Porträt

laut.de-Biographie

The Crystal Method

Elektronische Musik und Rock schmusen im Verlauf der 90er Jahre immer enger miteinander und bringen Genre-Bastarde wie Prodigy, Chemical Brothers und Fatboy Slim hervor, die aus beiden Bereichen das für sie Passende herausgreifen. 'Big Beat' ist der Name, den Fatboy Norman Cook der Mucke aus Ermangelung greifbarer Idiome gibt. Heftiges Beat-Geboller, ohne Scheu eingesetzte analoge Instrumente und Acid-Attacken setzen den Tanzbeinen dabei mächtig zu. Die oben erwähnten Künstler stehen in verwandten Beziehungen zu Scott Kirkland und Ken Jordan, die mit The Crystal Method seit Anfang der Neunziger am Start sind.

Kennen lernen sich die beiden bei der Arbeit an einem College Radio. Die Chemie zwischen ihnen stimmt, beide hegen ein bislang verdecktes Interesse, selbst einmal Mucke auf Band zu bannen. So setzen sie ihre Vorstellungen unter Zuhilfenahme eines popeligen Vierspur-Aufnahmegerätes um. Damals liegen ihre Interessen noch bei Vocal House. Jordan lässt diese Experimente fürs erste sein und zieht nach Los Angeles. In der kalifornischen Metropole arbeitet er als Produktionsassistent für Eddie Brickell und Michael Penn. Er schaut genau hin, wenn sein Vorgesetzter an den Knöpfchen dreht, die Regler hoch und runter zieht und bringt sich so autodidaktisch erste Producer-Skills bei. Nebenbei taucht er kopfüber in die Clubszene von LA ein und erhält so einen Einblick in die Rave-Szene der Stadt der Engel.

In der Spielerstadt drückt derweil Scott Kirkland die Schulbank und lässt sich von einem gewissen Mark Slaughter am Sechssaiter unterrichten. Einen guten Lehrer hat er mit ihm an Land gezogen, denn sein Mentor war in den späten Achtzigern recht erfolgreich mit seiner eigenen Band Slaughter unterwegs in der Haarmetal-Szene Kaliforniens unterwegs. Das was seinerzeit Slaughter auszeichnen - melodiereiche Hooklines schreiben, die auf direktem Weg ins Ohr gehen - gibt Mark an Scott weiter. Sein ehemaliger Arbeitskollege quatscht ihm via Telefon die Ohren blutig, welch geile Musik es des nächtens in Los Angeles zu hören und fühlen gibt. Also gibt Kirkland den Widerstand auf und jettet von der Wüste ans Meer. Dort angekommen flasht ihn das Gebotene ordentlich vom Hocker. Da beide ihr Herz schon lange vorher an die Musik verloren haben, wollen sie die vergangenen und gegenwärtigen Einflüsse in gemeinsame Arbeit umsetzen. Dies geschieht 1993, dem Geburtsjahr von The Crystal Method.

Das Duo richtet sich in Los Angeles ein Studio ein, das sie auf den Namen 'Bomb Shelter' taufen. Ein ebensolches benötigt der ahnungslose Hörer auch, lässt er sich den geballten Wumms der Eigenproduktionen auf sich niedergehen, der da aus ihrem Schuppen den Weg hinaus ans Tageslicht findet. Ziemlich hurtig kommen The Crystal Method beim neugegründeten Label City Of Angels unter, wo sie ihren ersten Track "Now Is The Time" 1994 veröffentlichen. Darauf folgt "Keep Hope Alive", das sich mit der Schwierigkeit befasst, in LA einen gediegenen Rave über die Bühne bringen zu können. Ständig rappelts im Karton, selbst die Freunde und Helfer in Uniform mischen kräftig mit, wenns darum geht, die Party zu versauen. Der Song beschert ihnen große Aufmerksamkeit und ermutigt sie nach einigen Remixen und Samplerbeiträgen, an ihrem ersten Album zu arbeiten.

Bevor jedoch an den Release zu denken ist, klopft es bei ihnen an der Tür. Der Manager der Chemical Brothers bittet sie, bei deren Live-Shows den Support-Job zu machen. Beim Gedanken daran, vor Publikum zu stehen, rutscht Ken Jordan das Herz zwei Etagen tiefer. Trotz Rock-Affinität ist es den beiden bislang noch nicht in den Sinn gekommen, eine ausgewachsene Performance auf die Bühne zu stellen. Das Problem erledigt sich schnell von selbst, denn die Konzerte beeindrucken die nichts ahnenden Besucher, die ihnen daraufhin die Bude einrennen, wo man denn bitteschön ihre Platte kaufen könne. Die ist zwar in der Mache, aber noch lange nicht fertig. Erst 1997 ist es so weit. "Vegas" heißt das gute Stück mit Referenz an die Heimatstadt. Zehn Songs widerlegen die Mär, dass Amerikaner keine vernünftige elektronische Musik produzieren können. Komplett in Eigenregie aufgenommen, walzt das Teil gefährlich dröhnend durch die Lauscher.

Auch im fernen Europa wummern die Songs durch die Indie-Dissen und begeistern sowohl Rocker als auch Techno-Jünger. Für den Soundtrack zum Superhelden-Film Spawn steuern sie eine metallene Version von "Trip Like I Do" bei, für das Filter-Frontmann Richard Patrick sich am Mikro sich die Seele aus dem Leib schreit. Ihre Remixarbeiten setzen sie fort, schaffen sich so ein zweites Standbein und lassen es mit weiteren Aufnahmen erst einmal recht locker angehen. Geschlagene vier Jahre ziehen dabei ins Land, bevor mit "Tweekend" der ersehnte Nachfolger im Laden steht. Lang ersehnt zumindest, was das amerikanische Publikum betrifft. In Europa geht die Scheibe - trotz respektablen Erfolges des Debüts - regelrecht unter. Der Promotionaufwand hält sich in Grenzen, so dass einige Interessierte nicht einmal wissen, dass The Crystal Method mit neuem Material aufwarten. An der Gästeliste des Albums kann es mit Sicherheit nicht liegen, dass sich die Platte hierzulande nicht so gut verkauft, sind doch mit Fiona Apple, Scott Weiland, Tom Morello und Becks DJ Swamp international angesagte Namen vertreten.

Die Tour zum Album führt sie drei Monate kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten und endet in Las Vegas. Bereits ein Jahr später veröffentlichen sie das Mix-Album "Community Service". In Europa ist das Duo mit der Zeit ein wenig in Vergessenheit geraten, die Platte ist hierzulande lediglich als Import erhältlich. 2004 mit "Legion Of Boom" ändert sich dies jedoch wieder. Unter Mithilfe einer illustren Gästeschar entsteht ein sehr homogenes Album. Rahzel (Ex-Roots), Ex-Kyuss Frontmann John Garcia, Ex-Bizkit Axeman Wes Borland und Actrice Mila Jovovich zählen zu den bekannten Gesichtern, die ihren Beitrag zu "Legion Of Boom" leisten. Erneut bollern Elektro-Beats, harte Gitarrenriffs und Funk aus den Boxen, dass es nur so kracht. Logische Folge: eine Grammy-Nominierung für das beste Dance/Electronic-Album.

Auch in der Folge bleiben The Crystal Method am Ball und unterlegen die Wochenenden der Feierwütigen mit dem passenden Soundtrack. Vor allem in den USA bleiben sie mit ihrem knallenden Elektro-Sound stets ein Garant für den richtigen Beat.

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