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1988 macht es plopp und der F4-Vorgänger Terminal Team aus Stuggitown tritt in Erscheinung. 1989 folgt auf einem "Batman-Fest" der Debütauftritt unter dem Namen Die Fantastischen Vier - damit ist der erste deutschsprachige Hip Hop-Act geboren und bringt ein wenig frischen Wind in die ansonsten recht langweilige Musiklandschaft Teutoniens.
Anfangs noch ein striktes Underground-Phänomen ziehen die Jungs 1991 das Interesse eines damaligen Sony-A&Rs auf sich, der die Jungs prompt nach Frankfurt in die Firmenzentrale zitiert. Zusammen mit Freund und Plattenladenbesitzer Bär, der von Sekunde eins felsenfest an die Band glaubt, wird konkret um Veröffentlichungen gefeilscht. Heraus kommt die Single "Hausmeister Thomas D" und das Album "Jetzt geht's Ab", die beide eher zur Belustigung im Radio gespielt werden. Richtig berühmt werden die Vier erst ein Jahr später mit dem Chartbreaker "Die da!?!" vom '92er Album "Vier Gewinnt". Der Hit, eindimensional wie ein Schulhofspaß, öffnet den Zugang zu den Massenmedien: Selbst Dieter Thomas Heck klatscht väterlich und BRAVO kann mit Band-Intima weiterhelfen.
Trotz des überwältigenden Erfolgs, den die Truppe einfährt, ist man von den nicht enden wollenden Teenie-Belagerungen bald schwer genervt. Hätte die zumeist blutjunge Fan-Meute damals allerdings geahnt, welch schwer bekömmlichen Soundmix ihre Helden nach "Vier Gewinnt" hinter dicken Stuttgarter Studiotüren fabrizierten, wahrscheinlich wären sie nicht jeden Morgen davor gestanden. "Die Vierte Dimension" wird 1993 zur dringend nötigen Metamorphose - weg von den BRAVO-Lieblingen hin zum anerkannten Hip Hop-Act mit nachdenklichen und ausgefeilten Texten. Fans und Kritiker sind eher verwirrt, zu überraschend und sperrig erfolgt der neue F4-Weg.
Smudo, Deejot Hausmarke, Thomas D und And.Ypsilon aber lassen sich vom Protestgeschrei nicht beirren. Nach dem Metalrap-Party-Spaß "Megavier" folgt 1995 mit "Lauschgift" der Befreiungsschlag. Die Fantas ziehen ihren kompromisslosen Stil trotz Sellout-Geschwafels aus dem Underground konsequent durch und überraschen Freund und Feind mit klassisch dickem Ego-Boosting. S.W.A. ist geboren, die Schwaben with Attitude, und sie ballern in alle Richtungen. Mitten im Weg stehen dann gar nicht zufällig Sabrina Setlur und das Rödelheim Hartreim Projekt. Mit "Sie Ist Weg" landet die Band auch noch einen Nummer eins-Hit, wodurch das ambitionierte Album auch kommerziell zum großen Wurf wird.
Danach brauchen alle Fantas erst mal Pause voneinander. 1997 sorgt Thomas D mit seinem Album "Solo" und dem Single-Hit "Rückenwind" für Aufsehen, ein halbes Jahr später folgt Hausmarke mit dem Debüt "Weltweit". Doch auch andere Projekte wie die Einrichtung eines eigenen Studios oder die Labelgründung von Four Music halten die Vier von gemeinsamer Arbeit ab. Erst vier Jahre nach "Lauschgift" erscheint im April 1999 die Single "Mfg" und kurz darauf das Studioalbum "4:99".
Nach einer erfolgreichen Tournee, bei der Regisseur Dieter Zimmermann bereits Material für den 2001 erscheinenden F4-Film "Was Geht" dreht, kommt kurz vor der Feier zum zehnjährigen Bandbestehen die Ehrung durch MTV: Als erster deutscher Hip Hop-Act und nach Herbert Grönemeyer dürfen die Fantas eine Unplugged-Session aufzunehmen. Das Ganze steigt in einer Höhle im Sauerland, wo man mit Motorsäge, Schilfrasseln und Percussions ein ziemlich relaxtes Album einspielt. Insgesamt kommen 22 Musiker im Höhlen-Ambiente, das üblicherweise von Jazz- und Klassik-Musikern genutzt wird, zum Einsatz. Das dazugehörige Unplugged-Album erreicht aus dem Stand Gold-Status (über 150.000 verkaufte Einheiten).
Derweil ist die Hauptband musikalisch längst im Pop-Genre angekommen und blickt stolz auf die zahlreichen jungen Crews des längst etablierten Deutschrap-Games. Der Erfolg der Stuttgarter bleibt ungebrochen, so sehen die Tournee zum Album "Viel" 160.000 Fans in 21 Städten. Trotz immer ausgedehnteren Pausen zwischen Studioarbeiten treffen sich die Jungs stets wieder, um zur Freude ihrer Fans die gebündelte Vier-Power auf Rille zu bannen.
Längst sind Die Fantastischen Vier nach über sechs Millionen verkauften Tonträgern (Stand 2007) in einem Stadium angelangt, in dem man nur dann weitermacht, wenn man einerseits noch so gut miteinander klar kommt wie zu Beginn der Karriere. Und auch nur dann, wenn man in gemeinsamen Sessions noch Musik und Texte komponieren kann, hinter denen alle Mitglieder zu 100% stehen. Beides klappt zum Glück nach wie vor hervorragend.
Smudo über Erfolgsdruck, Streamingdienste, die GEMA, die neue Stuttgart Rap-Generation und die F4-Zukunft.
Mit "MTV Unplugged II" wagten sich Die Fantastischen Vier als erste Band an eine Fortsetzung ihrer Akustikshow. Im Telefon-Interview erklärt Smudo, wie es dazu kam, wie er zum Chimperator-Label steht und philosophiert über die eigene Zukunft als alternder Rapper.
Hallo, hier spricht David von laut.de.
Hallo David, hier ist der atemlose alte Hase Smudo.
Oh, dann warst das also tatsächlich du und kein Hardcore-Fan von euch, der als Lesmoureal den kritischen Kommentar unter unsere Album-Review zur "MTV Unplugged" gepostet hat?
Klar. Ich bin natürlich daran interessiert, wie wir in der Öffentlichkeit so besprochen werden. Und laut.de ist ja ein Portal, das ich eigentlich immer sehr schätze. Also auch nach wie vor, das war ja keine schlechte Kritik. Und dass du bei der Rezension zu meiner Intonation beim Song "Danke" den alten atemlosen Hasen bemühst berüht mich natürlich, da ich zwar ein alter Hase bin, aber nicht atemlos.
Ich wollte dich ja auch nicht persönlich treffen in diesem speziellen Fall ...
Nee, ich hab das auch nicht so verstanden. Die Kritik ist ja absolut nachvollziehbar. Ich habe das als aufklärerische Info verstanden. Der alte Hase ist ja nicht die tatsächliche Kritik. Deine beiden Hauptpunkte waren ja, dass es am Anfang der CD Zugaberufe gibt und das Fehlen der Klassiker. Aber schön, dass wir mal so drüber plauschen können.
Ihr seid meines Wissens die einzigen Künstler, die zum zweiten Mal ein MTV Unplugged geben durften.
R.E.M. haben das auch schon mal gemacht. Nur fanden die das erste wohl nicht so gut und haben das deshalb nicht veröffentlicht.
Dann seid ihr zumindest die einzigen, die ein zweites veröffentlicht haben. Wie kam es denn überhaupt dazu? Wer musste wen anbetteln?
MTV hat uns gefragt. Wir fanden das zuerst auch ein bisschen zweifelhaft. Weil MTV meinte, dass das Ding mit Lindenberg so erfolgreich war und dass sie am liebsten noch mal so ein großes deutsches MTV Unplugged machen wollten. Und da hätten sie als erstes an die Fantas gedacht. Und das fanden wir so naja. MTV ist ja inzwischen bei Sky. Die Zeiten haben sich geändert – würde das denn geil werden?
Gleichzeitig ist ja unser erstes Unplugged über die Jahre zu einem Klassiker gereift. Wir haben das damals sozusagen als Hausaufgabe gemacht. Aber im Nachhinein etwas auf Klassiker anzulegen, das halten wir für eine unmögliche Aufgabe. Deswegen haben wir dann zuerst auch abgelehnt. Aber dann haben uns Plattenfirma und Management mitgeteilt, was sie mittelfristig für Verkaufserwartungen haben.
Die Fantastischen Vier unter Verkaufsdruck?
Es spielt natürlich alles eine Rolle. Wenn wir Musik nicht verkaufen wollten, dann könnten wir sie ja verschenken. Wir sind ja bei einer Plattenfirma und die ist nicht die Caritas. Die Zeiten sind hart. Unplugged an sich ist eine tolle Sache. Wir wollten zwar mit unserem neuen Album mal richtig in den Tritt kommen, was uns durch diese Unplugged-Zäsur natürlich immer noch nicht gelungen ist. Aber auf der anderen Seite ist der Erfolgsdruck nicht von der Hand zu weisen.
Hinzu kommt noch, dass die Zyklen sowieso kürzer sind und wenn wir uns die Zeit für unser neues Album nehmen wollen, ist es auch besser, wenn man zwischendurch mal wieder was draußen hat. Es hat dann aber doch wieder eine Weile gedauert. Du fragst dich: Wie kriegen wir das hin? Gehen wir noch mal in die Höhle? Finden wir was Besseres? Doch was Besseres gab's ja schon damals nicht. Nach der Höhle haben wir ja fast ein Jahr lang gesucht. Dann war da die Frage, wie wir das mit unserem persönlichen Coolness-Katechismus vereinbaren können, der Gedanke an das blaue und das rote Album von den Beatles. Auf dessen Cover die Herren ja in den Innenhof runterschauen.
Der Innenhof vom alten EMI-Gebäude ...
Ja, im Abstand von zehn Jahren. Und dann dachten wir: Lass uns doch genau das Gleiche machen. Nicht das alte Unplugged verschlimmbessern indem wir versuchen alles noch besser oder anders zu machen. Das Bild wird automatisch anders sein, weil wir's natürlich in HD machen und mehr Leute kommen als damals. Wir haben heute mehr Repertoire, es würde also eine Doppel-CD werden. Und dann ziehen wir uns genau so an wie damals und legen es etwas größenwahnsinniger an: Dass es praktisch eine zeitlose, immer weiter fortgesetzte Reihe werden könnte. Die Fanta Vier sind die einzigen, die in der Lage sind, eine ganze Reihe aus dem MTV Unplugged zu machen. Theoretisch könnten wir also in zwölf Jahren wieder, wenn nicht einen von uns der Krebs holt – denn jeden Vierten erwischt's ja anscheinend (lacht). Ein kleiner interner Witz.
Euer Live-Band-Leiter Lillo Scrimalli hat die meisten Unplugged-Stücke umarrrangiert. Wie viel künstlerische Eigenleistung von euch steckt denn da noch drin?
Naja, die Originalstücke natürlich. Kurz vorausgeschickt: Lillo war auch beim ersten Unplugged der Kapellmeister. Nur war er damals genauso neu wie wir in diesem Genre. Damals haben wir viel von einander gelernt und sind an einander gewachsen. Wir hatten da gar nicht so den Mut zur Querinterpretation. Jetzt, 20 Jahre später ...
Ihr seid zwar alte Hasen, aber so alt dann auch wieder nicht ...
(lacht) Ja, ähm, zwölf Jahre später haben wir ja noch ein paar Arrangement-Erfahrungen gemacht. Unser "Heimspiel", das 20-Jahre-Jubiläumskonzert, mit diesem 80-köpfigen Orchester oder kürzlich für iTunes ein Konzert namens "1 Machine, 2 Pianos, 3 Mics", wo in 50 Minuten sechs bis sieben Stücke nur mit zwei Pianos gespielt werden. Bei diesem Klavier-Ding sind wir dann völlig weggebrochen, als uns die Salsa-Version von "Populär" eingefallen ist. Die fanden wir so bekifft-witzig, dass wir sie dann als Orchester-Variante nochmals aufs "Unplugged II" gepackt haben. "Ernten was wir säen" ist zum Beispiel eher klassisch unplugged mit Streichern, so à la Metallica. In der Umsetzung ist sehr viel von uns drin. Manchmal war es so, dass Lillo einfach etwas mit MIDI-Instrumenten und Sequenzern hochgeladen hat und wir unseren Senf dazu abgegeben haben.
