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John Garcia wird am 04. September 1970 in San Manuel im Staat Arizona geboren und wächst in Kalifornien auf. Im eher jugendfeindlichen Heimatort lernt er Josh Homme (Queens Of The Stone Age) auf der Highschool kennen, deren Freundschaft und Bandgründung die Initialzündung für eine erfolgreiche Musikkarriere bildet. In der Erstbesetzung der später unter dem Namen Kyuss berühmten Band, wüten neben John Garcia (Gesang) und Josh Homme (Gitarre) Brant Bjork am Schlagzeug sowie Chris Cockrell am Bass.
In den Anfangszeiten verlegt das Desert Rock-Quartett ihre Proben und erste Konzerte in die Wüste auf sogenannte Generator Partys. Mit dem Album "Wretch", dem eigentlichen Debüt, manifestiert sich Garcias Stimme das erste Mal auf einem professionell produzierten Tonträger.
In der noch jungen Band folgen Umbesetzungen an Bass und Schlagzeug, bis schließlich 1992 der Durchbruch gelingt. Nach fünf aufgenommenen Alben gehen zur Trauer vieler gewonnener Fans die Aufnahmelichter wegen interner Differenzen aus. Unmittelbar nach der Auflösung der Gründungsband des Desert- resp. Stoner-Rock ruft Garcia die Gründung eines neuen Projekts ins Leben: Slo Burn. Seinem ausdrucksstarken Stimmorgan schließen sich drei weitere Musiker an. Doch der Kyuss-Doppelgänger erfüllt nicht die Erwartungen alter Fans. Das Kollektiv produziert lediglich eine Platte ("Amusing The Amazing").
1998 folgt die Zeit mit der Band Unida. Die Erstbesetzung bleibt nicht lange bestehen. Ständige Wechsel der Bass-Besetzung schüren von Beginn an die Befürchtungen alter Kyuss-Fans, die Band löse sich wie die vorige schnell wieder in Wüstenstaub auf. Die erste Veröffentlichung ist eine Split-LP mit Dozer, wenig später folgt jedoch die komplett eigene Platte "Coping With The Urban Coyote".
Mit dem Wechsel der Plattenfirma verschwindet auch Unida langsam von der Bildoberfläche. Das zweite Album "The Great Divide" erscheint vorab im Internet und kommt offiziell erst mit einiger Verzögerung in die Plattenläden. Die Bandmitglieder widmen sich von Beginn an einzelnen Nebenprojekten. Unter anderem holt Produzent und Bassist Dandy Brown noch im Jahr der Unida-Gründung Garcia zum erst gegründeten Alt-Stoner-Quartett Hermano dazu.
Hermano machen erst im neuen Jahrtausend von sich reden. "Only A Suggestion" heißt der erste Song, der sämtliche Kopfhörer und Boxen der Stonerrock-Fans erklimmt. Prompt folgt auch die Tour durch Europa, bevor alle zu ihren Stammbands zurückkehren.
2003 finden die Hermano-Mitglieder sich teilweise wieder zu Sessions ein. Aufgrund der geografischen Entfernung senden sie sich via Internet ihre Ideen und Songs zu. Erst als es um das letzte Abmischen der Platte geht, kommen die Musiker alle – ausreichend bepackt mit Whiskey und Jägermeister - wieder zusammen. Ende 2004 erscheint "Dare I Say" dann auch in Deutschland. Hermano veröffentlichen neben einer Live-DVD der Angry-Americans-Tour noch ein weiteres Album, das weitgehend durch den Mangel innovativer Elemente, alte abgenutzte Riffs und gut gemeinte Ratschläge an den früheren Bandkollegen Brant Bjork gezeichnet ist.
Garcia leiht noch einigen Nebenprojekten seine Stimme etwa Danko Jones, Supafuzz und The Crystal Method. Es gelingt ihm jedoch nicht mehr, ein eigenes Projekt auf die Füße zu stellen. Garcia kündigt eine Soloplatte für September 2008 unter dem Synonym Garcia vs. Garcia an, die jedoch nie ihren Weg in die Produktion findet.
Erst Anfang 2010 lässt Garcia wieder von sich hören. Er entscheidet sich aufgrund vieler Anfragen alter Kyuss-Fans, Lieder seiner Erstlings-Band zu spielen und ein neues Projekt ins Leben zu rufen: Garcia plays Kyuss. John Garcia schart Bruno Fevery (Gitarre), Jaques de Haard (Bass) und Rob Snjiders (Drums) um sich, um sein Vermächtnis wieder aufleben zu lassen. Garcia will ein Slo Burn und Kyuss-Set für all diejenigen spielen, die noch nie die Gelegenheit hatten, Kyuss zu sehen und für alle Fans, die Kyuss noch einmal feiern möchten.
John Garcia über Kyuss Lives!, Maroon 5 und Schweinshaxen.
Während sich einige Puristen angesichts der Garcia Plays Kyuss-Tour im Juni einmal mehr über die vermeintliche Sinnfreiheit von Reunions die Finger wund bloggten und ob der Abwesenheit Josh Hommes siegesgewiss die Blasphemie-Karte ausspielten, pilgerten Tausende Zu-spät-Geborene in ausverkaufte Hallen.
Mit der einmaligen Chance, den bleischwer groovenden Soundtrack der bewusstseinserweiterten Adoleszenz live am eigenen Leib zu erfahren, hatten selbst unbekümmerte Optimisten in diesem Leben nicht mehr gerechnet. Zum Dank für den euphorischen Empfang legt John Garcia im März 2011 noch eine Schippe drauf und dreht als Kyuss Lives! mit den Originalmitgliedern Nick Oliveri und Brant Bjork eine weitere Ehrenrunde auf europäischen Bühnen.
