, Björks "Venus As A Boy" verrapt, Earth Wind & Fires "Getaway" philharmonisiert, Mary J. Bliges "Love Is All We Need" verjazzt. Einen weiteren kommerziellen Durchbruch schafft er dadurch zwar nicht, dafür schenkt er der Welt einen eigenwilligen Erstling, der ihn als trittsicheren Grenzgänger kennzeichnet.

Drei Jahre später legt er in seiner Jazz Lounge den Nachfolger "The Ride" auf den Plattenteller. "Für mich ist dieses Album ein Riesenschritt hin zu einer essentielleren und intimeren Musik", kommentiert Kraus, der sich für seine zweite Veröffentlichung unter eigenem Namen Ralf Schmid ins Boot holt. Der spielt nicht nur alle Tasteninstrumente, von Clavinet über Moog bis E-Piano, sondern 'ist die halbe Platte'. "Wir haben die Musik gemeinsam geschrieben, arrangiert und organisiert. Ich stehe zwar vorne, aber sein Anteil ist genauso groß wie meiner", wird Kraus nicht müde zu betonen. "The Ride" verkündet lässig-loungige Soul-Funk-Jazz-Weisen mit einer gehörigen Portion Groove - und das gänzlich ohne Computerunterstützung. Das komplette Album wird live im "Lake House" auf der schwäbischen Alb eingespielt.

Mit von der Partie sind u.a. Johannes Enders, wohlgoutierter Saxophon-Hüne, und der grandiose Vokalgast Astrid North (Cultured Pearls, Soulonge). Das Repertoire des 70-Minuten-Albums streut in die hauptsächlich anwesenden Eigenkompositionen ein paar wenige Coverversionen ein, die eine Zeitspanne von über 70 Jahren abdecken. Der 1928 uraufgeführte "Bolero" Ravels wird dabei ebenso durch den Wolf gedreht wie die 1939 vom Glenn Miller Orchestra zur Erkennungsmelodie gekürte "Moonlight Serenade", Al Jarreaus "Sticky Wicket" oder der Kool-Tribut "Diskojazz".

Mit "The Ride" unternimmt Kraus einen versöhnlichen, aber endgültig abschließenden Freischwimm-Versuch aus den Tab-Two-Gewässern. "Es ist mein Ritt weg von Tab Two, einem sehr langen Kapitel, hin zu der Musik, die ich selbst am liebsten machen möchte", bestätigt Joo Kraus. 2008, während alle Anderen sich auf das 50-jährige Jubiläum des Bossa Nova stürzen, produziert Kraus das kubanisch inspirierte "Sueño". "Es gab schon immer hervorragenden kubanischen Jazz. Die Fusionsmöglichkeiten sind meines Erachtens noch lange nicht soweit abgeschöpft wie zum Beispiel im Bereich brasilianischer Musik".

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