Porträt

laut.de-Biographie

Earth, Wind & Fire

Do you remember? 21st of september? Na, sicher erinnern wir uns! Wer könnte die erfolgreichste, populärste, bunteste, faszinierendste Funk-Formation der 70er und frühen 80er vergessen? Die ersten, die wagten, aus Jazz, Soul, Rock und fröhlicher Mystik einen Mix anzurühren, der auch nach über drei Jahrzehnten nichts von seiner Energie verloren hat? Genau, niemand. Deswegen: Let's groove!

Maurice White wird am 19. Dezember 1942 in Memphis geboren; er wächst in Chicago auf. Erste Lorbeeren im Musikgeschäft sind bald verdient: Maurice arbeitet als Studio-Schlagzeuger bei Chess Records, er begleitet Künstler wie Etta James und ersetzt 1967 Red Holt, den bisherigen Drummer von Ramsey Lewis. Im Gefolge des Jazz-Pianisten kommt Maurice erstmals in Kontakt mit dem Kalimba, das später im Sound von Earth, Wind & Fire eine große Rolle spielen soll. Im Laufe der Jahre reift der Entschluss: Maurice gründet eine eigene Band, ein Projekt, das Genre-Grenzen einreißen soll. Sein Ziel: Er möchte sich ohne Rücksicht auf Konventionen bei allen möglichen musikalischen Stilrichtungen bedienen und das Beste für sich herausholen. Über Earth, Wind & Fire sagt er rückblickend: "Obwohl wir eigentlich alle Jazz-Musiker waren, spielten wir Soul, Funk, Gospel, Blues, Jazz, Rock und Dance-Music - und endeten damit irgendwie im Pop."

1969 macht Maurice Ernst. Er verlässt seinen Mentor Ramsey Lewis und hebt seine erste eigene Formation aus der Taufe, die Salty Peppers, die mit "La La Time" sogar einen kleinen Hit verbuchen - allerdings nur in sehr lokalem Rahmen. Als die Nachfolgesingle floppt, kehrt Maurice Chicago den Rücken und zieht nach Los Angeles. Die meisten seiner Bandmitglieder nimmt er kurzerhand mit; nach etlichen Umbesetzungen nennt er die Truppe schließlich Earth, Wind & Fire. Wenig später überzeugt Maurice seinen neun Jahre jüngeren Bruder Verdine, einen ausgebildeten Bassisten, ihm an die Westküste zu folgen; Verdine, gerade 19 Jahre alt, war bis zu diesem Zeitpunkt nie über die Stadtgrenzen Chicagos hinaus gekommen.

Obwohl sofort ein Vertrag mit Warner Brothers an Land gezogen wird, gestalten sich die ersten Jahre von Earth, Wind & Fire wechselhaft. Sowohl das selbstbetitelte Debüt-Album von 1970 als auch der Nachfolger "The Need Of Love" (1971) erweisen sich als kommerziell wenig erfolgreich. Die Bandbesetzung gleicht zu diesem Zeitpunkt eher einem losen Zusammenschluss denn einem festen Line Up, Experimente mit weiblichen Vokalisten führen zu wenig überzeugenden Resultaten.

Maurice ist unzufrieden; 1972 krempelt er Earth, Wind & Fire erneut um. Aus den Reihen einer R'n'B-Combo aus Denver rekrutiert er den (auch in Percussion bewanderten) Sänger Philip Bailey. Dessen Falsett-Gesang im Verbund mit Maurices' Tenor ergänzen sich zur unverwechselbaren stimmlichen Identität Earth, Wind & Fires. Zusätzlich holt Maurice den Drummer, Percussionisten und Sänger Ralph Johnson aus L.A. an Bord; Bruder Verdine wird als einziger aus der alten Truppe übernommen.

Der Soundtrack zu Melvin Van Peebles' Independent-Film "Sweet Sweetback's Badasssss Song" führt Earth, Wind & Fire in die Obhut von Columbia Records. Hier erscheinen in Abständen von jeweils einem Jahr und begleitet von weiteren Umbesetzungen drei Alben. "Last Days And Time" (1972), "Heal To The Sun" (1973) und "Open Our Eyes" (1974) werden als Wegbereiter für den tatsächlichen Durchbruch angesehen. "Open Our Eyes" liefert mit "Mighty Mighty" den ersten Top-10-Hit für die R'n'B-Charts, die Nachfolgeauskopplung "Kalimba Story" präsentiert einem breiteren Publikum erstmals afrikanische Klänge. Die hier beginnende Zusammenarbeit mit Produzent, Arrangeur und Songwriter Chris Stepney zahlt sich umgehend aus: Der Dank seiner Beteiligung jetzt wesentlich stromlinienförmigere Earth, Wind & Fire-Sound stößt auf Akzeptanz. "Open Our Eyes" erreicht Gold-Status. Mit Fred White wird ein weiterer Bruder als zweiter Schlagzeuger herangezogen. Earth, Wind & Fire, deren Songs man jetzt im Radio hören kann, spielen Shows an allen sich bietenden Orten: in Clubs, Colleges, Theatern.