Höchste Zeit also, die alte Standleitung Konstanz-Palm Springs zu entstauben. Der letzte Anruf von Kollege Schuh im Desert Dune Animal Hospital liegt immerhin auch schon wieder drei Jahre zurück. Montag, 15. November 2010, 10 Uhr Ortszeit Kalifornien – nach Feierabend in Deutschland, ich höre einen Piepton, die Frisur hält ...
Hi John, wie gehts?
Alles bestens, danke.
Im Sommer bist du mit Kyuss-Songs auf europäische Bühnen zurückgekehrt. Im kommenden Frühjahr legst du mit der Dreiviertel-Reunion zusammen mit Nick Oliveri und Brant Bjork sogar noch einen drauf. Wer von euch kam zuerst auf diese Idee?
Ich wars! Als ich letzten Sommer mit Garcia Plays Kyuss auf Tour war, um meine Soloplatte Garcia Vs. Garcia zu promoten, spielte ich u.a. auf dem Hellfest in Frankreich. Wie es der Zufall so wollte, traten Nick und Brant dort am selben Tag auf, also gingen wir spontan zusammen auf die Bühne und jammten drauflos. Sofort war die alte Chemie wieder da. Sorry – kannst Du bitte einen Moment dranbleiben?
Der Moment dauert unendlich lange vier Minuten. Ich nehme an, dass ich ihn bei der Arbeit unterbrochen habe.
Sorry für die kleine Unterbrechung.
Kein Problem. Arbeitest du immer noch in dieser Tierklinik draußen in der Wüste? Nein, ich habe die Tierpflege schon vor einem Jahr auf Eis gelegt und konzentriere mich jetzt gerade nur noch auf Garcia Vs. Garcia. Das ist auch der eigentliche Grund, warum ich nun mit Nick und Brant zusammen auf Tour gehe. Als ich sie damals gefragt habe, habe ich ihnen klipp und klar gesagt, dass ich Kyuss Lives! ausschließlich aus einem Grund machen will: um nochmal diesen Vibe heraufzubeschwören, den wir auf der Bühne beim Hellfest hatten. Ich bat sie also, mir diesen Gefallen nicht nur für eine Show, sondern für 23 zu tun und mir dabei zu helfen, Garcia Vs. Garcia noch etwas mehr zu pushen. Glücklicherweise haben sie Ja gesagt.
Hast du auch in Erwägung gezogen, bei Scott Reeder (Kyuss-Basser ab "Sky Valley", Anm. d. Red.) oder Alfredo Hernandez (Drums auf "... And The Circus Leaves Town") anzuklopfen?
Nun ... (atmet tief durch) lass mich eines unmissverständlich klarstellen: Zwischen allen ehemaligen Mitgliedern von Kyuss gibt es keinerlei Feindseligkeit oder böses Blut! Meine Wahl fiel auf Nick und Brant, weil ich dieses grandiose Feeling hatte, als ich mit ihnen beim Hellfest zusammen gespielt habe. Gerade vor einer Stunde habe ich noch mit Scott Reeder telefoniert. Er ist nach wie vor ein enger Freund, den ich über alles liebe.
Auch mit Alfredo habe ich immer noch guten Kontakt. Josh Homme und ich schreiben uns regelmäßig E-Mails und kommen wunderbar miteinander aus. Versteh mich daher bitte nicht falsch, Thomas: Ich habe keinen Bock auf Interviews – und das hier ist erst das zweite, das ich anlässlich der Kyuss Lives!–Chapter Two-Geschichte gebe – in denen versucht wird, ein Keil zwischen uns zu treiben, obwohl wir keinerlei Probleme haben. Wir sind alle gute Freunde und nichts anderes!
Ich wollte dir auch gar nichts Gegenteiliges unterstellen. Mich hat einfach interessiert, ob du immer noch mit Scott in Kontakt stehst. Lass uns nochmal auf Nick und Brant zu sprechen kommen. Habt ihr schon angefangen, für die Tour zu proben?
Yeah, wir hatten gerade letzten Donnerstag die erste Session.
Und? Wie hat es sich angefühlt?
Es war fantastisch! Es fühlt sich großartig an, wieder mit diesen Typen zu spielen und ich kann es kaum erwarten, loszulegen. Das wird ein Wahnsinns-Trip und ich werde garantiert jede einzelne Minute davon genießen. Diese Tour werde ich mein Leben lang in Erinnerung behalten. Ich denke, dass wir alle für dieses Abenteuer bereit sind und niemanden enttäuschen werden. Ich garantiere euch, dass wir an jedem einzelnen Abend alles geben werden.
Habt ihr vor, die Setlist im Vergleich zur letzten Tour zu ändern?
Ja, wir stecken gerade noch mitten in der Songauswahl und überlegen, einige ältere Stücke wie "15 Million Year Trip" oder "I'm Not" ins Set einzubauen. Das wird jedenfalls die größtmögliche Kyuss-Reunion, die es je geben kann.
Klingt vielversprechend. Ich habe dich mit Garcia Plays Kyuss in München und Stuttgart gesehen, wobei mich besonders die Show im Backstage beeindruckt hat. Ich habe bislang noch nie eine derartige Euphorie im Publikum erlebt: die Leute sind komplett ausgerastet – vor allem, als Brant Bjork sich für zwei Songs an die Drums gesetzt hat. Könnt ihr das mit Kyuss Lives! überhaupt noch toppen?
Yeah, da stimme ich dir völlig zu. Mit der Vorfreude wächst bei mir zunehmend auch die Nervosität und, um ehrlich zu sein, auch etwas die Angst. Ich stehe momentan mächtig unter Strom und bin ziemlich aufgeregt, dass die Jungs wieder zusammen kommen und mir helfen, Garcia Vs. Garcia zu promoten. Sie werden vielleicht auch auf der Platte mitspielen und ich freue mich wie ein kleines Kind darauf, mit ihnen auf Tour zu gehen. Das wird ganz groß!