Genau, jeder hatte mal einen Schuss. Dem Lillo sind Sachen eingefallen, von denen wir sofort wussten: das machen wir. Die Flamenco-Gitarre auf "Was wollen wir noch mehr" war meine Idee. Durch Youtube bin ich auf Paco de Lucia gestoßen. Meine Frau hat mir das gezeigt. Und ich kannte Paco, den Elvis Presley der Flamenco-Gitarre, bis dato nicht. Da gab's so eine 70er-Jahre Live-Aufnahme, da raucht ihm das Brusthaar aus dem Hemd und er hat lange Koteletten.
Und dann hat der gleichzeitig mit der Gitarre so krasse Sachen gemacht, fast wie ein tollkühner Stuntman auf der Gitarre, wie ein Zirkus-Act. Das fand ich passend, denn solche auflockernden Sachen brauchst du einfach. Wie die Motorsäge damals bei "Unplugged 1", die wir benutzt haben um das "Tanz der Teufel"-Sample in "Schizophren" nachzustellen. Deswegen ist so ein Stück wie "Pipis Und Popos" drin, weil das Helium natürlich ein Feature ist.
So als Zäsur haben wir dann auch die Flamenco-Gitarre mit reingenommen. Und Lillo kannte dann auch noch jemanden, der bei Paco de Lucia in der Band gespielt hat und jetzt in Düsseldorf lebt: Rafael Cortez. Manchmal haben wir versucht, Sachen so nah wie möglich an der Single umzusetzen, etwa "Geboren" oder "Danke".
In der SZ hast du mal gesagt, dass Pop-Musik dich über weite Strecken langweilt. Mit Cro gibt es jetzt ja einen Künstler, der ganz offen Pop-Melodien mit Hip Hop paart. Er nennt das "Raop". Inwiefern kannst du dich für diese Art Pop begeistern?
Mir gefällt das tatsächlich. Ich habe von Cro schon zu "Easy"-Zeiten gehört, bevor die Platte kam. Ich fand das insofern ganz lustig, weil er diesen D'Angelo-R'n'B-Timbaland-Rap-Melodiös-Sound benutzt und eigentlich den klassichen R'n'B-Rap aus den USA so schön nachgemacht hat mit dieser eckigen deutschen Sprache. Ich bin persönlich kein großer Fan davon, dass man die Aussprache so beugt, dass ein Wort reinpasst. Ist natürlich ne Stilfrage, in dem Fall fand ich's aber sehr gut.
Wie Nosliw: Wenn man da nicht genau hinhört, weiß man nicht, ob es jetzt amerikanisch oder deutsch ist. Erst später habe ich dann von dem Hitalbum mitbekommen. Kommt natürlich auch aus Stuttgart, der Kerle. Aber das ist tatsächlich eine der wenigen neuen Sachen, bei denen ich gedacht habe: Das langweilt mich nicht. Popmusik an sich nämlich schon. Könnte am Älterwerden liegen. Wenn jemand 20 Jahre im Büro arbeitet, findet der sein Büro sicher auch langweilig oder scheiße.
Ich seh' schon, mit dem alten Hasen hab ich dich irgendwie ins Mark getroffen.
Lustig ist, dass du mir das ausgerechnet bei "Danke" vorwirfst, bei dem ich meine Stimme so verstelle. Das ist ja ein noch eher bequemer Titel am Anfang des Sets. "Smudo In Zukunft" hingegen ist ein Titel, der an die Kondition geht. 140 BPM Rap. Aber dieses SZ-Zitat von damals hat immer noch Gültigkeit. Wobei deutsche Rapmusik jetzt seit langem mal wieder Gutes hervorbringt, ganz ohne dicke Eier und Aggro. Im Gegenteil, fernab der Pseudogangster gibt's ja derzeit ein Deutschrap-Revival.
Angefangen hat das ja vielleicht mit Marteria und Casper und jetzt sind eben die Stuttgarter Rapper rund um das Chimperator-Label wieder in Erscheinung getreten. Kannst du dir diese zyklische Wiederkehr von Stuttgart als Rap-Hochburg erklären? Das erste Mal wart ja ihr mittendrin.
Ich denke, manchmal sind das einfach Zufälle. Was aus Stuttgart ohne uns geworden wäre, sei mal völlig dahingestellt. Aber Fakt ist auch, dass Stuttgart zu unserer Anfangszeit immer noch im langen Schatten der amerikanischen Besatzer stand. Sprich: Es gab ein gutes Import-Platten-Gedächtnis und dann auch entsprechende Diskotheken, in denen GIs Rap-Freestyles gemacht haben. Das ist so eine Entwicklung, die beispielsweise die Heidelberger auch mitgenommen haben, da sind ja mit Pirmasens auch riesengroße Bases in der Nähe.
Und dann ist da Berlin, wo eigentlich popmusiktechnisch schon lange nichts mehr ging außer Techno in den 90ern. Als wir mit Four Music da hoch gegangen sind, dachten wir auch, dass Berlin in Zukunft eine Sonderrolle spielt. Aber trotz der Menschenmasse kam da ja nicht viel: Der Startschuss kam mit Aggro Berlin, die ganzen Sachen rund um Die Krauts finde ich super, Marteria ist natürlich die volle Textbombe. Aber warum das so zyklisch ist? Zuerst kommt was, dann kriegt es Aufmerksamkeit, dann macht es jeder und es wird ein bisschen uncool. Selbst originelle Sachen haben es dann schwer, sich durchzusetzen, vielleicht so eine Art natürliche Sättigung.
Würdet ihr denn einen dieser neuen Chimp-Rapper mit auf Tour nehmen? Gibt's da Stuttgart-Connections?
Cro habe ich noch nicht kennen gelernt. Ich kenne auch das Umfeld nicht und bin da gar nicht so am Puls. Rein geschmacklich könnte ich mir Cro sehr gut als Support vorstellen. Ich bin auch tatsächlich Fan von K.I.Z., die ich mir jetzt aber nicht so sehr als Vorgruppe vorstellen könnte, das könnte Irritationen bei unserem Publikum hervorrufen.
Die neue Rap-Generation nutzt ja das Internet auf aggressive Weise, um Popularität zu erlangen. Zum Beispiel werden oft Tracks und ganze Mixtapes kostenlos zum Download angeboten. "Easy" gab's ja auch lange als kostenlosen Download. Das ist natürlich brisant im Bezug auf das, was Element Of Crime-Sänger Sven Regener diesen Sommer im Zündfunk-Interview gesagt hat. Künstler würden sich seiner Meinung nach heutzutage nicht mehr trauen, auf ihren Lohn zu pochen, weil es uncool ist. Teilst du seine Meinung?
Ich fand es schön, dass jemand, den man eher dem Underground zurechnen würde, was gesagt hat, was sonst vielleicht nur Metallica bringen würden. Jetzt mal abgesehen von der umstrittenen Wortwahl. Er sieht das Problem glaube ich auch eher darin, dass es so selbstverständlich und für gut gefunden wird, zu sagen, dass man von einem Künstler, der ja naturgegeben gegen das Establishment und gegen das System ist, natürlich verlangen kann, dass er alles verschenkt. Regener meinte, und das fand ich gut, dass man das nicht so verallgemeinern sollte. Weil Geld an sich ist ja keine schlechte Sache. Wer nämlich Geld verdient, der muss nicht selber seine Brötchen backen gehen und der Bäcker kauft sich dann davon ein Auto und so weiter, das ist ja unser Wirtschaftssystem.
Und dass eine künstlerische Arbeit, so wie es Regener gesagt hat, auch etwas ist, womit man seinen Lebensunterhalt bestreitet, dem kann ich ja nur zustimmen. Die Art und Weise, wie man heute versucht zu Popularität zu kommen, war früher offline genauso. Die ersten Demotapes haben wir auch verschenkt. Früher hat beispielsweise ein Kumpel von uns Aufnahmen für fünf Mark bei sich im Laden verkauft. Und die Leute fanden das geil. Er hat sie nicht verschenkt, aber ich meine, wir haben sie verschenkt und die Leute haben es ihm abgekauft und so haben wir ne Menge Aufmerksamkeit erregt.
Findest du, dass das grundsätzlich nur ein Weg für junge Künstler ist, Content umsonst ins Netz zu stellen?
Wir haben ja mit Sony jemanden, der diesbezüglich da nicht so frei mit umgehen kann. Aber wir hatten Schwierigkeiten, für das "Unplugged" eine richtige Single zu finden. Das Radio ist unfassbar schwierig zu beackern, noch schlimmer als in den 90ern. Wir wussten überhaupt gar nicht, was denn jetzt poppig genug für die ist. Da gab's dann so redaktionelle Entscheider beim Radio oder bei Printmedien die dann dies oder jenes gepickt haben. Dann dachten wir uns: Lasst uns doch einfach drei, vier Songs zugänglich machen und nicht nur eine Single.
Wir waren sogar kurz davor zu sagen, dass wir alles als Promo anbieten. Also dass unsere Plattenfirma ein Tape mit allem drauf verschickt hätte und jeder hätte sich dann aussuchen können, was er davon zeigen will. Wir haben dann drei Sachen auf Youtube gestellt und das Kuriose war, dass uns der Sperr-Bot die am Veröffentlichungstag immer wieder gesperrt hat. Wir kommen zum nächsten Thema, merke ich.
Genau: Denkst du, dass die Position der GEMA richtig ist, wenn sie im Bezug auf Youtube Künstler nicht unter Wert verkaufen will? Seit Jahren kommt es ja zu keiner Einigung zwischen Künstlervertretung und Youtube in Deutschland.
Dass es nicht zu einer Einigung kommt, ist natürlich grundsätzlich erstmal doof. Ich kann aber beide Positionen verstehen. Es ist gut, dass die GEMA als Interessenvertretung der Urheber natürlich versucht, das Maximum für ihre Klienten rauszuholen. Das problematische an der GEMA ist halt, dass sie ein unglaublich riesiger Dinosaurier ist und von den Kastelruther Spatzen bis zu uns jeden Musiker vertritt. Dann kommen auch noch die Interessen von Urheberrechtsvertretern wie Verlagen dazu und die sind schwer alle unter einen Hut zu bringen. Es liegt ja auch im Interesse von Plattenfirmen, Geld mit Musik zu verdienen aber andererseits ist sie auch maßgeblich an der Bewerbung von Platten beteiligt und daran muss in der modernen Online-Gesellschaft noch gearbeitet werden. Die Praxis eilt da der Rechtssprechung ein Stück voraus. Und so ist es ein harter Kampf, bei dem sozusagen alle zu leiden haben.
Ich kann mir vorstellen, dass man irgendwann des Themas überdrüssig ist.
Ja. Es ist natürlich auch so, dass es sich Youtube einfach macht, wenn sie sagen: Aufgrund von Sony oder wegen der GEMA wurde dieses Video gesperrt. Das ist nicht ganz richtig. Sie haben natürlich ihre Sperr-Bots, die aus dem Musicnet gespeist werden, wo auch Shazam beispielsweise seine Daten bezieht. Und dann vergleichen die Bots das, und wenn sie das irgendwie zuordnen können, dann wird das gesperrt. Dann wird eben dieser Blindtext da reingeschrieben, dieser Quatsch, von wegen die und die sind das. Weil wir unsere Sachen für die Bewerbung über Sony und über den Verlag ja extra haben frei schalten lassen. Und trotzdem funkt der amerikanische Bot dazwischen und macht die zu. Das ist echt beschissen. Auch für die deutschen Partner von Youtube, die sich den ganzen Tag das Geschimpfe anhören müssen.