Zeit für einen Knaller: Der kommt 1975, wieder einmal in Form eines Soundtracks. "That's The Way Of The World" erweist sich zwar an den Kinokassen als großer Reinfall, für Earth, Wind & Fire dagegen wird das Musik-Business-Drama, in dem die Bandmitglieder persönlich mitspielen, zum Sprungbrett. Die Single "Shining Star" toppt sowohl die R'n'B- als auch die Pop-Charts, macht Earth, Wind & Fire zu Mainstream-Stars und trägt ihnen den ersten Grammy ein - viele weitere sollen folgen. Der Titelsong findet sich in den R'n'B-Top 5 wieder, das Album erreicht den Spitzenplatz der R'n'B- und der Pop-Charts und holt darüber hinaus Doppel-Platin.

Jetzt drehen die Herren White und Bailey erst richtig auf. Hauptsächlich investieren sie in ihre legendäre Bühnenshow, die Verdine als "Karneval, Mardi Gras, Broadway, Las Vegas und Cirque du Soleil auf einmal" beschreibt. Während Maurice unbestritten im Hintergrund die Fäden zieht, gibt Verdine auf der Bühne oftmals die prominenteste Figur. Earth, Wind & Fire begeistern mit extrem farbenfrohen, teils futuristischen, teils traditionell afrikanischen Kostümen. Allein schon die Personenstärke der Band (14 Mann und mehr auf der Bühne sind keine Seltenheit) beeindruckt. Die von Saxophonist Don Myrick angeführte Bläsersektion Phoenix Horns trägt zum typischen Earth, Wind & Fire-Universum das ihrige bei. Spezialeffekte und Stunts lässt sich White vom Magier Doug Henning und seinem bis dato noch völlig unbekannten Assistenten David Copperfield entwerfen. Die Shows entwickeln sich zu alle Sinne ansprechenden Gesamtkunstwerken. (In ihren späteren Jahren fahren Earth, Wind & Fire den Pomp allerdings wieder etwas zurück und legen den Fokus stärker auf die musikalische Komponente.)

"Gratitude" aus dem Jahr 1975 wird Earth, Wind & Fires zweites Nr. 1-Album; die Single "Sing A Song" kommt in den Pop-Charts unter die ersten zehn, in den R'n'B-Charts gar in die Top5; "Can't Hide Love" und der Titeltrack starten ebenfalls durch. 1976, während der Aufnahmen zu "Spirit", erliegt Charles Stepney einem Herzanfall; Maurice White übernimmt fortan das Arrangement. "Getaway", eine der letzten Stepney-Produktionen, wird ein weiterer Hit der Band. "Gratitude", "Spirit" (1976) und "All'N All" (1977, mit den Hitsingles "Fantasy" und "Serpentine Fire") zementieren Earth, Wind & Fires Status als Superstars. Es hagelt Grammy-Nominierungen und -Gewinne, die Alben holen Gold, Platin und Doppelplatin. Earth, Wind & Fire befinden sich nahezu ununterbrochen auf Tour. Neue Songs schreiben sie unterwegs, in den seltenen stillen Stunden. Zwischendurch, an den ebenso seltenen Off-Tagen, wird aufgenommen.

1978 gründet Maurice sein eigenen Label ARC. Das Best-of-Album aus dem selben Jahr enthält mit dem Beatles-Cover "Got To Get You Into My Life" und "September" zwei weitere Superhits. In diesem Zeitraum produziert Maurice auch andere Acts, darunter Projekte, in die sein alter Mentor Ramsey Lewis eingebunden ist. Darüber hinaus startet er die Karrieren von Deniece Williams und den Emotions; letztere verbuchen mit "Best Of My Love" einen Nummer-1-Erfolg. Eine Kollaboration mit den Emotions resultiert 1979 in "Boogie Wonderland", dem Earth, Wind & Fire-Track, der wohl den größten Disco-Anteil enthält.

