Porträt

laut.de-Biographie

Tok Tok Tok

Tok Tok Tok bitte nicht verwechseln mit Toktok. Letztgenannte kümmern sich von Berlin aus um die Ravegemeinde. Die Protagonisten von Tok Tok Tok hingegen kommen aus Freiburg im Breisgau und spielen allerfeinsten Akustik-Soul, wie ihn sich auch eine India Arie auf die Fahnen schreibt.

Den Gesangspart übernimmt Sängerin Tokunbo Akinro, die aus einem deutsch-nigerianischen Elternhaus stammt. In Deutschland geboren, verbringt sie die ersten Lebensjahre in Nigeria, mit zehn übersiedelt sie wieder zurück in ihre zweite Heimat Deutschland, macht jedoch zunächst keine guten Erfahrungen.

"Als ich wieder herkam wurde ich mit viel Rassismus konfrontiert, was für mich ein totaler Schock war, mit dem ich jahrelang nicht gut umgehen konnte. Als Musikerin habe ich jetzt die Möglichkeit, mit der Musik und den Texten etwas auszusagen, was in diesem Kontext wichtig ist." Mit neo-brauner Soße umzugehen hat sie in der Zwischenzeit gelernt, auch wenn sie tagtäglich latent von Diskriminierung betroffen ist.

Wie sie zur Musik kommt, erzählt Akinro am liebsten selbst: "In meiner Kindheit in Nigeria war Musik ein natürlicher Bestandteil des Alltags. Mein Vater spielte Gitarre und hatte ein Duo mit einer Sängerin. Ihre Stimme löste in mir eine starke Sehnsucht aus. Seitdem wollte ich singen."

"In meiner Kindheit hörte ich viel Motown-Soul-Musik, was meinen Musikgeschmack sehr prägte. Später fing ich an, Gitarre zu spielen und begleitete mich selbst, noch später entdeckte ich dann den Jazz. Während des Studiums war Billie Holiday mein großes Vorbild, so ein intensives Gefühl wollte ich auch mit meiner Musik vermitteln."

"Entscheidend für meinen Werdegang war jedoch mein Austauschjahr während der Schulzeit in den USA. Die typisch amerikanische 'Verwirkliche-Deinen-Traum'-Attitüde meiner Umgebung gab mir den Anstoß, mir Bands zu suchen, öffentlich aufzutreten und mich schließlich für diesen Beruf zu entscheiden."

Die zweite Mastermind-Hälfte von Tok Tok Tok bildet Morten Klein, der viele Jahre mit seinem Mund das Schlagzeug ersetzt. "Ich habe auf allen Platten vor 'From Soul To Soul' sehr viel Mouthpercussion gemacht. Bei manchen Konzerten fiel mir auf, dass ich allerhöchstens zweimal das Saxophon in die Hand genommen hatte. Und das war nicht das, was ich wollte, denn ich begreife mich eher als Saxophonist."

Zwar sorgt er live nach wie vor für staunende Ohren und Gesichter, dennoch richtet er mit der Ergänzung um ein echtes Schlagzeug - das sich auf "From Soul To Soul" als markanter Wendepunkt in der Bandgeschichte erweist - seinen Fokus deutlich auf das Saxophonspiel. "Natürlich konnte man nicht alles sofort umkrempeln, denn die Mouthdrums waren ja mitunter eine Spezialität, die Tok Tok Tok ausmachte. Auf 'Soul To Soul' sind sie jedoch stark reduziert und kein tragender Pfeiler mehr", erklärt Klein.

Auch ihn lassen wir im Bezug auf seine musikalische Sozialisation selbst zu Wort kommen: "Ich bin zunächst klassisch geprägt worden und begann mit sechs Jahren, Klavier zu spielen, obwohl ich damals viel lieber Trompete gelernt hätte. Mit elf Jahren wechselte ich endlich auf Klarinette. Das Saxophon entdeckte ich als mein großer Bruder einmal mit einer Crusaders-Platte nach Hause kam. Wilton Felder entfachte bei mir dann mit 13 die Begeisterung für Soul, Jazz und Blues. Später begann ich noch, Schlagzeug zu spielen, was mir heute bei der Mouthpercussion zugute kommt."