Ich habe unsere Spotify-Abrechnung jetzt noch nicht gesehen, aber ich habe auch mal gehört, dass da enorm wenig Geld fließt. Mit Sicherheit ist das eine Baustelle, an der man arbeiten müsste. Die Streamingdienste sind unglaublich billig auf den Markt gedrängt. Das illegale Angebot wird nur dort wahrgenommen, wo das legale zu schlecht ist. Das braucht wohl seine Zeit, bis sich der Markt selbst regelt. Das ist leider nicht so wie beim Benzinpreis. Die Sache mit Youtube und Google läuft ja auch schon ewig. Wir sind jetzt ja erst am Anfang, man kann ja Smartphones noch nicht lange als mobile Radiostation benutzen. Es wird ein steiniger Weg. Ich finde trotzdem, dass so ein Streamingdienst wie Spotify eine absolut geile Sache ist.
Du denkst also, dass sich damit auf Künstlerseite über längere Zeit hinweg auch mal wirklich Geld verdienen lässt?
Ich hoffe es. Darauf habe ich mich persönlich zurückgezogen.
Euer letztes Album ist ja schon zwei Jahre alt. Ich hab gehört, ihr seid wieder im Studio …
Ja, wir versuchen ne neue Platte zu machen. Aber, dass wir im Studio sind, das kann man noch nicht sagen. Wir sind in einer Sondierungsphase und haben uns zu ein paar Schreib- und Ideensessions getroffen und das wird jetzt auch wieder passieren. Wir versuchen, die ersten Ideen zu sammeln.
Also könnt ihr jetzt noch keine Ankündigung für nächsten Sommer machen.
Unsere Plattenfirma wünscht sich natürlich den Oktober nächstes Jahr. Aber wenn du mich persönlich jetzt so fragst würde ich sagen, dass das nicht haltbar ist. Meinem Ansprechpartner von der Plattenfirma habe ich gesagt: Lass uns doch im April darüber sprechen, dann weißt du noch früh genug, ob's Oktober wird.
Ist doch schön, wenn man als Künstler mal den Status erreicht hat, dass man so was offen zur Plattenfirma sagen kann.
Natürlich ist das wirklich partnerschaftlich. Da gibt's viele Gründe, warum das jetzt geht oder nicht, aber der wichtigste ist wohl der, dass es ohne Musik auch kein Material zu veröffentlichen gibt.
In der Zwischenzeit baust du dir ja gerade andere Standbeine auf. Als Synchronsprecher etwa. Aber du bist auch Schauspieler, hast bei Jugendfilmen wie "Das Haus Anubis" oder "Pommes Essen" mitgespielt. Wie lange wollt ihr das als Band noch machen? So lange wie es gut geht oder lieber ein kontrolliertes Ende?
Das ist tatsächlich was, was wir immer wieder bereden. Wir haben vor "Für Dich Immer Noch Fanta Sie" (2010) auch schon diskutiert, ob das unser letztes Album sein wird. Da dachten wir: Wenn wir das Album danach machen, dann gehen wir schon auf die 50 zu. Ist das noch cool oder nicht? Als wir Mitte Zwanzig waren, fanden wir den Gedanken unerträglich, mit 30 ne Platte zu machen. Als wir Mitte 30 waren, fanden wir's unerträglich mit 40 eine aufzunehmen. Jetzt sind wir Mitte 40 und machen immer noch Musik. Die einen sagen "Super, meine Kinder finden’s geil und ich auch", andere sagen "Ihr alten Säcke, was soll das denn?"
Die spannende Frage wäre ja, was passieren würde, wenn wir jetzt beim Versuch, die Platte zu machen, feststellen, dass es überhaupt nicht läuft. Dann kann man dem aber kein kontrolliertes Ende mit einem letzten Album mehr setzen. Wir hatten so eine Phase bei "Für dich immer noch...", wo es echt schwer war und wir uns die Frage stellten, ob wir ein eventuell letztes Album inszenieren wollen, aber nach einer Weile ging's wieder völlig geil und wir sind letztendlich stolz auf das Ergebnis und freuen uns auf weitere Platten von uns.
Also nicht euer Stil, so ein perfektes Ende groß aufzuziehen?
Aus dramaturgischer Sicht wäre das sicher geil, die Inszenierung des eigenen Todes. Aber, wir machen das seit 20 Jahren, also das Fanta-Sein. Was sollen wir denn anderes machen? Ja klar, Schauspielern ist toll und es gibt was zu lernen. Aber trotzdem ist es so: Wir sind die Fantas. Ich bin der Smudo. Das hat ganz viel mit der Identifikation mit mir als Person zu tun. Und das lässt sich nicht so ohne weiteres sachlich-argumentativ diskutieren.
Kennst du LCD Soundsystem?
Ja, kenn ich.
Die haben sich ja auch vor knapp zwei Jahren auf dem Zenit ihrer Karriere einfach so aufgelöst, James Murphy hat das beschlossen. Und dann haben die zum Abschluss noch den Madison Square Garden ausverkauft und das war's.
Und wie fühlt sich James Murphy jetzt, weißt du das?
Ich kann es dir nicht sagen. Man hört aber nichts davon, dass er jemals wieder als LCD Soundsystem Musik machen möchte.
Wie alt ist der eigentlich?
Der dürfte in deinem Alter sein, so um die 40.
Verrückt. Das könnte ich mir nicht vorstellen. Gut, wenn ich weltweite Plattenverkäufe gehabt hätte, dann hätte ich vielleicht so viel Geld auf dem Konto, dass mir der Gedanke nicht so fremd vorkäme. Wenn ich so 30 Millionen schwer wäre. Aber das bin ich ja leider nicht. Und was hat man schon davon, den ganzen Tag nur wohlhabend zu sein? Wenn alle Stricke reißen, was ist denn, wenn wir mit 60 noch mal so wie die Münchener Freiheit für ein nettes Sümmchen nach Sylt auf ein Festival eingeladen werden zum Oldie-Deutschrap-Festival 2025? Würde LCD Soundsystem nein sagen? Keine Ahnung.
Das ist alles auch sehr Science-Ficiton-Mäßig grade. Ich möchte nur jeden Künstler oder von mir aus jeden Menschen in Erinnerung rufen was er vor fünf Jahren gedacht hätte, wo er heute steht und was er jetzt denkt, wo er in fünf Jahren steht. Kein Mensch weiß, was in fünf Jahren ist. Und dann auch noch mit dieser metaphysischen Ebene. Sich zu sagen: Ich bin doch ein Fanta. Was bin ich denn dann, wenn ich keiner mehr bin? Ich war 21, als wir Band hatten. Jetzt bin ich 44. 23 Jahre im selben Job.
Du sitzt ja auch als Smudo bei der SWR-Show "Sag die Wahrheit" in der Jury und nicht als Michael.
Richtig. Das ist ja auch noch eine Marke. Und das in so einer spießigen Sendung.
Hey! Das ist ja wohl nicht spießig. Ich schaue das regelmäßig. Auch wenn ich dafür von den Leuten in meinem Alter ausgelacht werde. Aber das ist ein anderes Thema.
Der Grund, warum du dir das ansiehst wird der gleiche sein, warum ich da nicht von wegkomme. Diese schöne Regelmäßigkeit ist eine für mich beruhigende Tätigkeit. In meinem sonst so unsortierten Leben. Wie ist das schön, drei Mal im Jahr drei Tage Baden-Baden, morgens schön einkaufen gehen, mittags die Sendung, abends schön mit dem Team Abendessen. Und nach drei Tagen ist auch wieder gut.
Eine beruhigende Konstante sozusagen.
Wenn das in der ARD laufen würde, dann wäre das zu stressig, glaube ich. Aber weil's im Dritten und so halb in der Ecke läuft, find ich das in Ordnung.
Der Fanta 4-Manager und Ex-DSDS-Juror hat nichts übrig für Hip Hop.
Im Interview spricht der Fanta 4-Manager über die Auswahl der Künstler für "A Tribute To Die Fantastischen Vier" und die Absagen von Grönemeyer, Silbermond und Die Ärzte. Was bleibt, ist die Erkenntnis: Der Bär hat gar nicht immer einen dicken Pulli an, Mann!
Seit zwanzig Jahren ist Andreas 'Bär' Läsker Manager der Fantastischen Vier. Mit "A Tribute To Die Fantastischen Vier" wollte er, seit Anbeginn "fünftes Bandmitglied", seiner Combo Respekt erweisen.
36 Gratulanten, darunter Juli, Puhdys, Thomas Anders und Scooter, erweisen den Fantas auf diesem Tribute-Sampler ihre Referenz. Kollege Michael Schuh befand angesichts des Resultats: "Immer locker bleiben? Gar nicht so einfach!"
Praktisch, wenn man dann den Verantwortlichen persönlich an die Strippe bekommt. Eine gute Gelegenheit, offene Fragen zu klären - dachten wir, und werden durchgestellt:
Hallo.
Guten Tag. Hier spricht Dani Fromm von laut.de.
Hallo. Von wem?
laut.de.
Hmm.
Ich nehme an, Du hast gesehen, wie Eure Platte bei uns weggekommen ist?
Na, hervorragend, nicht?
Selten genug bekommen wir die Möglichkeit, nach der Veröffentlichung mit dem Zuständigen zu sprechen. Meist führen wir Interviews ja im Vorfeld. Aber so können wir die Fragen, die sich uns aufdrängen, gleich mal direkt stellen. Also, falls es Rügen gibt ...
Nee, nee. Ich hab' keine Rügen. Es bleibt ja jedem überlassen, wie er darüber schreibt. Mich wundert jetzt nur, dass ihr noch ein Interview haben wollt, nachdem ihr schon beschlossen habt, dass die Platte kacke ist. Aber grundsätzlich hab' ich damit keine Probleme.
Ich finde es sogar interessanter, wenn wir die Platte kacke fanden. Weil wir dann 'ne Chance haben, uns Dinge erklären zu lassen. Die allererste Frage, die sich uns gestellt hat: Wenn man ein Tribute-Album macht, wieso lässt man die Band, um die es geht, komplett außen vor?
Das ist doch eigentlich logisch, sonst wärs ja kein Tribute-Album.
Ja, aber wenn ich mir zum Beispiel das Booklet betrachte, dann sieht man dem an - wie Du im Interview [auf der der Platte beiliegenden DVD, d. Red.] gesagt hast: Dieses Album ist komplett Dein Ding.
Ja.
Als Fan der Fantastischen Vier - oder als Hip Hop-Fan, der die Band wirklich als Bestandteil der deutschen Rap-Geschichte sieht - hätte ich mir von so einer Sache von jemandem, der seit zwanzig Jahren dabei ist und genau so lang Einblick hinter die Kulissen hat, etwas anderes erwartet. Was weiß ich, irgendwelche Anekdoten - wie Du sie im Interview ja dann ansatzweise auch auspackst. Zum Beispiel, wie es war, als Ihr zur EMI kamt ... Solches kommt mir einfach viel zu kurz.
Bei einem Tribute-Album! Der Plan war, das so zu machen, wie wir es gemacht haben. Wir haben einfach gesagt, wir wollen möglichst viele Künstler Interpretationen schaffen lassen und der Band direkt ein Geschenk machen. Das heißt, etwas machen, mit dem die Band nichts zu tun hat. So dass wir quasi das, was wir als Management machen, unsere Arbeit, der Band schenken. So ein Ding zusammenzustellen, zu organisieren, mit den Künstlern zu reden, und so weiter und so fort. Das war die Intention. Das haben wir gemacht. Nicht mehr und nicht weniger. Alles andere kann die Band machen. Diese zwanzig Jahre Fanta Vier mit ihrem Heimspiel, der "Heimspiel"-DVD, ihrem History-Filmchen, allen möglichen Geschichten, Rückblicken, Reminiszenzen. Das obliegt aber der Band selbst und hat nichts mit dieser "Tribute" zu tun. "Tribute" heißt ja nichts anderes, als dieser Band etwas zu kredenzen. Ihnen Tribut zu zollen für das, was sie gemacht haben. Und dafür sicher nicht ihr eigenes Material zu verwenden.
Wie waren dann die Auswahlkriterien für die beteiligten Künstler? Gab es überhaupt welche, oder ging es nur um möglichst breite Masse?
Die Auswahlkriterien ... Ich hab' einfach überlegt: Was könnte Sinn machen, und wir haben die Leute angerufen. Wir fanden es halt - und finden es nach wie vor - spannend: Was macht eben Knorkator aus 'nem Fanta Vier-Song. Was macht Roger Cicéro aus 'nem Fanta Vier-Song. Oder was machen die Massiven Töne aus 'nem Fanta Vier-Song.
