Porträt

laut.de-Biographie

Hell Razah

Neun Jahre nach seinem größten Erfolg legt Hell Razah mit "Renaissance Child" sein Solo-Debüt vor. Der Titel unterstreicht dabei sein Programm: Lange Zeit "Buried Alive" in den Wirren des Rap-Geschäfts, zündet der Mann aus Red Hook im Süden Brooklyns nun die erste Bombe. Bei der soll es nicht bleiben: "Ich habe Unmengen weiterer Werke in petto. Das ist erst der Anfang." (hiphopgame.com)

Chron Smith beginnt seinen Werdegang gemeinsam mit 7th Ambassador in den Reihen einer Crew mit Namen Da Last Future. Die erste Sprosse auf der Leiter zum Erfolg bildet allerdings die Begegnung mit Shabazz The Disciple, mit dem er sich wenig später zu den Sunz Of Man zusammenschließt. Außer den beiden sitzen Prodigal Sunn, 60-Second Assassin und (zumindest dann und wann) Killah Priest mit im Boot. 7th Ambassador zieht sich dagegen bereits zurück, noch ehe die Truppe in den Dunstkreis des Wu-Tang Clan gerät.

"Damals waren wir jung, ich war gerade 17", erinnert sich Hell Razah im Interview. "Wir bekamen plötzlich ganz neue Einblicke, mit denen wir aufwuchsen. Für uns hat sich eine Menge verändert." Bis 1996 bringen die Sunz Of Man zwei Singles und ein Video auf den Markt, erstreiten sich ein wenig lokale Berühmtheit und blicken immerhin auf stolze 20.000 verkaufte Einheiten zurück. Ein Album, "Nothing New Under The Sun", befindet sich in Vorbereitung, wird sogar bereits in einschlägigen Publikationen wie "The Source" beworben. Über dieses Stadium kommt man bei Priority Records allerdings nicht hinaus.

Kurz vor der Veröffentlichung tritt dann in Gestalt von Red Ant Records das Major-Label BMG auf den Plan. Plötzlich ist publikumsfreundlicherer Sound gefragt. Die ursprünglich sehr düstere Produktion wird merklich aufgehellt. Das Resultat, an dem unter anderem 4th Disciple, True Master, RZA, Mathematics und Grym Reaper von den Gravediggaz mitwirken, erscheint als offizielles Debüt der Sunz Of Man 1998 unter dem Titel "The Last Shall Be First".

Einige langjährige Fans zeigen sich enttäuscht über die deutliche Glättung. Weithin erntet "The Last Shall Be First", das 350.000 mal über die Ladentheken wandert, trotzdem reichlich Beifall. Kein Wunder: Gastauftritte absolvieren Hochkaräter wie Earth, Wind & Fire, Wyclef, Method Man und Ol' Dirty Bastard.

RZA beweist mit dem Entschluss, diese Jungs unter seine Fittiche zu nehmen, offensichtlich den richtigen Riecher - auch, wenn sowohl Shabazz als auch Killah Priest aufgrund von Differenzen mit dem Wu-Tang-Mastermind bald eigene Wege gehen.

Supreme, der seit Da Last Future-Tagen mitmischt, folgt den beiden Abtrünnigen weniger freiwillig im Jahr 2000. Nachdem ihm seine Mitstreiter drauf kommen, dass er für das vorzeitige Durchsickern eines ganzen Albums ("The First Testament") verantwortlich zu machen ist, möchte man doch lieber nichts mehr miteinander zu tun haben. So erscheint das zweite Album der Herren in stark reduzierter Besetzung. Doch so weit sind wir noch nicht.

Inzwischen hat Red Ant Bankrott angemeldet. Die Karriere der Sunz Of Man steckt in einer Sackgasse. Hell Razah bemüht sich, zwischen 1999 und 2001 durch Live-Shows und Auftritte in verschiedenen Videos im Gespräch zu bleiben. Diverse Featureauftritte tragen ebenfalls dazu bei, seinen Namen am Leben zu halten: Hell Razah ist gemeinsam mit Ghostface Killah, Method Man, ODB, U-God, Killah Priest, GZA, den Gravediggaz, im Schwarm der Wu-Tang Killa Bees und auch in internationalen Kollaborationen, beispielsweise mit I AM, zu hören. Sein im Internet bereit gestelltes Mixtape "When All Hell Break Lose" wird 2002 Tausende von Malen heruntergeladen.

Im gleichen Jahr legen die Sunz Of Man mit "Saviorz Day" nach. Das Album erscheint unter dem Dach von D3 Entertainment, einem Label, das - die Geschichte wiederholt sich - wenig später pleite geht. Immerhin kehren erst Shabazz The Disciple, 2003 dann auch Killah Priest in die Arme der gebeutelten Truppe zurück.

Hell Razah kooperiert unterdessen mit seinem alten Kollegen 4th Disciple. Gemeinsam stellen sie 2004 das Kollabo-Album "Freedom Of Speech" fertig. Danach führt ihm das Schicksal endlich die längst verdiente stabile Basis zu. Hell Razah kommt bei Nature Sounds unter, einem Label, bei dem auch die Clanbrüder Masta Killa und Mathematics sowie Underground-Legende MF Doom eine Heimat fanden.