(laut) Nein! Diese Sache ist ausschließlich für Europa und Australien bestimmt. Südamerika und Kanada waren zwar noch im Gespräch, aber ich glaube nicht, dass das klappt.
Kannst du dir erklären, warum dieser Kyuss-Kult vor allem ein europäisches Phänomen ist? Die Konzerte in Brüssel und London waren ja innerhalb von wenigen Stunden ausverkauft.
Puh, ich hab wirklich keinen blassen Schimmer, aber ich kann es kaum erwarten, zu euch rüber zu kommen. Ich denke, Kyuss hatten gerade einen gewissen Underground-Status erreicht, als wir uns aufgelöst haben. Sobald sich eine halbwegs erfolgreiche Band auflöst, steigt automatisch ihre Wertschätzung. Das gilt ja ganz allgemein: Wenn etwas nicht mehr verfügbar ist, steigt es sofort im Wert.
Für die anstehende Tour sind mit mir, Nick und Brant immerhin 3/4 der Originalbesetzung von Kyuss für 23 Shows zurück auf dem Markt. Ich kann mir diesen Kultstatus von Kyuss auch nicht so recht erklären, aber ich weiß die Unterstützung der europäischen und englischen Fans wirklich sehr zu schätzen. Ich bin überaus dankbar für die Gelegenheit, nochmals in all den Städten zu spielen, die mir immer so einen herzlichen, höchst respektvollen Empfang bereitet haben.
Die Europa-Tour steht unter dem Motto "Chapter Two ... And The Legacy Continues", was ja zumindest noch ein Hintertürchen offen lässt. Habt ihr schon darüber nachgedacht, die Kyuss-Saga um weitere Kapitel zu ergänzen? Vielleicht sogar in Form eines neuen Albums?
Nein! Wir machen das wirklich nur aus dem einzigen Grund, den Namen Garcia Vs. Garcia unters Volk zu bringen. Ich habe Nick und Brant unmissverständlich klar gemacht, dass ich die Kyuss Lives!-Tour nur mache, um mein Soloprojekt zu promoten. Ich will diese Chance dafür nutzen, den Leuten mitzuteilen, dass ich mich nie wirklich von der Musik verabschiedet habe. Ich habe mich lediglich für eine gewisse Zeit in die Wüste zurückgezogen, um mit Tieren zu arbeiten. Ich habe mir zwar ab und zu meine Kicks bei Hermano geholt, aber das hat mir nicht gereicht. Jetzt ist die Zeit reif, mich von dieser Last auf meinen Schultern zu befreien und Garcia Vs. Garcia endlich zu veröffentlichen.
Wie weit bist du mit den Arbeiten an der Soloplatte inwischen vorangeschritten? Gibt es schon einen Veröffentlichungstermin?
Ich bin so gut wie fertig und hoffe, dass es im Oktober 2011 rauskommt.
Werden einige der üblichen Verdächtigen darauf zu hören sein?
Der Gitarrist ist ein guter alter Freund, den ich schon seit zig Jahren kenne. Die meisten beteiligten Musiker sind noch unbeschriebene Blätter, aber ich hoffe, dass auch sie sich einen Namen machen, sobald die Platte draußen ist – sie sind alle unglaublich talentiert. Es wird definitiv eine Rock-Platte, übermorgen treffe ich mich mit Scott Reeder und kann ihn hoffentlich dazu überreden, auf einigen Songs Bass zu spielen. Es werden auf jeden Fall noch einige andere bekannte Musiker wie Ed Mundell (Ex-Gitarrist von Monster Magnet) dazu kommen, die schon lange auf meiner Wunschliste stehen. Ich kann die Katze jetzt noch nicht aus dem Sack lassen, aber ihr dürft auf einige Überraschungsgäste gespannt sein.
Aber du hattest ja bereits während der Garcia Plays Kyuss-Tour betont, dass du das in erster Linie machst, um dein Soloprojekt zu promoten. Haben dir Nick und Brant bzw. der unerwartet große Erfolg dieser Tour sozusagen einen Strich durch die Rechnung gemacht?
Nun, ich habe dadurch halt die Möglichkeit gesehen, zusätzlich Werbung für Garcia vs. Garcia zu machen. Dank der Schützenhilfe von Leuten wie Nick Oliveri und Brant Bjork kann ich noch mehr Aufmerksamkeit auf die Platte lenken.
Was schätzt du denn ganz besonders daran, in Europa zu touren? Dein Promoter hat mir verraten, dass du total auf Schnitzel abfährst.
(Lacht sich schlapp) Jaja, immer diese Gerüchte. Sie stimmen! Ich liebe Schnitzel! Aber ich stehe auch total auf Schweinshaxen! Die deutsche Küche ist einfach phänomenal. Ich genieße es sehr, über den Tellerrand hinauszublicken und etwas anderes auf den Tisch zu bekommmen, als das traditionelle mexikanisch-amerikanische Essen, das ich von Südkalifornien gewohnt bin. Ich möchte möglichst viele internationale Küchen ausprobieren, so abgedroschen das auch klingen mag.
Mich reizt es immer, die jeweiligen regionalen Spezialitäten und Kulturen aus der Warte der Einheimischen heraus kennenzulernen. Daher versuche ich in Deutschland jedes Mal, die besten Restaurants für Schnitzel oder Schweinshaxen aufzuspüren. Daher habe ich im Vergleich zu früher auch einige Pfunde zugelelegt (kichert). Du kannst dir also sicher sein, dass ich in jeder Stadt das beste Spezialitäten-Restaurant ausfindig mache. Das bringt mir am meisten Spaß und Abwechslung im Tourleben, denn es ist teilweise auch ganz schön anstrengend und monoton, so lange Zeit am Stück unterwegs zu sein.