Wie begegnest Du dem Vorwurf der Wahllosigkeit? Wer soll die Zielgruppe für so ein Album sein?
Ich begegne dem Vorwurf der Wahllosigkeit nicht, denn es ist für mich keine Wahllosigkeit. Ich habe eine Auswahl getroffen, und die ist da drauf. Das hat überhaupt nichts mit wahllos zu tun.
Gab es Künstler, die Du nicht angefragt hättest? Oder welche, die ... nicht wollten?
Es gab 'ne Menge, die wir nicht angefragt haben, weil sie uns entweder nicht eingefallen sind. Oder weil wir dachten, dass sie vielleicht da nichts dazu zu sagen haben. Oder keine Lust hatten. Oder mit denen wir kein gutes Verhältnis haben. Oder was auch immer. Und es gab welche, die gesagt haben: "Wir machen mit!", und dann abgesagt haben. Zum Beispiel hatte Herbert Grönemeyer zugesagt. Der hat dann aber wieder abgesagt, weil er keine Zeit hatte, oder was weiß ich. Silbermond haben im letzten Moment abgesagt, weil sie es nicht geschafft haben, was fertig zu machen. Weil sie selber mit ihrer Platte zu beschäftigt waren. Aber im Großen und Ganzen sind wir eigentlich recht zufrieden mit der Auswahl.
Was antwortest Du, wenn der Kollege in seinem Text schreibt: "Wo sind eigentlich die gut befreundeten Ärzte abgeblieben?"
Die Ärzte haben gesagt, sie machen mit, und haben es dann halt irgendwie aus Zeitgründen nicht geschafft. Aber das ist ja schon im Künstlernamen des Leadsängers vorhanden, das Problem. Der heißt ja nicht umsonst Farin Urlaub.
Ja. Also a) bin ich jetzt nicht der größte Hip Hop-Fan aller Zeiten, das ist mal das Erste. Zweitens find' ich die Kategorisierung der Fantas als Hip Hop nicht mehr zeitgemäß, und das dritte ist: Ich finds einfach extrem langweilig, wenn ... Ich sag' mal: Wenn die Dave Matthews Band Fleetwood Mac covert, find' ich das nicht spannend. Ich find' es spannend, wenn Metallica Fleetwood Mac covert. Ich find halt total unspannend, wenn ein Rapper einen Rapper nachrappt. Das ist bescheuert. Da kommen nur wieder irgendwelche "Ich kanns noch besser als der"-Dinger raus. Außerdem ist es, glaub' ich, bei vielen älteren Nummern komplett unzeitgemäß, die jetzt nachzurappen, weil die vom Rap-Style her komplett 80ies sind. Wenn jetzt heute Sido "Die Da" nachrappt, ist das so spannend, wie wenn Karel Gott "Alle Meine Entchen" singt.
Wenn Karel Gott mit Bushido zusammen einen Track macht, findest Du das schon wieder spannend?
Das find' ich nicht spannend, weil ich ... aber ist egal, warum.
Warum denn?
Weil ich Bushido zum Kotzen finde, und weil ich diese Anbiederei an irgendwelche Bildungsbürger einfach zum Kotzen finde. Ich find' das einfach grauenvoll. Und dann Karel Gott, irgendwie so'n ... naja, diese Provokanz halt in jede Richtung zu probieren, wäh!
Gegen 'Feature dich selbst wie die Hölle' ist im Prinzip nichts einzuwenden. Aber ich hab kürzlich mit Hank Shocklee telefoniert, das ist der Produzent von Public Enemy gewesen ...
Ja, ich weiß.
... und der meinte, als Produzent solle man sich im Hintergrund halten. Gilt das nicht doppelt und dreifach für den Manager? Oder gibts einen Grund, dich jetzt so deutlich ins Rampenlicht zu setzen?
Also, ganz ehrlich: Ich hab' das Gefühl, wir machen das Gleiche, das ihr schon geschrieben habt, gerade noch mal. Wieso machen wir das denn jetzt noch mal? Ihr findet es scheiße, ihr findet die Platte kacke und ihr findet mich kacke. Ihr findet es kacke, dass ich mich in die erste Reihe stelle. Ich verstehs nicht. Warum? Das habt ihr doch schon geschrieben? Warum wollt ihr das denn jetzt alles noch mal wissen?
Das stimmt doch überhaupt nicht. Erstens hab' ich den Text nicht geschrieben, zweitens geben wir Dir ja jetzt die Möglichkeit, Dich dazu zu äußern.
Ja, vielleicht will ich überhaupt gar nicht. Ich hab' ja gar nicht nach einer Möglichkeit gefragt. Wir provozieren ihn mal und gucken, was er nachher sagt, ich mein', das ist euer Prinzip. Aber ich hab' auch noch was anderes zu tun, als irgendwie ... Also, ich bin deswegen vorne drauf - vielleicht kapiert ihr das irgendwann mal - weil ich dieser Band, meiner Band, mit der ich seit zwanzig Jahren arbeite, ein Geschenk machen wollte. Wer soll dafür stehen, außer mir selbst? Ich unterschreibe das mit meinem Namen und ich stell' mich da vorne drauf, weil ich der Mann bin, der mit dieser Band seit zwanzig Jahren arbeitet und ich ihnen das Geschenk machen will. Die Frage wäre doch zum Beispiel: Was ist das denn da vorne drauf, auf das der sich da aufstützt, auf dem Cover.
Ja?
Das ist das Fenster aus dem Gebäude, in dem wir alle zusammen angefangen haben. Dieses Fenster kommt noch mal im Cover vor. Das ist ein Ding, das von mir an die Fantas geht. Da hat es halt angefangen. Da haben wir beschlossen, die Band weiter zu machen - oder überhaupt zu machen. Das ist einfach 'ne Reminiszenz. Im Booklet steht nichts anderes als 'ne lustige Idee, mich im Prinzip dabei zu ertappen, wie ich abstruseste Promotion-Aktionen mache, indem ich irgendwas mit der Vier mache. Es ist einfach nur vielleicht halb so ernst zu nehmen, wie das gerade irgendwie rüberkommt. Das ist eigentlich alles.
Auf die Jury-Bank hat mich verschlagen, dass es mich interessiert hat, mir dieses System anzuschauen und diese Erfahrung zu machen. Die Erfahrung, in einer Fernsehsendung zu sitzen, die so erfolgreich ist, wie kaum eine andere in Europa. Wie komm' ich als Person damit klar? Was zieh' ich für Lehren daraus? Wie funktioniert dieses Boulevard-Fernsehen? Ich finde, das kann man nur beurteilen, wenn man es macht und wenn man die Sache mal von innen sieht. Mir hat das eine Menge gebracht. Ich fand es vor allem eine spannende Erfahrung, aber es ist bekannt, dass ich gerne Erfahrungen mache. Die müssen auch nicht immer unbedingt vernünftig sein. Es sind einfach Erfahrungen, die man macht. Wobei das für mich in dem Fall der Bringer war. Es hat Spaß gemacht und es hat mir für mich persönlich 'ne Sicht der Dinge gegeben, die mir doch wichtig war.
Hast Du für Deine eigene Arbeit aus dieser Erfahrung irgendwelche Lehren gezogen? Hast Du Dinge gelernt, die Du - beispielsweise für die Arbeit mit den Fantastischen Vier - auch brauchen kannst?
Grundsätzlich ist Umgang mit Medien, in welcher Form auch immer, und das auf 'nem Niveau wie ... ja, als Jury-Mitglied bei DSDS keine schlechte Erfahrung. Natürlich bringt einen das weiter. Alles bringt einen weiter, das man lernt. Ich meine, natürlich wird das auch im täglichen Geschäft irgendwie angewendet. Aber das würde, glaub' ich, zu weit führen, das irgendwie auszutreten, was passiert jetzt, weil ich da war ... Vielleicht jetzt mal so: Ich hab' jetzt ein kleineres Problem mit Öffentlichkeit, als ich es früher hatte. Vielleicht geh' ich entspannter mit Öffentlichkeit um. Oder professioneller. Oder abgebrühter.
Okay. Verrätst Du mir, warum Du Dieter Nuhr ausgesucht hast, um Dich zu interviewen? Ich schätze ihn als Kabarettisten sehr, aber - jetzt wirst Du wieder sagen, wir haben uns eh schon entschlossen, alles scheiße zu finden - er bringt ja trotzdem eine herzerfrischende Unbelecktheit mit, was Hip Hop und Hip Hop-Geschichte angelangt.
Genau. Machen wir es kurz: Mir ist Hip Hop scheißegal. Hip Hop interessiert mich nicht. Mich interessieren die Fantastischen Vier. Hip Hop interessiert mich nicht. Und dass der unbeleckt ist, was Hip Hop angeht, das macht ihn für mich nur um so sympathischer.
Er schien aber auch, was die Fantastischen Vier angeht, recht unbeleckt.
Ich empfinde ihn als sehr intelligenten und sehr angenehmen Gesprächspartner. Deswegen hab' ich ihn ausgesucht. Er hat Lust gehabt, dazu. Wir haben genau das Gespräch geführt, das wir führen wollten. In einer ruhigen Atmosphäre und vielleicht genau ohne zwanzig Jahre Vergangenheit als Spex-Chefredakteur. Weil die Gespräche brauch' ich wiederum nicht.
Mit der Spex kommst Du sowieso nicht gut klar, hmm?
Nö, das ist nur ein schönes Synonym für verkopftes Musikdenken. Aber da seid ihr ja auch ganz gut drin.
Inwiefern?
Naja, ihr fragt ja die gleiche Scheiße.
Aha. Was soll man dazu sagen.
Nix. Wenn wir noch mal telefonieren, dann kannste ja deinen Senf dazu abgeben, was ich dir heute an den Kopf geworfen habe.
Möglicherweise machen wir das.
Möglicherweise interessiert mich aber auch nicht, das Telefongespräch zu wiederholen.
Naja. Dann danke ich trotzdem für dieses Interview.
Am Rande des "Berlin 05 - Festival für junge Politik" sprachen wir mit Thomas D und Andy Y über "Viel", das Geheimnis des Erfolges, authentischen oder rechtslastigen Hip Hop und natürlich: Politik.
Thomas D hat schon mal geübt. Geübt für den Bundeskanzlerjob, und zwar Anfang Juni beim "Projekt P Festival" in Berlin, dem Festival, das Jugendliche für Politik begeistern sollte und konnte. Spontan erklärten sich Thomas D und AndY vor ihrem Auftritt als Hauptakt am Samstag Abend gerne bereit, ein Interview nicht nur mit laut.de-Redakteur Mathias Möller zu führen. Nein, sie luden mit ihm auch Simon Wiedenbach und Anna Johne sowie deren Lehrer Guido Neugebauer aus der Geschwister-Scholl-Schule in Konstanz in den Backstagebereich der ostalgischen Umkleidekabinen der Sporthalle des 'FEZ' in der Berliner Wuhlheide ein und beantworteten mit Charme und Witz alle ihrer Fragen. Mindestens noch einmal so viel Zeit nahmen sich dann alle vier Fantas, um allen Anwesenden sämtliche Kleidungsstücke am Leibe mit Autogrammen zu bestücken und für Gruppenfotos zu posen bis der Film riss.
"Viel" ist jetzt fast ein Jahr draußen, wie seid ihr in der Retroperspektive zufrieden mit dem Album?
Thomas D: Wir sind wirklich sehr zufrieden, wir hatten davor ja fünf Jahre kein Studioalbum mehr und haben uns dann schon gefragt - wir sind eine Band, die gerne mal an sich zweifelt, oder nicht so souverän ist wie es nach außen hin wirkt - braucht uns noch jemand? Wird das was, wenn wir jetzt zurückkommen? Mit was werden wir zurückkommen? Wer wird sich das anhören? Das ist ja eine lange Zeit gar nicht klar, selbst wenn die Platte dann fertig ist, bist du dir nicht bewusst darüber, ob es etwas geworden ist. Das kriegst du dann erst mit der Reaktion der Leute mit, ob das Baby gesund ist. Wir durften ja die größte Tour unseres Lebens spielen letztes Jahr und im Frühjahr dieses Jahres. "Troy" war ein Megahit, für uns zumindest, insofern kann man zufrieden sein. Sich darauf auszuruhen, dafür reicht es natürlich noch nicht.