Die gemeinsame Geschichte beginnt Ende der 90er. 1998 geht die Band als Duo (mit zeitweiliger Unterstützung von Frank Fiedler am Kontrabass) an den Start. Auf ihrer ersten CD "This Can't Be Love" (1998) wimmelt es von Jazz-Standards. Mit dem Labelwechsel zu BHM führt ihr musikalischer Werdegang sie zunächst zu Coverversionen von Rock- und Popperlen der Musikgeschichte.

Der entscheidende Entwicklungsschritt erfolgt 2002 mit dem vierten Album "Ruby Soul". Erstmals wurden alle Titel selbst komponiert und getextet, und das Gespann Akinro/Klein wird ergänzt um Kontrabass (Christian Flohrs) und Fender Rhodes (Jens Gebels). Damit ist der Durchbruch geschafft, und der Nachfolger "It Took So Long" (2003) hält bereits Einzug in die Jazzcharts. Für "It Took So Long" und "About" (2005) gewinnen sie jeweils den Deutschen Jazz Award. "About" wird 2005 zudem mit dem begehrten Grand Prix der französischen Urheberrechtsgesellschaft SACEM ausgezeichnet.

Den zweiten sauberen Schnitt setzen Tok Tok Tok mit "From Soul To Soul". Durch die Hinzunahme von Schlagzeuger Martin Meusel eröffnen sich für den an "melodischer Schönheit in Verbindung mit Groove und Soul" orientierten Klangkosmos neue Welten. Das Resümee zum Kapitelende in der Quartett-Besetzung zieht Morten Klein: "Für mich ist die 'Live In Bratislava'-DVD die Quintessenz und der Abschluss der schlagzeuglosen Zeit bei Tok Tok Tok."

Ein hervorragendes Songkonzept zaubern sie für "From Soul To Soul" auch aus dem Hut. "Da wir unter anderem stark vom Soul der 60er und 70er Jahre geprägt sind, haben wir beschlossen, unseren Soulhelden und -heldinnen diese CD zu widmen". Akinro und Klein treffen aus der Masse der vielen guten Soulkünstler aus dieser Zeit eine Auswahl und beginnen für jeden ein eigenes Stück zu komponieren und zu texten. Auf ihrer Liste stehen letztendlich Isaac Hayes, James Brown, Ray Charles, Earth, Wind & Fire, Norah Jones, Carlos Santana, Stevie Wonder, Erykah Badu, Tower Of Power, Tania Maria, Steve Gadd und Herbie Hancock.

Im Herbst 2007 bannen Tok Tok Tok einen Querschnitt ihres bisherigen Schaffens auf die Live Doppel-CD "Reach Out And Sway Your Booty". Das soulige Kaleidoskop beschert einen Überblick über die bis anhin acht Studioalben der Freiburger.

Mit einem Vertrag beim Major-Label Universal Jazz in der Tasche, veröffentlichen Tok Tok Tok 2008 das Album "She And He". "Seit dem letzten Album haben wir einen Schlagzeuger in der Band, was unseren Grooveanteil natürlich steigerte. Zusätzlich haben wir beim neuen Album stark an den Songelementen gearbeitet, an den Melodien, den Texten", meint Morten Klein. "In unserer Musik halten sich 'der Groove' und 'der Song' die Waage."

Nach einem Einstieg auf Platz 13 grooven Tok Tok Tok mit ihrem 2010er Album "Revolution 69" schließlich auf Platz 8 der Media Control Jazz Charts. Ein Jahr später folgt die Livescheibe "Live And Intimate".

Alben

Videos

Living Hell
  • Tok Tok Tok

    Die viersprachige, offizielle Netzheimat.

    http://www.toktoktok.de
  • BHM

    Mehr Infos zu TokTokTok gibts beim Label.

    http://www.bhmproductions.com

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