Einem Seitenprojekt mit Namen Ghetto Government folgt ein neues Unterfangen: Hell Razah schließt sich mit Killah Priest, Timbo King, Tragedy Khadafi und William Cooper zu Black Market Militia zusammen. Deren selbstbetiteltes Debüt-Album erscheint nach zwei Mixtapes 2005. Anschließend geht es zusammen mit R. A. The Rugged Man international auf Tour. Auch die Sunz Of Man werden ein weiteres Mal aktiv: 2006 folgt nach längerer Pause das Quasi-Best-of-Album "The Old Testament".

Für Hell Razah schlägt allerdings trotz allem die Stunde des Alleingangs. "Klar ist es viel mehr Arbeit, wenn man für alles alleine verantwortlich ist", erklärt er in einem Radio-Interview. "Aber ich genieße es total. Ich habe bereits Solo-Sachen gemacht, bevor ich zu den Sunz Of Man stieß. Es ist also keine allzu große Umstellung." Im Februar 2007 machen Hell Razah und DJ Rated R mit dem Free-Download-Mixtape "Back To Renaissance" ordentlich Appetit auf das anstehende Solo-Album. Gleichzeitig zieht Hell Razah hiermit den Hut vor der Oldschool: Er rappt über klassische Beats von Kool G Rap, Big Daddy Kane oder Public Enemy.

"Renaissance Child" steht ab März 2007 in den Plattenläden. Auf Wu-Tang-Hilfe fühlt sich Hell Razah schon lange nicht mehr angewiesen. "Irgendwann muss man ja lernen, auf eigenen Füßen zu stehen und selber zu laufen", so seine Einschätzung der Lage im Gespräch mit hhlive.com. "RZA hat getan, was er konnte, und das war eine ganze Menge, aber ich musste mich einfach irgendwann selbst um meinen Kram kümmern. Er gab uns grünes Licht, das war alles, das ich brauchte. Ich wusste, was ich zu tun habe. Ich wusste ganz genau, was ich wollte und wie es sich anhören sollte. Ich weiß, dass die Leute mit Auftritten eines Ghostface oder vergleichbarem auf diesem Album gerechnet haben. Aber ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich so etwas einfach nicht mehr brauchte. Nichts für ungut, Jungs - aber es spiegelt auch so den ganzen Wu-Shit wider."

Hell Razahs ungebrochene Hochachtung für die Brüder vom Wu-Tang Clan tritt auch im Gespräch mit nobodysmiling.com deutlich zutage: "RZA ist ein verdammtes Genie. Ein 'Only Built 4 Cuban Linx' oder 'Ironman' oder sogar 'Return Of The 36 Chambers' wird niemals zu toppen sein. Mann, Wu-Tang hat Geschichte geschrieben, und ich habe eine Menge gelernt. Es steckt auch noch eine ganze Menge hinter der Musik, von dem die meisten Leute keine Ahnung haben. Ich habe beide Seiten der Medaille gesehen, die Musik auf der einen, das Geschäft auf der anderen Seite."

Dennoch erscheint "Renaissance Child" ohne Beteiligung des Clans. Features stammen von R.A. The Rugged Man, Talib Kweli, Black Market Militia, den Maccabeez, Killah Priest und MF Dooms Alter Ego Victor Vaughn. Ganz neue Klänge, wie Hell Razah selbst einräumt: "Die Fans sind einfach nicht daran gewöhnt, mich zusammen mit Kollegen zu hören, die nicht aus dem Wu-Tang-Umfeld stammen. Wird Zeit, dass sich das ändert, so wie auf 'Project Jazz' mit MF Doom und Talib." Genannter Track illustriert als einer von vielen, was das Besondere an Hell Razahs Schaffen ausmacht: "Ich spreche über mein Leben. Niemand kann das gleiche erzählen, ohne mich zu biten."

Was die Beats betrifft, gibt sich eine ganze Reihe von Produzenten die Regler in die Hand. "Mit 4th Disciple arbeite ich schon seit Beginn meiner Karriere. Ein Album ohne sein Mitwirken, das wäre wie Snoop ohne Dr. Dre, das wäre überhaupt nicht in Frage gekommen." Auf Unterstützung von Stars aus der Produzenten-Szene legt Hell Razah dagegen keinen Wert: "Wenn du heute irgendeinen A&R einer Plattenfirma fragst, sagt der dir sofort, dass du Beats von den Neptunes oder Timbaland brauchst. Ich habe nichts gegen deren Künste, auch wenn einige derer Beats manchmal sehr nach Seife riechend daher kommen. Ich fahre aber grundsätzlich eine andere Politik. (...) Man sollte nicht vergessen, welchen Antrieb hungrige, neue Produzenten haben."

So untermauern neben 4th Disciple und Doom Bronze Nazareth, Krohme, Dirty Needlez, DJ Battles, der italienische Jazzmusiker Fabrizio Sotti oder Shuko aus Mainz die soliden Flows des "Renaissance Child"s, das zeigt: Hardcore-Lyrics und tief spirituelle Zeilen trennen oft nur ein paar Takte.

"Renaissance Child" markiert im März 2007 die Wiedergeburt eines Künstlers, der noch einiges mehr plant: Noch für Sommer des gleichen Jahres wird ein weiteres Album unter dem Namen Heaven Razah versprochen, auf dem Hell Razah in der Gestalt des Götterboten Rahziel aufzutreten gedenkt. Darüber hinaus spricht er in Interviews bereits von einer zweiten Black Market Militia-LP, und Neues von den Sunz Of Man befinde sich ebenfalls in Vorbereitung: Langeweile scheint nicht vorgesehen.

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