Wie gelassen seht ihr euren Erfolg nach so langer Zeit und wie stark spornt euch Erfolg an?
Thomas D: Sehr gelassen. Unsere Karriere war schon eine erstaunliche. 1992 mit "Die da", wie das durch die Decke ging und das relativ früh, nachdem wir angefangen hatten, deutsch zu rappen. Zwei Jahre später, also relativ schnell und nach dem ersten Oben, dann oben zu bleiben, da verändert sich alles. Es ist nicht mehr so wie beim ersten Mal, insofern wird man da ein bisschen entspannter, sagt sich ja, heute lieben sie dich, morgen bist du ihnen wieder egal, das alles sollte nicht Teil deines Lebensgefühl werden, sonst machst du dich davon abhängig. Deshalb versuchen wir einfach eine gute Platte zu machen, es ist schon schwer genug (lacht), Texte zu schreiben, die uns nicht langweilen, Musik zu machen, die uns noch kickt, und wir sind darüber dann glücklich. Das ist dann so ein Erfolg, der hängt gar nicht am Erfolg der Außenwelt. Wenn die Leute es nicht hören wollen, dann ha ja, dann halt nicht, aber wir haben eine geile Platte gemacht. So lange du das weißt, ist alles gut.
Andy Y: Das ist nämlich das Geheimnis des Erfolgs, nicht auf den Erfolg schielen, so, hmm, was muss ich denn machen, um Erfolg zu haben? Ist doch klar, was man machen muss, was Gutes, deshalb musst du dir überlegen, was du da machst, ob du vertreten kannst, was du machst, ob du es selber gut findest, musst deine Energie da reinstecken und dann wird es schon Erfolg haben oder nicht. Aber das liegt nicht in deiner Hand!
Unterstützt ihr auch junge Bands?
Thomas D: Klar, brauch'sch Geld? (lacht). Wir haben ja unser eigenes Label, FourMusic, und wir unterstützen damit, denn man kann nicht von jeder Plattenfirma sagen, dass es seine Künstler unterstützt. Generell ist ja eine Plattenfirma dazu da, um Geld zu machen. Aber wir schauen darauf, dass unsere Künstler es auch verdient haben, dass wir mit ihnen Geld machen, und dass sie auch das meiste davon kriegen. Deshalb ist der Umgang bei FourMusic auch persönlicher, direkter, und weil wir auch Künstler sind, verstehen wir die Ängste, Sorgen und Wünsche vielleicht mehr, als jemand, der Rechtsanwalt studiert hat und dann eine Plattenfirma übernommen hat. Das ist unser Förderverein FourMusic.
Für welche Bands seht ihr Zukunftschancen? Für welche neuen Bands aus Deutschland?
Andy Y: Na ja ich hab jetzt nicht so den Überblick, was so an ganz neuen Bands so da ist. Juli oder Silbermond sind ja keine neuen Bands mehr. Die haben ja schon Erfolg.
Thomas D: Ob die in ein paar Jahren noch da sind, ist eine große Mutmaßung, nach einem Album. Das kannst du bei den Helden schon eher sagen. Wir sind Helden haben gezeigt, dass sie wiederkommen konnten, und das verspricht schon eine längere Karriere. Beatsteaks ist ganz klar, wenn die sich nicht auflösen, dass die eine lange Karriere vor sich haben, dass die noch lange nicht am Peak sind. Bei Seeed sehe ich das ähnlich. Seeed haben sich etabliert und werden hoffentlich auch eine größere Band bleiben. Gentleman wird, denke ich, internationaler Star, der Typ wird einfach nur noch durch die Decke gehen. Clueso natürlich wünsche ich einen Riesenerfolg. Wir sind jetzt schon so lange bei ihm und ich hab schon seit drei Alben das Gefühl, dass er es jetzt mal verdient hat, Erfolg zu haben, der leider noch ein bisschen ausblieb. Das erfordert natürlich konstante Leistung von ihm. Aber ich hab schon wieder neues Demomaterial gehört und find des jetzt noch geiler, als was ich auf der letzten Platte gehört hab. Also irgendwann muss des einfach nur noch durch die Decke gehen.
Was haltet ihr von der Diskussion über Fler und die generelle Debatte über Hip-Hop und Gewalt?
Thomas D: Das ist ein diffiziles Thema. Das lässt sich jetzt schwer mit einzelnen Worten beschreiben. Auf der einen Seite ist es gut, was mit Aggro Berlin passiert, es ist eine neue Richtung. Es ist sicher ein authentischeres Gerappe als vieles andere, aber diese Amerikanisierung im deutschsprachigen Hip Hop, dieses amerikanische Getue, behaupten, man wär ein Gangster, finde ich generell ziemlich lächerlich. Man kann bei Sido aber allerdings wieder herzhaft lachen, also find das schon wieder lustig. Natürlich unter dem Aspekt, dass es, wenn man es ernst nimmt, auch nicht zu einer besseren Welt beiträgt. Was Fler macht find ich ... blöd! Das hat relativ wenig mit Intelligenz zu tun, provozieren um jeden Preis finde ich fehl am Platz. Ich glaube nicht, dass er rechts ist, aber mit diesem Image sollte man nicht spielen, auch nicht als Immigrant!
Du hast vorhin gesagt, ihr würdet gerne Texte schreiben, die euch nicht langweilen, die uns nicht langweilen. Hast du auch das Gefühl, mit der neuen Richtung, dass Hip Hop mit Niveau schon noch eine Zukunft hat? Oder liegt der Erfolg von Aggro daran, dass die Lyrics eher beschränkt und der Tiefgang nicht so groß ist.
Thomas D: Ich glaube immer an Musik mit Tiefgang und mit Inhalt, selbst wenn sich eine große Masse dagegen entscheiden sollte, wirst du immer Liebhaber finden. Da sehe ich jetzt keine Konkurrenz. Ich war immer der Meinung, dass der Großteil der Leute Scheiße hört (lacht). Mein Musikgeschmack hat noch nie mit dem der Leute übereingestimmt. Deshalb ist Hip Hop, wie er zur Zeit in Deutschland gemacht wird, nichts, was ich mir anhöre. Ich suche mir meine Perlen heraus, und diese Perlen sind fast alle auf unserem Label, Clueso, Max Herre, Joy und natürlich wir, die Fantas. Da hast du halt noch Texte, bei denen du was mitnehmen kannst, die nicht von Frust, Hass oder Frauenfeindlichkeit handeln.
Glaubt ihr, dass sich eure Fans und auch das Publikum heute Abend intensiv mit euren Texten auseinandersetzt?
Thomas D: Unsere Fans auf jeden Fall. Hier sind wahrscheinlich viele Leute, die gucken sich die Fantas mal an, weil die vielleicht noch nicht so viel von uns mitbekommen haben, aber ich glaube, der Deutsche denkt nach. Wir sind alle ordentlich verkopft. Das kann man auch zum Guten verwenden, indem man über das Richtige nachdenkt, und wenn jemand einen deutschen Text hört, dann können viele gar nicht so abschalten wie bei englischsprachiger Musik, so hier rein, da raus. Sondern du hörst, ey der spricht ja in meiner Sprache. Da höre ich besser mal zu. Deshalb ist auch Platz für Inhalte und eine Message, die einen dann vielleicht irgendwann weiterbringt.
Abschlussfrage: Wenn ihr die Möglichkeit hättet, eine Partei zu gründen, nach eurem Geschmack ...
Andy Y: Jeder kann das tun, wir haben es aber noch nicht gemacht.
Wie würde die aber aussehen, und welche Ziele hätte sie? Und was würdet ihr machen, wenn ihr als Viererrunde zum Bundeskanzler gewählt würdet?
Thomas D: Ganz einfach: Andy ist der Experte, der die Daten auswertet und bleibt ein bisschen im Hintergrund und zieht dort die Fäden. Michi wird Wirtschaftsminister, weil er sich doch in den High Society-Kreisen total gut auskennt und die ein bisschen pleasen kann, denn man muss die doch ein bisschen pleasen, weil es bringt ja nichts wenn du die Wirtschaft und die Industrie gegen dich hast.
Andy Y: Der wird dann mit den Bossen in Urlaub fahren.
Thomas D: Genau, Michi kümmert sich um die Bosse auf den Yachten. Und Smudo ist wahrscheinlich als Außenminister am Start, weil er einfach Bescheid weiß und sie alle niederargumentiert, wenn's mal klemmt. Und der D ist dann der Kandidat, der von nix ne Ahnung hat, aber vorne echt ne gute Figur macht, so stell ich mir das vor.
Andy Y: Er verkauft uns einfach alles!
Thomas D: Yeah, ich verkauf euch einfach die Scheiße! Und die Scheiße wird natürlich wasserdicht sein, das ist mal ganz wichtig. Das Wichtigste bei der Partei ist, dass sie nicht verspricht, alles gut zu machen, sondern, dass sie von den Damen und Herren da draußen verlangt, alles gut zu machen. Frage nicht was deine Partei für dich tun kann, sondern frage, was du für deine Partei tun kannst. Das sieht natürlich so aus, dass der Bundeskanzler, also ich, dann nichts verdiene. Ich will kein Geld dafür, ich will kein Geld dafür, ich will aber auch keine Steuern mehr zahlen. Ich habe meinen Popstarjob, das geht, den mach ich noch neben her. Ich werde aber auch, da ich mich ja für alle einsetze, nirgends etwas zahlen, wo ich hingehe. Denn damit umgehst du nämlich die Korruption auf geniale Weise, weil wenn ich eh alles umsonst kriege, ha! Da würde ich mich nie bestechen lassen. Ich gehe irgendwo hin, sag' hallo, ich bin der Bundeskanzler, ah ja, hier nehmen sie mal meinen Wagen, oder die Brötchen beim Bäcker und ich sorge dafür - ähm ...
Andy Y: Dass das auch so bleibt ...(lacht)
Thomas D: Das dass so bleibt! (lacht). Dass wir alle ein bisschen glücklicher sind, vor allem ich. Nee, das geht jetzt nicht ganz auf, streiche am besten die letzte Ansage komplett! Es wird keine Fantastische Partei geben.
Andy Y: Das nicht, aber man sieht schon, da steckt viel Wahrheit dahinter (lacht). Die Wahrheit ist nur das, was keiner verträgt, darum machen wir keine Partei, wir würden es auch nicht vertragen auf Dauer.
Thomas D: Macht bestimmt auch keinen Spaß! Aber sprich mich doch noch mal in ein paar Jahren darauf an, wenn die Band kaputt gegangen ist und ich noch keinen Drogentod gestorben bin. Dann gehen wir vielleicht in die Politik. Dankeschön!
Bitteschön, Herr Bundeskanzler.
Das Interview führten Matthias Möller, Anna Johne, Simon Wiedenbach und Guido Neugebauer
Auf 1999 datiert der letzte Studiorelease der Fantastischen Vier. Dieser Tage erscheint ihr neues Album "Viel". Zahlreiche Sideprojekte später wundert es kaum, dass sich das Quartett erst wieder eingrooven musste. Im Bregenzerwald fanden sie die nötige Ruhe und Inspiration. Beim Southside-Festival plauderten Smudo und Andy Y., noch mit den Aufnahmen zur neuen Platte beschäftigt, über "Viel", die Beastie Boys, Schwierigkeiten der Politik, Entwicklungen in der Rapszene und das Problem des Texteschreibens.
Nach einer Nacht im Nightliner trafen wir Smudo und Andy Y. im Vorfeld des Headliner-Auftritts der Fantastischen Vier beim diesjährigen Southside-Festival. Trotz der Strapazen verbrachte das Duo einen Teil seiner Zeit mit uns. Und obwohl Smudo statt einem Pressetermin wahrscheinlich lieber Runden mit seinem rapsölbetriebenen Renn-Beetle gedreht und sich Andy Y. gerne im Studio auf Soundreise begeben hätte, standen sie bereitwillig Rede und Antwort.