Klingt einleuchtend. Hast Du demnach auch Freunde hier in Europa, die du während den Tourneen besuchst und bei denen du dann auf der Couch pennst?
Üblicherweise eher nicht. Während der Tour ist es eh schwierig, weil meistens leider zu wenig Zeit bleibt. Wenn ich mal einen Day-Off habe, nutze ich den meistens, um mich zu entspannen oder irgendwo gut Essen zu gehen. Ich habe zwar einige Freunde bei euch drüben, aber die besuche ich lieber privat im Urlaub als auf Tour. Der Komfort eines eigenen Hotelzimmers ist da einfach nicht zu toppen.
Ich bin heute viel gelassener. Als ich Vater wurde, hat sich viel verändert: Meine Familie steht jetzt ganz klar an erster Stelle – nicht die Musik. Ich will sicherstellen, dass immer genug zu Essen auf dem Tisch steht, ich kümmere mich um meine Frau und meine Kinder – das hat mittlerweile oberste Priorität für mich. Ich gebe mein Bestes, damit es ihnen gut geht und sie eine gute Bildung genießen können. Das liegt mir sehr am Herzen, auch wenn sie noch sehr jung sind.
Man muss auf einen Schlag viel mehr Verantwortung übernehmen, ich kann mich nicht mehr wie ein 20-Jähriger aufführen, der auf alles scheißt! Heute schäme ich mich dafür, aber früher war ich genau so drauf. Der John Garcia von heute und der John Garcia mit Anfang 20 sind zwei völlig verschiedene Menschen. Ich kenne diesen Typen nicht mal mehr! Er ist für mich schon vor vielen vielen Jahren gestorben.
Inzwischen ist einiges passiert. Der Kyuss-Split war das Beste, was mir passieren konnte. Ich musste erwachsen werden, meinen Arsch hochkriegen und Verantwortung übernehmen. Und genau das tat ich dann auch. Ich begann als Tierpfleger zu arbeiten und habe das durchgezogen – auch während Slo Burn, Unida und Hermano. Im Unterschied zu früher bin ich heute ein entspannter Familienvater. Wenn du zwei Kinder hast, kannst du nicht die ganze Zeit mit der Band abhängen, tonnenweise Gras rauchen, Parties feiern und Drogen einwerfen. Das kannst du als verantwortungsbewusster Vater einfach nicht bringen. Ansonsten verpiss dich besser.
Das leuchtet ein. Euer Tourtross ist jetzt aber nicht zum fahrenden Streichelzoo mutiert, oder?
(lacht) Noch nicht, nein. Aber alles zu seiner Zeit. Wenn die Arbeit am Ende des Tages erledigt ist, habe ich mir meinen Jacky-Cola verdient. Ob ich mir backstage auch mal zwei oder drei gönne, oder manchmal auch vier, fünf oder sechs? Ja, verdammt, aber erst nach Feierabend!
In diesem Zusammenhang muss ich noch auf den "Trossingen-Incident" von 2004 zu sprechen kommen. Damals sprang Nick Oliveri während eines Mondo Generator-Konzerts (mit Brant Bjork als Support) im beschaulichen Canapé-Club weitgehend unbekleidet auf den lokalen Mischer und kommentierte dessen Arbeit, indem er ihm kurzerhand die Nase blutig schlug. Machst du dir Sorgen, dass Nick auf der anstehenden Tour wieder ausrasten könnte?
(lacht) Das ist eine verdammt gute Frage! Wenn man sich darauf einlässt, mit Nick Oliveri und Brant Bjork auf Tour zu gehen, muss man auf alles gefasst sein. Ich habe persönlich schon den Eindruck, dass Nick entspannt, cool und in Topform ist. Er und Brant sind einfach 'the real deal' – richtige Vollblutmusiker mit allem was dazu gehört. Von dieser Tour wird es also sicherlich einiges zu berichten geben und ich habe nicht vor, auch nur eine einzige Sekunde davon zu verpassen.
Lebst du ansonsten immer noch draußen in der Wüste?
Klar, immer noch mitten im Niemandsland, nördlich von Palm Springs.
Was ist mit Nick und Brant, seid ihr Nachbarn?
Brant hat noch eine Wohnung draußen in Joshua Tree aber Nick kommt glaube ich nicht mehr so oft hier heraus.
Inwiefern bist du in diesen ganzen Desert-Rock-Klüngel involviert, also dieser lose Verbund an Musikern, die bei den Queens Of The Stone Age oder den Eagles Of Death Metal ein und aus gehen?
Von den Eagles kenne ich persönlich niemanden. Ich kenne nur Jesse Hughes, weil ich mit ihm auf die High School ging. Die Typen von Queens Of The Stone Age habe ich bislang auch nur ein, zweimal getroffen, wobei in meinen Augen Josh Homme QOTSA ist. Ich weiß also nicht genau, wer nun wirklich aus der Wüste stammt, wer hier geboren und aufgewachsen ist oder wer einfach nur zugezogen ist. Viele Leute behaupten, sie kämen aus der Wüste oder würden hier draußen leben, obwohl sie gerade mal ein paar Jährchen hier sind. In meinen Augen zählt das einen Scheiß.
Plötzlich tummeln sich hier draußen eine Menge Regisseure, Produzenten und Musiker, die alle aus Los Angeles geflüchtet sind und mir jetzt meine Idylle kaputt machen. Wenn es um die Wüste geht, bin ich ehrlich gesagt ziemlich egoistisch. Wenn es nach mir geht, sollen sich die Leute von hier fernhalten, aber das ist nur meine persönliche Meinung. Dies ist ein freies Land und die Menschen können zu jeder Zeit, an jedem Ort tun und lassen, was sie wollen.