"I Am" (ebenfalls 1979) fährt als sechstes Earth, Wind & Fire-Album in Folge Mehrfach-Platin ein, zeigt aber, was die Kreativität angeht, erstmals nicht durchgehend erstklassiges Niveau. Zehn Jahre harte Arbeit ohne Auszeiten beginnen, ihren Tribut zu fordern. Nach der Veröffentlichung von "Faces" (1980) verlässt Gitarrist Al McKay die Band. "Raise!" von 1981 katapultiert mit "Let's Groove" noch einmal einen Song in die Top 5; der Niedergang ist hier allerdings nicht mehr zu überhören. Bei "Powerlight" sind (aus Kostengründen) die Phoenix Horns nicht beteiligt; nach "Electric Universe" legen Earth, Wind & Fire endlich die mehr als verdiente Schaffenspause ein: 1983, dreizehn Jahre nach ihrer Gründung.

In den folgenden Jahren betätigt sich Verdine White als Produzent und Videoregisseur; neben diversen anderen Projekten produziert er ein Album der Funkband Level 42. Philip Bailey startet eine Solo-Karriere, nimmt mehrere Gospel-Platten auf, von denen ihm eine einen Grammy beschert, und landet unter anderem gemeinsam mit Phil Collins den Hit "Easy Lover". (Phil Collins bedient sich gerne und oft, sowohl für seine Solo-Projekte als auch für Aufnahmen mit seiner Band Genesis, der Unterstützung der Phoenix Horns.) Maurice White veröffentlicht ebenfalls ein Solo-Album, zeichnet daneben aber auch für Produktionen von Künstlern wie Barbra Streisand und Neil Diamond verantwortlich.

Vier Jahre später entschließen sich die drei, verstärkt durch neue Musiker, zu einer Reunion. Earth, Wind & Fire melden sich 1987 mit "Touch The World" zurück. Der Erfolg des Albums, das mit "Thinking Of You" und "System Of Survival" gleich zweimal in die Charts drängt, überrascht alle Beteiligten. Nach einer weiteren Best-of-Compilation folgt 1990 "Heritage". Der Versuch, mit Gastauftritten von Sly Stone und MC Hammer den Sound zu aktualisieren, erweist sich als nicht die beste Idee; "Heritage" floppt und setzt der vertraglichen Zusammenarbeit mit Columbia ein Ende.

Earth, Wind & Fire sind allerdings so leicht nicht tot zu kriegen: 1993 kehren sie mit "Millennium", wieder mit traditionellerem Sound, unter dem Dach von Reprise zurück. Trotz einer Grammynominierung für "Sunday Morning" (der mittlerweile 14., 1994) liefert das Album nicht die gewünschten kommerziellen Resultate; Reprise kündigt der Band die eben erst begonnene Zusammenarbeit auf. Im gleichen Jahr fällt Don Myrick, der Kopf der Phoenix Horns, in L.A. einem Mordanschlag zum Opfer. Während Verdine und Philip die Band weiter von Auftritt zu Auftritt führen, zieht sich Maurice aus dem Tournee-Geschäft zurück. Er baut sich ein erstklassiges Aufnahmestudio auf, produziert Earth, Wind & Fire nach wie vor und singt auch weiterhin auf deren Studioaufnahmen. Daneben bringt er sein eigenes Label Kalimba an den Start und übernimmt die Produktion verschiedener Jazzalben (darunter Kollaborationen mit Ramsey Lewis, Jonathan Butler und Grover Washington Jr.). 1997 folgt ein weiteres Studioalbum, "In The Name Of Love".

Im folgenden Jahr steigt Maurice White aus gesundheitlichen Gründen endgültig aus der Band aus. Earth, Wind & Fire blicken auf über 20 Millionen verkaufte Alben alleine in den USA, zahllose Touren, Auftritte in diversen Fernsehshows, sechs Grammys, vier American Music Awards, einen Stern auf dem Hollywood Walk Of Fame und verschiedene andere Auszeichnungen zurück. Viele Musiker, darunter Wyclef Jean, der gemeinsam mit Maurice etliche Tracks produziert, werden vom Sound von Earth, Wind & Fire beeinflusst. 2000 erfolgt die Aufnahme in die Rock'n'Roll Hall Of Fame. In diesem Kontext spricht Maurice White erstmals über sein 1992 diagnostiziertes Parkinson-Syndrom. Wie seine prominenten Leidensgenossen Michael J. Fox und Muhammad Ali engagiert er sich seitdem für Forschung und Öffentlichkeitsarbeit bezüglich dieser Nervenerkrankung.

Der Geist von Earth, Wind & Fire überdauert die Jahrzehnte nahezu unbeschadet. Mit "Illumination" legt die Band 2005 ein Album vor, das - wie eh und je - groovenden Funk mit Jazz-, Soul-, Disco- und Pop-Elementen kombiniert und vor allem eins versprüht: Spaß an der Sache und eine ungebrochene positive Einstellung.

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