Was erwartet uns in diesem Jahr live von den Fantastischen Vier? Gibt's im Zuge der neuen Platte auch Neuerungen auf der Bühne?
Smudo: Nach der Unplugged-Show sind wir jetzt wieder im alten Set-up unterwegs, d.h. mit Sample-Station und anderen Musikern. Beispielsweise haben wir zwei Sängerinnen und einen neuen Gitarristen. Momentan arbeiten wir aber noch mit der zweiten Besetzung, weil die Kernband mit Sarah Brightman auf Welttournee ist.
Ihr seid, wenn man so sagen darf, nicht die einzigen Old School-Hip Hopper, die nach einer längeren Auszeit Alben veröffentlichen, die Beastie Boys beispielsweise oder auch Cypress Hill. Könnt ihr mit deren Rückkehr etwas anfangen?
Andy Y.: Die neue Beastie Boys haben wir vor unserem Test-Gig in Solingen laufen lassen. Sie sind ziemlich back to the roots gegangen, was ich im Prinzip nicht schlecht finde.
Smudo: Cypress Hill interessieren mich nicht so, höchstens live. Die Beastie Boys hab ich mir über iTunes gekauft. Fand es ganz okay, bin aber ein bisschen enttäuscht. Ich habe nach sechs Jahren Pause etwas mehr Abwechslung erwartet. Gerade das war immer ihr Qualitätsmerkmal, das fehlt. Die größten Rapper sind sie zwar nicht, aber tolle Hip Hop-Musiker, finde ich. Jetzt sind sie mir zu arg auf dem Rapding hängen geblieben, quasi ihrer schwächsten Disziplin.
Ihr habt doch das einzige Deutschland-Konzert der Beasties vor kurzem in Berlin gesehen. Hat sich dein Eindruck live bestätigt.
Smudo: Da haben sie 45 Minuten lang gar nicht viel vom neuen Album gespielt. Sie sind gute Performer, aber ohne ihren DJ wär das nix gewesen. Sie haben genug Knaller, Hip Hop-Kracher und Jump around-Stücke, um so ein Konzert voll zu machen. Insofern hat das partymäßig einen guten Eindruck hinterlassen. Ein Stück war fantastisch, da hat der DJ per Quickmix einen Beat mit Breaks so schnell und präzise kreiert, dass man dachte, das ist tatsächlich ein Stück. Das Fachpublikum war natütlich total begeistert.
Als alte Hasen können die Fantas also nichts mehr von den Beastie Boys lernen?
Smudo: Nein, das waren aus unserer Sicht ganz gewöhnliche Marketingmethoden: ein kleiner Gig vor ausgewähltem Publikum, Presse und Fans - das ist normal. Erstaunlich auch, ein Bekannter von mir, der Fotograf ist, war beim deutschen Foto-Call der Beastie Boys dabei. Da durfte jeder zehn Minuten fotografieren. Das würde ich niemals machen, das ist viel zu gefährlich, gerade wenn man so um die 40 ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, unvorteilhaft abgebildet zu werden. Da könnten sie was von uns lernen (lachen).
Kommen wir wieder zu euch ...
Andi Y.: Ach.
Ihr habt ja ähnlich lange pausiert ...
Smudo: Richtig, aber ein Jahr weniger als die Beastie Boys (grinst).
Okay, sorry. Jedenfalls seid ihr extra nach Österreich gegangen, um euch sozusagen wieder einzugrooven ...
Andi Y.: Ja, in Egg.
Smudo: Genau, in Vorarlberg. Wir sind Jahre lang nicht mehr gemeinsam im Studio gestanden. Auf der Bühne zwar schon, aber zusammen wieder richtig kreativ zu arbeiten, das hat ne Weile gedauert. Andi war zudem noch mit seinem Soloalbum beschäftigt. Thomas, Michi Beck und ich haben die ersten Vorarlberg-Sessions gemacht, dann haben wir produziert und am Ende die kreative Session mit einem Vier-Mann-Ausflug abgerundet. Das ist sehr schön, denn man hat nur die Handys dabei, die Landschaft und sich und die Instrumente. Wir gehen einkaufen, kochen, essen, trinken 'en Schnäpsle', dann wird Musik gebastelt, über Texte diskutiert und philosophiert, man redet über seine eigene Gefühlswelt, freut sich aneinander oder streitet sich - all das ergibt ein soziales Ding, das es ermöglicht, gemeinsam was Musikalisches zu machen.
Hat sich da was im Vergleich zu früher verändert? Braucht ihr vielleicht länger, um auf einen gemeinsamen Punkt zu kommen?
Smudo: Mit Sicherheit. Auf einen Punkt zu kommen, vielleicht nur, weil wir an verschiedenen Ort leben und mehr Zeit brauchen, uns zu synchronisieren. Beim musikalischen Arbeiten, beim Texten brauchen wir deshalb länger, weil wir schon so viel gemacht haben und es jedesmal besser machen wollen ...
Andi Y.: Die Erfahrung macht's nicht einfacher. Sie lehrt einen hauptsächlich über die Dinge, die nicht funktionieren (lacht).
Smudo: Man nimmt sich Sachen vor, die schwer sind, an denen man wirklich viel länger dran feilen kann - so geht's mir textlich.
Andi Y.: Dafür kommt dann auch ein anderes Level an Textqualität raus. Das merkt man dem neuen Album an. So lange hat noch keine Platte gebraucht. Allein der Schreibprozess, mit der gedanklichen Vorarbeit haben sich die Jungs über zwei Jahre beschäftigt. Produziert war es schneller. Ich hab mich in der Zwischenzeit mit meiner Extrem-Technik befasst - auch eine Art von Challenge. Aber was am Ende rauskommt, was den Erfahrungsfilter passieren darf, hat dann wirklich Kraft.
Smudo: Und die Klischees, die du selbst gemacht hast, willst du nicht wiederholen. Allein die Single "Troy". Wir sitzen vor unserem Repertoire, haben vielleicht so an die acht Songs und brauchen eine Single. Mit was können wir überhaupt zurückkommen? Da haben wir eine Liebesgeschichte ... aber ein Liebesrap ist das outeste, was es gibt. Das hat jeder, inklusive uns, schon oft genug gemacht, von Oli P. bis Curse, von Pop bis Hardcore. Das geht nicht. Da muss was Anderes her. "MFG", ein Zyklussong. Gibt's auch schon. Weil wir aber viele Sachen schon geschrieben haben, sind das Abwandlungen davon. Das Rad neu erfinden, geht eben nicht. Und so braucht man länger, um einen Weg zu finden, der einem anders genug erscheint.
Gab's bei "Viel" dann eine ähnliche Aufbruchsstimmung wie bei "4,99", wolltet ihr es sozusagen noch einmal wissen?
Smudo: Weniger, bei "4,99" war's ein bisschen frustrierter. Ich weiß gar nicht warum, vielleicht weil wir da alle mehr im Sprung in ein neues Leben waren, mit dem Wegziehen und so. Jetzt ist es eher mit guter Laune und Feiern verbunden. Hat sicher auch mit dem Alter zu tun. Um die 30 bist du noch eher im Wandelprozess vom 20- zum 30-Jährigen begriffen. Man sagt: "Die Welt ist scheiße. Ich will das ändern oder leide darunter." Ab 30 wandelt sich die Wertevorstellung in ein: "Ich bin ich, ich weiß viel von mir, und wie gestalte ich die Welt um mich herum, damit es mir gut geht". Bei Männern kommt das mit 35, sagt man, bei Frauen schon mit 30. Der 35-jährige Mann sagt: "Irgendwas muss passieren, irgendwas muss mit 35 passiert sein." Das ist ne viel lockerere Perspektive. Uns kümmert das nicht mehr so sehr, ob irgendwas Hip Hop ist oder wie einer das findet. Wir sind da wesentlich verspielter und das hört man dem Album auch an.
Dann steht ein Song wie "Troy" also nicht für eine Art musikalischen Ehrgeiz, den Status Quo als beste oder erfolgreichste deutsche Hip Hop-Band zu zementieren?
Smudo: Das war eher so die Idee, die Comeback-Situation in einer Liebesgeschichte zwischen uns und den Fans zu thematisieren. Eigentlich kann ich dir gar nicht sagen, was wir mit der neuen Platte wollen. Wir haben keinen anderen Job gelernt, wir können ihn ganz gut, es macht Spaß, die Leute mögen uns und er wird gut bezahlt (lacht).
Andi Y.: Ja, ganz subjektiv vielleicht was vom Besten, was wir halt machen können. Ich könnte auch einen auf Tankwart machen, aber höchstwahrscheinlich wäre ich ein ganz beschissener Tankwart (lachen). Was Innovatives machen wollten wir aber schon immer, deshalb sind wir damals auch mit der ach-so-neuen-Hip Hop-Musik losgezogen und nicht mit Rock oder sonst irgendwas anderem. Das Experiment hat uns immer gereizt und das machen wir auch weiter.
Smudo: Es ist ja auch ein Experiment, sich die Hausaufgabe zu stellen: "Wollen wir noch ein neues Album machen? Ja!"
Heute spielen Club, Dance und Elektro eine große Rolle im Hip Hop. Bei Fourmusic signt ihr auch Elektroacts. Schlägt sich das im Sound eures neuen Albums nieder?
Smudo: Ja, das beeinflusst uns schon. Die Frage ist aber schwer zu beantworten.
Andi Y.: Insgesamt ist es ein bisschen melodiöser und tanzbarer.
Smudo: Stimmt, da wir uns gut fühlen und lockerer sind, ist die Platte witziger, heiterer und tanzbarer. Inwiefern da neue Soundeinflüsse reinspielen, kann ich gar nicht sagen. Direkt beeinflusst mich momentan nicht so viel, eher indirekt. Es könnte natürlich sein, dass die große globale Musikbewegung ohnehin mehr in Richtung Tanzen geht, was in rezessiven Zeiten oft so ist.
Andi Y.: Schwermut muss jetzt nicht sein, ist schon genug da.
Dann kann man "Troy" soundmäßig also als Vorboten des neuen Albums bezeichnen?
Smudo: Wir, als die Macher des Albums, würden davon natürlich total abraten (lacht). Aber wenn man will, kann man das ein bisschen so verstehen. Es wird gesungen und getanzt. Wir haben aber auch melancholische Songs drauf.
Andi Y.: So um die Mitte des Lebens-Songs (lachen).
Smudo: Wir neigen momentan in der Regel zum Witz, zum guten Gag.
Wie in euren Anfangszeiten?
Smudo: Der Dramaturg mag das so bezeichnen. Allerdings mit dem Touch des Mittdreißiger-Intellektuellen.
Andi Y.: Lässt sich nicht vermeiden (lachen).
Ist das Joachim Witt-Zitat in "Troy" dann eine Hommage oder ein Gag? Oder einfach nur musikalisch kompatibel.
Smudo: Ein Gag (lachen), wir saßen bekifft rum und Thomas kam an mit: "Ich bin der troye Begleiter."
Andi Y.: Und der Gag hat super gepasst.
Smudo: Der Joachim freut sich aber, glaub ich.
Anfangs waren eure Texte oft lustig oder partymäßig, dann mehr selbstreflexiv bzw. philosophisch. Wenn du schon über Mittdreißiger sprichst - über was sollen die eigentlich rappen?
Smudo: Die Themen sind ganz klar ...
Andi Y.: Alt und trotzdem gut drauf - wie macht man das?
Eben, ist Älterwerden ein Thema?
Smudo: Älterwerden ist auf jeden Fall ein Thema. Wobei dummerweise immer zwischen Jungen und Älteren unterschieden wird, man aber nur den Älteren sagt, sie werden älter. Aber alle altern ja gleich schnell. Man könnte zum Beispiel sagen: "Ich habe jetzt einen Gutteil meines Lebens gelebt. Der hat mir ganz gut gefallen, was möchte ich gern noch machen, was hab ich verpasst oder bin ich da, wo ich hinwollte und was kommt jetzt?" Das geht auch vielen 20-Jährigen durch den Kopf. Insofern ist das ein Mainstreamthema und nur eine Frage der Perspektive. Ein anderes Thema ist, dass man dazu neigt, die Liebe zu etwas Größerem zu stilisieren, als sie ist und sich damit das tatsächliche Leben viel schwerer macht.