Wie stehst du allgemein zur zeitgenössischen Rockmusik? Verfolgst du die aktuellen Entwicklungen?
Du meinst Bands wie Maroon 5?
Äh, was auch immer ...
Aber sicher, klar. Ich stehe immer noch auf Monster Magnet und fahre gerade voll auf The Company Band ab. Da spielen glaube ich Typen von Clutch und High On Fire mit, die sind großartig. Auch die aktuellen Alben von Nick Oliveri und Brant Bjork sind toll. Aber viele Leute, die mich nach meinen Hörgewohnheiten fragen, reagieren überrascht, denn ich kann mir heute Danko Jones reinziehen und morgen dann Maroon 5. Die meisten denken eben, dass ich den lieben langen Tag nur herumsitze und Stoner-Rock höre.
So ziemlich das genaue Gegenteil trifft zu: Ich mag Johnny Cash oder das neue Album von Maroon 5, das übrigens von Mutt Lange (u.a. AC/DC-Produzent von "Highway To Hell" und "Back In Black") in der Schweiz produziert wurde. Bei dem Namen Mutt Lange denkst du automatisch an Shania Twain oder Def Leppard, aber ich finde er hat bei dieser Platte einen herausragenden Job abgeliefert. Ich weiß nicht, warum Maroon 5 von allen gehasst werden - ich halte Adam Levine für einen grandiosen Sänger und Songwriter und versuche immer, gegenüber allen Arten von Musik offen zu sein.
Würdest du mir zum Schluss vielleicht Deine Top 5 von 2010 verraten?
Oh Mann, das ist jetzt aber echt hart ... (überlegt) Natürlich Brant Bjorks "Gods And Goddesses" und das Album von The Company Band. Leider weiß ich den Titel nicht, da ich davon nur eine gebrannte CD von meinem Manager habe, aber die ist fantastisch. Danko Jones – Below The Belt und Maroon 5 – ob du es glaubst oder nicht!
(Zum Manager: Was haben wir sonst noch gehört, das uns gefallen hat?) Nun, ich habe auch die Best Of Billy Joel Vol. II in meinem CD-Wechsler, das ändert sich wirklich von Tag zu Tag und von Monat zu Monat – ich durchlaufe immer bestimmte Phasen.
Besagter Manager weist ihn darauf hin, dass die halbe Stunde Interviewzeit rum ist - Nachspielzeit ist leider nicht drin.
Alles klar. Vielen Dank, dass du Dir die Zeit genommen hast und viel Glück für die Tour!
Nachtrag: Sechs Wochen nach unserem Interview rauscht die Nachricht durch den Blätterwald, dass Kyuss Lives! nach der Tournee ein gemeinsames Studioalbum aufnehmen werden. Die Bestätigung des Band-Managements liegt vor. Was aus Garcia Vs. Garcia wird? Fragen wir John beim nächsten Interview!
Ein Anruf in der Tierklinik bei Pfleger und Ex-Kyuss-Sänger John Garcia.
Am 26. Oktober erscheint das neue Hermano-Album "... Into The Exam Room". Ein guter Grund, sich einmal mit Sänger John Garcia zu unterhalten. Der nebenbei auch noch einen höchst spannend klingenden Job sein Eigen nennt.
Manche Geschichten sind schwer zu glauben. John Garcia, unvergessene und abgöttisch verehrte Frontröhre der Stoner Rock-Legende Kyuss, arbeitet in einer Tierklinik am Rande des Joshua Tree National Parks. Als wir erfahren, dass der Sänger angesichts des neuen und dritten Hermano-Studioalbums "... Into The Exam Room" zu Telefon-Interviews bereit steht, fackeln wir nicht lange.
Wie sich heraus stellt, erwartet Garcia die neugierigen Journalisten nicht bei sich zu Hause oder in den Räumlichkeiten seiner Plattenfirma, sondern praktischerweise auf der Arbeit in der Klinik.
Die Warteschleife begrüßt mich: "Thank you for waiting. One of our professional staff will be with you shortly." Davon gehe ich aus. Dann eine warme Stimme: Hi, this is John.
Hi John, Michael hier.
Hi, hello, how are you?
Fine, thank you.
Sag mal, bist du nicht zu früh dran? Ich bin hier bei der Arbeit!
Äh, nein, ich bin pünktlich.
Okay, bleib kurz dran. Wieder Warteschleife: "At Desert Dune Animal hospital we treat your pet as our best friend. We'll do everything we can to make sure that your pet is healthy, happy and treated with genuine care and affection."
Hallo, noch dran?
Ja, ich kann auch später nochmal anrufen.
Nein nein, das passt ganz gut, dein Vorgänger hat etwas überzogen, weil ich dachte er hätte eine Stunde Zeit, aber er hatte nur eine halbe. Egal. Ich entschuldige mich. Woher rufst du an?
Aus Konstanz, einer kleinen Stadt in Süddeutschland, am Bodensee.
Wow, großartig.
Das ist direkt an der Schweizer Grenze, die Stadt Zürich kennst du bestimmt.
Klar, cool. Ich war schon öfter in Zürich. Es ist immer cool, nach Europa zu kommen, ihr habt so viel Geschichte. Für einen Amerikaner ist das immer beeindruckend. Auch wenn ich kein Freund des Tourens bin, das Reisen ist schon großartig.
Hat es bestimmte Gründe, dass ihr dieses Jahr nicht nach Zürich kommt? Die naheste Stadt der Tour von hier aus gesehen ist Stuttgart.
Puh, kann ich dir gar nicht so genau sagen. Kommst du nach Stuttgart zur Show?
Wahrscheinlich nicht. Ich werde demnächst Papa ...
Oh, gratuliere. Dein erstes Kind?
Ja.