Andi Y.: Das kommt u.a. durch die vielen Filme und Bücher, die darum ein großes Drama machen. Ist ja auch ein großes Thema, aber man wird mit Idealen in einem Alter vollgestopft, ...
Smudo: ... in dem man hinterher hinkt ...
Andi Y.: ... oder in dem man versucht, diese Ideale real zu leben, obwohl diese möglicherweise gar nicht die eigenen sind. Und dann scheitert man.
Smudo: Da gibt's zwei Songs. Einer ist ein witziger Reggae-Song und heißt "Keine Lösung".
Könnte vielleicht Politik ein Thema sein?
Smudo: Wir sind zwar politische Menschen, waren aber nie der Ansicht, dass das in unsere Musik gehört. Wenn eine Band mit ihrer Musik politische Statements machen möchte, steht ihr das frei. Ich finde aber Politik und Entertainment sind zwei Sachen. Es ist sehr schwierig, weil Politik fürchterlich komplex ist und vereinfachende Slogans dem nicht gerecht werden.
Andi Y.: Das sehen die Politiker mittlerweile anders (lacht).
Smudo: Das mag sein. Ich seh's aber so. In der Musik machen Slogans Sinn und Spaß. Ein Lied ist sozusagen eine vereinfachte, konsumierbar gemachte Gefühlsregung, die sich immer wieder aktivieren lässt. Deshalb ist es ein super Marketinginstrument, aber für eine komplexe Sache wie Politik? Das wird beidem nicht gerecht. Man begibt sich als Band auch in eine ernste Themenwelt, in der man sich nur Feinde machen kann. Ich habe mich selbst bei der Bundestagswahl für Rot-Grün engagiert, was ich nicht nur aus privaten Gründen getan habe. Ich hatte Angst vor Stoiber und seiner Gesellschaftspolitik. Da dachte ich mir, wenn du deine Position nicht ausnutzt, und der wird Bundeskanzler, ärgerst du dich Zeit deines Lebens. Natürlich hat Rot-Grün dann bei der Europawahl wieder angefragt, aber ich mache keinen Wahlkampf für die. Mir ging's speziell um Stoiber. Was ich sonst wähle, ist meine Privatsache.
Andy Y.: Wir haben auf der Platte aber ein Statement, mit dem wir quasi die ganze Politik abdecken und das quasi alles sagt: "Ich bin dagegen!" (lachen).
Um noch mal ans Älterwerden anzuknüpfen. Ihr schaut jetzt schon ...
Andy Y.: Ja, wir schauen schon ziemlich zerknittert aus der Wäsche.
Quatsch, ihr seht super aus, zum Verlieben sozusagen (lachen). Ihr beobachtet die Hip Hop-Szene schon seit über 15 Jahren, was denkt man, wenn man Acts wie Kool Savas, Sido, Melbeatz, Eko Fresh oder eure eigenen Signings wie Clueso hört?
Smudo: Im Großen und Ganzen ist es schön, dass sich die Szene etabliert hat. Ich selbst finde Aggro Berlin super.
Andy Y.: Ich bin auch Fan.
Smudo: Vor über einem Jahr hatten wir Kontakt und haben über ne Kooperation nachgedacht, mussten aber feststellen, dass die als Label jemanden brauchen, der ihnen Geld gibt. Den haben sie Gott sei Dank auch gefunden. Ich bin froh, dass es bei den Jungs klappt. Natürlich könnte man die Frage stellen, ob so eine gewaltbereite Jugendszene entsteht. Ich bin persönlich aber der Ansicht, dass es eine solche Szene gibt. Und man muss ihr eine kulturelle Artikulationsmöglichkeit geben, wie das beispielsweise Aggro Berlin macht. Die Gewalt ist eh da und du kriegst sie nicht weg, indem du die Artikulation verbietest. Viel besser ist, sich untereinander über die eigene Kultur auszutaschen. So kann die Gewaltbereitschaft eher gebremst werden - ich bin aber kein Politolge.
Fourmusic und Aggro wären also kompatibel?
Smudo: Das wäre der zweite Schritt gewesen. Ich weiß, es gibt Künstler bei uns, die damit nicht einverstanden gewesen wären. So weit kamen wir aber gar nicht, weil die ersten Gespräche einfach gezeigt haben, dass wir die falschen Partner gewesen wären. Es war übrigens sehr interessant, dass der Eric, der den Laden schmeißt, gesagt hat: "Du bist der erste Major, der sich meldet." Sag ich: "Ich 'Die Da!?!'-Popper bin der erste? (lachen)." Wie gesagt, diese Szene gibt es und eigentlich ist das popkulturell gesehen der einzig reelle, streetcredibile Entwurf von Hip Hop-Musik in Deutschland. Im Prinzip ähnlich dem Vorbild Frankreichs.
Andy Y.: Ich bin beispielsweise ein Sido-Fan, weil der mir ein glaubhaftes Bild vermittelt. Ich nehm ihm das ab. Das ist cool.
Smudo: Der Kölner Mittelstands-Szene, die mir was von Streetcredibility erzählt, kauf ich das nicht ab. Der kauf ich einen Mittelstandstext ab, den ich auch uns abkaufe. Bei uns finde ich zum Beispiel Clueso hammergeil. Der ist gerade einer meiner Lieblingskünstler. Der geht weg vom Rap und macht unglaubliche Texte. Seit er von Köln nach Erfurt zurückgegangen ist, geht da plötzlich was. Auf der anderen Seite find ich deutsche Rapmusik im Allgemeinen ... langweilig (lacht). Das war auch ein Problem, das wir bei den Überlegungen für unsere neue Platte hatten. Wir wollten herkömmliche Strukturen wie 'eine einfache Hook' oder 'Strophe, Refrain, Strophe, Refrain' aufbrechen.
Andy Y.: Ich finde das ganz normal. Wenn man alles, was besteht superklasse findet, woher soll dann die Motivation kommen, was eigenes zu machen? Und wenn man sagt, alles ist scheiße, dann muss man's natürlich besser machen.
Zum Schluss ein Blick in die Zukunft. Wenn sich der Rummel um's neue Album gelegt hat, gibt es dann noch irgend etwas, was Smudo, Andi, Thomas D. und Michi Beck unbedingt machen müssen, musikalisch vielleicht?
Smudo: Wir sind immer hin und her gerissen zwischen "Das ist unser letztes Album" und "Wir dürfen nie aufhören" (lachen). Nee, ehrlich keine Ahnung.
Andy Y.: Nö, eigentlich nicht. Eher andere Projekte. Ich würde gerne Fallschirmspringen lernen, damit ich bei Smudo immer mitfliegen und raushüpfen kann.
Smudo: Ich mach gerade den Pilotenschein. Also nur privates Tamtam. Viel weiter als die nächsten acht Wochen denken wir gar nicht (lachen).
Danke und viel Erfolg für's neue Album.
Das Interview führte Eberhard Dobler
Im Rahmen seiner Reflektor Falke-Tour und aus Anlass seines gerade erschienenen Soloalbums "Lektion In Demut" trafen sich die Laut-Mitarbeiter Dominik Kraus und Arne Brugger mit dem Fanta 4 Mitglied im Bahnhof Fischbach.
Eine richtige Rockshow präsentierten Thomas D und seine Mannen bei ihrer CD-Vorstellung im Bahnhof Fischbach am Bodensee: kaum Elektronik, dafür fette Gitarren und ein Sound, der weniger an die Fantas, als vielmehr an Dave Wyndorfs Monster Magnet erinnerte. Am Rande des Konzerts ließ sich Thomas D von LAUT befragen.
Hallo Thomas.
Grüß Gott. Wie läuft deine Tour bisher?
Gut. Sehr Gut. Wir sind auf jeden Fall im Lernprozess, man merkt jetzt schon nach zwei Tagen, dass es gestern schon besser war als vorgestern. Es war immer erfolgreich, aber es ist jetzt natürlich eine Umstellung. Mit der neuen Platte, mit dem neuen Sound und auch sonst hatten wir mit Fanta 4 mehr Lieder, wo man springen kann, und die Leute sind von Anfang an eigentlich gesprungen und jetzt ist es mehr Mucke, die man nach innen aufnimmt und wo die Leute sich nicht großartig bewegen. Aber der Applaus und der Zuspruch, den wir bekommen zeigen schon an, dass sie es gut finden, obwohl sie sich nicht bewegen. Dann denke ich mir "wieso bewegen die sich nicht, finden die das nicht gut?", aber es gefällt ihnen, und mir gefällts auch sehr, wir hatten gestern auch ab der Hälfte des Konzerts wirklich das Gefühl, Musik zu machen, also ein bewegendes Gefühl und das ist ja sehr erstrebenswert. Am Anfang war alles noch sehr theoretisch, also du hast etwas geübt. Dann hast du das erste Mal Publikum, dann ist das Feeling ein anderes, der Sound ist immer noch sehr schwierig für uns auf der Bühne, draußen ist er Gott sei dank sehr gut, so in Etappen arbeiten wir uns unserem Ziel entgegen, von Anfang an ein Gefühl zu schaffen und das dann auch den ganzen Abend zu halten. Was für eine Band hast du nun auf deiner Tour dabei? Die Band ist so ein wenig eine Allstarband. Es sind Caspar Brötzmann, der auch auf der Platte mitgewirkt hat, und And. Ypsilon dabei, mit einem Setup ähnlich wie bei den Fanta 4, also mit einem Sequenzer aus dem Sachen kommen, die wir nicht live umsetzen. Dann haben wir noch Ralf Goldkind dabei, der auch auf der Platte mit Andy (Ypsilon) als Produzent tätig war, der spielt Gitarre und Posaune, Bertill ist dabei, der gute Bertill Mark, der ja schon bei Fruit getrommelt hat und früher bei Headcrash und jetzt bei mir auf dem Mars (Anm. d. Red.: Eine Art Kommune in der Eiffel auf der Thomas D lebt) unser Studio Haus Erika Productions hat. Der Komi ist dabei, der ist MC- und Didgeridoo- UND Posaunespieler, ich spiele übrigens bei einem Stück auch Trompete, worauf ich ziemlich stolz bin, auch wenn ich mal den Ton nicht ganz treffe. (lacht) Dann haben wir noch Axel Hilgenstöhler, der bei Thumb Gitarre gespielt hat, und Florian "Watermelon Man" am Bass. Ich hoffe ich habe keinen vergessen. Es ist eine gute, eine sehr gute Besetzung, da das ja auch alle Proms sind, und die meisten hatten auch direkt mit der Platte zu tun.
Und geprobt habt ihr auf dem Mars?
Geprobt haben wir zwei oder drei Wochen und dann noch vier Tage auf dem Mars.
Jetzt mal zum Thema Reflektor Flake. Wie bist du denn auf die Figur des Reflektor Falke gekommen, und in welcher Hinsicht hat die Figur mit dir zu tun? Bist du der Reflektor Falke?
Reflektor Falke ist meine erschaffene Figur, die uns durch das Album geleitet. Er ist so gesehen eine Art Superheld oder besser ein Mutant, also einer, der besondere Fähigkeiten hat, ob er will oder nicht. Er besteht aus dieser Reflektion, er reflektiert also alles, was ihm entgegen gebracht wird, ob es Emotionen sind oder Strahlen, Gefühle, Vorurteile, egal, alles wird zurück gesendet. Somit nimmt er den Leuten die Maske ab und hält ihnen einen Spiegel vor, lässt sie gleichzeitig sehen wer sie wirklich sind.
Wie Till Eulenspiegel ?
Ja genau, der Hofnarr, der die Wahrheit sagen darf, solange über ihn gelacht wird, wenn nicht, kostet es ihn den kopf. Und in so einer ähnlichen Funktion ist er unterwegs. Er kann den Leuten zwar die Wahrheit sagen, aber wenn sie es nicht hören wollen oder nicht darauf eingehen, kann er auch nichts verändern, es liegt ja an einem selbst, sein Leben zu verändern. Ich hab auf der Platte ein ziemliches Endzeitszenario geschaffen, um Gefühle deutlicher rüberzubringen, um krasser die Trennung zwischen hell und dunkel oder Held und Bösewicht zu ziehen, damit jedem klar wird, ob er ein Bösewicht ist, oder zum Held seines Lebens werden kann. Mit mir hat das Ganze deshalb zu tun, weil es meine Gedanken über diese Welt sind, nur eben in Metaphern oder vor der Kulisse des cineastischen Soundtracks dieser Comicwelt. Aber auch ich bin ein Mensch, der versucht, den Menschen durch meine Texte die Augen zu öffnen, die Masken abzunehmen oder ihnen einen Spiegel vorzuhalten, bin aber natürlich darauf angewiesen, dass die Leute meine Musik trotzdem gut finden und trotzdem hören, weil sonst komm ich ja auch nicht an. Es mischt sich ziemlich genau an dem Punkt, Reflektor hat auch nur das Wort als Waffe und es trennt sich dann wieder, dass er durch seine Reflektion immer richtig liegt, während meine Reflektionen natürlich meine Meinung sind, es ist klar, dass ich nicht unfehlbar bin, wie es mein Comicheld ist. Helden irren sich natürlich nicht.
Das Album heißt ja "Lektion In Demut". Wieso? Braucht die Menschheit Lektionen in Demut?
Der Titel ist sehr hochtragend, vielleicht relativ heftig. Der Arbeitstitel lautete "König Der Narren", aber "König Der Narren" war mir für das Album, als es fertig war und mit den Zeichnungen von Gabriele Del Otto, ein fast schon zu lustiger Titel. "Lektion In Demut" ist ja auch ein Titel auf der Platte, und dort bekommt der Reflektor Falke seine eigene Lektion in Demut, d.h. er hat angefangen, über die Welt zu urteilen, er hat vielleicht erkannt, was vermeintlich schlecht ist, aber man kann die Welt nicht retten, indem man sagt "Ihr seit schuld und ihr macht dies falsch und das falsch", man kann die Welt nur retten, indem man bei sich selbst anfängt und sich selbst verändert und seine eigene Einstellung zur Welt ändert, und das ist die Lektion in Demut die unser Held bekommt. Gleichzeitig ist, glaube ich, eine Rücknahme des Egos heutzutage schon angebracht, weil wir uns ja schon viel leisten können und sehr viel machen, ohne dass es uns sofort betrifft. Und alles kommt zurück, das wissen wir, deshalb müssen wir aufpassen und darum ist die Demut einfach ein bisschen mehr Sorge tragen für sein Umfeld, mehr Verantwortung für die Dinge, die man tut und nicht tut.
Kann man das auch als Kritik an unserer Spaßgesellschaft verstehen?
Ja genau !
Alles ist erlaubt.
Ja genau, es wird viel entschuldigt oder einfach gemacht, weil der einzelne Mensch denkt, dass er eh nichts verändern kann, aber genau dadurch ändern Menschen ja etwas, indem sie in ihrem Leben etwas ändern, und dieses "wenn andere ihren Müll in den Wald werfen dann kann ich meinen Müll auch in den Wald werfen" zählt einfach nicht. Ich habe meinen Spaß überhaupt nicht verloren, aber mein Spaß hört dann auf, wenn er auf Kosten anderer geht. Über Späße auf Kosten anderer kann ICH nicht lachen! Ich habe mich bei der Platte auch bewusst in diesem Bereich des Wachrüttelns oder der Kampfansage gehalten, also es gibt auf der Platte kein Sommerhit, nachdem ich schon gefragt wurde.
Auch die Musik ist ja eher düster !
Ernsthaft.
Hat das etwas mit dem Thema zu tun?
: Ja, das ist genau auf das Thema bezogen. Die Platte ist ein Film, ein Trip, und es wird auch danach wieder lustige Sachen geben, aber momentan ist es wichtiger, zu sagen "entscheide dich, entscheide dich jetzt, wohin dein Leben geht und was sie von dir erzählen werden, wenn du nicht mehr da bist" also es hält sich bewusst da auf. Ich wollte da mal einen Nagel reinhauen, nach Liedern wie "Krieger" und "Millionen Legionen" oder auch "Liebesbrief", wo ich durchweg positiv zu diesem Bewusstsein aufrufe.
Was auch musikalisch positiv ist.
Ja, da war And. Ypsilon schon maßgeblich beteiligt und das hat sich ja auf der Platte auch fortgesetzt, dass ich ihn neben Ralf als generellen Produzenten genommen habe. Nachdem meine Texte nicht so lustig waren, haben sie sich auch stimmungsmäßig darauf eingelassen und haben natürlich einen dementsprechend ernsten, mächtigen, cineastischen, dunklen Soundtrack geschaffen.
Gibt es für sich so etwas wie musikalische Einflüsse, die dich für dieses Album inspiriert haben, und was hörst du zur Zeit für Musik? Etwa Country?
(lacht) Nein, nur weil ich auf dem Land lebe, höre ich noch nicht Country-Mucke. Gut, ich höre nach wie vor Monster Magnet tagaus tagein, sofern ich Gelegenheit dazu habe, oder etwas Ambient zum runterkommen, ruhigere Musik ohne Text. Aber Monster Magnet hat mich textlich schon immer sehr beeinflusst, bewegt oder inspiriert. Aber musikalisch könnte ich es mit nichts vergleichen, ich habe versucht, etwas Neues, Eigenes zu schaffen, mit den Musikern, aber auch mit dem Computer. Wenn man Kritiken liest, in denen es heißt, Synthis spielen düstere Klänge, ist das falsch, da kein einziger Synthi auf der Platte verwendet wurde. Es sind alles echt Instrumente, die dann über den Computer wieder in etwas Neues generiert wurden, weil wir oder vor allem der Andy wollten, dass die Emotion des Musikers oder die Seele des Instruments auf jeden Fall erhalten bleibt. Es sollte nicht so ein technisch verkopfter Kram werden, sondern dass nach wie vor die Emotion da ist.
Wie ist die Arbeit an einem Soloalbum, wenn man sie mit der in einer Band vergleicht? Ist es befreiend, wenn man mal das machen kann, was man will und wo man zu 100 Prozent dahinter steht?
Ja, man muss aber immer Kompromisse eingehen, wenn man etwas mit Musik macht. Die Musik entstand ja auch hauptsächlich unter drei Leuten, aber auch die ganzen Musiker, die einen Input lieferten und es wieder in eine neue Richtung lenkten und eine neue Farbe beigaben, deshalb ist es immer ein gemeinsames Produkt. Aber natürlich hatte ich textlich und von der Vision völlige Freiheit, und das ist auf jeden Fall ein Austoben, auf der anderen Seite lasten die ganzen Kritiken genauso wie die Fans auf meinen Schultern, und dies alles kann ich nicht durch vier teilen, was manchmal auch ein wenig anstrengend ist, weil alles doch wieder zu Thomas D zurück kommt. Ich muss das alleine ausbaden, weil keiner sagen kann "And. Ypsilon hat Scheiß produziert".
Sag mal was zu den Gastmusikern Caspar Brötzmann ist dabei und......
Jaki Liebezeit
... ist von Can.
Ja, ist ein großer Name.
Wieso gerade die? Sind das Helden ?
Ja, das sind echte Helden, die Jungs sind echt shanti drauf, dezent, und machen überhaupt kein Ding. Caspar ist ein sehr großer Künstler, das merke ich jetzt auch mit ihm auf der Tour. Auch wie er Musik beschreibt und das alles sieht, ist wirklich sehr seelenvoll, da geht es einfach um so Sachen, wie wenn er sagt "es geht darum spürbar zu bleiben" das drückt genau das aus, worum es mir auch geht und zeigt, dass wir an der gleichen Front kämpfen und wir beide da gut aufgehoben sind. Und Jaki ist ja auch schon ein bisschen älter, ich weiß gar nicht so genau wie alt, aber ich glaube 58.
Ralf Liebezeit : 59
Ah, ja ich dachte mir ja, er ist schon fast 60. Er ist ein sehr ruhiger Mansch und sehr bedacht, spielt sehr reduziertes Schlagwerk, zumindest bei den Aufnahmen, aber das ist unglaublich, wie tight der Typ ist, wie genau, und welches Verständnis der für Takte und auf Zwischenräume und Groove anwendet, und wie er das dann auch spielt, das war echt ein Erlebnis. Ich habe noch nie jemanden so Schlagzeug spielen gehört wie ihn, obwohl er nicht mehr gemacht als boom und zack.
Gab es irgend jemand, den du gerne gehabt hättest, der aber keine Lust oder Zeit hatte?
Nein, ich habe mir ja sogar meinen großen Traum erfüllt, mit Dave Wyndorf, dem Sänger von Monster Magnet zusammenzuarbeiten, der auch auf zwei Liedern vertreten ist. Das war schon der letzte große Traum. Die Arbeit mit Caspar und Jaki wer relativ kurzfristig und bei Dave hat es sich ja schon lang angebahnt, ich habe ihn dann auch Gott sein Dank getroffen. Er hatte sogar Lust darauf, auf Deutsch zu singen, was für mich total abstrakt war, obwohl ich eher daran gedacht habe, seine Gitarren zu nutzten. Aber als die Platte dann soweit gereift war, war klar, dass das alles ein Sound wird und wir keine andere Band spielen lassen können, dann kam ich zu dem Gedanken, ihn wirklich auf Deutsch singen zu lassen, und er hat das auch schön gemacht. Das war wirklich mein letzter Traum, mit ihm zusammenzuarbeiten. Sonst gibt es da niemanden, der mir einfällt, mit dem ich mal etwas zusammen machen will.
Was sagt Dave Wyndorf denn zu solch einer Musik?
Der fand es gut, er fand es auch mutig. Also, ich habe ihm nur ein Demo vorgespielt und meine Texte auf Englisch übersetzt, und das fand er alles ziemlich gut und hatte echt Bock drauf. Er hat mir auch gedankt für die Zusammenarbeit, was mich sehr geehrt hat, weil es mein Vorbild ist und ich muss ja dankbar sein.
Mal zum Thema Internet, hältst du es für einen Segen oder deinen Fluch?
Internetmania?!
Ja, genau das meinte ich.
Ich finde das Super!
Bist du im Internet?
Nein (lacht), quasi nie, dennoch finde ich dieses Feld super, weil die Möglichkeit besteht, Informationen direkt zu bekommen, und nicht mehr alles über eine dritte Person geht, die das auch verfälscht haben kann. Und der Künstler hat die Möglichkeit, sein Statement klar zu machen und seine Sicht der Dinge noch hinzuzufügen zu dem Bild, das in den anderen Medien wie Zeitungen zu sehen ist. Gleichzeitig ist das Internet auch für Leute, die etwas wissen wollen und sich nicht nur berieseln lassen wollen, die auch etwas tun wollen, mehr als nur das Fernsehen anzuschalten. Das ist eine gute Sache.
Ist im Internet nicht auch die Gefahr, dass die Menschen die virtuelle Welt gegen die Reale austauschen?
Diese Gefahr besteht doch auch beim Fernsehen. Es kommt darauf an, wie man es nutzt. Auch bei Videospielen besteht diese Gefahr, wenn die Kids sich gegenseitig auf dem Bildschirm killen, ist das auch nicht toll. Da denke ich mir auch, dass das die Kids sicherlich nicht positiv beeinflusst. Aber es muss jedem selbst überlassen sein, wie er das nutzt, und mir geht es so, dass ich mich jedes Mal verirre: irgendwann sehe ich eine Blondine mit zwei Riesenbrüsten, die sagt "klick hier", und dann bin ich auf Seiten, die meinen Computer zum Abstürzen bringen, das frustriert dann total. Aber mit dem Mars gehen wir natürlich auch ins Netz.
Wie wird die Adresse sein ?
Das würde ich auch gerne wissen, wir sind noch am suchen, weil Mars an sich geht natürlich nicht, aber marslive oder marsnetz, ich muss da noch mal nachfragen.
So das war’s schon, vielen Dank.
Gern geschehen.
Das Interview führten Dominik Kraus und Arne Brugger.
Viel (Live) (2005), Best Of 1990-2005 (2005)
Live Und Direkt (1996)
MegaVier (1994), Die Vierte Dimension (1993), Vier Gewinnt (1992), Jetzt Geht's Ab (1991)
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