Mädchen oder Junge? Oder wollt ihrs nicht wissen?
Ein Mädchen.
Gratuliere. Ich habe auch ein kleines Mädchen, Madison. Sie ist jetzt viereinhalb. Ich sage dir, die Kleine wird dein Leben verändern. Vor ihrer Geburt wusste ich gar nicht, dass so ein Gefühl existiert, ich meine, ich habe bis dahin mit Sicherheit sämtliche Emotionen durchlebt, die die gesamte Menschheit kennt: Das Leben, den Tod, Freude, Traurigkeit, verarscht zu werden, einfach alles.
Aber als Dr. Gomez meiner Tochter das Leben schenkte, sie auf die Brust meiner Frau legte und Madison mich ansah, sowas habe ich noch nie erlebt. Vorher machst du dir schier in die Hosen und fragst dich immerzu: Was muss ich noch machen? Was habe ich vergessen? Aber als sie auf die Welt kam, war das so, als wäre ich wiedergeboren worden. Für mich begann ab da ein ganz neues Leben.
Ja, ich bin auch schon ziemlich nervös. Aber auch glücklich.
Gut. Wenn du nicht nervös wärst, würde was nicht stimmen bei dir. Der Großvater meiner Frau starb, als Madison gerade ein paar Monate auf der Welt war. Und natürlich hatte meine Frau keine Lust, sie mit nach Wisconsin zur Beerdigung zu nehmen, also musste ich auf sie aufpassen.
Das Problem war nicht das Windeln wechseln, sondern die Tatsache, dass die Mutter weg war. Ich war auf einmal völlig allein mit diesem neugeborenen Kind und ich sage dir, es war echt ne seltsame Erfahrung, wie plötzlich deine Vatergefühle mit dir durchgehen. Als ob die Natur dir den Vorwärtsgang einlegt. Du checkst plötzlich: Hey, ich bin ein Daddy. Freu dich drauf!
Okay. Eine Story muss ich dir jetzt erzählen: Als ich neulich um ein Interview mit dir anfragte, antwortete der Labelkollege, es könnte sein, dass du dich etwas verspätest, weil eventuell ein angefahrenes Gürteltier im OP liegt und du ihm helfen musst.
Absolut richtig.
Dann erzähl uns doch mal: Was ist heute bislang passiert?
Oh, heute nicht viel, denn eigentlich habe ich frei. Ich kam nur vorbei, um ein paar Interviews zu geben. Normalerweise wäre ich jetzt beim Röntgen, würde Wunden verarzten oder angefahrenen Tieren helfen, die in kritischer Verfassung sind.
Ich arbeite schon mein ganzes Leben mit Tieren, von den frühen Kyuss-Zeiten an. Nach einer Tour bin ich sofort wieder an die Arbeit gegangen, auch zwischen Albumaufnahmen. Selbst in der Zeit, als wir bei Elektra unter Vertrag standen. Das begann schon als Kind mit Jobs in Tierhandlungen, ging später während der High School weiter und entwickelte sich dann auf natürliche Weise hin zur medizinischen Seite, was mir großen Spaß bereitet. Ich stehe gerne mit Ärzten im OP oder helfe Hunden bei einer Rippenprellung, was auch immer.
Erinnerst du dich an den schrecklichsten oder aufregendsten Unfall, der dir bislang untergekommen ist?
Hmm. Kurz gesagt: Du willst niemals versagen. Du willst nicht das Leben eines Tieres in Gefahr bringen und ihm zum Beispiel die falsche Medizin geben. Du willst helfen. Also musst du klaren Verstandes sein und kannst da nicht besoffen antanzen oder zugedröhnt. Das ist nicht professionell. Du musst den Anweisungen der Ärzte jederzeit Folge leisten können.
Es passiert, dass du mal etwas nicht richtig verstehst oder ein Arzt sich undeutlich ausdrückt, was es noch wichtiger macht, jedes kleine Detail doppelt und dreifach zu prüfen, damit es dem Tier zu besserer Gesundheit verhilft. Es ist alles eine Frage der Konzentration. Wenn ich sehe, dass ein Hund oder eine Katze die Klinik gesund verlässt, weiß ich, warum ich diesen Job mache.
Kommen wir zur Musik ...
Yeah, hast du die Platte?
Ja. Stilistisch folgt ihr der Richtung der letzten Platte, würde ich sagen.
Danke. Ich meine, du musst jetzt nicht sagen, dass du die Platte toll findest, nur weil wir grade telefonieren. Bis jetzt waren die Journalisten zu mir recht freundlich, gut, das hört man gern, aber es ist eh so wie es ist. Aber ich frage dich trotzdem: Findest du es gut?
Ehrlich gesagt gefallen mir vor allem die ruhigeren Sachen.
Gut.
Mir kommt es so vor, als würdest du da mit deiner Stimme mehr experimentieren können. Die schnelleren Songs erinnern oft an Sachen, die du früher schon gemacht hast. Deine Stimme ist das wirklich entscheidende, sie ist ziemlich einzigartig.
Dankeschön. Weißt du, es bedeutet mir immer noch sehr viel und macht einfach verdammt viel Spaß. Gott hat mir die Gabe verliehen, Tieren zu helfen und Musik zu erschaffen. Dafür bin ich sehr dankbar.
Wenn du zurück blickst auf drei Hermano-Alben, eine DVD und jede Menge Liveshows, worauf bist du am meisten stolz?
Auf alles. Ich bin stolz, ein Teil dieser Band zu sein und darauf, alle Erfahrungen gemacht haben zu dürfen, die hinter mir liegen. Dass ich mit all den tollen Musikern arbeiten durfte, mit Josh Homme, Brant Bjork, Scott Reader, Nick Oliveri, alle in Slo-Burn, alle in Unida - ich bin einfach sehr stolz, noch dabei zu sein. Nicht aufgegeben zu haben. Weiter zu schreiben und dafür zu sorgen, dass meine Tochter eine gute Erziehung erhält.
Denn kalifornische Schulen sind furchtbar, sie gehören zu den schlimmsten in den ganzen USA. Ich bin wirklich froh, dass ich die Kohle habe, sie auf eine Privatschule schicken zu können.
Das neue Album habt ihr an verschiedenen Orten aufgenommen. Wart ihr auch in der Rancho de la Luna?
Nein, ich wollte hingehen, aber sie waren beschäftigt.
Hermano-Gitarrist Dandy hat da ja auch schonmal aufgenommen ...
Ja, er war auch schon in einem anderen Studio oben in Joshua Tree, glaube ich.
Ich frage auch deshalb, weil ich kürzlich mit ein paar Freunden dort Urlaub gemacht habe. Joshua Tree ist wirklich ein beeindruckender Ort.
Oh, really? Wart ihr auch im Joshua Tree National Park?
Klar. Wir sind durchgefahren. Wahnsinn, diese Natureindrücke.
Ja, fantastisch.
Wann warst du denn das letzte Mal in der Rancho?
Oh, schon eine Weile her. Ich habe mit Dandy ein paar Sachen für mein Soloalbum aufgenommen, das hoffentlich nächstes Jahr rauskommt. Das muss ein Jahr her sein, vielleicht eineinhalb.
Suchst du noch eine Plattenfirma?
Oh, ich bin immer auf der Suche nach einer Plattenfirma, die sich für mein Zeug interessiert. Wieso, kennst du eine?
Äh, na die deutschen vorwiegend. Ich wollte nur wissen, ob die Platte auch in Europa rauskommt.
Das hoffe ich doch stark. Geplant ist es jedenfalls.
Ich war im Vorfeld des Interviews auch auf eurer MySpace-Seite, wo u.a. Mother Tongue und Danko Jones als Friends gelistet sind. Kümmerst du dich persönlich um diese Seite?
Nein, damit habe ich nicht viel zu tun. Ich bin auch kein großer Freund von MySpace, aber das hat man heutzutage halt. Mit den Jungs von Mother Tongue habe ich schon länger nicht mehr gequatscht, aber Danko Jones ist ein persönlicher Freund von mir. Ich kann nicht hoch genug von ihm und der Band sprechen. Ich habe auf seiner letzten Scheibe "Sleep Is The Enemy" gesungen und werde auch auf der nächsten dabei sein. Magst du Danko?
Ist okay. Zuletzt habe ich ihn in Zürich mit Brant Bjork als Support gesehen.
Great. Danko is a fucking badass. I love him.
Auf deiner letzten Platte hast du ja auch Brant Bjork eine Nummer gewidmet.
Yeah, "Brother Bjork".
Seid ihr in Kontakt?
Ja, neulich rief er mich aus einer Bar in Barcelona an, wo er mit einem Freund von mir saß. Ab und an klingelt er bei mir durch, aber der Typ ist ja ständig unterwegs.
Nö, ist okay.
In einem Interview meintest du, wenn du gewusst hättest, welch einen Status diese Band bekommen würde, hättest du Josh niemals erlaubt, sie aufzulösen.
Naja, das wurde ein bisschen aus dem Kontext gezogen. Das war halt alles verrückt damals. Kaum hatten Josh und ich Kyuss aufgelöst, mutierte sie zu dieser fucking legendären Band. Und ich fragte mich nur: Wo zum Henker wart ihr, als es uns noch gab?
Plötzlich war es eine Kultband. Auf eine leicht entrückte Art und Weise bin ich froh darüber, dass es so gelaufen ist. Denn es geschah sicher nicht ohne Grund. Gott hatte diesen Plan für mich, er wollte mich testen, mir etwas wegnehmen und sehen, ob ich meinen Stolz runterschlucken kann. Also versuchte ich es, sagte "Suck on this, motherfuckers" und bis heute vergeht kein Tag, an dem ich nicht dankbar bin, dass er mir dabei hilft, diesen Stolz zu schlucken. Es war die richtige Entscheinung für mich.
Trotzdem vergeht kein Jahr ohne lukrative Kyuss-Reunion-Angebote.
Ja (lacht). Die bieten uns ganz nette Sümmchen streckenweise.
Wie viel? Äh .... fast eine Viertelmillion Dollar. Für einzige Show, hahaha! (lautes Lachen) Lustig, oder?
Das Coachella Festival?
Nein. Hier in Amerika kennt uns kein Schwein. Das muss aus Europa oder Australien gekommen sein.
Würdest du trotz der lukrativen Summe Josh zustimmen, dass eine Reunion gerade aufgrund der großartigen Geschichte von Kyuss der absolute Fehler wäre?
Ja. Ich meine, Josh ist sowieso der einzige, der Kyuss zusammen bringen könnte. Aber natürlich sitze ich hier nicht Tag für Tag am Telefon und warte auf seinen Anruf, denn ich weiß ja, dass er nicht kommt. Josh ist einfach nicht der Typ, der zurück schaut, Josh will immer nach vorne. Außerdem sagte er den schönen Satz: "Ich finde es gerade toll, dass uns damals kein Mensch gesehen hat. Ich bin viel zu stolz auf alles, als dass ich mit einem Mal alles kaputt machen wollte.
Absolut man, genau so siehts aus! Wenn du die Chance hattest, Kyuss zu sehen, sehr gut. Wenn nicht, geh auf fucking Youtube und such dir da was zusammen.
Auf der Hermano-DVD "The Sweet And Easy Of Brief Happiness" gibt es eine Szene, in der du stöhnst: "Vor zehn Jahren war das Touren noch leichter." Was fällt dir heutzutage schwer?
Vor zehn Jahren war ich 27, da war mein Körper schon noch ein bisschen besser drauf. Je älter du wirst, desto mehr passt du auf ihn auf. Und dann die Familiensache: Ich kann meine Tochter nicht sechs Monate am Stück alleine lassen.
Generell muss man mehr Verantwortung übernehmen. Das Leben eines ambitionierten Musikers ist scheiße. Ich habe keinen Bock in einem Pappkarton hinter nem Plattenladen zu wohnen, einzig und allein aus dem Grund, es nach oben zu schaffen. Außerdem musst du fähig sein, das Leben zu genießen. Mir macht es Höllenspaß, in mein Schlafzimmer zu gehen, den Rechner anzuwerfen und eine Gesangsspur einzusingen.
Ich gehe genau so gerne ins Studio wie auf Tournee, aber es ist eben viel einfacher für mich. Heute gehe ich ein paar Wochen auf Tour, hole mir meine Kicks und das wars.
Deine Sichtweise aufs Musikmachen generell hat sich über die Jahre sicher verändert. Kannst du es genauer beschreiben?
Sicher hat es das. Ich denke, ich achte heute viel mehr als früher auf Musik und auf die Sachen, die ich schreibe. So ist das im Leben, du entwickelst dich immer weiter. Du arbeitest ja auch an deinen Fähigkeiten. Ich möchte weiterhin Dinge schreiben können, die ich vorher nicht geschrieben habe oder etwas singen, das ich zuvor noch nicht gesungen habe.
Wenn ich an einem Song nicht weiterkomme, sage ich halt: Okay, du Hurensohn, du kriegst nicht das, was du von mir willst. Dann sagt der Song: Sehr gut, Schwanzlutscher, ich wette du kriegst Text und Gesang nicht auf diesen Part hier gebacken, versuchs doch! Es ist alles ein ständiger Kampf.
(Die Türe geht auf)
Du kannst ruhig reinkommen, auch die anderen zwei von vorhin, ich mach hier nix Verbotenes, es ist alles in Ordnung. Soll ich dir bei irgendwas helfen? Oder dir eine mitgeben? Nein? Frag mich, kein Problem? Nein? Okay.
John, du bist jetzt schon so lange im Rock-Business. Wie hast du es geschafft, die harten Drogen außen vor zu lassen?
Tja, hab ich nie gemacht, Crack oder Heroin. Ich rauche auch kein Gras mehr, ab und an mal ein paar Biere und das wars. Pillen und Kokain nehme ich auch nicht. Nicht mehr. Ob ich das früher gemacht habe? Yeah! Aber die harten Sachen, die nimmst du einmal und dann entscheidest du dich: Entweder du willst dich damit voll laden oder du lässt es liegen.
Ich habe jahrelang Gras geraucht, aber jetzt mit einer Tochter geht das einfach nicht. In meiner Jugend mag ich das ein oder andere ausprobiert haben, aber nie in einem Ausmaß, dass ich nicht mehr wusste, wo mein Hirn grade rumfliegt.
Aber im Musikgeschäft gehören Drogen doch auch oft zum guten Ton. Sie sind leicht zu beschaffen und bei all der Routine und Langeweile auf Tournee für viele ein idealer Zeitvertreib.
Klar. Musik und Drogen gehen Hand in Hand. Aber es gibt immer zwei Wege: den Crack-Weg und den anderen. Und irgendwann merkst du: Du kannst nicht einfach dein Leben weg rauchen oder sonstwas. Heute werde ich high, wenn ich auf die Bühne steige und Musik mache, wenn ich meiner Tochter beim Fahrradfahren zuschaue oder ihr ein Eis kaufe.
Du hast sicher von Dave Wyndorfs Drogenabsturz vor zwei Jahren gehört.
Ja, furchtbar. Dave Wyndorf ist ein unglaublich talentierter Musiker. Ich bin großer Fan von ihm. Monster Magnet gehören zu meinen Alltime-Favourite-Bands. Wie ich gehört habe, ist eine neue Platte von ihnen im Anflug. Ich hoffe sehr, dass es weitergeht mit ihnen.
Ich habe euch 2002 live in Frankfurt im kleinen Nachtleben gesehen. War ne geile Show.
Cool. Ich erinnere mich zwar grade nicht mehr daran, aber Europa ist immer klasse. Aber gut, wenn du immer und immer wieder Konzerte spielst, ist das mit dem Gedächtnis eh so eine Sache. An manche Shows erinnerst du dich nur aufgrund von Kleinigkeiten, zum Beispiel dass es sackheiß war.
Gut, dann die letzte Frage, vermutlich ist sie eh viel zu schwer: Erinnerst du dich an die beste Show, die du je gegeben hast?
Äh ... puh ....
Oder musst du da für jede deiner Bands antworten?
Nein, ich glaube das unvergesslichste Konzert war die letzte Kyuss-Show in diesem kleinen Club Dragonfly in Hollywood. Der Laden war voll bis unters Dach und es war die letzte Show, die wir zusammen spielten. Das werde ich nie vergessen.
Und ihr wusstet, dass es die letzte Show sein würde?
Nein, niemand wusste, dass es das letzte Konzert sein würde. Es kam einfach so. Es war der letzte Abend, an dem wir vier Typen auf einer Bühne gestanden sind.
Into The Exam Room (2007), Hermano - The Sweet And Easy Of Brief Happiness (2006), Live At W2 (2005), Dare I Say (2004), Only A Suggestion (2002), The Great Divide (2001), Coping With The Urban Coyote (1999), The Best Of Wayne-Gro (1998), Amusing The Amazing (1997), ... And The Circus Leaves Town (1995)
Blues For The Red Sun (1992), Wretch (1991), Sons of Kyuss (1990)
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